Weltmeister und Normalverbraucher haben Spaß damit. Erster Fahrbericht mit der
neuen BMW F 800 R.
BMW F 800 R
Keine Angst! Man kann, muss aber nicht
mit der F 800 R Stunt-Weltmeister werden. Chris Pfeiffer, das ist der Mann der
hier irgendwo hinter dem BMW hängt, zeigt vor wie es geht.
Die neue BMW F 800 R in der Farbe
Alpinweiß. Sie macht einen coolen aber trotzdem gediegenen Eindruck.
Noch cooler wird sie mit den Teilen aus
dem Zubehör. Akrapovic, Soziusheckabdeckung und ein lackiertes Windschild stehen
zur Auswahl.
Gute Nachrichten vom rechten Lenkerende.
Wer will, bekommt die coole F 800 R mit einer uncoolen Griffheizung. Verlängert
die Saison ganz normal um ein paar Wochen.
Gute Nachrichten auch vom linken
Lenkerende. Der Blinkerschalter wirkt wie alle anderen Bedienelemente nach "Premiumprodukt",
die Bedienung ist aber "ganz normal".
Die LED Blinker stehen der BMW sehr gut.
Auch die Leichtmetall-Gussräder machen
einen überaus hochwertigen Eindruck.
Anders als bei der F 800 S wird in der F
800 R ein herkömmlicher Kettenantrieb eingesetzt - samt hübscher
Zweiarmschwinge. Diese Konfiguration spart gegenüber der S etwas Gewicht, bietet
aber nicht mehr die Wartungsfreundlichkeit des Riemenantriebes.
Die komfortable Sitzbank kann in 3
verschiedenen Varianten bestellt werden. Standard (800 mm), hoch (825 mm) und
niedrig (775 mm). Wir probierten die hohe Sitzbank alleine und zu Zweit und
waren mit unseren über 1.80 m Körpergröße sehr zufrieden. Der kleine Höcker im
Sitz bietet vorne Halt beim Beschleunigen und hinten Halt beim Bremsen.
So was sieht man nicht oft in dieser
Klasse. Die Federvorspannung kann komfortabel eingestellt werden.
Auch im Cockpit zieht sich die klare BMW
Linie durch. Eigenständig, hochwertig aber nicht zu gewagt.
Zweischneidiges Schwert! Der
Lenkungsdämpfer sorgt bei hohen Geschwindigkeiten für Stabilität, lässt die F
800 R im Stadtverkehr aber etwas träger wirken als sie ist.
Schwierige Wahl. Wir finden Sie sowohl in
weiß als auch in orange überaus aufregend. In Weißaluminium-Metallic macht sie
hingegen einen etwas zu braven Eindruck.
Auch das Federbein der F 800 R
positioniert sich in der Mitteklasse: Besser als bei den kleinen Nackten aus
Japan, nicht so gut wie bei den teureren 1000er Nakedbikes aus Europa.
Bekannt aus den anderen F 800 Modellen.
Getankt wird hinten. Erlaubt einen kompakten Knieschluss beim Tank.
Powerpoint und Papier sind geduldig, der Asphalt
bringt die Wahrheit ans Tageslicht. Bei einer kleinen Runde wurden die
wichtigsten Parameter der F 800 R "abgeklopft":
Der Motor:
Man hat uns nicht zu viel versprochen.
Nach der Fahrt spricht man nicht mehr von den 87 PS sondern nur noch von den 86
Nm Drehmoment. An der Ampel oder aus engen Kehren präsentiert sich der Motor als
ideales Nakedbike Aggregat. 4-Zylinder wie eine Hornet oder eine FZ6 können vom
Start weg nur mit schleifender Kupplung und kreischendem Motor mithalten. Die F
800 R beschleunigt leise, ruhig aber für eine Motorrad mit 87 PS überaus
vehement. Großes Plus Nummer 2: Das sauber Ansprechverhalten und der ruhige
Motorlauf. Paralleltwins haben oft Probleme mit Vibrationen, beim F 800 Motor
wird nach wie vor ein aufwendiger Mechanismus mit einem Schwenkpleuel (Link: BMW F 800 ST Test)
zum Massenausgleich eingesetzt. Eine eigenständige Lösung die ihre Wirkung nicht
verfehlt.
Das Fahrwerk:
Beim Rangieren und in engen Kurven erst
mal ein langes Gesicht unterm Helm. "Fühlt sich etwas träge an, das coole
Nakedbike", ist der erste Gedanke. Doch man tut ihr Unrecht. Der hochwertige
Lenkungsdämpfer ist Schuld am gedämpften Handling bei sehr niedrigen
Geschwindigkeiten und beim Rangieren. Klarerweise fällt er dann bei höheren
Geschwindigkeiten nur noch positiv auf und verhilft der F 800 R zu sehr stabilem
Fahrverhalten. Die BMW Ingenieure versichern, dass man mit dem nackten
Zweizylinder auch mit Gepäck und Sozius noch Freude am stabilen Fahrverhalten
hat. In den wenigen flüssigen Kurvenkombinationen der Testrunde wirkt die F 800
R dann aber genauso wie man es vermutet: Flink, sehr einfach und durchschaubar.
Sie fällt nicht von alleine in den Radius, setzt aber jeden Befehl verlässlich
um. Das neutrale Fahrverhalten kommt Anfängern entgegen, hat aber auch Profis
selten gestört. Anders als bei den Boxermodellen oder der K 1300 R braucht man
auf dem Motorrad überhaupt keine Eingewöhnungszeit. Eine Probefahrt von 15
Minuten sollte jedem Interessenten Klarheit bringen: JA oder NEIN!
Die Bremsen:
Auch bei den Bremsen wurde nicht gespart
- das spürt man. Sauber zu dosieren und ausgesprochen wirksam sind sie Bremsen
anderer "Mittelklasse-Nakedbikes" überlegen und sind eine Liga weiter oben
angesiedelt. Besser als bisher wurde auch das ABS. Ein neuer Drucksensor sorgt
für feineres Regelverhalten bei Bodenunebenheiten. Das System kann nun besser
unterscheiden ob das Hinterrad tatsächlich abhebt und ein Überschlag droht, oder
eben nur ein paar kleine Bodenwellen für Unruhe sorgen.
Slideshow
Auf das Bild klicken um die Slideshow zu Starten.
Video mit Chris Pfeiffer
Endlich mal ein richtiges Actionvideo ! Dank Chris Pfeiffer und seiner
ausgefallenen Art ein Motorrad zu bewegen bieten wir euch dieses mal Action PUR
auf der neuen F800R !
Video: Nils Schnitt: Volli
BMW F 800 R Startschuss und Preis
Probefahrt gefällig? Bei Interesse an der neuen BMW F 800
R kann man ab 9. Mai 2009 den nächsten BMW Motorrad
Händler besuchen. Der Countdown zum Startschuss läuft auf
http://www.f800r.at/.
In Österreich kostet das Fahrzeug € 8.990 (inkl. 14 % NoVA. und 20 % MwSt.).
Chris Pfeiffer mit der F 800 R
Stuntrider sind genügsam. Anders als ihre
Kollegen aus dem Rennsportzirkus kommen Sie mit seriennahen Fahrzeugen zu
Weltmeistertiteln. Offensichtlich verändert wurde die Übersetzung. Laut Chris
Pfeiffer der entscheidende Unterschied zum Serienmotorrad. Die Leistung wurde
durch den Auspuff nur geringfügig erhöht - entscheidender war hier wohl eher die
Klangkulisse. Kleine aber feine Details für spezielle Stunts wurden aber
freilich noch hinzugefügt. Zum Beispiel ein zweiter Bremskreis für die
Hinterbremse den er mit der Hand bedienen kann.
Definitiv zur falschen Zeit am falschen
Ort war der ehrgeizige Nipponreiter der zufällig vorbei fuhr. Ausgerechnet nach
dem Grande Finale von Chris Pfeiffer versuchte er das Publikum am Straßenrand
mit einem verreckten Wheely zu überzeugen. Statt Applaus gab es jedoch leider
nur lautes Gelächter.
Chris Pfeiffer hat seine besten Shows und
seine irre Reise rund um den Globus in DVD-Form gebracht. Die DVD "Stunting
for Life" begeistert Motorradfahrer ebenso wie Kinder und Omas. Die DVD kann
hier online bestellt werden.
EINE DVD gibt es auf 1000PS zu gewinnen. Wir spendieren eine DVD an jenen
User, der uns im Monat April die schönste Tour ins bayrische Allgäu (der Heimat
von Chris) präsentiert. Mitmachen geht ganz einfach:
Hier Tour eintragen
und mit Stichtag 1. Mai 09:00 Uhr in der Hitparade "Die schönsten Touren in
Bayern" anführen. Die DVD wird per Post zugesandt.
BMW F 800 R auf der Rennstrecke
Mit der BMW F 800 R auf der Rennstrecke. Photo:
PanPhoto
Mittelklasse? Auf der Rennstrecke war das eine glatte Untertreibung für die F
800 R. Wir fuhren die BMW mit Serienreifen bei unserem Probefahrevent "1000PS
Gripparty" am Pannoniaring. BMW Österreich Chef Fritz Reichl war selbst vor Ort
und drehte bloß die Dämpfung am Federbein ein wenig straffer - fertig war die
Spaßmaschine für die Rennstrecke. Für mein überschaubares Gewicht von 75kg war
das Fahrwerk tatsächlich ausreichende dimensioniert und die F 800 R blieb ruhig
und stabil. Auch hier auf der Rennstrecke begeisterte der Motor mit viel Druck
aus den Ecken. Aber in den Kurven macht die BMW klar, dass Fahrwerk und Chassis
mehr als bloß mittelklassig ist. Beim schnellen Umlegen in der Kurve 3 zum
Beispiel bringt eine kleine Bodenwelle so manch lausiges Fahrwerk schnell in
Bedrängnis. Mit der BMW drücke ich mit einem kurzen Impuls am Lenker die
Maschine exakt und stabil in die Kurve und kann soweit es mir die Serienreifen
erlauben auch recht früh ans Gas gehen.
Die F 800 R war überaus leicht zu fahren, machte aber trotzdem sehr viel Spaß.
Obwohl, oder möglicherweise gerade deswegen ich vorhin mit einer knapp 100 PS
stärkeren aufgemotzten K 1300 R meine Runden drehte.
Die F 800 R ist ein Motorrad wie es
typischer für deutsche Ingenieure nicht sein kann. Ein strebsamer Techniker
bekam damals vor 1-2 Jahren einen Anforderungskatalog aus der Marketingabteilung
die wiederum ihre Daten mit Hilfe einer Marktforschung erhoben hatte. Penibel
wurden die Anforderungen an ein Nakedbike aufgelistet und ebenso penibel wurde
die Aufgabe umgesetzt. Die F 800 R spiegelt nun 100% die
Marktforschungsergebnisse wieder. Ohne Ecken und Kanten, ohne Abweichungen von
der Norm oder von den Bedürfnissen des Marktes. Ein perfektes
Mittelklasse-Nakedbike mit genau dem richtigen Motor, genau dem richtigen
Fahrwerk und genau der richtigen Sitzposition. Ich als pragmatisch denkender
Techniker liebe solche Motorräder, andere gingen beim Probefahren ein paar
Schritte weiter zum Benelli Stand und probierten die TnT 899.
Technische Daten BMW F 800 R
Motor
Bauart
Wassergekühlter
Zweizylinder-Viertaktmotor,
vier Ventile pro Zylinder
Bohrung x Hub
82 mm x 75,6 mm
Hubraum
798 cm3
Nennleistung
64 kW (87 PS) bei 8.000 min–1
(Leistungsreduktion 25 kW (34 PS)
bei 6.000 min–1 möglich)
max. Drehmoment
86 Nm bei 6.000 min–1
(Leistungsreduktion: 58 Nm bei 3.250 min–1)
BMW F 800 R -
Vergleich Suzuki, Honda, Yamaha, Kawasaki
BMW möchte mit der F 800 R im Revier der
Japaner jagen - rein technisch aber auch optisch spricht da nix dagegen. In
Sachen Qualität merkt man den "Premiumtouch" vor allem an den Details.
Hochwertige Schrauben hier, Alulenker da, feschere Schalter, schönere Fußrasten
und bessere Bremsen. Doch Qualität hat seinen Preis. Vergleicht man die F 800 R
mit den aktuellen Listenpreisen aus Japan stimmt das Verhältnis von Preis /
Leistung auf alle Fälle. Schwer ins Grübeln kommt man aber bei den aktuellen
Abverkaufspreisen von Suzuki (SV 650) und Yamaha (FZ6). Klar handelt es sich
hier um nicht mehr aktuelle Auslaufmodelle aus dem letzten Modelljahr, aber auch
diese waren keine schlechten Motorräder. Knapp 3.000 Euro trennt den Restposten
aus Japan vom modernen Neueinsteiger aus Bayern. Da kann man sehr viel Zubehör
kaufen und die billigen Bikes kräftig aufwerten.
In Sachen Motorkonzept gibt es
verschiedene persönliche Vorlieben. Die 600er Vierzylinder haben mehr
Spitzenleistung, wirken aber beim Ampelstart oder aus engen Kehren unterlegen.
Die 650er Zweizylinder von Suzuki (Gladius, SV) oder Kawasaki (ER-6) sorgen
schon für mehr Dampf aus dem Keller, haben aber 150 ccm weniger als die BMW. Die
800 ccm sind für viele Käufer bestimmt die goldene Mitte zwischen 600er Klasse
und den scharfen Nakedbikes in der +1000 ccm / +120 PS Liga - und genau in
dieser Mitte ist die BMW F 800 R preislich auch richtig positioniert.