Constaze Pandi war mit der Bonneville unterwegs auf Korsika auf eine Wildschweinwurst.
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1500 km Kurven – Eine Korsikatour mit der Triumph Bonnie T 100
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| Als eine von drei Triumph
Markenbotschaftern fahre ich gerade für 6 Monate eine schwarze
Bonneville T100 – und nachdem ich im Wienerwald schon herum geglüht bin
will ich jetzt mal ein Stückerl weiter fahren. Zum Beispiel nach
Korsika. |
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Samstag
Der Autoreisezug nach Florenz war ausgebucht, also kann ich nur bis
Villach im Zug weiterschlafen. Von Villach nach Livorno sind es zache
sechs Stunden auf italienischen Autobahnen. Der große Windschild, den
ich mir auf die Bonnie drauf gewünscht hab, macht seinem Namen alle
Ehre: er nützt jeden Windstoß. Es ist ein bisschen wie Windsurfen, vor
allem wenn man in den Kurven in den Wind rein dreht. Ab 140 fängt die
Bonnie an zu pendeln und so komme ich mit meinem Surfgerät nicht sehr
zügig weiter. Aber dafür hält die große Scheibe super die Insekten ab,
sie ist nach wenigen km schon voller Leichen, die ich sonst im Gesicht
gehabt hätte. Das mit dem Tuch zum Halbschalenhelm hab ich nämlich nicht
so richtig drauf, ich krieg entweder keine Luft oder es rutscht weg oder
flattert mir um die Nase. Einmal geht der Knoten auf und ich erleide
fast ein Isadora Duncan-Schicksal (Der Schal der Dame verfing sich in
den Speichen ihres Sportwagens). Auch das mit den beiden Brillen -
Sonnebrille unterm Helm, Aviator Glasses drüber - krieg ich erst bei
Venedig so halbwegs geregelt.
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Der Verkehr ist italienisch... Man fährt, wo es halt geht. Vorsicht
vor der großen Audi-Maske im Rückspiegel. Ein Italienischer
Motorradfahrer legt auf der zweispurigen Autobahn eine dritte Spur an
und überholt alles... klassischer Organspender in Ruderleiberl, Shorts
und Schlapfen. In Livorno bin ich schon recht erschöpft.
Hier lerne ich, wer hier wirklich überall Vorrang hat, die Motorinos!
Alle fahren hier Roller, Kinder, junge Leute, alte Männer mit Angeln,
Hausfrauen mit Einkaufstasche, alte Frauen im schwarzen Kleid. Schön!
Und überall eigene Mopedparkplätze! Bitte auch in Wien! |
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Die Bonnie: Ein tadelloses
Reisemotorrad. |
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Sonntag
6.50 souverän zur Fähre hin gefunden, halbe Stunde lang ganz cool bei
der falschen Fähre angestellt, dann gerade noch rechtzeitig auf die
richtige. Die Reisegesellschaft: 90% Bayrische GSn, 10% „andere“. Ich,
bis gestern selbst noch GS Fahrerin, preise allen die Bonnie als Super
Reisemotorrad an...gibt aber wirklich nix zu meckern: nach der weiten
Fahrt am Vortag tut mir nicht ein Muskel weh, kein verkrampfter
Schultergürtel, keine Genickstarre, kein Kreuzschmerz, nix.
Nach vier Stunden Liegestuhl um 12.45 Ankunft in Bastia und
los geht’s gleich mal in die Berge hinauf das kleine Strasserl D31 und dann die Halbinsel entlang um das Cap Corse auf der D80. Es
ist ein herrliches Dahingleiten am Meer entlang, eine
Kurve nach der anderen. Wenig Verkehr, nur plötzlich winkt uns ein
fescher Motorradpolizist auf die Seite, denn da kommt die Tour de Corse,
einfach so, auf der nicht abgesperrten Küstenstraße...Hunderte
schwitzende Rennradfahrer...schön zum Zuschauen, aber warum tun Menschen
so etwas? |
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Ich kauf mir ein Eis und warte, bis alle vorbei gefahren sind. Dann
endlich eine Tankstelle... die Reichweite der Bonnie ist nicht allzu
groß, nach 250 km geht schon das Lichterl an. Die Tankstelle nimmt nur
Karten. Aber nicht meine Kreditkarte. Da will sie einen Code dazu. Woher
soll ich den denn wissen? Zum Glück sitzen ein paar nette Männer im
Tankstellencafe. Nachdem sie mir eine Weile belustigt zugesehen haben
und ein paar oberösterreichische Flüche gelernt haben, erbarmt sich
einer, mein Bargeld anzunehmen und mit seiner eigenen Bankkarte zu
tanken. Ein anderer erzählt, er habe auch eine Bonnie und möchte von mir
das Baujahr wissen...gerade erst von der Fähre und schon soll ich eine
vierstellige Zahl auf Französisch sagen? Ich sag: „c´est completement
nouveau...“ bitte, geht ja! Mit vollem Tank geht’s rauf aufs nächste
Bergstrasserl, hier wachsen lauter Feigen u Kastanienbäume, und an einem
Bach finde ich einen herrlichen Badeplatz.
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Dafür bin ich her gekommen: fahren fahren fahren – und irgendwo stehen
bleiben, wo es mir gefällt, und jausnen. Die Straße ist ein Traum zum
Motorradfahren: kaum Autos, ein paar Camper, nur zwei Reisebusse den
ganzen Tag. Korsika ist praktisch eine Passstraße im Meer. Bei St.
Florent geht’s dann Richtung Westen weiter auf der D81 bis Casta, dort
suche ich die Abzweigung zum Campingplatz „U Paradisu“ am Strand von
Saleccia. Diese schlammige Piste kanns doch nicht sein, oder? Doch. 12
Kilometer geht es bergab zum Meer über eine allerfeinste Enduropiste.
Schlammlöcher, grober Schotter, feiner Sand, über Stock und Stein. Eine
Sonderprüfung am Ende des Tages. Wenn ich nicht beim Joe Lechner
Endurofahren gelernt hätte, hätt ich umgedreht. |
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Zum Glück beim Lechner Joe im Endurokurs gewesen. |
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So aber steh ich halt
auf und pilotiere meine brave Big-Enduro der 900 er Klasse samt Gepäck
den Pfad hinunter. Hätt ich mir eine GS gewünscht? Nein, dass es mit der
geht, hab ich eh gewusst. Dreckig und müde komme ich unten an, ein paar
Freunde mit Campingbus warten schon auf mich und reichen mir wortlos ein
frisch geöffnetes Bier. Außer uns sind hier nur Geländefahrzeuge, so mit
Dachzelt und Schnorchel und Kühltruhe. Ach so, muss irgendein offroad
Geheimtipp sein. Die Lage ist schön, aber die mickrigen Sanitäranlagen
sind dem Staub-Schweiß-Gemisch der Anreise eher nicht gewachsen. |
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Umso schöner am nächsten Tag der Campingplatz in l`Ile Rousse.
Wunderschöne Duschhäuser, Direktzugang zum eigenen Sandstrand mit einer
feinen Strandbar, wo man den Sonnuntergang durch ein Glas korsisches
Bier beobachten kann. Und das alles haben wir fast für uns allein. Ich
begreife erstmals die volle Bedeutung des Wortes Vorsaison: 30%
Ersparnis beim Camping, alles sauber und ruhig, keine Kinder, fast nur
alte Leute und Paare! Von l`Ile Rousse aus kann man ein paar schöne
Tagestouren machen in die Balangnedörfer und zum Wandern in einsame
Bergtäler. Ich habs mir halt auch eingebildet, dass ich unbedingt auf
die Berge muss. Aber eigentlich ist es Ende Mai bereits zu heiß zum
Wandern. Zum Glück gibt es wieder kleine Flüsschen, in denen man überall
baden kann. Und auch das Meer ist schön warm. |
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Die Bedeutung des Wortes
"Vorsaison". |
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Am Mittwoch fahren wir weiter nach über Calvi nach Galeria zum Fangutal.
Nach Calvi wird das Küstenstrasserl D81 wieder enger und kurviger und
einsamer (rechtzeitig tanken), am Fluss Fangu finden sich die
herrlichsten Badestellen der ganzen Reise. Direkt am Fluss gibt es einen
einfachen Campingplatz neben einer der Wanderhütten (gite d`etappe), die
an den Weitwanderwegen stehen. |
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Am Donnerstag muss ich dann schon Meter machen Richtung Ostküste zurück,
wo am Freitag meine Fähre zurück nach Livorno geht. In herrlichen
Serpentinen geht es zuerst die Küste weiter runter nach Porto, ganz
wilde Gegend. In Porto tanken und einen Riesenteller Nudeln mit
Meeresfrüchten essen, inzwischen funktioniert das mit dem Sprechen schon
ganz gut. Hier sieht man, dass doch einige Motorräder unterwegs sind,
immer wieder kommt eine Gruppe vorbei. Nach Porto geht es dann über die
D84 quer über die Insel zurück, und das heißt quer durchs Gebirge. Ein
langer Anstieg auf enger Traumstraße über einer Schlucht direkt in die
hohen Berge rein. Naturschutzgebiet, Zauberwald und schöne Dörfer, immer
wieder mal steht plötzlich eine Kuh oder ein Wildschwein auf der Straße.
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Kaum ist man über den Pass drüber, wechselt die Vegetation, plötzlich
Birken u noch blühender Ginster u Fingerhut statt Feigen u Kastanien.
Sehr alpin, schön kühl. Eine schöne Abfahrt, ich lass mich einfach von
einer Kurve in die andere fallen. Die Bonnie taugt mir zum Fahren, es
gibt keine Hektik, dieses aufrechte Sitzen lässt es einen schön
beschaulich angehen, und zum Schauen gibt es ja genug. Verfahren kann
man sich hier eigentlich nirgends, alles ist gut angeschrieben. Unten
stößt man auf den schönen Golu Fluss, auf 30 km Länge kommt wieder eine
einsame Badestelle nach der anderen. Aus der Einsamkeit kommt man dann
wieder in die Zivilisation (Tankstelle, Supermarkt) und an die N193
zurück Richtung Bastia. Kurz vor Acht erreiche ich einen schönen
Campingplatz direkt am Meer, ein Tag voller spektakulärer Landschaften
geht zu Ende.
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Am Freitag noch schnell in Bastia bisschen Käse, Feigensenf und
Wildschweinwurst in die Packtaschen rein laden, dann zu Mittag wieder
auf die Fähre und in Livorno übernachten.Den ganzen Samstag hab ich dann noch in der Toskana, denn am Abend soll
ich in Florenz auf den Autoreisezug zurück nach Wien. In der Früh seh
ich erst, dass Livorno sehr schön ist gegen Süden. Palazzoviertel und
ein schönes altes Seebad, in dem glücklich aussehende alte Leute laut
plaudern, rauchen, Karten spielen oder stricken. So soll man aussehen,
wenn man alt ist! Ich werd mir Mühe geben. Ich frühstücke in einer Bar
einen Caffelatte im Glas und esse ein Kipferl.
Von Livorno aus fahre ich nach Süden Richtung Castiglioncello und
Vada eine kleine Straße ohne Nummer an der Küste entlang. Alle Italiener
sind heute mit ihrem Mopeds zum Meer gefahren, um an den schönen
Felsküsten zu baden. Bei Cecina biege ich vom Meer weg östlich auf die
68er Richtung Volterra ab und kurve jetzt durch reiches Toskanisches
Farmland.
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Dann weiter nach San Gimignano, die schlimmste Touristenfalle, die ich
je gesehen habe. Also das Gemäuer ist schön, aber alles sieht aus wie in
Disneyland. Große Touri-Gruppen quälen auf zwanzig verschiedene Sprachen
die armen Verkäufer und Kellnerinnen. Schnell wieder raus und weiter
möglichst kleinstrassig über Calstelfiorentino nach Empoli und Lastra.
Jetzt bin ich ganz nah an Florenz dran und es wird Zeit, den Bahnhof zu
suchen. Ich habe keinen Stadtplan und habe mir genug Zeit genommen, auch
so hin zu finden, aber kaum bin ich auf der Stadtautobahn, zischen ein
paar Motorräder mit W und WU Kennzeichen an mir vorbei, die so aussehen,
als hätte jeder ein Navi dabei. Ich hänge mich also bei denen an und sie
führen mich direkt zur Laderampe. Ich hab mich auch super an den
italienischen Fahrstil angepasst, als moto darfst du ja alles. Überholen
und vorbeischlängeln und einfädeln, wo es nur geht. Es geht sich immer
irgendwie aus! Wenn nicht, hupt man. |
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Schlimmste Touristenfalle ever. |
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Am Bahnhof treffe ich alles, was 2 Räder hat und zurück nach Norden
will. Ein paar Wiener regen sich auf, dass in Korsika der Straßenbelag
so schlecht war. Ja Burli, dann musst du halt mit deiner Reibm auf der
S1 hin und her fahren, wenn dir das lieber ist! Da weiß man wieder,
warum man weg gefahren ist. Diese Tour war ein perfekter Urlaub um wenig
Geld, den man gut in einer Woche unterbringen kann. Die Bonnie war eine
feine Reisebegleitung. Nächstes Jahr schau ich mir die Südhälfte von
Korsika an. Fährt jemand mit? LG Constanze Pandi
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Text/Fotos:
Constanze Pandi |
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