Ducatis Hypermotard EVO und EVO SP. Ein paar Buchstaben, ein riesen Unterschied.
Ducati
Hypermotard EVO 1100 und EVO 1100 SP
Schaf im Wolfspelz und Wolf im
Wolfspelz
Als Ducati vor 2
Jahren die erste Hypermotard vor die wütende Pressemeute stellte, wussten
die Herrschaften nicht so
recht, in welches Genre sie dieses Motorrad stecken sollten. Für
ein klassisches Naked Bike war die Hyper zu agil und zu sportlich. Auch in
der Kategorie der Supermotos war die Duc Fehl am Platz, dafür war sie
einfach zu stark, etwas zu schwer und natürlich, wie es sich für eine
Ducati gehört, zu edel. Apropos edel, rein optisch gesehen hat sich an
der Hypermotard (Gott sei dank) nur wenig getan. Erst auf den zweiten
Blick fallen jene kleinen Änderungen auf, die das Motorrad
noch hochwertiger wirken lassen. So etwa die Abdeckungen am Endtopf, die nun bei der EVO aus Carbon sind,
oder die neuen
Bedienelemente und der kompakte Tacho, welche von der Streetfighter
stammen, stechen dem geschulten Ducatisti
ins Auge.
Doch die EVO differenziert sich stärker von ihrer Vorgängerin,
als es der erste Blick erahnen läßt. Sprach man bei der ersten
Generation der Hypermotard noch von einem aggressiven, bissigen Raubtier,
das eine geschulte Hand zur Zähmung benötige, ist die nächste EVOlutionsstufe der Hyper zwar stärker und leichter, aber deutlich
einfacher zu fahren. Während die Brembo Bremsanlage der
ersten Hyper Generation in etwa so brachial wie ein F20 Bomber bei der
Landung auf einem Flugzeugträger verzögerte, so ist die Bremsanlage der neuen EVOlutionstufe deutlich sanfter und humaner abgestimmt. Die Bremserei der EVO
lässt sich nun
besser dosieren und gibt somit auch ungeübten Fahrern ein sicheres
Fahrgefühl ohne sie zu überfordern. All jene, die nach diesem Satz nun der alten Hyper als echtes
Männermotorrad nachheulen, mögen bitte ein paar Absätze nach unten zur Hypermotard EVO SP scrollen.
Nein, Reifendruck O.K. Gewicht des
Fahrers nicht O.K.
Die neue Hypermotard - kein
Männermotorrad?
Doch weiter im Text über die neue Hypermotard - der Typenzusatz EVO
weist nicht nur auf eine neue Evolutionstufe der Hypermotard hin, sondern
auch auf das komplett neue Herz der Ducati. Der Desmodue Evo Motor
stellt nun die neue Speerspitze der Ducati Zweiventil Motoren dar. Neue
Zylinderköpfe, neue Kolben, neues Motorgehäuse, geänderte Schwungmasse
sowie die neue Siemens Elektronik sind nur einige der zahlreichen Änderung,
mit denen die italienischen Ingenieure ihr Streben nach einem leichteren
und stärkeren Motor verwirklichen. Konkret leistet der Desmodue Evo
Motor nun insgesamt 95 PS bei 7500 U/min(+5 PS mehr) und das nach einer
Abmagerung von 5,2 Kg. Nicht nur auf dem Papier machen sich die
Neuerungen am Motor gut, auch auf der Straße
zeichnet sich das neue
Aggregat durch eine sehr gleichmäßige Leistungsentfaltung über das
gesamte Drehzahlband aus, lediglich ein kaum spürbares Leistungsloch bei
6500 U/min. unterscheidet die Leistungskurve des EVO Motors noch von
jener eines Elektromotors. Ähnlich wie beim Elektromotor sind auch die
Serviceintervalle,
denn der regelmäßige Besuch in der Ducati Werkstatt ist nun nur mehr
alle 12.000 Kilometer notwendig.
Abspeckkur auf der ganzen Linie.
Die Herren von der Motorenentwicklung
erleichterten das Aggregat um über 5kg, ganz klar also, dass sich die
Kollegen aus der Designabteilung nicht auf den Lorbeeren der alten Hyper ausruhen
konnten. Auch bei Rahmen und Verkleidung wurden nochmals knapp 2 Kg
eingespart. Somit bringt die EVO nun leichte 172 Kg trocken auf die
Waage. In Sachen Fahrwerk setzt man noch immer auf Bewährtes, vorne
arbeitet eine voll einstellbare 50mm Marzocchi Gabel mit 165mm Federweg.
Die Einarmschwinge hat, wie schon bei der vorigen Generation, ein voll
einstellbares Sachs Federbein mit 141mm Federweg fest im Griff.
Dass es fahrwerksseitig nichts Neues gibt, stimmt
so nicht ganz, zwar bleiben die Komponenten die gleichen, das Setting
hingegen wurde verfeinert. Im Fahrbetrieb verhält sich die neue Hypermotard
dadurch deutlich humaner,
kein Einkippen in der Kurve, kein nervöses Fahrverhalten mehr. Es wirkt,
als wäre die Hyper in der neuen Generation nun erwachsen und deutlich
reifer geworden..
Die Hyper EVO lässt eine viel größere Bandbreite an
Fahrern in ihrem Sattel zu, ohne sie wie ein wilder Stier abwerfen und zerstampfen
zu wollen. Diesen Satz bitte vergessen, wenn vor Ihnen eine Hyper EVO mit dem Typenzusatz SP steht.
Scharf - Schärfer - SP
Handhabte Ducati es bis dato so, dass man neben einer Basis Version eine (optisch) etwas
schärfere, zumeist mit Öhlins Teilen verfeinerte, "S" Version anbot,
geht man nun neue Wege. Die von Ducati angebotene Hypermotard EVO SP ist
im Prinzip ein eigenes Motorrad, und fährt sich auch komplett anders.
Den ersten Unterschied merkt man bereits beim Aufsitzen auf das Bike. Stehen 1,80 m Fahrer bei der EVO noch mit beiden Füssen auf festem
Boden, berühren auf der SP nur mehr die Zehenspitzen den Asphalt. Grund
dafür ist das edle Fahrwerk der SP. Vorne sorgt nun eine Marzocchi Gabel
mit DLC Beschichtung und 3 Zentimeter mehr Federweg für einen
reibungslosen Ablauf, das Sachs Federbein der EVO wurde bei der SP gegen
Öhlins getauscht.
Der längere Federweg der Gabel vergrößert zum einen
den Radstand um einen Zentimeter, zum anderen aber auch die Sitzhöhe um ganze 3
Zentimeter (!), Fahrer unter 1,70 m sollten also entweder nur mit
Plateauschuhen oder mit einer Kiste Bier als Aufstiegshilfe auf die SP
steigen. Apropos längerer Federweg, dieser steht bei der SP nicht im
Widerspruch zu einem strafferen und sportlichen Fahrverhalten. Wie schon
eingangs erwähnt unterscheiden sich Hypermotard EVO und Hypermotard EVO
SP grundlegend voneinander, findet die Hyper EVO im Urbanen und auf
Passstraßen ihr Einsatzgebiet, so verlangt die SP nach regelmäßigem
Auslauf am Ring oder auf der Supermotostrecke.
'Sanft' ist das Adjektiv mit
dem ich die Bremserei der EVO bezeichnete, für
die Bremserei der SP fällt mir aber kein passendes ein, da messerscharf
und extrem bissig wohl zu milde Worte sind, um der SP damit gerecht zu
werden.
In punkto Bremse trennt sich auch unter den Fahrern die Spreu vom Weizen, während routinierte
Fahrer mit einem sanften Fingerzug ein kerniges Bremsmanöver einleiten,
leiten Fahranfänger mit dem gleichen Zug eine mörder Brezn ein. Diese
Abstimmung wird mit Sicherheit Kritiker und Moralaposteln aufschreien
lassen, doch mal ehrlich, die lästern doch gegen alles was gefährlich ist
und Spaß macht.
Neben dem aggressiveren
Fahrverhalten hebt sich die SP natürlich auch
designtechnisch von ihren Schwestern ab. Vom Kotflügel über den Tank bis hin zur
Heckverkleidung ziehen sich je nach Farbausführung wunderschöne schwarz-weiße oder schwarz- rote Streifen, die die
Sportlichkeit zusätzlich unterstreichen. Zusätzlich
unterstrichen wird das Aussehen der SP auch durch die geschmiedeten
Leichmetall Felgen.
Welche Hyper für welchen
Fahrer?
Die neue EVOlutionsstufe der Hypermotard bietet sich nun zwei
verschiedenen Käuferschichten an. Einerseits paßt sie zu Fahrern, die ein geiles Gerät
für gemütliche, aber durchwegs motivierte Wochendausfahrten suchen,
andererseits hat sie genug Potenzial, um übermotivierten Rennfahrern die
Möglichkeit zu geben, alles zu richten, was sich auf zwei Reifen über
den Asphalt bewegt.
Aber egal ob Hyper EVO oder EVO SP, beide Modelle werden auf der
Sonderprüfung wieder für Sorgenfalten bei den Gegnern und vorm Eissalon
für schmale Augen bei den Neidern sorgen.
Ducati
Hypermotard EVO - Details
Ducati
Hypermotard - Technik Video
Video: Ducati Schnitt: Ducati
Ducati
Hypermotard - OnBoard Video
Video: Ducati Schnitt: Ducati
Ducati
Hypermotard EVO - Farben
Ducati
Hypermotard EVO SP - Farben
Ducati
Hypermotard EVO 1100 und EVO 1100 SP - Technische Daten
EVO 1100
EVO 1100 SP
MOTOR:
Luftgekühlter Zweizylinder-Viertakt-L-Twin
BOHRUNG x HUB:
98 x 71,5 mm
HUBRAUM:
1078 ccm
LEISTUNG:
69,9 kw ( 95 PS) bei 7.500 U/min.
STARTER:
105 Nm bei 5750 U/min.
RAHMEN:
Gitterrohrrahmen
SCHWINGE:
Aluminium Einarmschwinge
GABEL:
Marzocchi 50 mm voll einstellbar, 165mm Federweg
Marzocchi 50 mm voll einstellbar mit DLC Beschichtung,
195mm Federweg
FEDERBEIN:
Sachs Monoshock, voll eintellbar
Öhlins Monoshock, voll eintellbar
BREMSE VORNE:
Doppelscheibenbremse 305 mm, Vierkolben-Radialsättel
Doppelscheibenbremse 305 mm, Vierkolben-Radialsättel Monobloc