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Der Berg machte einen sehr beängstigenden
Eindruck. Er war nicht besonders steil und auch nicht länger als andere
Berge welche ich in der Vergangenheit bezwungen habe. Doch Sorgen bereitete mir
der überaus lose Untergrund hinauf auf den Gipfel. Mir war schleierhaft wie
dieses Gebilde von Staub überhaupt als Berg existieren konnte. Meine Hoffnung
stützten sich voll und ganz auf die gnadenlose 300 EXC-E unter mir und Berzerk
neben mir. Wenn jemand weiß wie dieser Anstieg zu schaffen ist dann er. Doch
seine Auskunft nach idealer Linie und Fahrtechnik für einen schmerzfreien
Aufstieg war äußerst niederschmettern. "Einfach Gas stehen lassen", war seine
Botschaft welche er mir mit auf den Weg gab.
Einfach Gas stehen lassen
Es begann sehr gut. Der Antritt des
bärenstarken 300er Motors verhalf meiner KTM auch auf dem überaus kurzen
Anlaufstück zu ordentlichem Speed. Ich stand sicher in den Rasten und die ersten
Steine und Spurrillen wurden einfach weggezaubert. Das Fahrwerk in den EXC
Modellen ist wirklich ordentlich abgestimmt und auch für mich zu derreiten. Ganz
anders als die grausam harten MX-Modelle deren Abstimmung eigentlich nur den
routinierten Piloten entgegen kommt. Es wurde steiler und die Spurrille war dank
meiner vorherigen Versuche mit der 450er schon äußerst ausgeprägt. Es war nun an
der Zeit die Kupplung mit ins Spiel zu bringen, was für mich eigentlich das
erste Zeichen von Resignation ist. Die Kupplung an den KTM Offroad Modellen ist
für mich eigentlich schon seit dem letzten Modelljahr perfekt. Die hydraulische
Einheit arbeitet mit Brembo Teilen und wird mit Bremsflüssigkeit gefüllt.
Doch das Unheil begann erst richtig, als
der große Felsen vor mir immer größer wurde. Auch hier hätte ich einfach
stehen lassen müssen und die 300er wäre ganz bestimmt ganz locker mit mir nach
oben getänzelt, doch die Angst vor Schmerzen war leider größer als der Angst vor
Schweiß. Ich nahm die Füße von den Rasten, das Vorderrad stieg in den Himmel und
der Aufstieg wird nun wesentlich länger dauern als ursprünglich geplant.
Auch der Rookie freut sich über das
geringe Gewicht: Leichter zu schieben!
Klar sind die 2-Takt Motorräder von KTM
mächtige Raketen mit gewaltiger Performance. Wann immer Offroad-Rennen schwierig
werden, finden sich die 2-Takter am Siegertreppchen. Doch in Situationen wie
diesen erfreue ich mich an 2-Taktern vor allem wegen ihres geringen Gewichtes.
Wer nicht in der Lage ist die 300er auf den Gipfel zu jagen, kann sie trotzdem
wesentlich leichter nach oben zerren als eine 4-Takter.
Eine Viertel Stunde wurde der halbe Berg
abgetragen und viel Schweiß wurde vergossen, doch der Gipfel wurde erobert. Da
meine Schadenfreude viel größer ist als die Furcht vor den Qualen fuhr ich
voller Freude zurück ins Fahrerlager um die Kollegen auf den Hang zu locken.
Schließlich brauchte ich noch Material fürs Video...
Die Enduro 2-Taktpalette besteht in der
Saison 2008 aus 3 Modellen.
Die leichte 125er für
Gewichtsfetischisten. Erstaunlicherweise nicht nur für Kinder oder Kinderkörper.
Hauptargument natürlich das geringe Gewicht, aber auch die geringen rotierenden
Massen. Ultimatives Handling. Leider ist saubere Fahrtechnik nötig um den Gipfel
zu erreichen. Die Leistungscharakteristik ist zwar nicht so spitz wie bei der
MX, aber trotzdem eher was für Könner. Fast genauso leicht aber deutlich
leichter zu fahren ist die 200er.
Die klassische 250er ist seit
Jahren die erste Wahl für Könner. Idealer Schnittpunt zwischen Leistung und
Gewicht. Seit 2 Jahren mit wirklich fahrbarer Leistungsentfaltung.
Serienmäßig kommt sie nach wie vor ohne E-Start. Wer will kann jedoch
nachrüsten.
Die perfekte 300er ist für mich
zur Zeit die erste Wahl in der Offroad-Palette. Seit letztem Herbst erstmals mit
einem leichten und patentierten E-Starter. Gewaltige Innovation, welche vor allem
Hobbyfahrern zu Gute kommt. Klar springt der 2-Takter sehr leicht an, doch noch
leichter tut er es mit dem Knopferl am Lenker. Ich fuhr die 300er ständig im
niedrigen Drehzahlbereich und konnte auch hier schon auf das nötige Drehmoment
zurückgreifen. Schlagartig stand jedoch massive Leistung zur Verfügung um mich
über plötzlich auftauchende Hindernisse zu katapultieren. Erklärt mich nicht für
verrückt: Aber Hobbyfahrer würde ich eher die 300er als die 250er empfehlen.
Erstens wegen E-Start und zweitens wegen dem höheren Drehmoment.
Gut aber aus.
Die Zweitaktmodelle von KTM haben viele
Vorteile aber einen entscheidenden Nachteil. Sie sind Jahr für Jahr ausverkauft.
Wer eine will, muss sich schon in den ersten Wochen des neuen Modelljahres
entscheiden, denn ansonsten stehen nur die Gegner damit am Start.
Nicht unerwähnt lassen möchte ich den
Kostenvorteil der 2-Takter. In der Anschaffung schon einmal ein Stück billiger
und dank einfachster Technik auch in der Erhaltung viel dankbarer. Die
Mitbewerber wurden in den letzten Jahren immer weniger. Die Japaner haben sich
aus dem 2-Takt Bereich schon zurück gezogen, übrig blieben Husqvarna und Gas
Gas. Die meiste Entwicklungspower steckt aber nach wie vor KTM in die
Weiterentwicklung.
Nicht nur an die Auffahrt denken!
Bei der Kaufentscheidung denkt man bei
Enduros oft nur an die Begriffe "Handling" und "Traktion am Steilhang". Nicht
vergessen sollte man aber, dass der Steilhang am anderen Ende auch wieder nach
unten zeigt. Dort spielen die Zweitakter von KTM für mich ihre wahre Größe aus.
Selbst die starke 300er fühlt sich in den kniffligen Bergabpassagen federleicht
an. Das Motorrad liegt sicher zwischen den Knien und in felsigen Abfahrten würde
ich sie gegen kein anderes Motorrad tauschen.
In Sachen Power und wie diese
ausgeliefert wird, ist man bei KTM 2-Taktern auch 2008 voll flexibel. Die CDI
bietet 2 verschiedene Kennlinien welche durch an- oder abstecken eines eines
Kabels ausgewählt werden können. Am Auslaß kann man wie gehabt mittels
unterschiedlicher Federn zwischen "viel Spitzenleistung und hartem
Leistungseinsatz" oder "sanft mit weniger Power" wählen.
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