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Befindet sich die Elektronik vom Getriebe im "D"-Modus, ist der flinke Zwitter
ein gemütlicher Gleiter der nahtlos beschleunigt. Nun wird Wert auf Komfort
gelegt. Drückt man den Knopf am rechten Lenkerende, wechselt das Getriebe in den
Modus „S“ und damit ist man für den Cityinfight bestens gerüstet. Ein
„Kickdown“, also ein rasches Öffnen vom Gasgriff bewirkt es Zurückschalten von
1,2 ja manchmal sogar 3 Gängen. Maximale Beschleunigung steht im Vordergrund und
nun kann man auch die Schaltvorgänge zumindest im Ansatz vernehmen. Schon nach
wenigen Kreuzungen kann man sich im Sattel kein anderes Konzept mehr vorstellen.
Eine Variomatik erscheint im Vergleich dazu etwas zu träge, ein
Schaltgetriebe von einem Motorrad erfordert mehr Aufmerksamkeit. Im hektischen
Treiben gibt man einfach Vollgas, wählt seinen Weg und den Rest erledigt die
schlaue Elektronik. Es ist tatsächlich so, dass bei dieser umfangreichen Runde
das Getriebe in jeder Situation das tut was man im Sattel erwartet. Beim
Wegfahren, beim Stehenbleiben, beim Überholen und beim raschen Bremsen ist es
total intuitiv und hat keine Ecken und Kanten. Im Testfuhrpark mit dabei waren
auch normale Motorräder, doch wer in der Innenstadt den Integra probiert hat
wollte nicht mehr absteigen.
Bestnoten für Motor und Getriebe
Das Getriebe ist also richtig gut und alles andere also eine Note „1“ wäre
fehl am Platz. Nimmt man die derzeitigen Big-Scooter als Referenz, darf man auch
den Motor samt Verbrauch, Leistungsvermögen und Charakter ebenfalls nur mit der
Bestnote bewerten. Doch wie eifrige 1000PS Leser wissen, bringt auch Yamaha den
T-Max runderneuert in die Saison 2012 und BMW steigt mit 2 neuen Scootern in den
Markt ein. Doch die Latte wurde soeben gelegt – und sie liegt hoch. Bis Tempo
170 zieht der Motor die Fuhre nach vorne und bis ca. Tempo 120 ist die
Beschleunigung auch recht forsch. Vor allem im hohen Geschwindigkeitsbereich,
also auf der Cityautobahn oder auch am Wochenendausflug punktet die Integra dann
am meisten. Die 17“ Räder haben zum Einen echt gute Motorradreifen aufgezogen (Metzeler
Z8) sowie beherbergen richtig gute Bremsen (selbstverständlich mit Integral ABS)
und sorgen einfach für die nötige Stabilität. Es kostet zu Beginn viel
Überwindung, doch das Teil kann höllisch schnell bewegt werden. Ich wage zu
behaupten, dass sie bei den meisten Motorradausfahrten problemlos mitfahren
kann.
Schnell genug für die Bikerrunde
An der Ausfahrtstraße nimmt der Guide die langen Kurven richtig schnell und
selbst üble Bodenwellen stellten keine Gefahr für den vorzüglichen lauwarmen
Oktopus-Salat im Magen des Journalisten dar. Alles blieb da wo es hingehörte.
Das liegt nicht nur an den größeren Rädern im Vergleich zu anderen Scootern
sondern auch auch am „echten Fahrwerk“. Vorne bügelt eine 41 mm Gabel die
Bodenwellen aus, hinten arbeitet eine vollwertige Motorradaufhängung. In den
schnellen Passagen fährt der Riesenroller also eher wie ein Motorrad, im
Cityinfight ist er jedoch ganz der Roller. Doch das Zwitterkonzept hat auch
Nachteile. Der Stauraum unter der Sitzbank ist zum Beispiel deutlich kleiner als
bei den gediegenen Luxusscootern vom Schlage einer Burgman oder eines Silverwing.
Und flinkes Rangieren oder wirklich sehr enge Gasserl sind dann doch das Revier
vom italienischen Konkurrenten Vespa. Die Sitzhöhe ist mit 790mm zwar etwas
höher als bei den üblichen Rollern, jedoch immer noch ein für den Großteil der
Menschen akzeptabler Wert. Ein echtes Platzproblem mit den Knien kriegen jedoch
all jene Jungs, welche die 1,90 Meter deutlich überschreiten. Nach hinten lässt
die geformte Sitzbank keinen Spielraum zu und vorne steht man dann einfach an
der Verkleidung an.
52 PS, 3.6 Liter auf 100km
Klassenüblich sind die Ausstattungsmerkmale „Zigerettenanzündersteckdose“
fürs Navi oder fürs iPhone sowie das zusätzliche kleine Staufach vorne in der
Hauptverkleidung. Der mit 52 PS bestückte Motor begnügt sich übrigens mit 3,6
Litern Spritverbrauch. Laut Honda eine sehr realistische Werksangabe, welche
bereits mit dem bald verbindlichen WMTC-Zyklus gemessen wurde. In der Praxis
bedeutet dass niedrige Kosten, ein reines Gewissen und stellt aber auch eine
Investition in die Zukunft dar. Man darf davon ausgehen, dass in Zukunft neue
Steuern auf uns zukommen werden. Und sobald Verbrauchsangaben bei Motorrädern
ebenso verbindlich werden wie bei Autos, rückt eine CO2 Abgabe in greifbare
Nähe. Niedrige Kosten kommen auch beim Service auf uns zu. 12.000 km kann man
verstreichen lassen, ehe man wieder eine Honda-Fachwerkstatt besucht.
Das neue Doppelkupplungsgetriebe ist dem „alten“ in der VFR 1200
übrigens überlegen. Sowohl was Schaltgeschwindigkeit als auch künstliche
Intelligenz betrifft. Doch auch die neue VFR 1200 sowie die Reiseenduro
Crosstourer werden 2012 das deutlich intelligentere Getriebe spendiert bekommen.
Das Anwendungsgebiet dieses Gefährtes ist jedoch breiter als bei jedem anderen
am Markt befindlichen Rollern. Der gute Windschutz und eine im Zubehörprogramm
erhältliche Gepäcklösung machen ihn auch zu einem tollen Allwetter-Tourer.
Gewöhnungsbedürftig für Rollerkunden ist vor allem die freilaufende Kette welche
im Vergleich zum klassisch-schicken Roller immer ein wenig grindig daherkommt.
Motorradfahrer haben zu Beginn möglicherweise mit dem sehr niedrigen
Drehzahlniveau ein Problem. Um den neuen Roller in rauen Mengen zu verkaufen
müssten die Händler jedoch nur eines tun: Ihre potentiellen Kunden auf eine
Probefahrt nach Rom entsenden. |