|
50er Roller esse ich zum
Frühstück, 125 Kubik sind was für Frauen und Autofahrer und ein Viertel
Liter nur was für Komatrinker. Erst ab 300 ccm kann man von einem
Männergerät sprechen. Das sage nicht nur ich. Vor Kurzem war im Forum
über den SH300i zu lesen (der in Wirklichkeit auch nur 279 ccm hat, aber
Psssst!):"Extreme Beschleunigung von 0-50 (auch mit 2 Personen)." Ich
mußte daher mit äußerster Vorsicht an diesen Test rangehen.
So setzte
ich mich also auf Hondas SH300i, startete den Motor und drehte den
Gasgriff auf Anschlag. Es passierte, was zu erwarten war. Extreme
Beschleunigung. Man darf hier allerdings nicht die Durchschnittswerte
von Motorrädern zur
Beurteilung heranziehen, sondern eben die der Roller. Gut, ich würde
vielleicht nicht unbedingt von extrem sprechen, aber unter
Seinesgleichen steht der SH300i nicht schlecht da und muß sich sicher
nicht verstecken. Entscheidend, besonders bei Ampelstarts, ist immer auch
die deppensichere Bedienung einer stufenlosen Vollautomaik. Kein
Gangeinlegen, kein Einkuppeln, kein Garnichts. Gas und Tschüss. In
seiner herrlichen
Unkompliziertheit bleibt der SH innerstädtisch in vielen Duellen
gegen wesentlich stärkere Gegner siegreich.
Demütigungen machen mit so einem harmlosen Roller besonders viel
Spaß, nach dem Motto "Ich hol' nur Semmeln, du fährst ein Rennen - und
wirst trotzdem Zweiter." 27 PS klingen immerhin schon fast nach
Motorrad, das Leergewicht von 169 Kilo (mit ABS 172kg) wäre bei den
600er Supersportlern konkurrenzlos. Die große Stärke sieht allerdings
auch der SH300i in der Welt bis 70 km/h, was nicht heißt, daß er darüber
hinaus verhungert. Auf Autobahnen läuft er gut und gerne 150 km/h, wenn
man entschlossen und unnachgiebig am Gas hängt. Reicht für
Überlandfahrten und ungewollte Fahrfotos in schwarz-weiss. Der SH hat wie sein kleiner Bruder ein kinderleichtes Handling im
engen Stadtverkehr. Die großen Reifen sorgen für den nötigen Komfort auf
ausgekratzten Stadtstraßen, aber auch für
Laufruhe und Stabilität auf Freiland und Autobahn.
Verzögert wird der SH300i wie seine Verwandten
mittels Honda CBS System, das die Bremskraft so verteilt, daß man im
Idealfall nicht auf die Papp'n fliegt. Optional wird ABS zum Aufpreis
von 600 Euro angeboten.
Unverzichtbar für Pragmatiker, die den SH300i vorwiegend als
Nutztier verwenden wollen, ist ein Topcase. Man hat zwar auch unter
dem Sitz einen obligatorischen Stauraum, der leider nicht ganz für
meinen Integralhelm reichte, wie ich ihn auch drehte und wendete. (oder
heißt es: wie ich ihn auch draht und wand?), doch das Topcase
schluckte sogar meine Lederkombi. Ich weiß allerdings nicht mehr, was
ich damit vorhatte. Ist mein neuer Test, wieviel in ein Gepäcksystem
tatsächlich rein paßt. Wer seine Lederkombi eher selten im Roller
mitführt, der kann auch einen Integralhelm oder
zwei Jethelme in dem 35 Liter Koffer verstauen.
Insgesamt ist der SH300i überdurchschittlich hochwertig verarbeitet,
bietet standesgemäßen Vortrieb und ist weit über die Stadtgrenze hinaus
einsetzbar. Für Leute, die einen spritzigen Roller mit breitem
Einsatzgebiet suchen. |
 |