Endlich wieder Held sein! Die KX 450 F kann fast jeder fahren.
Kawasaki KX 250 F / KX 450
F 2010
Drei 1000PS Schreiber in Krankenstand - das
letzte Aufgebot wird entsandt.
"Keine Sorge! Die KX 450 F kann auf Wunsch deutlich entschärft werden. Mit
dem Beginner-Mapping ist Furcht unbegründet", versucht Alois zu beruhigen. Alois
ist technischer Leiter bei Kawasaki Österreich und lädt zur Präsentation der
neuen Kawasaki KX Motocross Modelle 2010 ein. Doch daran teilzunehmen fällt mir
heuer leider etwas schwer. Der Präsentationstermin fällt genau auf den
errechneten Geburtstermin vom Sohnemann. Doch möglicherweise war es gerade die
Ausrede für den dringenden Einsatz, die meine Chefin so unrund werden ließ.
Klaus Grammer ist noch von der Kawasaki KX 2009 Offroad Präsentation bedient.
Arlo, unser rasender Vertriebsmitarbeiter fällt für 12 Monate nach einer
Husaberg Offroad Geschichte aus und Edi Ederer hat sich vor ein paar Wochen beim
Offroad-Racing die Mittelhand gebrochen. Es war also Vorsicht geboten, sonst
müssen wir zum nächsten Motocross-Test die Putzfrau entsenden und ich darf es
mir auf dem Sofa im Büro gemütlich machen.
Die 250er kippt wie gewohnt spielerisch in den
Anlieger
Doch die Angst war tatsächlich unbegründet. Die ersten Aufwärmrunden auf der
Motocross Strecke in Kirchschlag wurden mit der KX 250 F absolviert. Die großen
Schritte vorwärts blieben aus, doch Kawasaki hat die Erfahrungen aus den starken
Motocross Serien in die Produktion einfließen lassen und möchte die Haltbarkeit
noch weiter erhöhen. Die Pressemappe zu den beiden Motorrädern füllt viel Papier
und listet akribisch die vielen Verbesserungen auf. Die Pleuellager der 250er
wurden größer, die Ölpumpe ebenso.
Tatsächlich hat sich der Wartungsaufwand und die
Zuverlässigkeit bei den kleinen Viertaktern in den letzten Jahren kontinuierlich
gesteigert. Kawasaki MX Spezialist Gerhard Damianik:"Den Ölwechsel machen in
Wahrheit die meisten Kunden selbst und machen sich dabei auch nicht besonders
schmutzig. Beim Ventilspiel kontrollieren wir alle 15 Betriebsstunden. 15
Stunden hört sich nicht nach viel an, bis Hobbyfahrer aber echte 15 Stunden auf
dem Motorrad haben vergeht einige Zeit." Klingt logisch, denn die Schmäh-Pausen
im Fahrerlager zählen für den Motor nun mal nicht als Fahrzeit.
Die 250er kippt wie gewohnt spielerisch in den Anlieger. Trotzdem macht Sie
einen stabilen Eindruck. Insgesamt macht Sie beim Handling, aber auch bei der
Stabilität auch im Vergleich zu den Mitbewerbern einen sehr hochwertigen
Eindruck. Die Bremserei ist gut, die von der aktuellen KTM beißt allerdings noch
kräftiger zu.
Hinter der Startnummerntafel der
450er verbirgt sich der kleine USB-Anschluss für den KX-FI-Kit.
Änderungen an Schwinge und Federbein für mehr Stabilität am
Kurveneingang.
Euphorie auf der 450er - Endlich wieder Vollgas!
Beim Umstieg auf die 450er wählte ich zuerst das Standard Mapping. Der Laptop
blieb also zugeklappt und es wurden ein paar lockere Runden gedreht. Die
Einspritzung an der 450er ist ausgesprochen gut abgestimmt und so macht der
Motor trotz verschwenderischer Leistung doch das, was man von ihm will. Den
Handlingnachteil gegenüber der 250er spürt man vor allem beim Einlenkvorgang
und beim Rausbeschleunigen kann der Hobbypilot eben erst später ans Gas gehen.
Doch die Elektronik-Ingenieure bei Keihin haben einen tollen Job gemacht, die
eingespritzte 450er spricht sogar schöner an als die 250er.
Die Gabel der KX 250 F war gut, doch die von der 450er war noch besser.
Ausgesprochen hoher Standard, welcher auch die ambitionierten Piloten hier in
der Runde zufrieden stellte. Echte Glücksgefühle kamen dann aber nach dem
Einspielen vom "Beginner-Mapping" auf. Der USB-Anschluß hinter der
Startnummernverkleidung wird aufgeklappt, der Laptop angeschlossen und aus dem
Sortiment der werkseitig erarbeiteten Mappings wählten wir die mildeste Version.
Im unteren Drehzahlbereich fühlt sich die 450er nach wie vor sehr direkt und
kräftig an. Sie wird durch die saubere Abstimmung nicht zur wilden Bestie, durch
das milde Mapping aber auch nicht zur 250er. Große Erleichterung dann aber ab
gefühlten 4000 Touren - sie beschleunigt und bleibt auf Spur und ich bin
tatsächlich in der Lage an einigen Stellen der Strecke Vollgas zu geben. Alles
läuft nun viel einfacher, weniger Angst, mehr Speed und mehr Spaß. Bei den
Tables wo vorher noch 2-3 Meter fehlten, sprang ich nun genau auf die Landerampe
und fühlte mich richtig gut. Danke Kawasaki, dass ich nun mein Ego endlich auch
mal wieder an einer 450er aufpolieren darf.
Die Abmessungen des Auspuffrohrs wurden überarbeitet (der nicht
konische Teil wurde bei der 250er verlängert, bei der 450er wurde der
Krümmer insgesamt um 40 mm kürzer). Die 250er wurde so mehr Leistung bei
niedrigen Drehzahlen spendiert, der 450er bei hohen. Allerdings ist der Krümmer nun aus Edelstahl und
nicht mehr aus Titan. Angeblich weil er dadurch länger hält, in Wahrheit
vermutlich aus Kostengründen.
In der KX 250 F verrichtet eine
Show ihren Dienst, in der 450er eine Kayaba. Beide mit einem "Closed-Cartridge-System".
Ohne viel Abstimmungsaufwand auf die Vorlieben der einzelnen Piloten,
machte die Kayaba jedoch einen besseren Eindruck.
Wichtig für nicht geplante Freestyle-Einlagen: Der vordere Kotflügel
wurde deutlich stabiler.
Kawasaki KX 250 F / KX 450 F 2010
Video
Videodreh: NastyNils
Schnitt: KarolettaLambretta
Schneller sind sie alle: Profis und Rookies!
Doch auch die Profis, vor Ort waren Erzberg Prolog Sieger Seppi Fally und der
junge Stefan Damianik, fanden ihren Gefallen am Einspritzungs-Tuning-Teil.
Während früher der arme Gerhard Damianik in mühevoller Kleinarbeit für
unterschiedliche Strecken und Witterungslagen das Vergasersetup anpassen musste,
macht man nun ein paar Clicks am Computer um die Maschine punktgenau
abzustimmen. Bei den schnellen Jungs geht es vor allem darum, die Maschine nicht
milder zu machen, sondern sie optimal auf die Traktionsverhältnisse der
jeweiligen Strecke anzupassen. Wer dieses Tool im Griff hat, wird bei den Rennen
am Kurvenausgang mit Garantie schneller sein. Den schon nach wenigen Minuten
herumprobieren mit den Standardmappings waren beim Test klare Vor- und Nachteile
bei der Traktion bemerkbar.
In der Praxis wird sich die Sache mit dem Elektronik-Spielzeug folgendermaßen
zutragen: Der Rookie wird beim Service vom Fachhändler das gewünschte Mapping
für die kommenden Monate ordern. Weitere Anpassungsmaßnahmen direkt an der
Strecke wird der Rookie vermutlich unterlassen. Schon alleine deshalb, weil der Kit
ein rund 800 Euro großes Loch in die Freizeit-Kassa reißt. Die echten
Rennfahrer werden ohne Kit und Laptop vermutlich nicht mehr zur Rennstrecke
fahren und müssen sich das Teil wohl oder übel leisten. Die Möglichkeiten hier
ein paar Zehntel rauszuholen sind einfach zu groß.
Neue dickere (22 mm >> 32 mm) und breitere (113,8 mm >> 117,8 mm)
Kühler mit größeren Abständen von Kühlrippen und -kernen sind stabiler,
setzen sich nicht so leicht mit Dreck zu und liefern eine anhaltend hohe
Kühlleistung. Weil die neuen Kühler stabiler sind, konnten die
Verstärkungsstreben wegfallen, wodurch sich das Gesamtgewicht reduziert.
Neue Kolben mit Bridged-Box- Kolbenhemd (im Bereich des
Kolbenbolzens) aus der Renntechnik. Ein überarbeitete Brennraumform im
Kolbenboden sorgt für eine bessere Verbrennung. Der Zylinder baut
entsprechend höher, um das Verdichtungsverhältnis von 13,2:1 (250er)
bzw. 12,5:1 (450er) beizubehalten.
weitere Änderungen an der 450er:
Neue Steuerzeiten bei der Einlassnockenwelle.
Etwas vergrößerte Schwungmasse für mehr Traktion.
Gleich wie beim Werks-Racer von Ryan Vilopoto.
Änderungen an der Kupplung, ca. 75% mehr
Reibmaterial.
Die Zylinderlaufflächen wurden zur Anpassung
an die erhöhte Motorleistung verstärkt
Kawasaki Motocross 2010 - Im Vergleich
Der Kawasaki Händler Gerhard Damianik spricht
trotz Liebe zu Grün Klartext:"Ich glaube, dass wir im Vergleich zu
den Mitbewerbern bei der Leistung wieder ganz vorne mit dabei sind. Das
war schon in den letzten Jahren so. Interessant wird jedoch bestimmt
auch das Konzept von Yamaha. Die YZ 450 F hat den Motor verkehrt rum
eingebaut, was die Ansaugluft grundsätzlich kühler macht. Mal sehen wie
das in der Praxis funktioniert."
Ein großes Feature der SX 450 von KTM ist der
Elektrostarter, wer diesen gewöhnt ist, möchte ihn auch beim gutem
Startverhalten der KX 450 nicht mehr missen. Auf der anderen Seite punktet die
Kawasaki dann jedoch mit dem feinen Mapping-Gadget. Es lassen sich
übrigens nicht nur das Gemisch-Verhältnis sondern auch die Vorzündung
einfach und präzise verändern.
Für Hobbypiloten würde ich heuer
erstmals seit Jahren wieder die 450er anstelle der 250er empfehlen. Die
Abstimmung des Motors ist richtig gut gelungen und das KX FI
Abstimmungs-Tool ist ein tolles Sahnehäubchen. Mit dem Beginner-Mapping
hat man bestimmt Monate lang Spaß und fährt garantiert schneller als mit
der 250er. Heuer wurden scheinbar bei der 450er mehr
Entwicklungsschritte gesetzt und auch die Gabel macht einen noch
besseren Eindruck. Einzig der Handling-Vorteil spricht noch für die
federleichte 250er.
Kawasaki KX FI
Abstimmungs-Kit
Kawasaki liefert den KX FI
Abstimmungs-Kit
mit 7 fertigen Mappings aus. Darauf aufbauend, kann man dann sein
persönliches Mapping entwickeln. Auspuffhersteller, welche was auf sich
halten, liefern übrigens zum Racingauspuff gleich ein passendes Mapping
zur KX mit. Hier ein Überblick über die mitgelieferten Mappings:
Im Bild oben sehen Sie eine
Werkzeugkiste und eine Wagenladung voller Vergasernadeln und Düsen.
Die schlechte Nachricht zum Schluss.
Der KX-FI-Kit ist auch ein Data-Recording-Tool. Es können verschiedene
Parameter mitgeloggt und am PC analysiert werden. Unter anderem die
Gasgriffstellung....
Fotos: Manfred Halwax, Haliklik
Kawasaki Motocross 2010 -
technische Daten
KX 250 F
KX 450 F
Motor Typ
Flüssigkeitsgekühlter Viertakt-Einzylinder
Hubraum
249 ccm
449 ccm
Bohrung x Hub
77,0 x 53,6 mm
96,0 x 62,1 mm
Verdichtung
13,2:1
12,5:1
Ventilsteuerung
DOHC, 4 Ventile
Kraftstoffsystem
Vergaser: Keihin FCR-MX 37
elektr. Kraftstoffeinspritzung, 43 mm,
Keihin
Starter
Kickstarter
Getriebe
Fünfganggetriebe
Endübersetzung
Kette, 48/13 Übersetzung
Kette, 50/13 Übersetzung
Primärübersetzung
3,350
2,727
1. Gang
2,142
1,750
2. Gang
1,769
1,412
3. Gang
1,444
1,188
4. Gang
1,200
1,000
5. Gang
1,045
0,875
Rahmen
Perimeter,
Aluminium
Federweg vorne
315 mm
hinten
315 mm
Lenkkopfwinkel
27,4 Grad
26,7 Grad
Nachlauf
118,6 mm
116 mm
Lenkeinschlag
42 Grad
Dämpfung vorne
48 mm USD Showa, 16 fach Druck, 16 fach Zug
verstellbar.
48 mm USD Kayaba, 22 fach Druck, 20 fach Zug
verstellbar.
Dämpfung hinten
Neue Uni-Trak-Federung mit Zentralfederbein,
13 fach Low Speed, 2 Umdrehungen High-Speed, 17 fach Zug,
Federvorspannung stufenlos einstellbar.
Neue Uni-Trak-Federung mit Zentralfederbein,
22 fach Low Speed, 2 Umdrehungen High-Speed, 22 fach Zug,
Federvorspannung stufenlos einstellbar.
Bremse vorne
semi-schwimmend
gelagerte 250 mm Petal Scheibenbremse mit
Doppelkolben-Schwimmsatel
Bremse hinten
240 mm Petal
Scheibenbremse, Einkolben Schwimmsattel