FE 450 und FE 570! Test der schwedischen High-Tech Geräte. Die Pressefahrt
wurde zur Six Days Etappe.
Husaberg FE 450 und FE 570 2009
Husaberg is back! Mit einem
komplett neuen Motor der ein komplett neues Motorrad mit sich bringt.
NastyNils fasste ohne Training gleich die monströse 570er aus und wollte
es eigentlich ganz gemütlich angehen. Doch er bog falsch ab und war
mitten auf der Six Days WM Etappe. Ein Drama mit Happy End für Berg und
Piloten.
Husaberg Modelle 2009 Video
Die 570er in Wort und Bild. Das Drama des
Verkofferns wurde ebenso dokumentiert wie die Mutprobe beim Bach. Blöd, dass
auch der schwedische Werkspilot am Video Feuer gibt. Neben ihm verkommen die
heldenhaften Versuche von NastyNils zur Kinderjause. Im Interview spricht die
Husaberg Crew über die zentralen Elemente vom Motorrad.
Wer sich das Video auf seinen Computer downloaden möchte,
klickt mit der rechten Maustaste
hier und wählt "Ziel speichern unter".
Schnitt: Christian Vollath
Videodreh: NastyNils, Martin Wabnegger
Photos in Bericht und Slideshow: Herwig
Peuker, Gerry Freeman, P. Mathis und H. Mitterbauer
Der Point of no Return war überschritten. Ich saß im Sattel der neuen Husaberg FE 570 und der Tageskilometerzähler war bei mehr als 50km angelangt.
"Zu viel für den 8.5 Liter Tank!", dachte ich und folgte den blauen Markierungen
immer weiter. Husaberg präsentiert die komplett neuen Enduros für die Saison
2009 ein paar Tage vor den Six Days in Griechenland. Angeblich gab es eine
speziell mit Husaberg Schildchen markierte Strecke. Doch ich habe nicht ein
Schild gesehen und folgte den blauen Punkten. Doch die Markierungen müssen da
gewesen sein, denn außer mir war hier nun niemand am Gipfel des Berges inmitten
der Six Days Etappe.
Die 570er war bisher äußerst gnädig zu mir. Der komplett neu entwickelte
Motor punktet in meiner Lage nun vor allem mit der erstaunlich makellosen
Einspritzanlage. Denn wenn schon neu, dann richtig neu, dachten sich die 4-Takt
Profis im KTM / Husaberg Kompetenzzentrum und machten für den neuen Motor auch
gleich eine neue Einspritzeinheit. Die bärenstarke Berg war von mir immer und
überall komplett durchschaubar zu dosieren. Sie warf mich nicht ab und machte
mich auch nicht müde. Und wir beide hatten schon einiges hinter uns. Zum
Beispiel die eine lange staubige Auffahrt wo wenig Traktion geboten wurde.
Zwischen drinnen waren dann aber doch immer ein paar griffige Felsplatten und
hier war Vorsicht geboten. Denn die Berg marschiert komplett stressfrei im 4.
Gang nur mit dem Gasgriff senkrecht aufs Hinterrad. Am Steilhang dosierte ich
immer bedächtig und tuckerte problemlos nach oben.
Irgendwo hier muss es auch passiert sein - die Sache mit dem falschen Weg.
Doch ich wollte auf der unendlich staubigen Strecke unbedingt als erster meine
Runden ziehen. Die anderen Journalisten durften hinter mir den Staub schlucken
und ich genoss die wunderschöne Gegend hier am griechischen Festland. Ich war
selbst schuld, als ich auch noch die Zeichen des Verfolgers ignorierte. Er
versuchte mit wirklich ausdauernder Geduld mir zu folgen um mir Zeichen zu
geben. Er hatte längst geschnallt, dass wir falsch unterwegs waren doch ich
deutete seine Handzeichen komplett verkehrt. Denn auf staubigen Boden bin ich
ein grindiger Egoist und ich kuppelte im Fünfer grimmig ein. Die Berg
produzierte eine undurchsichtige Staub- und Geröllwand. Dies wiederholte ich so
oft bis der zähe Bursche aufgab. Endlich hatte ich die wunderschöne Runde für
mich ganz alleine.
Die neue Referenz in Sachen Handling
Eine Stunde später war ich fassungslos über meine eigene Blödheit. Ich hatte
gerade eine knackige Roof-Section hinter mir und der Tacho zeigte bereits 80
Tageskilometer an. Hier konnte ich auch endlich die Agilität des 570er Monsters
auskosten. Die Steinbrocken wechselten sich mit kurzen Wiesenstücken ab. Hier
war eine eine ausgezeichnete Linienwahl das Maß der Dinge. Mit viel Schwung
tänzelte ich mit der Berg von Hindernis zu Hindernis. Ich blickte so weit wie
möglich voraus und schlug Haken wie ein flüchtender Hase um die gröbsten
Brocken. Die 570er folgte meinen Befehlen mit einer Leichtigkeit wie ich es an
einer großen 4-Taktenduro bisher noch nie erlebt habe. Kann sein, dass meine
ehemalige 250er EXC-F ähnlich agil war, aber eine 400er oder 450er egal welcher
Marke ist weit von der Wendigkeit der 570er entfernt.
Mein Favorit: Die 570er
Die Husaberg gibt es auch als 450er doch die Vorzüge des neuen Konzeptes
kommen für mich in der 570 am besten zur Geltung. Die volle Leistung wann immer
man sie braucht. Egal welcher Gang, egal welche Drehzahl, der Steilhang kann
hinter der nächsten Ecke lauern und wird mit einer gespenstischen Ruhe
geschnupft. Die elektronische Einspritzanlage sorgt dafür, dass der Motor
niemals abstirbt und sich beim hastigen Gasgeben nicht verschluckt und die
schlauen Techniker aus Schweden sorgten für das wendige Fahrgefühl. Die Berg ist
leicht und fühlt sich im Fahrbetrieb auch noch leichter an.
Der Motor hat eine filmreife Story hinter sich. Husaberg war innerhalb des
KTM-Konzerns eigentlich schon aufs Abstellgleis geschoben worden. Die Marke KTM
war so dominant und quasi jedes Endurofahrerlager des Erdballs war mehrheitlich
in Besitz von KTM. Normale Konzernkrieger hätten schon längst das Handtuch
geworfen, doch die blau-gelben Freaks aus Schweden gaben noch einmal alles. Der
4-köpfige Rest des ehemaligen Husaberg-Werkes in Schweden werkte in unzähligen
Nachtschichten an einem komplett neuen Motorkonzept. Weit weg von Konzernbossen
und nervenden Zahlenfritzen. Man wollte unbedingt eine ultrahandliche Husaberg
bauen, doch die orangen Bosse hatten die Entwicklung eines kleinen 4-Takters
verboten. Also musste man es irgendwie schaffen einen dicken Brummer möglichst
handlich zu machen.
Der Schlüssel zum Erfolg findet sich im Physikbuch und im Kurbelgehäuse.
Die Kurbelwelle dreht sich als bis zu Vier Kilo schweres Teil mit mehreren
Tausend
Umdrehungen pro Minute. Der gyroskopische Effekt lässt so die Kurbelwelle zum
großen Handling-Hemmschuh werden. In ersten Versuchen wurde das Gewicht der
Kurbelwelle drastisch reduziert. Doch das Ergebnis war ein Biest mit unfahrbarem
Ansprechverhalten und quasi ohne Traktion. Der nächste Ansatz war die Drehachse
der Kurbelwelle möglichst nah an den Schwerpunkt des Motorrades heran zu führen.
Denn so konnte man immerhin das beste aus der Sache mit der schweren Kurbelwelle
machen. Die drehende Masse muss nun bei Richtungsänderungen vom Motorrad einen
kürzeren Weg zurücklegen. Die Husaberg-Truppe bastelte aus zwei herkömmlichen
Motoren mit Flex und Schweißgerät einen neuen Motor mit einer komplett neuen
Anordnung und steckte das Frankenstein-Aggregat in ein Serienchassis.
Nichtsahnende Werkspiloten wurden sofort auf das Ungetüm gesetzt und
pulverisierten ihre eigenen Rundenzeiten auf der Trainingsstrecke schon beim
ersten Turn.
Anruf in Mattighofen
Mit diesen Ergebnissen in der Hand stellte man die Konzernspitze in
Mattighofen vor vollendete Tatsachen. Die neue Husaberg war geboren.
Ironischerweise zum gerade rechten Zeitpunkt. Denn BMW attackiert mit einer
aufwendig aufgebauten G 450 X Enduro und Husqvarna ist durch die BMW Geldspritze
ebenfalls zu neuem Leben erwacht. Nicht jeder Endurist möchte eine KTM fahren
und die Alternativen in der Saison 2009 sind durch die neuen Rahmenbedingungen
absolut ernste Gegner. So kann man zumindest innerhalb des Konzerns ein
Alternativprodukt mit einer gehörigen Portion Männerimage und einem komplett
anderem Konzept anbieten. Freilich werden in der Massenproduktion dann viele
Ressourcen gemeinsam genutzt, doch die Idee und das Herzblut in der Berg sind
eindeutig schwedisch.
Ich fuhr im Kreis
Die treue Berg hat mittlerweile 90km am Zähler. Meine Sorgenfalten wurden
tiefer, denn der Benzin wird laut meinen Berechnungen selbst bei meiner
kräfteschonenden Fahrweise bestenfalls für 120 km reichen. Denn eines ist klar -
Götter sind die EFI-Techniker in Mattighofen auch nicht. Die Husaberg hat viel
Leistung die sich wunderbar dosieren lässt. Beim Bergabfahren ist die
Motorbremswirkung eine echte Stütze. Das Motorrad stirbt nicht ab, schiebt Dich
aber auch nicht den Hang hinunter. Es wird nicht möglich sein, dass dieses
Wunderding dann auch noch Sprit sparender als ein Vergaser seinen Dienst
verrichtet. Dich die
Benzinkalkulationen wichen plötzlich anderen Gedanken. "Kann es sein, dass ich
diese Lichtung schon mal gesehen habe", schwirrte mir durch denn Kopf. Es folgte
eine flinke Waldpassage wo ich mich noch einmal am Handling der Husaberg erfreute.
"Bitte lieber Gott, lass hinter dieser Ecke nicht den markanten Felsbrocken
erschein..", dachte ich und wurde enttäuscht. Ich fuhr tatsächlich im Kreis und
bereitete mich schon gedanklich auf ein romantisches Nachtquartier ganz alleine
mit meiner blau-gelben Berg vor. Es muss diese eine Kreuzung gewesen sein, wo
die blaue Etappe von Tag 2 und 3 auf die rote Etappe von Tag 4 und 5 traf. Dort
angekommen mobilisierte ich meine letzten Reserven an Intelligenz und traf
tatsächlich die erste richtige Entscheidung des Tages. Mit 120 km am
Kilometerzähler erblickte ich dann eine kleine Gastwirtschaft.
No Cash, no Water, no Gas, no Idea
Die freundlichen
Griechen sprachen nur sehr schlecht Englisch und ich versuchte meine Situation
zu erklären. "I have no Cash, I have no Mobile Phone, I have no idea were I am
and were I have to go, I have no water and I am out of gas!". Der
Gesichtsausdruck der Griechen machte klar, dass sie meine Worte verstanden
hatten. Glück für mich, dass der Getränkelieferant Platz in seinem Lieferwagen
hatte und mich zur nächsten Ortschaft bringen will. Die Berg
wird verladen und ich nahm gemeinsam mit dem Wirten Platz neben ihr als sich die Ladebordwand schloss.
Der Wirt entpuppte sich als Endurokenner, da er sofort die leckeren
Details an der Husaberg ausmachte. Ganz klar! Die Husaberg ist ein
Premiumprodukt (siehe Preise unten). Man findet keinen billigen Teil am
Motorrad. Sämtliche Komponenten sind die modernsten Teile aus den
Lieferanten-Preislisten. Die Kupplung zum Beispiel wird mit einer
hydraulischen Magura-Pumpe betätigt. Der Kupplungshebel klappt im Fall
des Falles um bis zu 90 Grad noch vorne. Unnötig zu erwähnen, dass die
Kupplung wie auch die Brembo Bremse makellos arbeiten. In Sachen
Ausstattung gibt es einfach keine Schwachstelle an dem Motorrad. Das
Gesamtkonzept an sich bringt außer dem Preis nur einen Nachteil mit
sich. Auf schnellen Passagen wirkt das agile Motorrad vorne etwas
nervös. Als ich dem Griechen noch die sensationelle Sache mit dem
gyroskopischen Effekt erklären wolle, hielten wir jedoch an und die Ladebordwand öffnete sich. Zu sehen
war keine Ortschaft sondern griechische Prärie. Aber zu sehen waren auch
bekannte Gesichter.
Österreichermeeting mitten in Griechenland
Das österreichische Six-Days Team rund um Edi Ederer, Pauli
Schrank, Halsi und Crew stand verdutzt am Wegesrand und packte es nicht als ein
Landsmann ausgeladen wurde. "Uns ist der Benzin ausgegangen Nils! Hast Du noch
ein paar Liter....?" Doch die Racing-Crew war wesentlich besser vorbereitet und
hatte Handy und Geld parat und es gab ein Happy-End. Am Ende ist die Husaberg
unglaubliche 140 km weit gekommen. Wobei die letzten Kilometer ohne Benzin
bergab zur Tankstelle gerollt wurden. Es war ein guter Tag mit Happy-End. Dem
Motorrad muss ich nun ein tadelloses Zeugnis ausstellen. Ich war monatelang
nicht auf der Enduro gesessen und hab fast eine ganze Six-Days Etappe geschafft.
Trotz oder möglicherweise gerade wegen der bärenstarken 570ccm und 60
PS. Nicht auszudenken was Könner mit diesem Motorrad anrichten werden.
Das Geheimnis des Erfolges auf der
Sonderprüfung. Die Kurbewelle rotiert im Fahrzeugschwerpunkt, der tiefe
Zylinder sorgt dafür, dass dieser trotzdem recht tief liegt.
Kleines Detail, große Wirkung. Das
Motorkonzept macht das Motorrad vor den Fußrasten unglaublich schmal und
kompakt. Der Bereich beim Motorschutz ist schräg ausgeführt und wirkt
wie ein Schlitten. Klassische Konditionskiller wie Bäume und Felsen
werden kinderleicht geschnupft.
Die technischen Details der Husaberg in 42 Kaptiel.
Natürlich inklusive Actionfotos von den Werkspiloten.
570er: 1.,2.,3. und 4. Gang. Einfach Gas geben und
aufstellen. Im 5. muss mit Kupplung und Gewichtsverlagerung gearbeitet
werden. Die 450 reisst deutlich zahmer an, punktet aber mit noch
agilerem Handling.