Unterwegs auf Schienen, Straßen und Wassern mit der Triumph Street Triple
Sardinien mit der Street Triple
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Sardinien ist nicht Italien, oder? |
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Der Winter war
lang & kalt, der Frühling wollte und wollte nicht kommen. Wir flüchteten
auf die Insel. Der Entschluss war
schon lange vorher gefasst worden: Wir fahren im Frühling nach
Sardinien. Dann, wenn’s bei uns noch saukalt und kahl, dort schon bacherlwarm und blühend ist. Wie zur Bestätigung hat’s ja dann zu Ostern
geschneit (dass Pfingsten verregnet sein würde, ahnten wir bereits). Im
Vor- und im Nachhinein gesehen war’s eine weise Entscheidung.
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Dann, wenn’s bei uns noch saukalt und
kahl, dort schon bacherlwarm und blühend ist. Wie zur Bestätigung hat’s ja dann zu Ostern
geschneit (dass Pfingsten verregnet sein würde, ahnten wir bereits). Im
Vor- und im Nachhinein gesehen war’s eine weise Entscheidung. Um bei der
Alpenüberquerung Frostbeulen und Reifenglatzen vorzubeugen, ließen wir
das Kapitel Autobahn-Anfahrt aus und reisten per Autoreisezug nach
Florenz. Die restliche Wegstrecke über Land(-Straßen) und Wasser war da
nur noch eine Fingerübung. |
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Freitag: |
Das Telefon
klingelt: „Also, eins sag’ ich dir: Ich zieh das Regengewand nicht an,
wenn ich zum Bahnhof fahre!“ Christian klingt sauer, angefressen. Ein
Blick aus dem Fenster bestätigt: Es schifft schon wieder. Zum Südbahnhof
ist es zwar nicht weit. Aber weit genug, um durch und durch nass zu
werden. „Ich zieh’s auch
nicht an“, stimme ich zu. Packe das Regenzeug sicherheitshalber ganz
oben in die Gepäckrolle und marschiere mit Helm, Rucksack, Tasche und
Gummispannern zur Street Triple (der ich vorher schon vorsorglich den
Popo transparent abgeklebt habe, damit die apfelgrünen Backen keine
Kratzer kriegen).
Ich habe Glück.
Die Streety muss den Regen nicht kosten. Just als ich sie aufzuzäumen
beginne, hört es auf zu pieseln. Und bis das Zeug verstaut und die
kleine Grüne gefüttert ist, ist der Asphalt sogar ziemlich trocken. So
bleibt es auch während der Viertelstunde, die’s zum Südbahnhof braucht.
Kaum rolle ich bei der Verladestelle vor, ändert sich das wieder
schlagartig.
Langsam trudeln
die anderen ein, drei neue und ein „alter“ (aber nicht ganz alter
kantiger) Tiger, eine Speed Four, eine 1200er-BMW Adventure und eine
1000er-V-Strom. Außer uns kommen noch viele, viele weitere. An die
sechzig Eisen. Auffallend ist die Marken-Verteilung: An die fünfzehn
BMWs, eh klar, die kommen zum Teil im Vierer-Pulk. Dazu insgesamt gut
zehn Triumphs, mindestens ebenso viele Kanten. Auch ein ansehnliches
Harley-Geschwader geht an Bord. Der Rest verteilt sich auf alles
mögliche andere. Bemerkenswert: Ganze zwei Autos fahren – im ersten
Stock – mit.
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Eingespannte Street Triple:
Wien-Florenz mit dem Auto-Reisezug erspart Autobahn-Ödnis, Frostbeulen
und Reifenglatzen. |
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Die Verladerei
geht schnell von der Hand, um 19 Uhr sind die Bikes fertig verzurrt.
Abfahrt ist um 21 Uhr. Die Wartezeit versüßen wir uns mit dem Einkaufen
von Proviant – festem & flüssigem. Diese Vorsorge tut Not. Denn auf
diesem ÖBB-Kurs gibt’s zwar mehrere Liege- aber keinen Speisewagen.
Könnt man ja ein G’schäft machen. Immerhin gibt’s die Aussicht auf ein
Frühstück. Um sechs.
Als der Zug
losfährt, sind einige Mitreisende bereits ziemlich lustig. Ein Trupp
Steirer-Men besonders. Die singen schon vor dem Semmering. Nicht, dass
wir uns nicht auch das eine oder andere Bier eingefüllt hätten. Als
Sedativum. Die Liegenwagen-Liegen sind so konstruiert, dass man immer
irgendwie bergab liegt, egal, ob man mit dem Kopf beim Fenster oder bei
der Tür liegt, die Polster sind so „groß“ wie Nadelkissen, und
schlingern tun die Waggons auch noch ordentlich. Aber immer noch besser,
als sich den Popo abfrieren und dabei mobil duschen.
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Samstag: |
Die Schaffnerin
ist pünktlich. Um sechs gibt’s staubtrockene Kipferl, die mit Butter
auch nicht geschmeidiger werden, und ich begehe einen schweren Fehler:
Ich bestelle Kaffee. Der ist nicht mit Worten zu beschreiben. Aber die
fast pünktliche Ankunft knapp nach sieben Uhr in Florenz verheißt: Bald
gibt’s echten italienischen Caffè! Zuvor
aber klauben wir uns zusammen und wechseln den Bahnsteig, um unsere Mopetten vom Zug zu holen. Das
Wichtigste jedoch: Der Himmel ist blau, keine Wolke ist in Sicht, die
Temperaturen sind sehr anständig.
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... und das um 7 Uhr früh ! |
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Fünf Grad und Regen in Wien,
fünfzehn Grad und Sonnenschein in Florenz ... |
Nach einer halben
Stunde haben wir abgeladen und aufgepackt. Hier teilte sich die Truppe.
Die einen schlugen sich in die Berge, um sich vor der Nachtfähre nach
Sardinien in den toskanischen Hügeln zu verlustieren, wir fuhren zu
zweit direttissima aus Florenz raus – was gar nicht einfach ist. Zum
Glück schlafen die Florentiner am Samstagmorgen lang, es war so gut wie
kein Fahrzeug-Verkehr. Auf der Autobahn enterten wir die allerallererste
Raststätte. Frühstück. Zwei doppelte kurze Espressi, je ein Croissant.
Das gab Kraft, trotz der nicht unbedingt schlafreichen Nacht, für die
lächerlichen siebzig Kilometer nach Livorno. Wo wir zuerst ein bissl im
Fährhafen umherirrten, aber bald die nächste Kaffee-Tankstelle fanden.
Heiß war’s inzwischen geworden. Unsere blassen Winterhäute zogen die
erste Röte auf.
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Das Fährschiff lief fahrplangemäß ein, wir starteten die Motoren, um
das Boot zu entern. Doch halt! Der Scanner akzeptierte mein Ticket
nicht, sprich, er konnte den Barcode nicht lesen. Moderne Zeiten halt.
Früher gab’s eine richtige Fahrkarte, jetzt einen Computer-Ausdruck. Ich
schob meine Grüne aus dem Weg, rannte ins Hafenbüro und regte mich auf.
Unnötig. Zwei Minuten später hatte ich ein neues Ticket, und konnte
endlich in den Bauch des Schiffes fahren, wo Christians Tiger schon fest
verzurrt an der Bordwand lehnte. Selber anbinden durfte ich die Streety
nicht, das macht nur der Matrosen-Meister. Aufs Fotografieren reagierte
er unwirsch. Jetzt regte ich mich aber nicht auf. Bin auf Urlaub.
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Im Fährhafen von Livorno fädeln sich Mopeds, Autos,
Autobusse und Lkw brav neben- und hintereinander auf. |
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Dolce far niente für alle: für die Streety und die Fahrer.
Das Meer blieb – eher ungewöhnlich für die Jahreszeit – spiegelglatt. |
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Bis Korsika sind’s vier Stunden. Wir setzten das schon im Hafen
geübte Dolce far niente an Deck fort, die Aussicht genießend, schauten
lang einfach ins Blaue, aufs Meer und in den wolkenlosen Himmel. In
Bastia angekommen waren wir nach zehn Minuten startklar und gingen die
rund 200 Kilometer nach Bonifacio einigermaßen forsch an. An der
Ostküste ist außer Dörfern und Feriensiedlungen wenig zu sehen, erst
tief im Süden geben Straßenverlauf und felsige Küstenlandschaft etwas
her. Die Route Livorno – Bastia – Sta. Teresa di Gallura an der
Nordspitze Sardiniens statt der direkten Fähre Livorno – Olbia hatte ich
schon zwei Mal erfolgreich angewandt. Was ich aber diesmal nicht
einkalkuliert hatte war, dass da jeweils Sommer war und es ziemlich
lange hell ist. So früh im Jahr ist es aber natürlich nicht so.
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Und so kamen wir
in fortgeschrittener Abenddämmerung in Bonifacio an. Das mir bereits
bekannte Hotel mit dem vielsagenden Namen „l’Etranger“ war seit einer
Minute ausgebucht. Hätten wir vorbestellen sollen. Eine Erfahrung, die
wir nicht nur dieses eine Mal auf dieser Reise gemacht haben, wie sich
zeigen wird. Um kein Drama daraus zu machen, empfahl uns die Wirtin das
Hotel „La Trama“, etwa zehn Minuten von Bonifacio entfernt. Dort bekamen
wir alles, was man für die Nacht braucht: Dusche, Abendessen, Bett. Eine
Gruppe sardischer Eisenreiter war auch da. Die waren in die
Gegenrichtung unterwegs. Nach Österreich - Na dann, viiiel Spaß!
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Stille Idylle um sieben Uhr in der Früh, vor der
Abreise.
Zum Baden wär’s ohnehin noch zu kalt gewesen, im Wasser und an
der Luft. |
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Sonntag: |
Die erste Fähre
von Bonifacio nach Santa Teresa di Gallura legt um 8.30 Uhr ab. Wir
waren, nach einem hastigen Frühstück, schon um halb acht da. Alleine.
Für eine halbe Stunde lang. Dann erst trudelten langsam ein paar weitere
Passagiere ein. Noch fehlte uns offenbar die südländische Gelassenheit.
Die wir in der knappen Stunde Überfahrt aber übten. Zumal die
Temperaturen zwar noch kühl, das Wetter aber strahlend schön war. Das
Meer allerdings war heute ein bisserl aufgeregter.
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Morgenstund’ hat Gold im Mund, vor allem an einem Sonntag.
Wer zu früh
dran ist, der hat viel mehr Zeit zum Schauen. |
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Mit diesem schmucken Schiff schippert man nach
Sardinien.
Draußen war dann das Meer nicht mehr so ruhig wie im Hafen. |
Und dann:
Sardinien! Fürs Erste promenierten wir an der Costa Smeralda entlang,
erkundeten die Straßen am Golfo di Arzachena, inhalierten den Duft der
Macchia, der üppig blühenden Mimosen, des Rosmarins, der hier überall
wächst und wuchert wie Unkraut. Und dann noch: Der perfekte
Sardinien-Cocktail: Griffiger Asphalt, geile Kurven, blaues Meer, grünes
Land, kaum Verkehr und – Wärme! Die Fleece-tshirts wanderten in die
Gepäckrolle. Bei Mulino di Arzachena klinkten wir uns in die SS 125 ein.
Zwecks beschleunigten Weiterkommens. Wir hatten noch ein gutes Stück Weg
vor uns, insgesamt an die 300 Kilometer.
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Die Fahrt durch Olbia war kurz und bündig. Hier schlägt immer noch die
Sonntagmorgen-Schläfrigkeit zu. Leider waren auch die meisten Cafés noch
geschlossen. In San Teodoro, wohin wir noch zurückkommen würden, löste
sich aber auch dieses „Problem“. Nach der Kaffee- und Kipferl-Aufnahme
gingen wir die nur zum Teil spannende Strecke, immer an der Küste
entlang, an. Aber die "neue" Schnellstraße ließen wir verächtlich
links (vielmehr rechts) liegen.
Sehenswert sind
die Marmor-Steinbrüche am Golfo di Orosei. Da ist eh nix mit heftig
umlegen, die Fahrbahn ist kilometerlang fein-verstaubt, doch der
Ausblick auf die von weiß bis dunkelrot gefärbten Steine entschädigt
reichlich. Danach wird es schließlich sowieso kurvig spannend, bei der
Anfahrt auf Dorgali, ein malerisches Nest, das hoch oben am Monte Sant’Elena
klebt. Von da aus kann man einerseits zur Cala Gonnone kurven und mit |
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Gelandet! Und der Asphalt ist trocken, griffig und fein. |
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dem Meeresstrand Kontakt aufnehmen, andererseits weiter südwärts
über Genna Silana, Genna Cruxi, Genna Ramene und Genna Coggina berg- und
talwärts schwingen. Wir machten beides, begegneten den anderen, die in
aller Herrgottsfrüh von der Fähre Livorno – Olbia gerollt waren. Nach
einer Kaffee-, Kuchen- und Zigarettenpause fuhren wir wieder unserer
eigenen Wege.
Ich hatte ich mir
eingebildet, dass unser erstes Domizil, genannt „Domus Dejanas“ in San
Vito zu finden wäre, weil ich es beim Surfen im Internet aufgespürt
hatte. Nach der erfrischenden Kurven-Etappe sputeten wir uns, immer
weiter auf der SS 125, um dorthin zu kommen (von San Vito ist es nicht
mehr weit zur Südspitze Sardiniens, San Stefano bei Villasimius). Und es
gibt da tatsächlich ein Hotel namens Domus Dejanas. |
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Der Verkehr ist so früh in der Saison recht dünn. |
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Pfadfinderisch begabt, wie wir sind, machten wir es schnell ausfindig. Es ging über
verschlungene steile Eselspfade durch Weingärten hoch hinan zu einem
ansprechend hübschen Anwesen. Nur, dass die von einer Reservierung für
eine größere Gruppe keine Ahnung hatten. Ich versuchte, das mit den
anderen telefonisch abzuklären. Sinnlos! Die sitzen ja auf dem Bock und
haben was Geileres zu tun, als abzuheben.
Fürs erste
verließen wir dieses Domus Dejanas, verordneten uns eine Nachdenkpause
am Meer. An der Promenade von Porto Corallo gibt’s genug Gastgärten, die
meisten mit Motorrädern vor der Tür. Nachdem uns das mit dem Quartier in
San Vito ziemlich komisch vorkam, beschlossen wir, wieder nordwärts zu
fahren. Bis Bari Sardo fürs Erste und uns dort eine Bleibe zu suchen.
Die Dämmerung dräute heran, der Sprit ging zur Neige. Keine Tankstelle
in Sicht. Deshalb nahmen wir jetzt doch die Schnellstraße. Meine kleine
Grüne ist zwar genügsam, aber nach 250 Kilometern verlangt sie nach
einer Sprit-Befüllung.
In Bari Sardo
angekommen, war’s schon ziemlich duster. Wir wollten nur noch in
irgendein Hotel. Christian übernahm die Führung, er hatte ein vielsprechendes, aber namenloses Hinweisschild auf eine Herberge
entdeckt. Es blieb das einzige für die nächsten Kilometer. Die Gegend
wurde immer entrischer. Schließlich kehrten wir um, zurück nach Bari
Sardo und dann ein Stück weiter in Richtung Tortolì. Plötzlich vibrierte
es in meiner Jackentasche. SMS: „Unser Hotel Domus Dejanas ist in Torre
di Bari“. Das war – und ist dort - wo wir umgedreht hatten. Nur noch ein
paar Kurven weiter.
Wir trudelten
endlich ein, schon im Finsteren. Noch bevor ich mich Zimmer-mäßig
orientierte, orderte ich ein Erleichterungs- und ein Entspannungs-Bier.
Zum Abendessen gab’s die berühmten Maloreddus und Gnocchetti Sardi –
sardische Pasta-Variationen. Und Mirto zum Abschluss. Aber nur einen.
Zeitig aufstehen stand auf dem Programm. Um nicht zu tief in
Urlaubsstimmung zu verfallen, hatte ich mir nämlich einen
Über-Nacht-Geschäfts-Termin ausgemacht. In Poltu Qatu, in der Nähe von
Porto Cervo. Dort, wo wir gerade hergekommen waren.
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Hotel Domus Dejanas, Bari Sardo:
kleines, preisgünstiges Hotel mit überdachten Stellplätzen im Garten |
Weder Triple-Sound, noch Boxer-Brummen
entlockten ihm ein Ohrenzucken |
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Montag: |
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Fundstücke in der Scheune – manches
Vierrad-Hobby hat sehr wohl seinen Reiz. Fahren durften wir mit dem
Morgan aber nicht. |
Das Aufstehen um
sechs Uhr ist meistens bitter. Außer, es geht ans Reisen. Mit
Empfehlungen der Wirtsleute, wie ich am schnellsten die Schnellstraße
zur Costa Smeralda erreiche, ging ich forschen Schrittes zum Gartentor
(denn für die Motorräder gibt’s bei den Amaduzzis, den Domus
Dejanas-Wirtsleuten, Unterstellplätze im Hof). Vergeblich. Es war
versperrt. Der Zimmerschlüssel paßte zwar, aber das Schloss ging nicht
auf. Na gut, es gibt einen stufenlosen Ausweg. Durch den Gastgarten.
Um die anderen nicht aufzuwecken, schob ich die Street Triple vors Türl.
Und war heilfroh, dass sie so klein und so leicht ist!
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Das ohnehin nicht
ausgebrochene Schwitzen verging mir schnell, als ich über Loceri und
Lanusei in Richtung Nuoro kurvte. Über winzige Sträßchen und zahllose
Kehren geht’s da durch beschauliche Dörfer immer nur steil bergauf. Ich
hatte das Innenfutter der Jacke zwar nicht herausgenommen und den
Fleece-Pullover angezogen, aber das half nicht viel. Es ist nun einmal
auf ein paar hundert Metern Seehöhe im Frühjahr auch in Sardinien kalt.
Bitter kalt. Das Visier beschlagen, die blendend aufgegangene Sonne in
Augenhöhe, bis Nuoro geht’s ganz schön in die Höh’, die Landschaft wirkt
fast schon alpin (es gibt ja auch Skigebiete in der Gegend). Dass es
wunderschön ist, auch Wetter-mäßig war, ging ein wenig im Zittern unter.
Auf der vierspurigen Schnellstraße Nummer 1310 C. N. enterte ich die
nächste Kaffeestube und wärmte mir an der Cappuccino-Tasse die tauben
Finger. |
Von da an geht’s
nur noch fast schnurgerade geradeaus. Ich war ziemlich alleine
unterwegs. Und gab Gas, was die Street Triple hergibt (was bekanntlich
nicht gerade unter langsam und beschaulich fällt), ganz nach meinem
Grundsatz, wenn ich schneller fahre, ist das Frieren schneller wieder
vorbei. So war es später auch. Aber erst knapp vor Olbia. |
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Dienstag: |
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Um die Mittagszeit
war der Geschäftstermin erledigt, und ich startete zur Wiedervereinigung
mit Christian und den anderen. Das Wetter? Nach wie vor fast wolkenlos
und ungetrübt. Die bereits bekannte 125er fuhr ich nur bis Arzachena.
Auf der war heute viel los, die ersten Touristen im Schlender-Tempo
unterwegs. Also machte ich’s auf die übliche Tour: Überholen wo’s geht,
wurscht welche Tafel-Gebote am Wegrand aufgestellt und welche Striche
auf der Straße aufgemalt sind. Dabei wurde ich halt leider scharf
beobachtet. Eingangs von Témpio Pausania pflanzte sich ein
Carabinieri-Paar vor mir auf. Angesichts des wissenden Blicks des
Wortführers gab ich gegen meine sonstige Gewohnheit, vor dem Auge des
Gesetzes meine Italienisch-Kenntnisse schlagartig zu vergessen, diesmal
zu, dass ich dieser Sprache nicht ganz ohnmächtig bin.
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Gut habe ich daran
getan. Aus der Strafpredigt entspann sich eine muntere Plauderei, im
Zuge derer der nette Schutzmann gestand, auch sehr gerne Gas zu geben.
Aber eher offroad. Auf harten Kanten. Das müsse ich auch einmal
ausprobieren. Ja, sagte ich, das mache ich. „Buon viaggio“ sagte er.
„Arrivederci“ sagte ich. Mit Abstechern zu einigen - unverzichtbaren
Nuraghen (es gibt an die 7000 auf der Insel), surfte ich quer durchs
Land, über Ozieri und Buddusò nach Dorgali und die bereits bekannten
vier Sennas, via Tortolì wieder durch Lanusei und Loceri, diesmal im
Abendsonnenschein. Es war – noch - gar nicht kalt. Zum gemeinsamen
Abendessen schaffte ich es rechtzeitig. Die anderen waren die zwei Tage
inzwischen in den Bergen spielen. Dass sie mittlerweile bestens auf die
sardischen Kurven eingeschwungen waren, das hatten sie mir halt ein
bissl voraus. |
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Pflichtprogramm: die Nuraghen.
Davon gibt’s auf der Insel an die siebentausend. |
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Mittwoch: |
Geradezu
unheimlich wurde uns schon die anhaltende Hochdruck-Schönwetterphase.
Auch der Mittwochmorgen präsentierte sich bei herrlichem Sonnenschein
unter blauestem Himmel. Neben einem abwechslungsreichen Kurven-Menü war
für heute auch Quartierwechsel angesagt. Wolfgang, der Chef-Gasdreher
legte eine flotte Spur vor und zeigte seine Schätze her. Zum Beispiel
den Bucca e Tomanu, einen kleinen Pass, der wirklich nicht leicht zu
finden ist, und von dem man einen unnachahmlich weiten Ausblick vom
Supramonte bis hinüber nach Bari Sardo einfach
genießen muss.
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Vom Bucca e Tomanu kann man schaut man weit ins Land hinausschauen, vom
Supramonte bis nach Bari Sardo. |
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Nach der
Pass-Pause, eine von denen, die Wolfgang zuweilen mit „Tschick-Packel-Entleerung“
tituliert, führte er uns über Umwege in Richtung Orgosolo. Diese
„Abwege“ haben’s in sich. Auf denen ist das Wort „Gerade“ abgeschafft.
Direkt schlecht könnt einem werden vor lauter Kurven, Kurven, Kurven.
Die Straßenbauer dürften nach Kilometer bezahlt worden sein. Umlegen,
aufrichten, umlegen, aufrichten, der perfekte Kurvenrhythmus lädt ein
zum Tanz fast ohne Ende.
Wohl ist der
Asphalt, einmal grau, einmal rot, durchwegs vom Feinsten, allerdings
oft mit Kuhfladen und Schafsbemmerln garniert. Es wandert allerlei
Getier da und dort geruhsam über die Fahrbahn: Schafe, Ziegen, Pferde …
Auch ist uns aufgefallen, dass die Hirten häufig nicht mehr zu Fuß
gehen, sondern ihre Tiere vom Auto aus hüten. Mit Hilfe von kleinen,
kläffenden Hunden, die uns wohl für eine Art Riesen-Schafe gehalten
haben und uns ihrer Herde einverleiben wollten.
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Es gibt immer und überall etwas zu schauen. Und für
eine Pause ist auch immer Zeit. |
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Idyllische bei Sonnenschein. Aber wenns kalt is
? |
Oft kommen auch noch Kühe, Schafe oder Ziegen dazu. |
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Auch das gibt’s im Gennargentu: Vom Lago del Flumendosa gibt’s gleich
zwei, den unteren und oberen. |
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In Orgosolo
angekommen, setzten wir uns is erste Café am Platz.
Da gab es exzellenten Kaffee und erfrischendes Wasser, aber so gut wie nichts
zu essen. Dafür umso mehr zu schauen. Dieser Ort in der Barbagía Ollolai
ist berühmt
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-berüchtigt als „Banditennest“. Bemerkenswert und unbedingt anzuschauen sind die sogenannten Murales, Wandmalereien, die Ausdruck
von Protest gegen und Kritik an sozialen und politischen Mißständen
sind. Es war außerdem gerade Siesta-Zeit. Die uns durch einen kurzen
Elektrik-Blackout eines der Eisen in die Pausen-Verlängerung zwang.
Nämlich, bis der Tankstellen-Pächter mit den frischen Sicherungen seinen
Mittagsschlaf beendet hatte.
Wenigstens setzten wir gut ausgeruht – und von der Mittagssonne
abgebrannt – zu den nächsten Schwüngen
an. Diesmal reihte ich mich am Ende der Gruppe ein,
weil es einfach so viel zu schauen gibt auf dem Wer nach
Nuoro:
wechselnde Vegetation, einmal helles, dann dunkles Grün, Gebäum und
Gebüsch, Mimosen, allerlei wildes Kraut, Dörfer, die auf steilen Kegeln
kleben, Seen, |
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Café mit Kaffee aber ohne Essen, dafür Internet. |
die tief unten blaugrün schimmern – hinter jeder Kurve ein
anderes Bild, ein neuerliches Ah und Oh..
In Nuoro geht’s
durch enge und steile Gassen einmal scharf links, dann wieder schräg
rechts, manchmal schaut’s aus, als würde man in einer Sackgasse landen,
oft meint man, gleich in einem Hinterhof zu landen. Dank unseres Sardinien-erfahrenen Tourguides
und seines Navigationssystems fanden wir doch durch dieses Labyrinth,
das einen längeren Aufenthalt zwecks näherer Erkundung absolut verdient
hätte. Zumal Sardiniens größte Schriftstellerin – Grazia Deledda (1871 –
1936),
Literatur-Nobelpreisträgerin des Jahres 1926 – aus Nuoro stammt. Für
hoch Literarisches blieb aber keine Zeit.
Die nächste
Kaffeepause war in Bitti angesagt, ein Städtchen mit einem weitläufigen,
ungewöhnlich in dieser |
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Die Wandmalereien "Murales" gibt´s gratis dazu. |
Region, brettlebenen Hauptplatz, der von Cafés
und Restaurants gesäumt ist. Der Einmarsch der Triumphs – und der
bayrischen Abenteurerin – rief die Dorfjugend auf den Plan. Die Kleinen
durften Probe sitzen und Probe Gasgriff-Drehen. Die hatten sich sicher
am Abend viel zu erzählen.
Als Abschluss des
Kurven-Menüs servierte uns Wolfgang eine geile, steile Bergabfahrt zum
Lago di Posada. Dort angekommen, zeigten sich bei den meisten ernste
Ermüdungserscheinungen. Also ging’s ziemlich direkt nach San Teodoro,
ein Ferienort am Meer, ins Hotel Bonsai
(das wirklich so heißt!). Trotz aller Sehnsucht nach Duschen und Umziehen musste zuerst die glückliche
Ankunft begossen werden. Mit sardischem Bier namens „Ichnusa“. |
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Mitten in den sardischen Bergen gibt’s auch
brettlebene Hauptplätze – wie hier in Bitti. |
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Beim abendlichen
Pizza-Essen in San Teodoro City erlebten wir den ersten unfreundlichen
Sarden seit unserer Ankunft. Den Kellner. Er knurrte uns ein „tutto
occupato dentro“ (alles besetzt drinnen) entgegen und verwies uns in den
verwaisten Gastgarten. Zum Glück hielt eine dichte Hecke den gröbsten
Abendwind ab. Die Pizza blieb nicht lange heiß, die Rotwein-Temperatur
sank in den Keller. Zum nachfolgenden Aufwärmen ballte sich hernach an
der Hotel-Bar eine Dreier-Runde zusammen, die es – ich war aktiv dabei –
auf sieben Runden Mirto brachte. Da war es dann lang nach Mitternacht. |
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Bonsai ist das
Hotel Bonsai in San Teodoro ganz und gar nicht,
auch die „Ichnusa“-Bier-Gebinde sind ziemlich groß. |
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Donnerstag: |
Was wir ohnehin
geplant hatten, setzten Christian und ich an diesem Tag in die Tat um:
Ruhetag. Das hieß Frühstück, Kaffee trinken in San Teodoro Downtown, ein
wenig Sightseeing. Danach gönnten wir uns – zum Neutralisieren des
Restalkohols – eine Siesta. Darauf folgte ein
Wurst-Käse-Brot-Wasser-Picknick am blendend weiß besandeten Strand. Der
nennt sich La Cinta, ist weitläufig und war – aufgrund der frühen Saison
– auch noch fast leer. Das machte Lust auf einen kilometerlangen
Spaziergang, immer am Wasser entlang. Die Farben des Meeres erinnern an
den Indischen Ozean, blau und grün in allen Schattierungen. Schwimmen,
das verkniffen wir uns. Das Wasser hatte schätzungsweise gerade einmal
14 Grad über null.
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La Cinta:
Traumhaft, wie auf einer Postkarte. |
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Die anderen, sie
waren morgens frohgemut ausgeritten, kehrten am späten Nachmittag
zurück. Der dritte Mirtoholic unsere Vorabend-Runde war wacker mit
aufgebrochen. Er gestand uns jedoch, dass er sich ziemlich bald von der
Gruppe abgesetzt und eine Wiese zwecks zweistündigem
Ausnüchterungsschlaf aufgesucht hatte - und nun wieder frisch für neue
Schandtaten wäre. Nur nicht zum Mirto trinken.
Zum Abendessen
ließen wir uns vorsichtshalber per Taxi zum Agriturismo Casteddu, einem
verwunschenen Bauernhof mitten im Wald, bringen. Das archaische
Steinhaus ist behutsam und dezent modernisiert, adaptiert für Gäste, die
Stille und Einkehr suchen. Im Restaurant gibt’s insoferne keine Auswahl,
als ein fixes Menü serviert wird, eines, das alle Stückeln sardischer
Spezialitäten spielt – alles aus eigener Produktion, vom Salatblatt über
die Pasta bis zum Fleisch. Man muss auch pünktlich sein und darf keine
Eile haben. Die Abfolge der Köstlichkeiten folgt einem Zeitplan, der von
den Garzeiten bestimmt wird. Nur ein paar Highlights: allerlei Wurst und
Schinken, Schaf- und Ziegenkäse, Tortelloni gefüllt mit Ricotta in einer
Sauce aus wildem Spargel, gegrilltes Gemüse, Wildschwein-Ragout,
Spanferkel. Wir ackerten uns wacker durch die Gänge. Beim Dessert –
einer Komposition aus Teig, Ricotta und Honig mußten wir aufgeben. Statt
dessen kam Mirto. Unser Trink-Dritter im Bunde verweigerte seinen
standhaft. Blieben mir gleich zwei. Aber nicht mehr. Der Freitag nahte
und damit der Abreisetag. Für Christian und mich. Die anderen hatten
noch einen ganzen Tag – bis zur Freitagnacht-Fähre.
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San Teodoro ist ein kleiner Ferienort, der ein schönes Kirchentor, jede
Menge Beisln, Cafés, Eissalons und Pizzerien, zu bieten hat. |
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Freitag: |
Heute starteten wir
in aller Frühe, um acht saßen wir schon im Sattel und pfeilten nach
Olbia, zum Hafen. Wir dachten nämlich, es würde ein arges G’riss um
Plätze auf der Fähre nach Piombino geben. Dem war ganz und gar nicht so.
Ganze drei Motorräder, ein Lkw, ein Bus und eine Handvoll Autos
schifften sich ein. Bevor wir das taten, sind wir aber – erraten –
Frühstücken gegangen, in ein Straßen-Café, das auch(noch) menschenleer
war.
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Es dauert gut eine Stunde, bis Sardinien und seine „Ausläufer“ am
Horizont verschwinden,
bis dahin gibt’s noch viel zu schauen. |
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Irgendwie steckte
uns Müdigkeit in den Knochen. Die recht unspannende achtstündige
Überfahrt zum Festland – das Meer war wieder spiegelglatt – verbrachten
wir im Salon, dösend und zwischendurch schlafend auf den Sofas. Niemand
machte uns die Plätze streitig oder madig. Die paar Passagiere blieben
in der Mehrzahl auf dem Sonnendeck. Denn das Wetter, das war immer noch
wunderschön.
Endgültig aus dem
Schiff draußen waren wir um 17 Uhr. Vorgenommen hatten wir uns, maximal
bis 21 Uhr zu fahren, zumindest bis Padua zu kommen. Da würden wir uns
ein Hotel suchen. Also ging’s schnellstens auf die Autobahn. Anders sind
bei dem dichten Verkehr auf der Strada del Sole 400 Kilometer in vier
Stunden kaum zu schaffen.
Wir schafften es.
Inklusive Tank- und Kaffeepause zwischen Florenz und Bologna. Frohgemut
fuhren wir bei Padova Sud von der Autobahn ab, bremsten uns beim
erstbesten Hotel ein. Das sah zwar ein bißchen teu(r)er aus – wir hatten
in Sardinien zwischen 35 und 45 Euro pro Nacht ausgegeben -, aber wir
dachten: „Was soll’s?“ Leider war ein freies Zimmer Fehlanzeige. Wir
hatten nicht bedacht, dass nicht nur wir das verlängerte Wochenende um
den 1. Mai ausnützen würden. Das haben aber viele getan. Venedig wegen.
Auch vor der 15. Herberge (und das ist keine Übertreibung) standen schon
drei Busse. Ratlos und auch ziemlich sauer fuhren wir zur nächsten (automatischen)Tankstelle.
Da bewahrheitete sich der alte Spruch „durchs Reden kommen die Leut
z’samm.“ Ein Motorrad-begeisterter Jüngling verhalf uns mit einem Tipp
zu einer Nachtbleibe am Stadtrand von Padua. Die war zwar reichlich
schräg und rudimentär, dafür mit 25 Euro pro Nase ok. Und die Dusche
funktionierte auch - Spätestens da habe ich beschlossen, beim nächsten
Mal ALLE Quartiere vorzubuchen.
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Bei der Frage, ob
das Restaurant noch offen hätte, zog der - chinesische - Hotelier
allerdings die Stirn in Falten: „Mi dispiace. No!“ Immerhin war’s schon
22.45 h. Eine Zeit, zu der italienischen Küchen in der Regel bereits
dicht gemacht haben. Wir dürften so traurig und hungrig dreingeschaut
haben, dass der Wirt doch noch zwei Steaks samt Radicchio Trevigiano auf
den Grill legte, dazu zwei Bier servierte und uns auch noch den
Verdauungs-Grappa spendierte. |
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Samstag:
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Der letzte
Reisetag begrüßte uns wieder mit blauem Himmel und Sonnenschein. Direkt
unheimlich. Wir starteten schon um sieben Uhr. Ruhig war’s auf den
Straßen. Ohne lange Herumzufackeln ging die erste Etappe über die –
leere – Autobahn. Bis Gorizia. Dort überquerten wir – ungewohnt, ohne
Passkontrolle - die Grenze nach Slowenien. Erst einmal tanken. Der Sprit
ist bei den Slowenen noch deutlich günstiger als bei den Italienern.
Dementsprechend
groß war der Andrang. Ein zweites Frühstück hätt’s auch noch gebraucht.
Das gibt’s aber dort nicht. Dafür ein Casino. Eines, das rund um die Uhr
geöffnet hat. Wir hätten uns auch da drin ein Getränk gekauft. Aber der
Türsteher wollte uns nicht reinlassen. Na gut. Im Soca-Tal gibt’s ja
jede Menge netter Lokale. So wie in Kanal. Wo es einen offenbar stummen
Cafetier gibt. Der Herr sagte nämlich kein Wort, deutete nur auf ein
paar Tassen am Nachbartisch. Wir nickten. Der Kaffee war ausgezeichnet.
Ein mögliches Kurz-Gespräch beim Zahlen erübrigte sich auch, weil er uns
wortlos den Kassa-Bon reichte und wir die drei Euro auf dem Tisch
deponierten.
Mit dem guten
Espresso gedopt steuerten wir in Richtung Predil, machten nach
Herbrennung diverser bayrischer Dickschiffe in Tarvis eine Pause und
kehrten heim nach Österreich. Da nahm die Sonne Abschied. Es wurde grau
und düster, diesig und kühl. Auf der Turrach hatte es schätzungsweise
nur noch fünf Grad. Auch der See fror, unter dicken, mit Schnee
bedeckten Eisschollen. Damit verzichteten wir auf einen im Hinterkopf
geplanten Heim-Ritt über Kapfenberg und Mariazell, wählten die
Direttissima über die S6 samt Tunnel-Durchfahrten (in denen es auch
saukalt war). Nach dem Semmering gab es ein paar helle Momente. Als wir
die Wiener Stadtgrenze erreicht hatten, brach ein Wolkenbruch über uns
herein. Aus heiterem Himmel. Die Regen-Kombi haben wir nicht angezogen.
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Der Ortsname Kanal klingt nicht schmeichelhaft,
ist aber nett das Dörfchen
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Günstiger Tanken in Slowenien.
Im 24-Stunden-Kasino allerdings gibt’s gar nichts,
außer Automaten und Spieltischen. |
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Resumée: |
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Sardinien ist
wirklich nicht Italien. Es ist eine ganz eigene Welt. Eine in sich
geschlossene, eine leise, erdverbundene, ursprüngliche. Ein Mal, zwei
Mal, drei Mal hinfahren ist noch lange nicht genug, in einer Woche
kriegt man nur einen kleinen Eindruck der Vielfalt. Für jene die in der
Mittelmeerinsel nur ein Kurvenparadies sehen gibt’s immer noch mehr
Kurven, und alle, die außer Asphalt und Begrenzungspfosten auch noch was
anderes sehen wollen, gibt’s wunderschöne Strände, verwunschene Dörfer,
unberührte Landstriche, gastfreundliche Menschen und kulinarische
Überraschungen in fester und flüssiger Form.
Wer nicht
kälteempfindlich ist, für den ist Sardinien Ende April/Anfang Mai gerade
richtig. Wer – auch – Baden gehen und abends draußen sitzen will, der
sollte erst ab Mitte Mai starten. Und spätestens Ende Juni heimfahren.
Denn dann beginnt die Tourismus-Saison und es wird heiß. Wirklich heiß.
Bis zu 50 Grad.
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Schlussbemerkung: |
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Die Street Triple
ist ein kleines, aber feines Motorrad, das auch gut reisen kann. Sie hat
dafür alle Talente, die man braucht: engagiert Kurven räubern, agil
durch enge Gassen zirkeln, auf den Geraden angasen.
Der Sattel macht
nicht müd’. Gepäck erträgt sie auch, soferne man dieses in eine Rolle
auf den Soziussitz packt und sich nicht auf Topcase & Co versteift. Das
sähe auch aber-abartig aus und täte der Fahrdynamik gar nicht gut.
Und:
Solo ist besser. Auf Reisen zumindest.
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Informationen |
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Beste Jahreszeit:
Mai, Juni
September, Oktober
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Reiseführer:
Sardinien - Trauminsel im Mittelmeer, Alfred Müller, € 14,90 (inkl.
Karte)
ADAC Reiseführer plus Sardinien, € 9,20 (inkl. Karte)
Baedeker Allianz Reiseführer Sardinien, €18,50 (inkl. Karte)
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Karten:
Kümmerly+Frey: Sardaigne/Sardegna/Sardinien/Sardinia, Maßstab 1:200.000.
Reise Know How Verlag:: Sardinien/Sardinia, Maßstab 1:200.000.
freytag & berndt: Sardinien, Maßstab 1:150.000
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Interessante Links: |
Text:Trixi Keckeis
Fotos: Trixi Keckeis |
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