|
|
vauli |
Honda CBR250R |
04.04.2011 |
Druck
|
Von allen Honda-Neuheiten des heurigen Jahres ist die CBR250R die einzig echte Neuheit – keine Vorgängerin, keine Weiterentwicklung, keine Ahnenlegende.
 |
|
|
Honda
CBR250R 2011
|
|
Ernsthafte Konkurrenz für Kawasakis kleinsten Ninja-Kämpfer. |
|
|
|
Japaner, im speziellen japanische Motorradhersteller, stehen ja
bekanntlich ganz arg auf Traditionen. Das Althergebrachte wird mit so
viel Respekt behandelt wie von uns Österreichern bestenfalls das
obligate Schnitzerl am Sonntag. Dementsprechend verhalten sich die
Japaner auch gegenüber ihren alten Motorrädern - die Nachteile und
Schwächen des Vorgängermodells gegenüber der Neuheit werden nicht etwa
hervor-, sondern vielmehr unter den Teppich gekehrt. Das alte Modell
wird mit viel Respekt und Ehre in die verdiente Pension geschickt. Auch
der Vorgängerin der Vorgängerin wird noch heftigst gehuldigt. Ganz zu
schweigen vom Urmodell der Baureihe, das gilt nämlich als genialer
Vorreiter einer höchst erfolgreichen Modellgeschichte – sogar dem
schlechtesten Krapfen von Motorrad werden nach Jahrzehnten noch Blumen
gestreut. Das funktioniert bei der brandneuen CBR250R (noch) nicht:
Keine Vorgängerin, keine Ahnenlegende, keine Weiterentwicklung. |
|
|
 |
|
Die Front mit dem markanten Scheinwerfer erinnert
stark an jene der Fireblade SC50 von 2002 – fast zehn Jahre altes Design
kann auch heute noch hervorragend aussehen. |
|
|
Umso erfreulicher ist es, dass die Honda-Ingenieure trotzdem ein
herrlich erwachsenes Motorrad auf die beiden Räder gestellt haben. Vor
allem vergisst es nicht, wo es hingehört: Die CBR250R wird nämlich
weltweit verkauft, in vielen Märkten wie etwa Österreich will Honda
damit den Einsteiger und Wiedereinsteiger bedienen.
In anderen, ärmeren
Märkten stellt die kleine Spaßmaschine aber bereits ein
Oberklasse-Modell dar. Daher soll und darf sie niemanden überfordern.
Natürlich hätten eine Upside-Down-Gabel, radial montierte Bremssättel
und ein hochgezüchtetes 250er-Triebwerk dem supersportlichen Image
geholfen - die Zielgruppe hätte es aber in jedem Fall verfehlt wie ein
alkoholisierter Scharfschütze. |
|
|
Mehr Sportlichkeit hätte geholfen,
Zielgruppe wäre verfehlt. |
|
|
Ganz altvaterisch kommt die kleine Sportlerin aber dennoch nicht daher,
Insgesamt wurden ganze 27 neue Technologien patentiert. Vor allem der
Viertakt-Einzylindermotor ist auf der Höhe der Zeit, verfügt über
Vierventiltechnik, zwei oben liegende Nockenwellen, eine
verbrauchsoptimierte Einspritzanlage und eine Iridiumkerze. Der Kolben
besitzt sogar eine Molybdän-Beschichtung, die für eine verminderte
Reibung sorgt. Ebenso wie die leicht versetzte Anordnung von Kolben und
Zylinder gegenüber der Kurbelwelle. Das offene Erfolgsgeheimnis des
Motors ist die Verwendung von möglichst wenig bewegten Einzelteilen, was
ihn sowohl leicht als auch kompakt macht. |
|
|
Kaum einer hätte gedacht, dass dieses Motörchen so viel Spaß macht! |
|
|
Resultat sind etwas mehr als 26 PS bei 8500 Umdrehungen, das
maximale Drehmoment von 23,8 Newtonmeter liegt etwas früher bei 7000
Touren an. Das sorgte beim verwöhnten Journalistenpack vor der
Testausfahrt zwar für verschmitztes Lächeln, während der Fahrt und bei
den Gesprächen danach allerdings für einige "Ohs" und "Ahs" – kaum jemand
hätte gedacht, dass dieses Motörchen solchen Spaß machen kann. Es ist
natürlich nicht die Beschleunigung, die uns vom Hocker haut und auch die
Endgeschwindigkeit bricht keine Rekorde. Aber man fühlt sich nie
untermotorisiert, kann das Triebwerk bis 10.500 Touren auswinden und mit
fleißigem Schalten fast die gleichen Resultate erzielen wie mit
stärkeren Maschinen. |
 |
 |
 |
|
Der Auspuff ist nicht schön, aber auch nicht hässlich
– Freunde eines gepflegten Joints werden bestimmt Gusto bekommen. |
Dass die CBR125R die gleichen Armaturen trägt ist
eine Ehre für die Kleine, aber sicher keine Schande für die Große. -
Update: silberne Flügerln, blaue Lichter. |
|
Ein ganz großer Wurf gelang den Ingenieuren mit der Bremsanlage.
Klarerweise wurde den gleichermaßen patscherten wie übermotivierten
Journalisten nur die ABS-Version in die Hand gedrückt. Traurig war
darüber aber niemand, denn für nur 400 Euro Aufpreis bekommt man ein
System, das bis zum vorigen Jahr noch den Supersport-Topmodellen
vorbehalten war. Unglaublich sanft und kaum spürbar regelt das
Combined-ABS. Da gibt es kein klackern im Handbremshebel, wie von
Geisterhand hält die kleine CBR selbst bei heftigen Bremsungen die Spur.
Wer außerdem zu zaghaft nur die hintere Bremse betätigt, wird von der
Elektronik zu Recht overruled und bekommt auch von der Vorderradbremse
Unterstützung. Da stört es eigentlich auch gar nicht, dass jeweils
lediglich eine Scheibe an Front und Heck arbeitet. |
 |
|
Mit dem, aus den echten Supersportlern
bekannten Combined-ABS spielt die CBR250R in einer höheren Liga. |
|
|
Nur ein zu hoher Body-Mass-Index könnte die Bremse
fordern. |
|
|
|
|
Sparsam und effizient gibt sich auch die Federung, sowohl die vordere
Telegabel mit 37 Millimeter Durchmesser als auch das hintere
Pro-Link-Zentralfederbein sind ausreichend komfortabel abgestimmt, ohne
schwammig zu wirken. Selbst in schnell gefahrenen, weiten Kurven hält
die kleine CBR die Linie und schaukelt nicht unangenehm herum. Dass die
Federelemente nicht verstellbar sind, ist somit für den
Otto-Normalverbraucher leicht verschmerzbar, zumal sich in unseren
Breiten wohl das Gros der Käufer aufgrund des günstigen Preises für die
CBR250R entscheiden wird. Damit man sich eben voll und ganz aufs Beschleunigen und Gasgriffdrehen
konzentrieren kann und nicht etwa Gedanken an die Stabilität der Fuhre
verschwenden muss, ist der Stahl-Doppelbrückenrahmen den Anforderungen
entsprechend sehr stabil ausgeführt. Das sorgt zwar für ein paar mehr
Kilos auf den Rippen, wird aber aufgrund des erwachsenen Auftritts gerne
in Kauf genommen. Mit 161 Kilo vollgetankt (166 Kilo für die
ABS-Version) zählt die CBR250R durchaus zu den sehr leichten
Motorrädern. Natürlich hätte ein fescher Alurahmen noch mehr Gewicht
gespart, wurde aber aufgrund der höheren Herstellungskosten gestrichen. |
|
|
Fährt fast wie richtig erwachsen. |
|
Schließlich wird auch an der Optik kaum jemand etwas zu kritisieren
finden. Wer auf sportliche Attribute steht, kann sich an der aggressiven
Front mit dem breiten, großflächigen Scheinwerfer im Stil der vierten
Fireblade-Generation und der glattflächigen Verkleidung erfreuen.
Praktikern hingegen gefallen bestimmt die Rückspiegel, durch die man
auch wirklich etwas erkennen kann und die bequeme Sitzposition. Ich war
jedenfalls äußerst positiv überrascht, dass die CBR250R auch Fahrer mit
einem stark abweichenden Body-Mass-Index ordentlich integrieren kann und
nicht aussehen lässt, als wären sie auf einem Moped unterwegs. Selbst
der Beifahrer sitzt überaus gemütlich auf dem gut gepolsterten Sattel,
die ergonomisch positionierten Fußrasten bedürfen keiner ausgeprägt
embryonalen Haltung. Dennoch wird der schlaue CBR250R-Besitzer
potentiellen Mitfahrern einreden, die Sitzposition sei selbst auf
Kurzstrecken unzumutbar – bei 26 PS will man kein Gramm zu viel
mitschleppen.
Insgesamt fährt sich die CBR250R fast wie ein richtig erwachsenes
Motorrad und macht dadurch trotz der nur 26 PS mehr Spaß, als man
vermuten würde. Vor allem für Neu- oder Wiedereinsteiger bietet sich die
sportliche 250er-Maschine an, bleibt stets bestens kontrollierbar und
überfordert in keinem Bereich. |
 |
|
Der Sattel ist sportlich konturiert, bietet aber
erstaunlichen Komfort. Sogar die Beifahrer-Haltegriffe sind hübsch
integriert. |
|
|
|
Sogar die Armaturen könnten auf weitaus größeren und
teureren Maschinen ihren Dienst verrichten: Gut ablesbar, klar
gegliedert, ordentlich ausgestattet und mit einem herrliches Design
gesegnet, das man anderswo selbst bei teureren Modellen nicht bekommt. Für all das sind 4290 Euro ein durchaus angemessener Preis, vor allem
die, nur 400 Euro teurere C-ABS-Version ist ihr Geld wert. (Preis DE
4.490.- inklusive ABS) Man fühlt
sich durch die Stotterbremse nicht bevormundet, sondern freut sich über
ein Sicherheitsplus – unauffällig und nur dann in Aktion, wenn man sie
auch wirklich braucht. Mit der guten Aerodynamik richtet sich die
CBR250R auch an Motorradfahrer, die etwas weitere Ziele ins Auge gefasst
haben – eigentlich ein zu gutes Motorrad, um nur als Einsteigermodell
abgekanzelt zu werden. |
|
 |
|
Die relativ niedrige Sattelhöhe von 784 Millimetern
kommt allen Piloten, ob groß oder klein, zugute.
Durch den angenehm weit vorne angebrachten Lenker
fühlen sich auch europäische Riesen nicht eingepfercht sondern gut
integriert. |
|
|
Technische
Daten Honda CBR 250 R |
| Bauart |
Flüssigkeitsgekühlter
Einzylinder-Viertaktmotor mit geregeltem Katalysator |
| Bohrung x Hub in mm /
Hubraum in cm³ |
76 x 55 / 250 |
| Verdichtung |
10,7 : 1 |
| Gemischaufbereitung |
PGM-FI Einspritzung
|
| Max. Leistung, kW (PS)
bei 1/min |
19,4 (26,4) / 8.500 |
| Max. Drehmoment, Nm
bei 1/min |
23,8 / 7.000 |
| Zündung |
Transistorzündung |
| Starter |
Elektrostarter |
| Felgen vorne |
17M/C x MT2.75 |
| Felgen hinten |
17M/C x MT4.00 |
| Bereifung vorne |
110/70-17M/C |
| Bereifung hinten |
140/70-17M/C |
| Radaufhängung vorne |
37 mm
Teleskopgabel |
| Radaufhängung hinten |
Schwinge,
Pro-Link-Zentralfederbein |
| Federweg in mm |
vorne/hinten 130 / 104
|
| Bremsen vorne |
296 x 4,5 mm
Scheibenbremse mit Doppelkolbenbremszange, hydraulisch betätigt,
optional Combined-ABS |
| Bremsen hinten |
220 x 5 mm
Scheibenbremse mit Einkolbenbremszange, hydraulisch betätigt,
optional Combined-ABS |
| Gewicht vollgetankt |
162 / 166 ABS |
| Länge in mm |
2.030 |
| Breite in mm |
709 |
| Höhe in mm |
1.127 |
| Radstand in mm |
1.369 |
| Lenkkopfwinkel |
25° |
| Nachlauf in mm |
95 |
| Sitzhöhe in mm |
784 |
| Bodenfreiheit in mm |
148 |
| Tankinhalt in Liter |
13 |
| Sitzplätze |
2 |
|
|
| Aktuelle Produktangebote |
|
|
| |
| Gebrauchte Motorräder |
|
|
| |
|
|
|
|
|
Interessante Links:
|
Text: Vauli, 1000PS
Fotos: Honda |
|
|
|
|
| 1000ps Data Recording |
Honda CBR250R |
|
|
|
|
online seit : 418 Tagen |
gelesen: 21713 mal |
 |
| |
|
|
|
|
| 1000ps Userbewertung für Bike: HONDA CBR 250 R |
Optischer Eindruck: |
|
Technischer Eindruck: |
|
Gesamteindruck: |
|
| Kaufkraft: |
ein Kauf heuer kommt für 54,76 % der Bewerter in Frage
ein Kauf später kommt für 28,57 % der Bewerter in Frage
|
| 1000ps Userbewertung: Honda CBR250R von
vauli |
Photos: |
|
Text: |
|
|
|
|