BMW Motorrad Vision Next 100

BMW Motorrad Vision Next 100

Ideen für das Motorrad der Zukunft

Wie sieht das Motorrad der Zukunft aus? BMW Motorrad versucht eine Zeitreise und erlaubt einen Ausblick auf die kommenden Jahrzehnte.

Ich hatte eine sehr gedämpfte Erwartungshaltung. BMW lud Journalisten aus der ganzen Welt zu einem exklusiven Event nach L.A.. Dort soll die Sicht von BMW auf eine mögliche Zukunft des Motorrades präsentiert werden. Die Zahl „100“ stand dabei im Focus und spielt natürlich auf das 100 Jahre Jubiläum von BMW an. Man wurde auch nicht müde zu erwähnen, dass BMW schon sehr viel länger Motorräder als Autos baut. Die Zahl 100 macht auch klar, wie weit der Ausblick in die Zukunft reichen soll. Viel weiter als die üblichen paar Jahre, welche man uns Journalisten sonst so gewährt. Für mich war klar: BMW wird uns hier ein steriles Mobilitätskonzept präsentieren welches das Motorradfahren auf einen kümmerlichen Rest reduziert: Den Transport von Menschen von A nach B. Vermutlich noch in einer abstrusen „Share“ Lösung. Als ob jemand sein Motorrad gerne mit jemanden teilen würde…

Wird Motorradfahren zur pragmatischen Mobilität?

Doch da hab ich die Rechnung ohne die motorradverrückte Truppe rund um BMW Motorrad Designchef Edgar Heinrich gemacht. Der Titel des Projektes lautet: „The great escape!“. Das Motorrad soll in Zukunft also viel mehr noch als bisher die Flucht aus dem Alltag ermöglichen. BMW möchte ein Motorrad bauen, welches analogen Maschinenbau verkörpert und Dich aus der digitalen vernetzten Welt entreisst.

Die Steigerung von „am konservativsten“? Motorradfahrer!

Startet man am Stammtisch eine Diskussion über zukünftige Motorräder wird diese sehr schnell auf ein Thema reduziert. Den Antrieb! Dieser muss stinken, laut sein, spotzen und furzen. Elektromotorräder zum Beispiel sind was für Typen welche auf glutenfreies, veganes, antialkoholisches Biofairtradebier stehen. Der Rest fährt Benzin. Das war so und soll auch die nächsten 100 Jahre so bleiben. Wären Menschen immer schon wie Motorradfahrer gewesen, würden wir uns heute noch an dem qualmenden Feuer in einer bitterkalten und finsteren Steinzeithöhle erfreuen. Doch zum Glück gab es immer schon Visionäre - denn diesen haben wir Errungenschaften wie zum Beispiel das Motorrad zu verdanken

Visionäre retten uns das Motorrad

Machen wir uns nix vor. Im Moment sind wir eine Minderheit. Die Mehrheit betrachtet uns als mehr als störendes Element. Wir sind laut, wir stinken und wir sind gefährlich - so die Meinung von schätzungsweise 80% der Gesamtbevölkerung in der westlichen Welt. Würde heute eine politische Partei das Thema „Motorradfahren verbieten“ mit ins Programm aufnehmen, hätte sie vermutlich kein Problem damit Erfolg zu haben. Wir gehen einer Freizeitbeschäftigung nach welche nicht nur gefährlich ist, sondern auch noch andere Menschen belästigt und Abgase verursacht. Man muss kein Hellseher sein um zu Erahnen dass man uns aus den Themen Sicherheit und Emissionen einen Strick drehen möchte. Fakt ist: Das Motorrad hat nur dann eine Zukunft, wenn es emissionsfrei fährt und mindestens genauso sicher wird wie ein Auto. Wobei es den Autofahrern in dieser Diskussion nicht viel besser geht. Auch sie werden ab 2025 beginnen, mehr und mehr auf ihre geliebten Benzinkarossen verzichten lernen zu müssen.

Wir brauchen also Visionäre welche uns ein Motorrad bauen, welches der breiten Masse mehr oder weniger egal ist. In uns aber den Durst nach Freiheit noch intensiver stillt als ein eiskalter Radler bei einer Sommergrillage. Die BMW Motorrad Truppe dürfte den Nagel auf den Kopf getroffen haben. Die Ideen werden Politiker und die Mehrheit der Bevölkerung zufriedenstellen und wir werden mehr Feuer geben können als je zuvor.

Kein Wort über Benzin aber auch kein Wort über Elektro

BMW hat bei der Präsentation viele tolle Ideen präsentiert aber über ein Thema nicht gesprochen. Über den Antrieb! Klar ist nur dass dieser keine Emissionen produziert. Ob es ein Elektromotor ist, ein Antrieb mit Brennstoffzelle oder ein emissionsfreier Verbrennungsmotor weiss man jetzt noch nicht. Ich denke das kann uns jetzt auch egal sein. Der Antrieb der Zukunft wird in jeder Hinsicht besser als ein aktueller Benzinmotor sein. Wir werden in der Zukunft kopfschüttelnd über unsere Benzinmotoren lächeln. So wie wir uns jetzt an einem 200PS Vierzylinder erfreuen und auf eine dampfbetriebene Kutsche husten, werden wir in 50 Jahren einen Benzinmotor als nicht mehr als ein lausiges Relikt einer erbärmlichen Vergangenheit betrachten.

Motorradfahrern wird intensiver als jetzt

Mit dem Motorrad der Zukunft soll Motorradfahren intensiver als jetzt werden. BMW möchte den Fortschritt ganz genau dafür verwenden, um Motorradfahren in die einzig richtige Richtung zu entwickeln. BMW möchte das Motorrad so sicher machen, das ein Sturz unmöglich wird. Demzufolge soll es wieder möglich sein den Fahrtwind und die freie Aussicht zu geniessen. Auch sollen keinerlei störenden Schalter und Displays mehr den Freiheitsgenuss stören. BMW interagiert mit dem Fahrer über eine Datenbrille sowie interaktive Kleidung. Informationen werden nur dann übermittelt wenn diese nötig sind.

Ein unstürzbares Motorrad? Ist das möglich?

Während viele Dinge im Moment noch unrealistisch klingen, ist gerade das Thema „unstürzbar“ näher als viele denken. Schon jetzt entwickeln sich Fahrassistenzsysteme rasend schnell. Ebenfalls rasend schnell entwickeln sich das Thema „Cloud“. Mein Tipp: Bereits in 10-15 Jahren werden Fahrzeuge sowie deren Fahrassistenzsysteme flächendeckend miteinander vernetzt sein. Ein Grossteil der Unfälle wird schon in naher Zukunft auszuschliessen sein. 80 Jährige Opas welche dir beim Linksabbiegen die Vorfahrt nehmen? Das wird in Zukunft nicht mehr möglich sein. Das Auto vom Opa weiss auch bei tief stehender Herbstsonne dass Du soeben um die Ecke kommst. Komplex werden jene Dinge die sich ausserhalb der Datenwolke bewegen. Also ein nasser Fleck hinter der nächsten Kurve oder ein Hirsch der auf die Strasse springt. Nasse Flecken lassen sich möglicherweise noch relativ leicht durch Schwarmintelligenz ermitteln. Weichen mehrere Motorradfahrer vor Dir einem Hindernis aus, weiss Deine Maschine das dort ein Hindernis auf der Strasse liegt. Durch visuelle, akustische oder auch fühlbare Hinweise in der Kleidung macht man uns auf das Hindernis aufmerksam oder greift helfend ein.

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BMW verspricht: Das Ende der Warnweste ist nah!

Edgar Heinrich versprach uns beim Gespräch auch das Ende der Warnweste. Wenn die vernetzten System ohnehin miteinander sprechen, muss man sich nicht mehr mit Warnwesten sichtbar machen. Das ganze Thema „vernetztes Fahren“ ist viel näher als wir denken und scheitert im Moment nicht an der technischen Machbarkeit sondern an den fehlenden Normen und Schnittstellen. Genau hier sollten sich die Paragrafen-Tiger in Brüssel mal austoben. Tausende Menschenleben könnten gerettet werden, wenn die Autos auf Europas Strassen Motorradfahrer nicht mehr übersehen können.

Kreiselsysteme sorgen für ein stabiles oder agiles Fahrzeug

Ebenfalls keine Zukunftsmusik ist das self-balancing Motorrad. Für ein paar Hunderter können Kids schon Elektrogadgets aus China bestellen welche genau diese Funktionen eingebaut haben. Bei der Präsentation in L.A. hat es eben genau dieses Feature schon in Echt gegeben. Das hübsche Modell fuhr auf die Bühne, liess die Füsse auf den Fussrasten und das Motorrad blieb aufrecht stehen. Und nein - wir sprechen hier nicht von einem Trialweltmeister der hier auf der Bühne war. Das Motorrad stabilisierte sich von selbst. Die gleiche Technik kann man im Motorrad aber dazu nutzen um das Handling des Fahrzeuges noch radikaler und direkter zu machen. Fahrmanöver welche wir bisher nur aus Science-Fiction Filmen kennen werden möglich sein. Um diese zu aktivieren muss man sich zuerst jedoch einige Level nach oben arbeiten. Das Motorrad wird auch eine Art Computerspiel sein welches seine Möglichkeiten nur den besten unter uns offenbaren wird. Die Rookies kriegen ein auf 20 Grad Schräglage reduziertes Bummelfahrzeug in der „125er“ Liga. Der „S1000RR mit Turbo“ Modus kommt vermutlich erst nach jahrelanger Praxis.

Stabilisierende Elemente in der Motorradkleidung der Zukunft werden mithelfen die G-Kräfte zu ertragen. Ganz besonders freue ich mich schon auf den eingebauten „Wheelymode“. Technisch wird es kein Problem mehr sein auch als kompletter Looser kilometerlang das Kennzeichen über den Asphalt kratzen zu lassen. Ich bin mir jedoch sicher, dass der Wheelymode das teuerste aller aufpreispflichtigen Extras sein wird.

Das BMW next 100 Visionbike im Detail

Viele Details zum next 100 Visionbike von BMW präsentieren wir euch in der Slideshow. Den ersten Testbericht werden wir aber vermutlich erst 2040 oder so abliefern können. Der Bart von K.OT wird dann bestimmt schon bis zu den Eiern reichen. Über ein Fahrzeug ohne Antriebskette wird er sich dann auch bestimmt freuen - viel zu gefährlich für den Bart.

Spinnerei oder realistisch?

Ofen gesagt betrachte ich die technischen Hürden für diese Vision als nicht allzu hoch. Viele Dinge gibt es bereits jetzt oder sind in greifbarer Nähe. Wer einmal mit einer ZERO gefahren ist weiss, das zum Beispiel ein Elektroantrieb mit 144Nm keine Wünsche offen lässt. Alles steht und fällt mit dem Thema „Akkutechnik“ und hier könnte man mit flächendeckender Schnelladeinfrastruktur nachhelfen. Der politische Wille fehlt hier noch. Auch beim Thema vernetztes Fahren haben die Techniker alle Hausaufgaben bereits gemacht. Nun gilt es die Möglichkeiten in Standards zu giessen. BMW Motorrad hat in jedem Fall eine sympathische Vorlage abgeliefert. Ein Motorrad welches die Ordnungshüter zufrieden stellen wird, gleichzeitig aber die Haare im Fahrtwind flattern lässt. Wenn andere Konzerne ähnliche Visionen abliefern, müssen wir uns um unsere Zukunft keine Sorgen machen.

BMW Event Los Angeles

Bericht vom 12.10.2016 | 13'550 Aufrufe

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