Stock Sucks - Custom Harley Sportster

Stock Sucks - Custom Harley Sportster

Österreicher baut Harley XL1200N Nightster zu Custom Sportster um

Roland, Automatisierungstechniker aus der südlichen Steiermark in Österreicher, entdeckte erst vor kurzem seine Liebe für Harleys und baute prompt eine für sich. Als Basis diente ihm dafür eine Harley XLN1200N Nightster von 2010. Das Ergebnis lässt sich sehen.

Automatisierungstechniker sorgen dafür, dass Maschinen oder Anlagen selbstständig und ohne Mitwirkung von Menschen laufen. Roland macht genau diesen Job - er plant und baut Steuerungen, füttert Datenbänke und entwickelt Visualisierungen. Den Grossteil seines Arbeitstages verbringt er vor dem Computer. Ausgleich findet er neben seiner Familie auch in der Garage. Sein neuestes Projekt spiegelt abermals sein handwerkliches Talent und Können wieder. Ein Custom-Aufbau, welcher auch wirklich gut fahrbar sein soll, war sein Plan. Herausgekommen ist eine Sportster, wie es sie kein zweites Mal gibt.

Früher war Roland nie ein grosser Fan der Harley Davidson Sportster-Reihe gewesen. Das änderte sich aber in den letzten Jahren, in denen er immer mehr Gefallen an den kleinsten Harleys fand – immerhin ist das Herzstück, der Motor, der ursprünglichste, der von der Motor-Company noch immer gebaut wird. Dass die Sportster-Reihe heuer ihr 60. Jubiläum feiert, muss auch seinen Grund haben.

So kam es also, dass sich der Österreicher am Gebrauchtmarkt umsah und schliesslich im April 2016 ein halbwegs unverbasteltes Basis-Fahrzeug zu einem guten Kurs fand – eine XL1200N Nightster aus dem Baujahr 2010. Kurzerhand wurde diese gekauft und nach Hause transportiert. Nur wenige Tage später wurden auch schon die ersten Teile für die Änderung der Motor-Optik von EMD geordert – Rockerboxen, Nockenwellendeckel, Pulley-Abdeckung und Primärkasten waren nach kurzer Zeit bereits da und wurden auch gleich montiert. Zeitgleich bekam auch der graue Motorblock eine Lackierung in einem freundlichen Harley Texture-Black und damit es einen einheitlichen Farbton ergab, bekamen auch die EMD-Teile noch denselben Lack verpasst. Bis es mit dem Umbau allerdings weitergehen konnte, dauerte es dann aber noch seine Zeit. Da Roland mehr als vier Monate auf seine Sonderbestellung bei Performance-Machine in den USA warten musste, nutze er die Zeit, um die grundsätzlich noch serienmässige Sporty besser kennenzulernen, und spulte über den Sommer noch einige Kilometer damit ab.

Umbauten an der Custom Harley Sportster - Alles raus bis auf Motor und Rahmen

Im Herbst 2016 war es dann soweit – das grosse Paket aus den USA kam in der Steiermark an und das lange Warten hatte sich gelohnt. Die Alu-Schmiedefelgen, Bremsscheiben, Pulley und der vordere Bremssattel mit einer Sonder-Eloxierung in der Farbe grau waren perfekt verarbeitet und hatten zusätzlich auch noch den Segen vom TÜV.

Im selben Paket befanden sich auch noch die Einzelteile einer nagelneuen Gabel der 2016er Forty-Eight, welche Roland aufgrund der fetten Optik mit den 49mm Standrohren und der guten Funktionalität durch die integrierte Gasdruck-Cartridge unbedingt haben wollte. Um Geld zu sparen, wollte Roland die Gabel ebenfalls in den USA kaufen, was sich allerdings als etwas schwierig erwies, da die US-Harley-Händler scheinbar keine OEM-Teile mehr ins Ausland versenden. So wurden die Originalteile kurzerhand zu Verwandten in Kalifornien geordert, welche diese dann mit dem Auto zu dem Händler brachten, bei dem auch die Performance Machine Teile bestellt wurden.

Damit das ganze Fahrwerk eine runde Sache wurde, bekam die Sporty noch eine Alu-Leichtguss-Schwinge einer 2009er XR1200 und Stossdämpfer einer 2016er Iron spendiert. Die XR-Schwinge war nicht einfach zu finden, da es diese selten als Gebrauchtteil zu kaufen gibt. Letztendlich wurde Roland bei ebay in Holland fündig, und die dazu passende Achse fand er bei ebay Italien. Fehlende Teile wie Achsspanner etc. wurden kurzerhand selbst angefertigt. Auch der hintere Bremssattelhalter für einen 4-Kolben-Bremssattel und sämtliche Distanzen mussten neu angefertigt werden – die erforderlichen Dreh- und Frästeile wurden von einem Kumpel nach den Zeichnungen von Roland angefertigt.

Handarbeit bei Blechteilen

Das Hauptaugenmerk wurde allerdings auf die Blechteile des Bikes gelegt – hier wollte der Österreicher möglichst alles selbst fertigen und keine Teile aus den Katalogen verwenden. Generell wollte er einen ganz anderen Stil wählen, als jener bei den gängigen Sportster-Umbauten. Bei den meisten Umbauten werden die klassischen Peanut-Tanks weiterverwendet und meist noch höhergelegt. Roland wollte aber einen Tank, der so tief wie nur irgendwie möglich auf dem Oberrohr liegt und auch noch den Konturen der Zylinder folgt.

Für die Umsetzung wurde 1mm starkes Stahlblech gewählt, welches in unzähligen Stunden von Roland in Form gebracht und verschweisst wurde. Dabei waren auch diverse Schwierigkeiten, wie die Unterbringung der originalen Benzinpumpe oder des knappen Abstandes zwischen Einfüllöffnung und Oberrohr zu meistern. Nach rund 90 Arbeitsstunden war der Tank fertig und vor allem dicht.

Das Heck entstand in gleicher Art in Handarbeit. Am gekürzten Heckrahmen fügte der Österreicher einmal mehr Stahlbleche aneinander, und so entstand ein Monocoque, welches in einer fliessenden Linie an den Tank anschliesst und auch den Sitz nahtlos einbettet.

Nach der ganzen Blecharbeit war der Frontfender, welcher ebenfalls aus einem flachen Stück Blech entstand, eine leichte Übung und auch schnell umgesetzt. Handmade sind auch die Krümmer inkl. Hitzeschutzblechen aus Edelstahl, an denen der Vance & Hines Endtopf ein perfektes Finish ergibt. Die gesamte Auspuffanlage erhielt dann noch eine Keramikbeschichtung, welche selbst höchsten Temperaturen standhält.

Neben unzähligen Kleinteilen, die Roland selbst anfertigte, wurden auch die Seitendeckel geschmälert und an die minimal mögliche Kontur des darunterliegenden Öltanks angepasst. Um die Umbaukosten ein wenig im Rahmen zu halten, versuchte er auch all jene Teile zwischendurch wieder zu verkaufen, welche vom Serienbike ausgebaut wurden – immerhin war das alles, ausser dem Rahmen und dem Motor. So fanden diese Teile auch wieder glückliche Besitzer in ganz Europa und nebenbei landeten wieder ein paar Euro in der Geldbörse. Zu guter Letzt wurde noch die Sitzplatte von Rolands Kumpel Stefan tapeziert und penibel an die Konturen des Monocoques angepasst.

Den Paintjob überliess der Steirer wieder seinem Freund Laschi von Airvolution. Auf den schwarzen Basislack kamen mit Blattsilber unterlegte, giftgrüne Konturen und an den Oberseiten der Teile wurden mit Luftpinsel und anderen Techniken originale Explosionszeichnungen des Sportster-Motors aufgebracht. Der Schriftzug „Stock Sucks“ vollendete das ganze Werk, und an diesem Projekt darf man das getrost so behaupten.

Text und Bild:

Roland Posch GAU

Bericht vom 15.10.2018 | 2'179 Aufrufe

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