Von Wien nach Tulln über Baden und zurück geht die Warm-up Tour von derGlu. Als Spielgefährten treffen der Pharaonensohn und wosiis ein.
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Warm-Up Tour |
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Etwas abseits wandelt Socia auf astronomischen
Spuren. Was als Sternfahrt beginnt, wird auch als solche enden. Der
Pharaonensohn und ich treffen uns in Wien, wosiis startet in Linz. Als
Treffpunkt ist ein Café in Tulln vereinbart. Von Wien aus führt uns der
erste Weg zur Dopplerhütte. Erste Zigarettenpause am Parkplatz. Der
Pharaonensohn philosophiert darüber, dass der Wirten am Samstag
geschlossen hat, bis ich ihn aufkläre. Am Parkplatz schleift sich neben
uns eine MV Augusta ein. Der Pilot ist in Jeans gekleidet, dazu ein
Winterjäckchen mit Kapuze und flauschigem Pelzrand. Wenn das kein Zeichen
ist, dass wir abhauen sollten...
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Von der Dopplerhütte nach Königstetten
geht es mitunter recht rutschig zu. In einer Kehre zieht es mir unangenehm
den Hinterreifen weg. Immer wieder zieren kleine Rinnsale den Weg. Aber
wir sind ohnedies sehr vorsichtig unterwegs. Es ist mein erster Tag auf
einem Motorrad ohne Vollkasko. In Tulln angekommen, setzen wir uns an
einen Tisch im Freien und bestellen einen Cappuccino in dem mit wosiis
ausgemachten Café. Und schau einer an, nur wenige Tische weiter hat sich
Socia eingefunden. Sie fährt aber schon wieder los, noch bevor wosiis
anruft und fragt, wo wir denn blieben. Er hatte am anderen Ende des
Hauptplatzes ein verkommenes Gasthaus gefunden, das Kaffee der gleichen
Marke anbot, wie das von uns definierte 1. Haus am Platz. Der Herr wosiis
zieht ein ziemliches Schnoferl, als wir ihn sehen. Als er sich, bevor er
mich anrief, an den Tisch setzte und seine Zigaretten aus dem Rucksack
nehmen wollte, entdeckte er, dass der Rucksack schon offen ist und sich
die Zigaretten mit dem Geldbörsel und den Papieren irgendwo zwischen Linz
und Tulln alleine einen schönen Tag machen. Während wir noch eine Tasse
von der braunen Brühe trinken - nichts anderes war es - sperrt wosiis
seine Kreditkarte.
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Wir verlassen Tulln über den Riederberg. Wosiis legt
die 10er Kawa bei jeder Gelegenheit aufs Knie und lässt mich ziemlich alt
aussehen. Ich versuche nicht einmal, an ihm dranzubleiben. Keine Chance.
Dass ich so ledere, liegt aber nicht daran, dass in meinem Hinterkopf
sitzt, dass die Vollkasko seit heute ausgelaufen ist, sondern dass ich der
größte Nudler unter der Sonne bin. Der Pharaonensohn hält sich, mit
reichlich Sicherheitsabstand, dezent im Hintergrund. Wenn ich bloß sehen
könnte, ob er gähnt oder lacht. Kann sein, dass er eingeschlafen ist?
Den Tulbingerkogel müssen wir leider auslassen, weil wosiis zu einem
Termin südlich von Wien muss und schon überfällig ist. Also nehmen wir
die direkte Route nach Wien, was eigentlich ein Verbrechen ist. In der
Stadt staut es sich. Wir drei schlängeln uns durch, um uns an jeder Ampel
entnervt anzusehen.
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Das kann wirklich nichts. In Perchtoldsdorf gondeln
wir einmal durch den ganzen Ort. "Ich war schon einmal da, wo wir
hinmüssen, aber ohne Navigationsgerät weiß ich nicht, ob ich da wieder
hinfinde." Funktioniert dann aber eh. Der Pharaonensohn und ich
lassen den wosiis zurück und fahren weiter nach Baden bei Wien.
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Noch vor
der Ortseinfahrt finde ich ein nettes Lokal. In großen roten Lettern
steht "Bar" über der Tür und im Eingang hängt anscheinend das
Bild der Kellnerin. Diese dürfte in recht ärmlichen Verhältnissen
aufgewachsen sein, weil es ihr an einer schönen Schürze zu mangeln
scheint. Der Pharaonensohn verweigert mir den Zutritt zum Lokal und
schwafelt etwas von seiner Frau und der großen Liebe. Ich versuche kurz
auf patschert zu intervenieren, aber keine Chance. Ich ginge ihm schwer
auf den Sack, sagt der Pharaonensohn und wir gondeln weiter. Es dauert
auch nicht lange, bis sich ein kleiner Junge mit uns anlegt. Er will uns
auf seinem Quad herbrennen. Er nimmt die Abkürzung über den Gehsteig,
reiht sich an der Ampel als Erster ein und bis wir den Kreisverkehr
erreichen, ist der kleine Schießer schon nicht mehr zu sehen.
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Baden ist
recht pittoresk. Schöne und stattliche Häuser zieren die Straßen. Die
Kurstadt Baden wirkt aufgeräumt und sauber. Den Namen Kurstadt hat Baden
vermutlich vom Kurfürsten. Das Leopoldsbad ist ebenfalls nach ihm
benannt. Markgraf Leopold der Heilige Kurfürst Friedrich August von
Sachsen ist hier 1697 zum Katholizismus übergetreten. Das Portal des
Leopoldsbades wirkt aber zierlich gegen die mächtige Römertherme, die
sich im Hintergrund auftut. Wo viel Licht, da viel Schatten. Folglich
wimmelt es an diesem sonnigen Tag nur so von Kurschatten. Die meisten
Menschen in Baden scheinen Gäste zu sein und die Lebensmitte schon weit
hinter sich zu haben. So passen ihre Gesichter perfekt zu den Fassaden aus
vergangenen Tagen. In Baden sind die Häuser alle schön restauriert - aus
Wiederherstellungsgründen kommen wohl auch die vielen betagten Gäste.
Wir verlassen die Zeitmaschine Baden - wir kommen uns um Jahre jünger vor
- ohne den Park rund ums Schloss zu besuchen. Der Pharaonensohn will mir
noch die Weinstraße zwischen Baden und Mödling zeigen. Allein
Gelegenheit, in die Gegend zu schauen, bleibt mir keine. Ich versuche
verzweifelt dranzubleiben, aber keine Chance. Im nächsten Ort wartet der
Pharaonensohn schon Finger trommelnd auf mich. Am Weg nach Mödling wird
noch schnell eine BMW gerichtet, bevor wir zu einer kleinen Raststation
fahren, um etwas zu trinken. Wir haben gerade den ärgsten Durst gelöscht
und die ersten Flunkergeschichten angefangen zu erzählen, als mein
Mobiltelefon uns unterbricht.
Es ist die Socia. Der werte Leser erinnert
sich an die Kehre von der Dopplerhütte runter, bei der mir das Hinterrad
davonging? Genau in jener Kurve wollte die Socia wissen, ob sie das Zeug
zum Star hätte und hat einen Stern gerissen. Die erste Kurve am Knie -
und dann scherten auch gleich Auspuff und Lenkerendgewicht. Zum Glück ist
der Socia nicht allzu viel passiert. Das Knie ist zwar abgeschürft, aber
soweit funktionstüchtig. Nach mir zu treten, würde ihr keine
Schwierigkeiten bereiten. Die Yamse ist auch soweit in Schuss, dass sich
eine Heimfahrt ausgeht. Meinen Begleitschutz verweigert die Socia - dabei
bin ich eh mit Spiegelvisier unterwegs. Trotz der Tatsache, dass der Sturz
glimpflich verlaufen zu sein scheint, brechen wir geschockt auf, um das
Heimatliche aufzusuchen.
Noch bevor mir die Socia mitteilen kann, dass sie
gut zu Hause angekommen sei, ruft mich der Pharaonensohn an. Er stehe an
der Tankstelle. Ohne Geld, ohne Geldbörse, ohne Papiere. Ein Glück für
mich, dass er beim Wirten noch für uns beide bezahlen konnte, denke ich.
Erst in der Wohnung merkt der Pharaonensohn erleichtert, dass er seiner
Geldbörse nicht in wosiis-Manier Ausgang gegeben hat, sondern sie
schlicht daheim vergessen hatte. Das war ihm aber nicht aufgefallen, weil
er ein paar Geldscheine extra in eine schnell erreichbare Tasche gesteckt
hatte. Für die nächste Tour mit diesen Chaoten werde ich wohl eine
Checklist anlegen müssen, die jeder bei einem Stopp ausfüllen muss.
Hoffentlich vergesse ich dann nichts.
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