NIU XQi3 Test: Elektro-Enduro für Stadt und Gelände

Spielzeug, Stadtflitzer oder echte Mini-Enduro?

Die NIU XQi3 passt in keine klassische Schublade. Sie ist leicht, leise, elektrisch und irgendwo zwischen Moped, E-Enduro und Spassgerät angesiedelt. In Barcelona klären McGregor, Bernd Hiemer und Horvath, wo dieses ungewöhnliche Zweirad wirklich Sinn ergibt.

von Gregor am 30.05.2026

Unsere 1000PS-Auswärtsgarage in Barcelona ist für die NIU XQi3 ein passendes Testrevier. Rund um die Stadt treffen dichter Verkehr, Strandnähe, Promenaden, kleine Strassen und die Hügel des Garraf aufeinander. Genau dort zeigt sich, ob dieses leichte Elektro-Zweirad nur ein auffälliges Spassgerät ist oder tatsächlich mehrere Aufgaben übernehmen kann. Ich nähere mich der XQi3 zuerst mit der Grundfrage: Ist sie eine leichte Enduro-Alternative, ein flotter E-Stadtflitzer oder doch einfach ein glorifiziertes Spielzeug? Beim Test probieren mehrere 1000PS-Protagonisten das Fahrzeug in unterschiedlichen Situationen aus. Ich übernehme die technische Einordnung und den spielerischen Offroad-Zugang, Supermoto-Weltmeister Bernd Hiemer bewertet die XQi3 auf leichten Trails aus sportlicher Sicht und Horvath schaut auf den innerstädtischen Alltag sowie auf einen Reichweitentest im gebirgigen Nationalpark Garraf. Dadurch entsteht kein einzelner Blickwinkel, sondern ein praxisnahes Gesamtbild.


Technische Daten der NIU XQi3 im Test

Die NIU XQi3 ist ein sehr leichtes Elektro-Zweirad mit nur 76 Kilogramm Gewicht. Die Sitzhöhe liegt bei 875 Millimetern, was auf dem Papier nicht besonders niedrig klingt. Ich betone aber, dass die Maschine extrem schmal und leicht ist. Dadurch wirkt sie beim Rangieren, beim langsamen Fahren und im Handling deutlich zugänglicher, als es die Sitzhöhe vermuten lässt. Das Fahrgefühl ordne ich klar auf der spielerischen Seite ein, weil man aus dem motorisierten Zweiradbereich selten so wenig Masse unter sich hat. Die XQi3 rollt vorne und hinten auf 19-Zoll-Rädern mit schmaler Bereifung im Format 70/100. In Kombination mit dem Offroad-orientierten Auftritt und den Stollenreifen entsteht dieser ungewöhnliche Hybrid aus leichtem Motorrad, E-Moped und Trail-Spielzeug. Die maximale Leistung liegt serienmässig bei 8 kW, die Nennleistung bei 3,5 kW. In der Strassenversion ist die XQi3 auf 45 km/h limitiert und damit im AM-Bereich angesiedelt. Ich weise aber darauf hin, dass der elektrische Antritt deutlich kräftiger wirkt, als die reinen Leistungsdaten vermuten lassen.


Bedienung, Akku und Overboost der NIU XQi3

Bei der Bedienung setzt NIU auf mehrere Lösungen gleichzeitig. Die XQi3 lässt sich per NFC-Karte freischalten, bietet aber zusätzlich einen klassischen Schlüssel. Dazu kommt ein magnetischer Sicherheitsschalter, der an einen Jet-Ski-Notaus erinnert. Erst wenn dieser Schalter korrekt sitzt, ist das Fahrzeug fahrbereit. Ich beschreibe, dass der Startvorgang dadurch zunächst etwas Eingewöhnung verlangt. Praktisch ist die Lösung trotzdem, weil das Fahrzeug bei einem Sturz automatisch deaktiviert werden kann. Die Fahrmodi werden über einen haptisch auffälligen Schalter gewählt. Eco und Sport bleiben in der Strassenversion auf 45 km/h begrenzt, unterscheiden sich aber spürbar im Antritt. Zusätzlich gibt es einen Overboost-Knopf, der kurzzeitig mehr Leistung freigibt. Genau dieser kurzfristige Extra-Schub passt für mich zum spielerischen Charakter der XQi3. Der Akku sitzt unter der Sitzbank, ist entnehmbar, wiegt 15,4 Kilogramm und arbeitet mit 72 Volt sowie 32 Ah. Ein Ladevorgang soll rund 5,3 Stunden dauern. Für die Stadt ist relevant: Der Akku ist schwer genug, dass man ihn spürt, aber leicht genug, um ihn in eine Wohnung mitzunehmen und dort zu laden.


Die Steuerung der elektronischen Systeme des NIU XQi3 sind schön gelöst und intuitiv bedienbar.

OTA-Update: Mehr Leistung für die NIU XQi3 Wild

Ein wichtiger Punkt ist das angekündigte OTA-Update für die XQi3 Wild-Version. Dieses Update soll ohne Hardwareänderungen per Over-the-Air-Firmware eingespielt werden und bringt einen deutlichen Leistungsschub. Im Sportmodus steigt die Dauerleistung um 28 Prozent, wodurch die XQi3 stärker beschleunigen und direkter reagieren soll. Auch der Boost-Modus legt zu: Hier sollen 36 Prozent mehr Leistung verfügbar sein, was vor allem beim Beschleunigen und beim Überwinden von Steigungen helfen kann. Die Spitzenleistung steigt laut NIU von 8 kW auf 10,6 kW, während die Höchstgeschwindigkeit nach dem Update auf nahezu 80 km/h angehoben wird. Auch die Beschleunigung verbessert sich deutlich. Der Sprint von 0 auf 75 km/h soll mit OTA-Update 6,3 Sekunden dauern, ohne Update 8,4 Sekunden. Wichtig ist die Einschränkung: Diese Leistungssteigerung betrifft nur die XQi3 Wild-Version. Die Strassenversion bleibt innerhalb der gesetzlichen Grenzen der jeweiligen lokalen Vorschriften. NIU weist ausserdem darauf hin, dass die stärkere Leistung die Reichweite je nach Fahrweise und Bedingungen um bis zu 20 Prozent reduzieren kann.


Meine Eindrücke im Gelände: Leise, leicht und überraschend spielerisch

Ich sehe einen grossen Vorteil der XQi3 in ihrer Unauffälligkeit. Mit einer Verbrenner-Enduro wäre es in einem dicht besiedelten Umfeld rund um Barcelona undenkbar, sich in Strandnähe oder auf sensiblen Wegen auch nur kurz spielerisch zu bewegen. Die NIU ist leise, klein und wirkt weniger bedrohlich als ein klassisches Motorrad. Dabei bleibt natürlich klar: Rücksichtnahme ist notwendig, und es geht nicht darum, am Strand oder in der Stadt den Hooligan zu spielen. Trotzdem zeigt sich im Test, dass das elektrische Konzept Einsatzbereiche öffnet, in denen ein Verbrenner sofort stören würde. Im Sand kann man kurz spielen, im leichten Gelände Erfahrungen sammeln und durch das geringe Gewicht neue Manöver probieren. Gerade das einfache Lupfen des Vorderrads fällt mir auf. Wo bei einer schweren Enduro Kupplung, Timing und Kraft notwendig sind, reichen bei der XQi3 etwas Zug am Lenker und ein Gasimpuls. Das macht sie für spielerische Übungen zugänglich, verlangt aber auch Gefühl, weil der Motor im Sportmodus giftig ansprechen kann.


Spielen im Gelände war noch nie so leicht und leise, wie mit der NIU XQi3. Die Leichtigkeit des Seins hat aber auch ihre Tücken!

Meine Kritik: Stehposition, Fahrwerk und Bremsgefühl

Auf den Trails rund um Barcelona zeigt sich für mich aber auch, wo die Grenzen liegen. Die XQi3 bietet zwar 200 Millimeter Federweg vorne und 176 Millimeter hinten, das Fahrwerk fühlt sich aber passend zum geringen Fahrzeuggewicht weich an. Es arbeitet nicht wie ein ausgewachsenes, progressiv dämpfendes Enduro-Fahrwerk. Über Steine und Unebenheiten kommt dadurch mehr Bewegung ins Fahrzeug. Weil alles sehr leicht ist, lässt sich das Vorderrad schneller versetzen, wenn man seitlich an einen Stein gerät. Für mich ist ausserdem die Stehposition ein Thema. Ich stehe hoch über dem schmalen Fahrzeug und muss mich deutlich nach unten zum Lenker beugen. Dadurch wirkt die XQi3 auf rauerem Untergrund kippelig und instabiler, als es der erste spielerische Eindruck vermuten lässt. Gleichzeitig fordert der direkte E-Antrieb Konzentration. Im Sportmodus reicht ein kleiner Gasimpuls, und das Vorderrad steigt. Ich empfinde das Fahren deshalb als spassig, aber auch anstrengend. Für kurze Spielereien funktioniert das gut, für anspruchsvolle Enduro-Passagen ersetzt die XQi3 aus meiner Sicht keine vollwertige Geländemaschine.


Bernd Hiemer: Zugänglich und gut für leichtes Gelände

Bernd Hiemer bewertet die XQi3 aus einer anderen Perspektive. Als Supermoto-Weltmeister bringt er viel Erfahrung mit sportlichem Fahren und Fahrzeugkontrolle mit. Auf den Mountainbike-artigen Trails beschreibt er die NIU als sehr zugänglich. Im Sitzen lässt sich mit ihr entspannt durch leichtes Gelände wandern. Wird es sportlicher, steht Bernd lieber auf, und auch das funktioniert für ihn grundsätzlich gut. Er merkt aber ebenfalls an, dass der Lenker recht tief positioniert ist. Für Fahrer über etwa 1,75 Meter könnte ein höherer Lenker sinnvoll sein, um eine aktivere und natürlichere Position einzunehmen. Beim Einsatzzweck denkt Bernd auch an junge Fahrerinnen und Fahrer. Wer mit 15 oder 16 Jahren auf so einem Gerät unterwegs ist, kann im Gelände Spass haben und gleichzeitig ein Gefühl fürs Motorrad entwickeln. Genau das sieht er positiv: Die XQi3 kann junge Menschen niederschwellig ans motorisierte Zweirad heranführen. Die Leistung hält er für leichtes Gelände für absolut ausreichend. Für Hard-Enduro oder anspruchsvolle Offroad-Einsätze bräuchte es aber mehr Motor, mehr Fahrwerk und mehr Bodenfreiheit.


Für Weltmeister Bernd Hiemer ist die NIU XQi3 ein toller Einstieg in die motorisierte Zweiradwelt.

Horvath in der Stadt: Sommer, Palmen und kurze Strecken

Horvath übernimmt im Test den städtischen Alltagseinsatz. Für ihn passt die NIU XQi3 in Barcelona erstaunlich gut zu Sommer, Sonne und Palmen. Er macht aber sofort klar, dass das Fahrzeug auf kurze Strecken ausgelegt ist. Der Sitzkomfort ist ein deutlicher Hinweis darauf: Die Sitzbank beschreibt er als sehr hart, echten Komfort vermittelt sie ihm nicht. Gleichzeitig überrascht ihn die XQi3 positiv bei Temposchwellen und Bodenunebenheiten. Das Offroad-orientierte Fahrwerk funktioniert in der Stadt gut, weil man über viele Unebenheiten rollen kann, ohne stark abbremsen zu müssen. Gerade dort, wo Autos vor Schwellen stark verzögern, fühlt sich die XQi3 überlegen an. Auch die Bereifung überrascht Horvath. Er erwartet zunächst ein kippeliges, unruhiges Verhalten, vor allem in Kreisverkehren. Tatsächlich lässt sich die NIU aber sauber durch die Stadt dirigieren. Das geringe Gewicht hilft beim Rangieren, beim Abstellen und grundsätzlich in allen Situationen, in denen man ein Fahrzeug im Stand bewegen muss. Für Horvath ist das im Alltag ein klarer Pluspunkt.


Auf kurzen Stadtfahrten zischt die NIU XQi3 souverän und agil zwischen Autokolonnen durchs Stadtgebiet. Lange Etappen im Sattel möchte man durch die brettharte Sitzbank eher vermeiden.

Horvaths Reichweitentest am Garraf bei Barcelona

Horvath sieht die XQi3 primär in der Stadt, fährt aber trotzdem aus Barcelona hinaus zum Garraf, um die Bergauf-Performance zu prüfen. Er startet mit 96 Prozent Akku und fährt bewusst nicht besonders sparsam. Den Eco-Modus hält er im Stadtverkehr für wenig sinnvoll, weil die 25 km/h Begrenzung ihn dort eher zum Hindernis machen würde. Also bleibt er im Sportmodus und nutzt die 45 km/h, wo es möglich ist. Am Fuss des Garraf stehen noch 92 Prozent im Display. Bergauf zeigt sich zunächst, dass die XQi3 die 45 km/h gut halten kann. Das ist für Horvath wichtig, denn auf einer ohnehin begrenzten Maschine wäre ein deutlicher Geschwindigkeitsverlust bergauf unangenehm. Später fällt die Geschwindigkeit kurz auf etwa 41 km/h, steigt aber wieder. Er beobachtet dabei keinen kritischen Hitzezustand. Nach mehreren Spitzkehren und rund elf Minuten Vollgas bergauf kommt er oben mit 76 Prozent Akku an. Der Verbrauch von rund 20 Prozent für diese Belastung fällt für ihn besser aus als erwartet. Die kleine NIU muss arbeiten, meistert die Aufgabe aber solide.


Die Reichweite der XQi3 ist logischerweise nicht für große Ausfahrten geeignet, doch der urbane Alltag und die Umgebung lassen sich damit gut erkunden.

Was ist die NIU XQi3 nun wirklich?

Am Ende entsteht aus den drei Perspektiven ein recht klares Bild. Ich sehe in der XQi3 ein schwer einzuordnendes Fahrzeug, genau darin liegt aber auch ihr Reiz. Sie ist keine klassische Enduro, kein Roller und kein Fahrrad. Bernd Hiemer sieht sie als zugängliches Gerät für leichtes Gelände, kurze Ausflüge und den Einstieg in motorisierte Offroad-Erfahrungen. Horvath erkennt ihren Platz vor allem in der Stadt, solange man kurze Strecken fährt und keinen hohen Komfort- oder Nutzwertanspruch wie bei einem klassischen Roller erwartet. Die XQi3 ersetzt also weder eine Hard-Enduro noch einen vollwertigen Stadtroller. Sie bietet stattdessen einen eigenen Charakter: leicht, elektrisch, leise, direkt und spielerisch. Wer genau so etwas sucht, versteht den Einsatzzweck wahrscheinlich sofort. Wer ein rationales Alltagsfahrzeug für jeden Tag erwartet, wird eher an Grenzen stossen. Die XQi3 lebt davon, dass man mit ihr kurze Wege, kleine Abenteuer und spielerische Fahrmomente verbindet. Sie kann mehr, als man ihr auf den ersten Blick zutraut, bleibt aber bewusst ein spezielles Fahrzeug.


Die NIU XQi3 ersetzt weder Stadtroller noch Enduro, sondern bietet als besonderes, hybrides Fahrzeug zwischen den Zweirad-Segmenten unkomplizierten und verspielten Fahrspaß.

Fazit: NIU XQi3 Street 2025

Die NIU XQi3 ist ein leises, leichtes Elektro-Zweirad mit hohem Spassfaktor. In der Stadt und im leichten Gelände überzeugt sie durch Zugänglichkeit und spielerisches Handling, ersetzt aber weder Roller noch Hard-Enduro.


  • sehr geringes Gewicht
  • zugängliches Handling
  • kräftiger Elektro-Antritt
  • entnehmbarer Akku
  • gutes Fahrwerk für Stadtunebenheiten
  • spassig im leichten Gelände
  • leiser und unauffälliger Betrieb
  • harte Sitzbank
  • begrenzter Komfort auf längeren Strecken
  • tiefer Lenker für grössere Fahrer
  • weiches Fahrwerk bei gröberem Gelände
  • Eco-Modus im Stadtverkehr zu langsam
  • keine vollwertige Enduro-Alternative

Empfohlene Berichte

Weitere Neuheiten