Benda LFC 700 Pro Test: Power-Cruiser mit Showfaktor
Viel Motorrad fürs Auge, weniger zum Anrauchen
300er Hinterreifen, Luftfahrwerk, fast 300 Kilogramm und eine Silhouette, die selbst neben amerikanischen Cruisern nicht untergeht: Die Benda LFC 700 Pro will Aufmerksamkeit. Auf dem Papier erinnert das Konzept an Ducatis Diavel V4 und XDiavel V4. Im Test zeigt sich, wie viel Italien tatsächlich in der Chinesin steckt.
Benda LFC 700 Pro: Die wohl extremste Optik ihrer Preisklasse
Es gibt Motorräder, die durch Design auffallen. Und es gibt die Benda LFC 700 Pro.
Der 300er Hinterreifen auf 18 Zoll wirkt bereits auf Fotos absurd breit, in Natura dominiert er das gesamte Motorrad. Vorne setzt Benda auf einen 130er Reifen auf einer 19-Zoll-Felge. Dazwischen spannt sich ein gewaltiger Aluminiumrahmen, der einen grossen Teil der Seitenansicht prägt. Zusammen mit dem langen Tank, der tiefen Silhouette und dem enormen Radstand von 1.720 Millimetern entsteht eine Erscheinung, die auf jedem Parkplatz sofort Aufmerksamkeit erzeugt.
Natürlich denkt man dabei unweigerlich an Ducati Diavel V4 und XDiavel V4. Aber auch die früheren X-Diavel-V2-Modelle kommen einem in den Sinn. Doch die Benda wirkt noch länger, noch breiter und noch extremer inszeniert.
„Die Benda LFC 700 Pro möchte nicht elegant wirken.
Sie möchte imposant wirken. Und genau das gelingt ihr.“
Reihen-Vierer statt V2 oder V4: Ein ungewöhnlicher Cruiser-Antrieb
Im Zentrum arbeitet ein 675-Kubik-Reihenvierzylinder mit Ram-Air-System. Laut Hersteller stehen 86 PS bei 10.300 U/min und 60 Nm bei 8.600 U/min zur Verfügung.
Damit unterscheidet sich die Benda bereits grundlegend von ihren italienischen Vergleichsmodellen.
Benda vs. Ducati
| Modell | Leistung | Drehmoment | Gewicht | Radstand | Nachlauf |
| Benda LFC 700 Pro | 86 PS | 60 Nm | 295 kg | 1.720 mm | 208 mm |
| Ducati XDiavel V4 | 168 PS | 126 Nm | 229 kg | 1.620 mm | 124 mm |
| Ducati Diavel V4 | 168 PS | 126 Nm | 223 kg | 1.593 mm | 112 mm |
Allein die Differenz beim Nachlauf erklärt einen grossen Teil des Fahrgefühls. Die Benda besitzt fast den doppelten Nachlauf einer Diavel V4. Dazu kommt ein um mehr als zwölf Zentimeter längerer Radstand sowie über 70 Kilogramm Mehrgewicht.
„Das spürt man nicht erst in der ersten Kurve.
Man spürt es bereits beim Rangieren.“
Geometrie- und Gewichtsunterschiede
Fahrverhalten: Geradeaus grossartig, im Winkelwerk arbeitsintensiv
Der lange Radstand verleiht der Benda LFC 700 Pro eine beeindruckende Stabilität. Auf der Autobahn, auf langen Bundesstrassen oder auf entspannten Küstenstrassen liegt das Motorrad satt auf der Strasse. Der Geradeauslauf ist beinahe stoisch. Das Motorrad fährt wie auf Schienen und vermittelt dabei viel Ruhe. Genau hier spielt das Konzept seine grösste Stärke aus.
Sobald die Strasse enger wird, verändert sich das Bild. Die Ducati Diavel V4 und die neue Ducati XDiavel V4 überraschen immer wieder mit ihrer Agilität. Trotz breitem Hinterreifen lassen sie sich erstaunlich leicht in Schräglage bringen und fahren beinahe wie sportliche Naked Bikes.
Die Benda verfolgt einen anderen Ansatz: Sie möchte aktiv in die Kurve gedrückt werden. Von selbst fällt sie nicht in den Radius. Enge Kehren und enge Kurvenkombinationen verlangen deutlichen Körpereinsatz und kräftige Lenkimpulse. Hinzu kommt die begrenzte Schräglagenfreiheit. Die Fussrasten setzen früh auf und erinnern den Fahrer regelmässig daran, dass hier nicht Kurvenwetzen, sondern Cruisen im Lastenheft stand.
Besonders deutlich wird der Unterschied zur Ducati auf engen Strassen. Während die Diavel und XDiavel förmlich nach dem nächsten Radius suchen, verlangt die Benda nach einer ruhigeren Gangart. Wer sie schnell bewegen möchte, kann das durchaus tun, muss dafür aber arbeiten.
Luftfahrwerk: Interessante Technik mit gemischtem Nutzen
Das grosse technische Highlight der Pro-Version ist das elektronische Luftfahrwerk. Benda ersetzt das konventionelle Federbein des Basismodells durch das sogenannte Dual-Chamber Air Suspension System. Sitzhöhe und Dämpfung lassen sich elektronisch anpassen. Zusätzlich wurde der Aluminiumrahmen im Frontbereich versteift und um weitere Verstärkungen ergänzt.
In der Praxis empfiehlt sich die höchste Fahrwerksposition in Kombination mit der straffen Abstimmung. Nur so bleibt möglichst viel Schräglagenfreiheit erhalten.
Die automatische Absenkung beim Anhalten klingt zunächst spektakulär, wirkt im Alltag jedoch weniger überzeugend. Das System reagiert relativ träge und bringt kaum einen echten Mehrwert. Man hat oft das Gefühl, auf die Höhenverstellung zu warten, statt von ihr zu profitieren. Anders als bei einer BMW R 1200 GS entsteht hier nicht der Eindruck einer funktionalen Revolution, sondern eher jener eines interessanten Technik-Gimmicks.
Ergonomie: Hier sammelt die Benda viele Pluspunkte
Womit die Benda LFC 700 Pro wirklich überzeugt, ist die Ergonomie: Die Sitzbank ist breit, straff gepolstert und bietet viel Bewegungsfreiheit. Man kann auf langen Etappen problemlos nach vorne oder hinten rutschen und findet schnell eine angenehme Sitzposition.
Auch der Kniewinkel fällt überraschend entspannt aus. Trotz der weit vorne positionierten Fussrasten sitzt man nicht unbequem. Der Lenker liegt etwas weiter vorne, als die Optik vermuten lässt und erzeugt sogar einen gewissen Druck auf das Vorderrad. Das sorgt für mehr Kontrolle, als man bei diesem Erscheinungsbild erwarten würde.
Positiv aufgefallen sind zudem die Spiegel. Sie bieten eine gute Sicht nach hinten, vibrieren kaum und lassen sich bei Bedarf einklappen. Der seidenweich laufende Vierzylinder unterstützt den Tourencharakter zusätzlich. Am Lenker kommen nur wenige Vibrationen an, wodurch die Benda auch auf längeren Etappen angenehm zu fahren ist.
Ausstattung: Moderne Optik, klassische Technik
Beim Blick auf die Ausstattung zeigt sich jedoch, wo der günstige Preis zustande kommt. Ride-by-Wire fehlt ebenso wie ein Tempomat, wobei gerade Letzterer hervorragend zum Langstreckencharakter des Motorrads passen würde.
Der Gasgriff besitzt spürbares Spiel und wirkt nicht besonders hochwertig. Auch die Hebeleien überzeugen nicht vollständig. Zwar lassen sich Brems- und Kupplungshebel einstellen, selbst in der engsten Position bleiben sie jedoch vergleichsweise weit vom Lenker entfernt.
Hingegen bringt der neue 300er CST-Hinterreifen laut Hersteller ein geringeres Aufstellmoment als der bisherige 310er Reifen und soll das Handling verbessern. Gleichzeitig dürfte die Reifenversorgung im Alltag deutlich unkomplizierter ausfallen.
Fazit: Benda LFC 700 PRO 2025
Wer die Benda LFC 700 Pro aufgrund ihrer Optik für eine preiswerte Alternative zur Ducati Diavel V4 oder Ducati XDiavel V4 hält, wird nach den ersten Kilometern eines Besseren belehrt. Die Ducati-Modelle sind leistungsstarke Power-Cruiser mit erstaunlich sportlichem Fahrverhalten. Die Benda ist dagegen ein klassischer Cruiser in spektakulärer Verpackung. Die Benda LFC 700 Pro fährt nicht wie eine Ducati. Sie versucht das auch gar nicht. Sie bietet ihren ganz eigenen Zugang zum Cruiser-Thema – weniger Performance, dafür mehr Präsenz. Die Sitzposition ist gelungen, der Geradeauslauf beeindruckend, der Motor angenehm kultiviert und die Optik einzigartig. Und genau darin liegt ihr Reiz. Der Preis von 12.999 Euro in Deutschland beziehungsweise 14.499 Euro in Österreich positioniert sie zudem weit unterhalb der italienischen Konkurrenz.- Eigenständige, brachiale Optik mit hohem Wiedererkennungswert
- Bequeme Sitzposition und entspannter Kniewinkel
- Sehr guter Geradeauslauf auf langen Etappen
- Seidenweich laufender Reihenvierzylinder
- Elektronisches Luftfahrwerk als technische Besonderheit
- 300er Hinterreifen mit besserer Verfügbarkeit als der bisherige 310er
- Gute Spiegel mit wenig Vibrationen
- Deutlich günstiger als die Ducati Diavel/XDiavel V4
- Für einen "Power-Cruiser" relativ schwach motorisiert
- Hohes Gewicht von 295 Kilogramm
- Träges Handling auf kurvigen Strecken
- Geringe Schräglagenfreiheit
- Automatische Absenkung des Luftfahrwerks mit wenig praktischem Nutzen
- Kein Ride-by-Wire
- Kein Tempomat
- Gasgriff mit spürbarem Spiel
- Klangbild wenig emotional
- Hebel auch in engster Einstellung relativ weit vom Lenker entfernt
Bericht vom 19.06.2026 | 613 Aufrufe