Westwind Moto - ein Honigdachs im Motorrad-Gepäckmarkt
Im Test: Rackless System Ranger Wilds Enduro 40
Westwind Moto mischt den Adventure-Gepäckmarkt auf. Wir haben uns das Rackless System Ranger Wilds Enduro 40 ausprobiert und zeigen, warum man diese Marke ernst nehmen sollte.
Neue Marken im Adventure-Segment gibt es viele. Wirklich spannende Geschichten dahinter deutlich weniger. Westwind Moto ist so ein Fall, bei dem man genauer hinhören sollte. Entstanden aus einer Freundesgruppe von Motorradfahrern, die einfach unterwegs sein wollten, ohne für Gepäcksysteme ein kleines Vermögen auszugeben, bringt Westwind Moto einen frischen, bodenständigen Ansatz in einen hart umkämpften Markt.
Im Fokus dieses Berichts steht das RW 20 Rackless System aus der Ranger Wilds Serie. Gleichzeitig werfen wir einen genaueren Blick auf die Marke dahinter, ihre Philosophie und die Frage, ob hier tatsächlich ein neuer Player unterwegs ist, den man nicht vorschnell in eine Schublade stecken sollte.
Westwind Moto an der EICMA: Wenn Marken plötzlich persönlich werden
An der EICMA kommt man schnell ins Gespräch, oft aber auch genauso schnell wieder hinaus. Beim Stand von Westwind Moto lief es anders. Das Gespräch mit Alex und Tyrone entwickelte sich nicht als klassisches Produktgespräch, sondern eher wie ein Austausch unter Motorradfahrern. Beide fahren selbst Adventurebikes, sind viel unterwegs und kennen genau die Situationen, über die man sonst erst nach ein paar Minuten Smalltalk spricht.
Was sie erzählten, fühlte sich vertraut an. Ride-Outs mit Freunden, spontane Offroad-Ausfahrten, kleinere Reisetrips, bei denen das Motorrad nicht im Mittelpunkt steht, sondern das Unterwegssein selbst. Diese Art von Erlebnissen ist es, die viele Adventurefahrer kennen und die oft mehr prägen als jede Hochglanzreise.
Als das Gespräch auf die Entstehung von Westwind Moto kam, stellte sich unweigerlich eine gewisse Erwartungshaltung ein. Die naheliegende Antwort wäre gewesen, dass man das Wachstum im Adventure-Segment erkannt habe, Investoren gefunden wurden und daraufhin eine Marke aufgebaut wurde. Eine Geschichte, die man so oder ähnlich schon oft gehört hat.
Doch hier kippte das Gespräch in eine andere Richtung. Westwind Moto entstand nicht aus Marktanalysen oder Fremdkapital, sondern aus einem ganz einfachen Bedürfnis. Gutes Adventure-Gepäck war für viele in ihrem Freundeskreis in China schlicht zu teuer. Also begannen sie, Taschen für sich selbst und ihre eigene Gruppe zu bauen. Dass daraus mit der Zeit eine Marke wurde, war nicht geplant, sondern das Ergebnis wachsender Nachfrage.
Warum Westwind Moto anders tickt: Qualität vor Zyklen
Nach der Entstehungsgeschichte wird vor allem eines deutlich: Westwind Moto wurde nie mit dem Ziel gegründet, ständig neue Produkte auf den Markt zu bringen. Die Taschen sollten für den eigenen Einsatz funktionieren und nicht nach zwei oder drei Jahren ersetzt werden müssen. Dieser Anspruch zieht sich konsequent durch die gesamte Produktphilosophie.
Ein entscheidender Faktor dabei ist die Nähe zur Produktion. Da Alex und Tyrone selbst in China unterwegs waren, lagen die entsprechenden Produktionsstätten für Materialien und Komponenten praktisch um die Ecke. Anstatt über mehrere Zwischenhändler zu arbeiten, gingen sie direkt zu den Fabriken, die die benötigten Stoffe, Beschichtungen und Bauteile herstellen.
Dieser direkte Zugang ermöglichte es, Kosten zu sparen, ohne an der Qualität zu rütteln. Materialien konnten gezielt ausgewählt, angepasst und getestet werden, ohne dass jede Änderung sofort durch mehrere Instanzen musste. Der Fokus lag nicht auf maximaler Marge, sondern auf einem funktionierenden Produkt zu einem fairen Preis.
Gerade im Adventure-Bereich, in dem Produktzyklen immer kürzer werden, wirkt dieser Ansatz beinahe altmodisch. Westwind Moto setzt bewusst auf langlebige Systeme, die nicht nach kurzer Zeit ersetzt werden müssen. Diese Haltung erklärt, warum die Marke heute nicht wie ein kurzfristiges Trendprodukt wirkt, sondern wie etwas, das organisch gewachsen ist.
Ein Detail, das dabei sinnbildlich für diese Haltung steht, ist das Logo von Westwind Moto. Der Honigdachs wirkt auf den ersten Blick unscheinbar, ist aber bekannt für seine Widerstandsfähigkeit und sein Durchhaltevermögen. Genau diese Eigenschaften wollte man bewusst transportieren.
Westwind Moto sieht sich nicht als lauter Herausforderer im Gepäckmarkt, sondern als Marke, die über Substanz überzeugt. Robust, unaufgeregt und wenig beeindruckt von Trends. Eine Haltung, die gut zur Entstehungsgeschichte passt und sich konsequent durch die Produkte zieht.
Westwind Moto im Test: Das Rackless System Ranger Wilds Enduro 40 im Test: 20-Liter-Dry Bags als Kernstück
Im Zentrum dieses Tests stehen die RW-20L Dry Bags, wie sie im Ranger Wilds Enduro 40 System eingesetzt werden. Das Konzept ist bewusst einfach gehalten: zwei 20-Liter-Seitentaschen, montiert auf der RW-Base, komplett rackless und ohne klassische Kofferträger. Ziel ist ein leichtes, schlankes Gepäcksystem, das sich an unterschiedliche Adventure-Einsätze anpassen lässt.
Material und Verarbeitung
Die RW-20L Dry Bags bestehen aus 1680D TPU und sind an stark beanspruchten Stellen zusätzlich verstärkt. Die Rolltop-Konstruktion in Kombination mit verschweissten Nähten sorgt für eine durchgehend wasserdichte Ausführung. In der Praxis vermittelt das Material einen sehr robusten Eindruck, ohne unnötig steif oder überdimensioniert zu wirken. Alles fühlt sich klar auf Haltbarkeit und realen Einsatz ausgelegt an.
Rackless Konzept und Aufbau
Die Dry Bags sitzen in separaten Holstern auf der RW-Base. Diese Bauweise bringt einen entscheidenden Vorteil im Reisealltag: Die wasserdichten Innentaschen lassen sich nach oben herausziehen, ohne dass das gesamte System vom Motorrad genommen werden muss. Gerade auf längeren Touren oder bei häufigem Be- und Entladen ist das spürbar angenehmer als bei klassischen Systemen.
Montage und Anpassung
Die Montage des Ranger Wilds Enduro 40 ist unkompliziert und in wenigen Minuten erledigt. Die RW-Base lässt sich flexibel an verschiedene Motorradtypen anpassen und wird über robuste Gurte und Haken fixiert. Das System sitzt stabil, ohne übermässig zu verspannen. Mitgelieferte Hitzeschutzbleche sorgen dafür, dass die Taschen auch in Auspuffnähe sicher montiert werden können.
Modularität und Details
Ein zentrales Merkmal der Ranger Wilds Serie ist die Modularität. Zusätzliche Molle-Flächen erlauben die Befestigung kleinerer Taschen, etwa für Werkzeug oder Kleinteile. D-Ringe an der Unterseite bieten weitere Möglichkeiten, leichtes Zusatzgepäck zu fixieren. Praktische Tragegriffe an den Dry Bags erleichtern den Transport abseits des Motorrads.
Fahreindruck
Im Fahrbetrieb bleibt das System angenehm unauffällig. Durch die schmale Bauweise sitzt das Gewicht nah am Motorrad, was sich positiv auf Handling und Stabilität auswirkt. Auch im Gelände wirkt das Gepäck ruhig und gut kontrollierbar. Zudem kommen die Taschen nicht im Weg, wenn man auf der Enduro stehend fährt. Sollte es zu einem Umfaller kommen, zeigt sich ein Vorteil des rackless Ansatzes: Die Taschen können nachgeben, statt starre Kräfte auf Heck oder Rahmen zu übertragen.
Westwind Moto: Mit Präsenz in der Dakar und zugänglichen Produkten sollte sich die Gepäckbranche warm anziehen
Westwind Moto beschränkt sich nicht nur auf Produktentwicklung, sondern ist auch aktiv in der internationalen Offroad- und Adventure-Szene eingebunden. Bereits früh arbeitete die Marke mit dem Dakar-Fahrer Zhang Min zusammen und unterstützte ihn mit Gepäcklösungen für Training und Einsatz. Aus dieser Zusammenarbeit entstanden auch gemeinsame Ride- und Storytelling-Events, bei denen Erfahrungen aus dem Rallye- und Reisealltag direkt an Fahrer weitergegeben wurden.
Ein sichtbares Zeichen dieser Präsenz war auch die Unterstützung des Kove Dakar-Motorradteams. Auf den Rallye-Bikes kam Westwind-Gepäck zum Einsatz, was zeigt, dass die Systeme nicht nur für Reiseeinsätze, sondern auch für extreme Bedingungen konzipiert sind. Ohne grosse Ankündigungen, aber sichtbar dort, wo Material wirklich funktionieren muss.
Neben diesem Engagement fällt die breite Modellabdeckung ins Auge. Westwind Moto bietet Gepäcklösungen für eine Vielzahl gängiger Adventure- und Enduro-Motorräder unterschiedlicher Hersteller. Dazu kommen sogenannte Featured Looks, bei denen komplette Setups für einzelne Modelle gezeigt werden. Das hilft bei der Orientierung und zeigt gleichzeitig, wie vielseitig die Systeme einsetzbar sind. Direkt aufgelistet sind nebst universellen Lösungen auch spezifische Produkte für KTM, Husqvarna, CF Moto, Yamaha und Kove.
Unterm Strich wirkt Westwind Moto nicht wie eine Marke, die kurzfristig auf einen Trend reagiert, sondern wie ein neuer Player, der sich Schritt für Schritt etabliert. Mit bodenständiger Produktentwicklung, Nähe zur Szene und einer klaren Haltung ist Westwind Moto ein Name, den man im Adventure-Gepäckmarkt künftig auf dem Radar behalten sollte.
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Bericht vom 26.12.2025 | 12.779 Aufrufe