|
Wenn die Blechblos'n im Ganzkörperkondom auf der Bühne Hits zum Besten geben,
deren Text man noch mit 3 Promille im Blut nach einer Strophe auswendig kann und
wenn die gesamte Belegschaft eines französischen BMW Händlers auf den Tischen
stampfend dazu grölt, was jede Unterhaltung mit seinem Gegenüber unmöglich
macht, dann ist es Zeit für mich, das Bierzelt zu verlassen. Jetzt weiß ich
wenigstens, wieso ich nie auf dem Oktoberfest war - und nie sein werde. Wer's
mag. Außerhalb des Bierzelts war die Welt interessanter und schöner.
Weißbier gab es schließlich auch bei zahlreichen anderen Standeln auf dem
gesamten Gelände. Ein andere Möglichkeit, etwas kultivierter und entspannter den
Abend zu verbringen, bot die US Lodge und die klassische Musik-am-Lagerfeuer.
Zumindest wenn es einmal nicht geregnet hat. Denn der Regen hat schon andere
Großveranstaltungen in dieser Saison gewaltig abblitzen lassen und machte auch
vor den BMW Motorrad Days nicht halt. Manchmal hatte man das Gefühl, daß jeden
Moment das ganze, riesige Bierzelt auf die Masse herunterbricht und somit das
Treffen für beendet erklärt. Das geschah zum Glück nicht, Statikern und
Aufbaupersonal sei Dank. Am Samstag zeigte sich der Himmel ein paar
Stunden gnädig und ermöglichte es den tapferen Besuchern, die teilweise schon am
Freitag bei schlechtester Wetterlage angereist waren, das umfangreiche Angebot
an Aktivitäten auf den BMW Motorrad Days 2009 zu nutzen.
Wie immer konnte man die BMW Modellpalette probefahren, die Schlange
vor der Anmeldung reichte allerdings bis zum Haupteingang vor. Gut angenommen
wurde auch das Fahren im Enduropark und auf dem eigens angelegten x-track, wo
man mit BMW Offroad-Modellen seine Fähigkeiten auf unbefestigten Wegen, Schotter
und Sand ausbauen durfte. Wer lieber staunte als schöpfte, der testete bei den
Vorführungen des dreifachen Stunt-Riding Weltmeisters Chris Pfeiffer seinen Sinn
für Realität, für Mögliches und Unmögliches. Chris beherrscht übrigens beides
perfekt. Zum Aufwärmen zeigten vor Pfeiffers Show zwei Mountainbike- und
Trialgenies, was man mit BMW Fahrrädern so alles machen kann, wenn gerademal ein
paar Stahlgitter und -plattformen in der Gegend herumstehen oder ein paar Kinder
auf dem Boden liegen. Autogramme von den Superbike Piloten Troy Corser und Ruben
Xaus konnte jeder kriegen, eine F800GS und eine F800R blieben nur zwei
glücklichen Gewinnern vorbehalten.
Seit ich das letzte Mal vor 4 Jahren das Treffen in Garmisch besucht habe,
hat sich einiges getan. Motorradvielfalt wie Publikum sind breiter geworden,
wobei ich hier keineswegs von der Körperfülle rede. Obwohl...
Was ich meinte war, daß BMW seine Modellpalette seither weiter ausgebaut, man hat
jetzt eine richtige Enduro und einen echten Supersportler. Wie wir beim
Interview mit BMW Motorrad Chef Hendrik von Kuenheim quasi erfahren haben, werde
andere Modelle folgen, vielleicht ein Roller und ein Custombike. Das erweitert
natürlich auch den Kundenkreis, der sich folglich am BMW Treffen blicken läßt,
was wiederum dem Markenimage gut tut. Eine BMW zu fahren wird immer normaler,
gleichzeitig suchen viele gerade deshalb eine eigene Linie an ihrem Motorrad zu
finden. Sogar ich habe mir mit 30 einen R1200C Cruiser gekauft und ihn nach
meinen eigenen, nicht ganz alltäglichen Vorstellungen umbauen lassen. Von
solchen in die Realität umgesetzten Vorstellungen sah man mehr denn je auf den
Motorrad Days. Das belebt den Zubehörmarkt. Andere reden von Rezession, hier
passiert Wachstum. |