Neun Fragen an Ducati Boss Claudio Domenicali auf der IAA 2019

Neun Fragen an Ducati Boss Claudio Domenicali auf der IAA 2019

Baut Ducati bald Mopeds? Der Ducati-Chef spricht über die Zukunft

Heute ist nicht alle Tage- ich hatte die Gelegenheit für 1000PS zur IAA nach Frankfurt zu fliegen und dort die Ehre den Geschäftsführer von Ducati zu interviewen. Einen Termin bei ihm zu bekommen, ist schwieriger als Charlie Sheen an einem Freitag Abend nüchtern zu erleben. Darum geniesst die folgenden Zeilen, die eine deutsche Zusammenfassung des Interviews darstellen. Den Link zum Youtube-Video findet ihr unten im Bericht.

1. Ducati ist im Audi Konzernumfeld im Bereich Mobilität tätig. Audi wird in Zukunft e-Scooter anbieten, Ducati bietet ein e-MTB an. Wo werden die "Grenzen" der jeweiligen Marken sein? Werden sie künftig Konkurrenten sein?

Domenicali: Ich denke wir werden uns hier nicht in die Quere kommen. Ducati steht eher für Entertainment als für Alltagsmobilität und bietet Erfahrungen die emotional berühren, dafür sorgen unsere Experten in der Entwicklung die hochperformante Technik auf der Strasse erlebbar machen. In den rein innerstädtischen Zweiradmarkt werden wir in absehbarer Zeit nicht einsteigen.

Urbane Mobilität: Roller, E-Scooter und alternative Antriebe

2. Welche Roller wird das Motorrad im Zukunft im Bereich der urbanen Mobilität spielen? Ist da ein Platz für das Motorrad oder gehört dieser Bereich Scootern?

Domenicali: Zweirädrige Mobilität ist eine grossartige Alternative zur sonstigen Fortbewegung im städtischen Bereich. Mit der global zunehmenden Urbanisierung wächst demnach auch der Bedarf an einspurigen Fahrzeugen, da die Kapazitäten der Strasse in den meisten Städten bereits ausgeschöpft sind. Sowohl für den Roller, als auch für das Motorrad wird es hier Platz und Bedürfnis geben. Für den Roller im rein innerstädtischen Kontext und für das Motorrad für das Pendeln in die oder aus der Stadt. So gesehen wird auch Ducati eine Rolle in der urbanen Mobilität spielen, da unsere Motorräder in Sachen Sicherheit, Design und Performance wohl allen Rollern überlegen sind.

3. Gibt es abseits vom Elektromotor noch andere alternative Antriebe, wie etwa Wasserstoff, an denen Ducati derzeit forscht?

Domenicali: Absolut. Obwohl, oder gerade weil wir eine Marke mit einer über 90-jährigen Geschichte sind, arbeitet unser Entwicklerteam stetig und konsequent an neuen Technologien und bereitet sich so auf die Zukunft vor. Im Fall der alternativen Antriebskonzepte wird viel entwickelt und versucht, damit wir unseren Kunden, wenn es so weit ist, interessante Produkte anbieten können. Auch wenn wir aktuell noch kein Produkt im Portfolio haben, können Sie sich sicher sein, dass unsere Forschungsabteilung mit Hochdruck an diesen Themen arbeitet.

4. Wird autonomes Fahren in die Motorradwelt ebenso Einzug halten wie in die Welt der Automobile? Wo sind hier Ihrer Meinung nach die Grenzen?

Domenicali: Aus unserer Sicht wird autonomes Fahren im Zweiradsektor nicht so massive Veränderungen bringen wie bei den Automobilen. Wer will schon während des Motorradfahrens seine E-Mails checken? Wie schon erwähnt, verkaufen wir bei Ducati die Freude und Emotion, die während des Fahrens erlebt wird, da wäre es kontraproduktiv das Motorrad alles autonom machen zu lassen. Wir sollten die künstliche Intelligenz nicht überstrapazieren. Als Unterstützung für mehr Sicherheit ist es sicher sinnvoll hier weiterzuentwickeln, aber der Fahrspass muss definitiv beim Fahrer bleiben.

Cruiser, Enduro oder Superbike - welche Bikes fahren wir in Zukunft?

5. Welche Motorradkategorien werden in Europa in 10 Jahren aus Sicht von Ducati Marktanteile gewonnen und welche verloren haben?

Domenicali: Zehn Jahre ist ein extrem langer Zeithorizont, da sind genaue Prognosen schwierig. Derzeit erleben grosse Reiseenduros eine Hochphase, wie auch am Automobilmarkt die SUV-Modelle, der Marktanteil an Supersportlern hingegen sinkt. Nichtsdestotrotz, für das Image einer Marke ist der Stellenwert der Supersport-Bikes immer noch ausserordentlich hoch.

Die nächste Generation wünscht sich technologisch hoch entwickelte sportliche Produkte, die Freude bereiten. Diese Entwicklung beobachten wir sehr gespannt. Auch wenn jungen Menschen von mancher Seite das Interesse an motorisierter Fortbewegung abgesprochen wird, sind wir überzeugt, dass die Leidenschaft für Zweiräder auch in Zukunft erhalten bleiben wird.

6. Derzeit besitzt die Ducati Srcambler Sitxty2 mit 399 ccm den kleinsten Motor in der Modellpalette. Welche Hubraumkategorie wird mittelfristig die untere Grenze zum Einstieg in die Ducati Welt darstellen?

Domenicali: Wir sind mit unserem derzeitigen Angebot grundsätzlich sehr zufrieden. Das bedeutet aber nicht, dass wir in Zukunft hier keine neuen Märkte erschliessen werden. Ducati hat keinerlei Vorurteile, ab welchem Hubraum ein Produkt den Namen Ducati tragen darf. Wichtig ist, dass unsere Werte, also Performance, Style und Rafinesse gewahrt werden.

Kein Rennsport ohne Ducati - keine Ducati ohne Rennsport?

7. Welche Motorsport-Aktivitäten haben aus Sicht von Ducati in der Vergangenheit am meisten zum positiven Bild der Marke beigetragen und wird der Einfluss von Motorsport auf das Image der Marke in Zukunft sinken oder steigen?

Domenicali: Als einziger europäischer Motorradhersteller, der in den letzen 10 Jahren ein MotoGP Rennen für sich entscheiden konnte, sind wir natürlich sehr stolz auf unsere Erfolge in der Königsklasse des Motorsports. Nach dem Titelgewinn 2007 hatten wir einige schwierige Jahre, sind aber als derzeit Zweitplatzierter in der MotoGP Wertung wieder im absoluten Spitzenfeld angekommen. Der Einfluss unserer Leistungen im Motorsport auf den Wert und die Qualität der Marke war nie stärker als heute.

Freuden 2019 und 2020

Aber es geht uns beim Engagement im Motorsport nicht vorrangig um Marketingzwecke. Aufgrund unserer Erfahrungen unter den extremen Bedingungen, die im Rennsport herrschen, ist es uns ruhigen Gewissens möglich, Serienbikes anzubieten, die die selben Komponenten verbaut haben, wie unsere Superbikes. Mit der Panigale V4R haben wir eine Rennmaschine auf die Strasse gebracht, die als strassentaugliches Bike den selben Distributionskanal verwendet, wie unsere Wettbewerbsmaschinen, das ist weltweit einzigartig.

8. Welches Ducati Modell bereitete Ihnen persönlich bei Ausfahrten 2019 am meisten Freude?

Domenicali: Da ich in der glücklichen Position bin, jeden Tag aus einer breiten Palette an Modellen wählen zu können, ist es gar nicht so leicht hier ein Motorrad auszuwählen. So geht es übrigens auch einigen unserer Kunden, die oft mehr als eine Maschine in der Garage haben. Lassen Sie mich es kurz machen und so formulieren: Für den alltäglichen Trip in die City die Scrambler 800, weil sie einfach so easy zu handeln ist, für den Trackday natürlich die Panigale V4R - Adrenalinkick inklusive - und für den entspannten Wochenendausflug mit meiner Frau ins toskanische Hügelland die Multistrada 1260.

9. Auf welches Modell freuen Sie sich 2020 am meisten, ist es die Streetfighter V4 von der man ja schon einiges aus der Gerüchteküche gehört hat?

Domenicali: Es wird verschiedene aufregende Neuheiten für 2020 geben. Für Details muss ich Sie allerdings auf den 23. Oktober 2019 vertrösten, da wird unsere Ducati Weltpremiere stattfinden. Auch auf der Anfang November in Mailand stattfindenden EICMA werden diese dann zu bewundern sein.

Ausblick

Ihr seht also liebe 1000PS Fans, es stehen uns spannende Jahre ins Haus und zahlt sich daher jedenfalls aus dranzubleiben. Das gesamte Interview (auf Englisch) von der IAA, wo sich neben Herrn Claudio Dominicali und der wunderschönen Ducati Panigale V4R auch meine Wenigkeit im Bild befindet, könnt ihr hier abrufen. Mehr Infos findet ihr zum einen auf der Website von Ducati und zum anderen natürlich auf allen Kanälen von 1000PS.

Autor

Bericht vom 28.09.2019 | 12'634 Aufrufe

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