|
Dass die Show fast 2 Wochen lang dauert ist nicht der einzige
Unterschied zu den Motorradmessen im deutschsprachigen Raum.
Die Birmingham Bike Show ist zwar nicht so offiziell und so
umfangreich wie die Intermot in München; sie ist auch nicht so adrett und
so kühl wie die Bike in Wien. Trotzdem ist in Birmingham alles vertreten,
ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit.
Das Besondere liegt unter anderem darin, dass ein sehr reichhaltiges
Angebot an Bekleidung, Zubehör, Ersatzteilen und Tuning Parts direkt auf
der Messe zu sehr moderaten Preisen feilgeboten wird. Supersportreifen von
Dunlop, Metzeler, Michelin und Pirelli werden pro Garnitur! zwischen 130
und 180 Pfund angeboten, das sind im Schnitt weniger als 200! Euro.
Generell bewegen sich die Preise auf einem sehr kundenfreundlichen Niveau.
Und so verwundert es auch nicht, dass fast jeder Besucher der Messe
"Beute" macht.
Ungewohnt ist der enorme Wettbewerb unter den Versicherungen und
Finanzdienstleistern. Diebstahlprotektion und Bike-Recovery sind ebenfalls
ganz heiße Themen. Auch die 5 großen Motorrad Magazine des Landes bemühen
sich mit mächtigem Aufwand um die Leserschaft. Gewinnspiele und Action
sind Pflicht.
Im MCN Race Paddock stehen die Racetrucks dicht an dicht und werden
von den Fans gestürmt. Team-Polo-Shirts sind ab 20 EUR zu haben, für
Team-Baseballmützen muss man zwischen 7 und 10 EUR auslegen. Merchandising
Produkte von Gas-Jeans haben auch in Birmingham ihren Preis: ein Team-Hemd
kostet unglaubliche 130 EUR!
Racing spielt auf der Insel eine dominierende Rolle. Superbike hat
den Status einer Religion und diese wird mit voller Emotion zelebriert.
Superbikeweltmeister James Toseland und Troy Corser sind auf der Bike Show
präsent. Während der offiziellen Autogrammstunden strömen tausende Fans zu
ihren Idolen, das traditionelle "standing on a line" wird dann kurzfristig
über den Haufen geworfen, doch zwischen den Autogrammstunden ist ein
Smalltalk mit den Stars jederzeit möglich.
Der Motorsport begeistert Millionen von Briten. Allein die britische
Superbike Meisterschaft zählt pro Saison mehr als 500.000 Besucher an der
Rennstrecke. Dazu kommen noch Millionen vor dem Fernsehapparat - BBC
sendet aktuelle Zusammenfassungen von jedem Rennen und lokale Sender
übertragen live.
Diese Begeisterung für den Motorsport schlägt sich natürlich auch in
den Verkaufszahlen nieder: Supersportler liegen in der Statistik
unangefochten an erster Stelle.
Angesichts des Schattendaseins der heimischen Straßenmotorrad
Staatsmeisterschaft, wäre es sicher nicht verkehrt den Veranstaltern der
Britischen Superbike Meisterschaft über die Schulter zu schauen, um zu
sehen wie es richtig gemacht wird: professionelles Marketing,
professionelle Teams, professionelle Fahrer. Das kostet natürlich eine
ordentliche Stange Geld, aber am Ende wirft die Sache für die
Motorradindustrie offenbar dann doch mehr ab, als man zu Beginn
hineinstecken musste. Zurück zur Britischen Insel. Hier
müssen Motorradfahrer wahre Enthusiasten sein. Allein das Wetter würde
unsereinen gleich wieder katholisch machen. Die Briten scheint das aber
nicht wirklich zu stören. Ich konnte ein Gespräch von zwei Bikern
verfolgen in dem es darum ging, wer von beiden an Sonnentagen, oder besser
gesagt nicht bei Regen fuhr. Gewonnen hat schließlich derjenige, der es in
der Saison auf ganze 3 Tage ohne Regen gebracht hat. Aber nicht nur in
dieser Richtung erweist man sich als äußerst genügsam. Hinsichtlich
genialer Motorradstrecken sieht es ja alles andere als rosig aus - von
Bergstrassen ganz zu schweigen. Der höchste Berg Großbritanniens liegt in
Schottland und misst gerade 1.343m (Ben Nevis). Bei den Verkaufszahlen
zeigt sich auch hier die Wechselwirkung: das Tourersegment befindet sich
in einer etwas ungewohnten Rolle, denn wer sein Herz nicht an einen
Supersportler verloren hat cruist über die britischen Landstraßen.
Die Motor Show hat unzählige Highlights, eines von vielen ist das
Spiel mit dem Feuer. Nahezu jeder Aussteller würzt seine Produkte mit
einer kräftigen Prise Erotik. Mehr oder wenig spärlich bekleidete Damen
beleben die Szene. Doch die Briten sehen das alles nicht so eng und nehmen
es als Spaß für die ganze Familie.
Fazit: wer einmal eine ganz andere und sehr lebendige Motorrad Messe
erleben möchte, dem sei die Birmingham Bike Show wärmstens empfohlen.
Alle Fotos von der Messe und Facts zum Britischen
Motorradmarkt:
www.moto-academy.com/bikeshow
Text und Fotos: Michael Fiala |

Kenny Roberts jr. hat sich 2004 viel Zeit genommen, um an der Rennstrecke
viele nette Menschen kennen zu lernen.

Eine Verkaufsmesse ganz nach dem Geschmack des Publikums

two-wheels-only verlost eine nagelneue R1 im Rossi Design

Troy Corser fährt 2005 für das Alstare Suzuki Corona Extra Team

Supersportler stehen im Mittelpunkt des Interesses

Vmax reicht nicht - Lachgas und Kompressor muss her!

Hayabusa! Ein Quad mit Front- und Heckflügel!

God save the Queen!
|