Hungarian Style - Harley Custom Bike

Hungarian Style - Harley Custom Bike

Custom Harley mit 70er Jahre Motor und 20er Jahre Aussehen

Man sagt den Ungarn ein hohes Mass an Fingerfertigkeit, Geschicklichkeit, Kreativität und Improvisationstalent nach. Immer wieder findet man Bikes auf internationalen Ausstellungen, die aus dem Land von Paprikas und Gulasch stammen. Einer dieser Schrauber ist Emmerich. Er lebt sehr bescheiden in einem kleinen Haus am Nordrand von Budapest. Seine Liebe gilt sowohl den zwei, als auch den vierrädrigen Fahrzeugen. Er ist noch ein Mechaniker der alten Schule, der einfach alles reparieren kann. Da wird schon mal eine alte Schuhsole zur Dichtung oder ein vergammeltes Eisenstück zur Motor Halterung – „alles keine Problem“ ist sein Leitspruch. Doch der Budapester ist nicht nur Mechaniker, er versteht es auch Bikes zu bauen, wie er mit dieser Harley eindrucksvoll bewiesen hat.

Mehr als einen alten Motorblock brauchte es nicht

Es war wie so oft ein Zufall. Emmerich besuchte einen Freund, der gerade dabei war, seine Garage auszumisten. Alte Reifen, alte Möbel, alte Elektrogeräte und ein alter Motor. Woher der alte, vergammelte Motor stammte, wusste niemand mehr, denn er diente viele Jahre lediglich als Sitzgelegenheit. Emmerich sah in dem alten V2 jedoch keinen Sessel, sondern die Basis zu einem neuen Projekt, das schon seit einem Jahrzehnt in seinem Kopf schwebte. Schnell waren sich die beiden handelseinig und um ein paar Forint und eine Flasche Barack tauschte der Motor die Besitzer. Es handelte sich dabei um einen aus den 70er Jahren stammender Shovelhead 1200 FL Motor, der noch am selben Abend in alle Teile zerlegt wurde. Böse Überraschungen blieben aus und so stand für Emmerich fest – „jetzt baue ich mein Traumbike“.

Selbst ist der Mann - Oldschool Harley-Bau

Es fehlten lediglich noch ein Rahmen, Gabel, Räder, Getriebe, Tank und eine unendlich grosse Zahl an Kleinteilen. Doch das schreckte den Magyaren nicht ab – alles keine Problem. Auf einem Flohmarkt ergatterte er um 400 € eine passendes Getriebe und schon war der Antrieb fertig. Aus gezogenen Rohren fertigte er den Rahmen. Oldschool wie es in den 20 er Jahren üblich war, zeichnete er dazu mit Kreide eine Skizze auf den Boden, nach der er die Rohre formte. Rahmenlehren oder Computerskizzen brauchte er nicht, denn er hatte alles in seinem Kopf, und ausserdem - alles keine Problem. Welchen Stil er dem Bike verpassen wollte, das stand von Anfang an fest. Es sollte einen 20`er Jahre Race-Style bekommen. Gebrauchte 21 Zoll Räder erstand er aus dem Internet und musste nur noch für die passende Bereifung sorgen. Für die Gummis reiste Emmerich bis nach Serbien. Dort, und nur dort, bekam er alte Eisspeedway Pneus, die er für seine Zwecke adaptierte. Weihnachten und Silvester fiel dieses Jahr aus, denn der Ungar war wie besessen von seinem Projekt. Die Gabel entstand auch in Eigenregie. Schnell ein paar Skizzen gezeichnet, das Schweissgerät angeworfen und schon hing die Gabel im Rahmen – alles keine Problem. Ein Highlight an dem Bike ist mit Sicherheit auch der bzw. die Tanks. Die Aluminiumplatten trieb er mit Hammerschlägen in die richtige Form. Dazu legte er sich die Teile auf seine Oberschenkel und drosch drauf los. So entstand die Form. Die rechte Seite gehört dem Öl und die linke für Benzin. Lenker, Sitz, Bremse, Kotflügel – ein Teil nach dem anderen entstand, 100% made in Hungary. Nachdem alle Komponenten angefertigt waren ging es an die Farbe. Emmerich ist stolzer Ungar, und die wiederum bauten in den 70er Jahren die stärksten Traktoren der Marke Dutra. Und genau mit dieser Traktorfarbe erfolgte der Anstrich. Klingt simpel und ist dazu - alles keine Problem.

Im März war es dann so weit. Nach exakt einem halben Jahr Bauzeit stand die erste Probefahrt am Programm. Emmerich kickte den alten Sportster Motor zum ersten Mal nach gut zwanzig Jahren Stehzeit an, und der lief wie am ersten Tag. Die Gänge liessen sich problemlos einlegen und der Sound, der über die Auspuffanlage ins Freie gelangte, war ohrenbetäubend. Emmerich hatte es geschafft. Alle jene die dem Projekt eher skeptisch gegenüber standen, wurden eines Besseren belehrt, denn Emmerich wusste ja schon immer – alles keine Problem…

Text und Bild:

Roland Posch GAU

Bericht vom 24.09.2018 | 2'100 Aufrufe

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