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Trixi |
Piaggio Carnaby 300 |
28.09.2009 |
Druck
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Piaggio streut dem Carnaby mehr Pfeffer unter den Sattel und schraubt Cruiser-gerechtes Metall drauf.
Piaggio Carnaby 300 Cruiser
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Tarnen & Täuschen |
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Piaggio Carnaby 300 Cruiser: 22,5 PS
aus 278 ccm bei einem Trockengewicht von 164 kg – keine unflotte
Kombination. |
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Woran es wohl liegt, dass Cruiser wieder im
Vormarsch sind? Weil wir älter werden. Kann nie sein, dass das einen
Einfluss darauf hat! Dafür steht der schöne Merksatz „we are ageing, but
we are not getting old.“ Ist es die Bequemlichkeit? Oder die allerorten
wie die Schwammerl aus dem Boden wachsenden Blitzkästen und die immer
raffinierteren Versteck-Methoden der Kameramänner im Staatsdienst?
Die Bequemlichkeit sortieren wir gleich einmal aus. Die zunehmende
Begehrlichkeit der Obrigkeit, in unsere Taschen zu greifen und die
Tarife saftig zu erhöhen auch schon bei kleinsten Speed-Ungenauigkeiten
nach oben hin, die ist ein Argument. Ein teures und handfestes, das
viele zur zurückgelehnteren Art des Einspur-Fahrens bekehrt. Zum
Cruising.
Jetzt macht ja der Cruiser-Trend nicht Halt bei der
schwereisernen Abteilung, nein, diese Welle schwappt stark auf die
Roller-Abteilung über. Zwar ist das nichts ganz, ganz Neues – siehe z.
B. Aprilia Habana, und Honda hatte einmal einen customisierten Scooter
namens Shadow im Programm (und so was soll dem Vernehmen nach auch
wieder kommen) – doch hat es ebenso damit zu tun, dass nicht ganz so
toll begehrte Modelle mit ein paar Kniffen attraktiver gestaltet werden.
Auch ist die Crossover-Mode nicht den Vierradlern vorbehalten. |
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Bei Piaggio hat man im Vorjahr schon den Beverly
aufgebrezelt, vielmehr aufgecruist. Denn: In Italien sind die
Sheriffs mittlerweile noch unerbittlicher als bei uns, auch werden die
Big Bikes auch dort nicht billiger, also steigt man beim südlichen
Nachbarn im Stadt- und Kurz(land)strecken-Verkehr noch emsiger auf
großvolumige Roller um. Der Kandidat der heurigen Saison war und ist der
Carnaby. Dem wurde leistungsseitig mit dem 300 ccm-Aggregat (das in der
Vespa debutiert hatte), optisch mit Chrom- und Alu-Look-Zierat mehr
Pfeffer verpasst.
Damit entpuppte sich der brave und – pardon auch recht fade –
zartwüchsige Großrad-Roller als fescher und eleganter Blickfang, der
auch was kann: Besser als beim Beverly Cruiser – der als Fünfhunderter
mit knapp 40 PS und 209 Kilo Trockengewicht nur bedingt mit dem Carnaby
vergleichbar ist – hat Piaggio bei ihm die Cruiser-Umsetzung
hingekriegt.
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| Der spitz
zulaufende Heck-Fortsatz ist für die Montage eines Topcase vorbereitet. |
Ein Kühlergrill wie
ein Auto: An der Front herrscht ein Zusammenspiel zwischen blitzendem
Chrom und satiniertem Alu-Look. |
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Große 16er-Räder, wackere Bremsen. |
Die Chrom-Zutaten wirken nicht
aufgesetzt, vor allem im Cockpit. Das ist eine runde Sache, die so
aussieht, als wäre sie vorneherein so geplant gewesen. Das Haus-interne
Facelift hat ihm auch sehr gut getan. Der hohe Kühlergrill und der
Chrom-umrandetet Rundscheinwerfer verleihen ihm Charakter. Selbst wenn
manche Details wie etwa die offenen Staufächer in der Frontschürze noch
immer wenig einfallsreich designt und lieblos angepickt wirken. Hingegen
ist der Carnaby auch mit Cruiser-Zierat nicht allzu gewichtig, 164 Kilo
sind moderat, was kleine Leute besonders zu schätzen wissen, denn ein
Seitenständer ist nicht im Serien-Lieferumfang enthalten, auch im
Optionen-Katalog gibt es keinen.
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Die Stopper versehen souverän
ihren Dienst. Auch die Gewichtsverteilung passt. Ob im
Stau-Schritt-Tempo oder bei Top-Speed, wenn so an die 140 Sachen und
fallweise ein bissl mehr auf der Uhr stehen. Da beginnt der Carnaby
nicht zu wackeln, wozu die 16er-Räder klarerweise einen wesentlichen
Anteil beitragen. Dazu kommt, dass er - grundsätzlich schlank & schmal -
sehr wendig ist. Wendiger als eine Reihe seiner dickbäuchige(re)n
Kollegen in derselben Hubraumklasse.
Fahrwerksseitig folgt der Carnaby einem einfachen, aber bewährten
Muster: Die mit 35 Millimeter doch gut stämmige Gabel korrespondiert
harmonisch mit den konventionellen Stereo-Federbeinen. Das Gröbste wird
ausbruchs-neutral weggefiltert. Mehr erwartet man nicht, aber auch nicht
weniger.
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Konventionelle Federung, die die
gröbsten Schläge nicht gröbstens weiterreicht. |
Noch crusiger gestalten kann man
den Carnaby mittels Windschild. Das optionale Topcase passt optisch
weniger ins Heavy-Metal-Bild, das ist gar nicht Cruiser-like, aber das
ist wahrscheinlich weniger ein Kriterium, wenn man z. B. einen
Vollvisierhelm verstauen will. Unter die Sitzbank passt so einer nämlich
nicht, da ist nur für eine kleine Halbschale Raum genug. Und in die
Staufächer in der Schürze kann man höchstens ein Wollhauberl stopfen.
Was es aber, Stichwort warme Mütze, sehr wohl gibt, ist ein Hotcover,
für alle, die auch im Winter Carnaby-Cruisen wollen. Wozu das fesche
Weiß besonders gut passt. Obwohl Schwarz auch sehr elegant rüberkommt,
das Hellblau muss man mögen.
Tarnen & Täuschen kann nicht nur die Exekutive, das kann man mit dem
Carnaby auch. Weil er, zart wie er gebaut ist, ziemlich harmlos
ausschaut. Und man grundsätzlich mit einem Cruiser – sei es ein Bike,
sei es Roller – optisch nie so g’schwind wirkt wie auf anderen
motorisierten Zweirädern.
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Aus dem im Prinzip einfach gestrickten
Roller wurde mit größerem Hubraum, höherer Power und durchdachten
Design-Elementen ein fescher Crossover. |
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Text: Trixi Kickeis
Fotos: Trixi Keckeis / Piaggio |
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Piaggio Carnaby 300 |
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online seit : 971 Tagen |
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