Yamaha TRACER 9 2021 vs. Tracer 900 2020 - Kaufberatung

Kann die Neue alles besser?

Yamaha überarbeitet die Tracer Modelle für die kommende Saison. Warum Anfang 2021 ein guter Moment für den Kauf des alten und des neuen Modells ist und wer sich für welches Modell entscheiden sollte, lest ihr in diesem Bericht.

Yamaha Tracer alt gegen neu: Motor und Leistungsgewicht im Vergleich

Beginnen wir beim Motor: Die 115 PS und 87,5 Newtonmeter bei 215 Kilo (GT: 227 kg) fahrfertig der Tracer 900 haben noch in keinem Test Grund zur Beschwerde gegeben. Im Gegenteil der Drilling von Yamaha hat sich stets noch potenter angefühlt, als die Zahlen es ohnehin vermuten lassen. Dass die brandneue TRACER 9 mit 119 PS und 93 Newtonmeter Drehmoment dank Hubraumerweiterung (889 statt 847 Kubik) hier noch einen drauf setzt und nebenbei noch ein Kilogramm Gewicht einspart, lässt Grossartiges vermuten. Die GT-Variante wurde um drei Kilo schwerer, das aber aus gutem Grund, aber dazu später mehr. Gerade fürs Touren wichtig: Das Maximaldrehmoment liegt beim 2021er Modell jetzt schon 1.500 Umdrehungen früher an. Ergebnis: 1-0 für die TRACER 9!

Tracer 900 gegen TRACER 9: Ein schon fast unfaires Elektronik-Duell

Die neue 6-Achsen IMU, die Kurven-ABS, schräglagenabhängige Traktionskontrolle und Wheelie-Kontrolle ermöglicht, der TRACER 9 lässt das Elektronikpaket an der Tracer 900 alt aussehen. Für das 2020er Modell, ist bei einer 3-stufig regelnden Traktionskontrolle und normalem ABS das Ende der Fahnenstange erreicht. Auch der Quickshifter der Tracer 900 GT funktioniert nur hinauf, während er bei der TRACER 9 GT eine Blipperfunktion hat. Griffheizung bieten bei alt und neu nur die GT Modelle. Einen Tempomat, der für mich mittlerweile ein beinahe unverzichtbares Feature darstellt, bieten beide Varianten der TRACER 9 aber nur die GT Variante der Tracer 900. Die TRACER 9 GT hat ausserdem ein Kurvenlicht verbaut. Somit stellt die TRACER 9 in diesem Vergleich locker auf 2-0.

Cockpit-Vergleich: Wie viele Displays machen glücklich?

Immerhin hatte die Tracer 900 GT, als eines der ersten Yamahamodelle bereits ein TFT Display verbaut, das farbenfroh und gut ablesbar gestaltet war. Die Bedienung überfordert nicht und man kann sich auf das Wesentliche konzentrieren. Die neue Doppel-Einheit an der TRACER 9 (GT) erinnert eher an ein Arcade-Game aus den 80ern. Zudem findet ein etwaig zu montierendes Navigationsgerät bei der Tracer 900 einfacher im Cockpit Platz. Dieses Navi wird man auf Reisen auch brauchen, denn eine Konnektivitätsfunktion bietet keines der Tracermodelle. Die 2020 Tracer 900 GT kann hier auf 1-2 verkürzen.

Tracer 900 alt gegen TRACER 9 neu Fahrwerk-Battle: Vor allem bei der GT gibt es massive Unterschiede

Gleich vorweg - hier gibt es für die alte Tracer 900 nichts zu gewinnen. Die TRACER 9 bietet in der Standard-Version ein überarbeitetes Fahrwerk inklusive voll-einstellbarer Gabel. Beide Varianten der alten und die Standard-Variante der neuen Tracer, haben das praktische Drehrad zur Einstellung der Federvorspannung des Federbeins. Der wahre Fortschritt findet aber in der GT-Variante statt. Ein semi-aktives Fahrwerk aus dem Hause Kayaba sorgt für Dämpfungskomfort vom Feinsten. In einem Augenblick noch stark auf Komfort ausgelegt, kann im nächsten schon per Schalter am Lenker in den Sport-Modus gewechselt werden, der die Dämpfung entsprechend adaptiert. In Summe ein klarer Punkt für die TRACER 9, womit sie 3-1 in Führung geht.

Optik-Vergleich der Tracers: alt gegen neu, eine subjektive Wertung

Die Schönheit liegt bekanntermassen im Auge des Betrachters und was schön ist, wandelt sich mit der Zeit. Wir werden also in 10-15 Jahren anders über das Aussehen von Motorrädern urteilen als heute. Persönlich hätte ich mir einen Tracer 900 Nachfolger gewünscht, der sich etwas näher an der kleinen Schwester orientiert, deren Design mich 2020 richtig begeistert hat. Nun ist es aber doch etwas anders gekommen.

Die neue TRACER 9 nimmt rein subjektiv betrachtet starke Anleihen bei den BMWs XR Modellen und der Triumph Tiger 900. Der, von vorne betrachtet, etwas globige Torso der Tracer 900 ist aber erhalten geblieben und die zierlichen Scheinwerfer wollen dazu nicht so recht passen. Auch die Abgasanlage der Tracer 900, die im seitlich montierten Endtopf endet, ist optisch gelungener als der Underfloor-Auspuff an der TRACER 9. Am Heck gab es keine tiefgreifenden Veränderungen zwischen alt und neu. Insofern geht der Optik-Punkt an die Tracer 900, die das stimmigere Gesamtpaket abliefert und damit auf 2-3 stellt.

Welche Yamaha ist der bessere Sport-TOURER? Vergleich von Ergonomie und Zuladung

Das Thema Zuladung war vielleicht der grösste Kritikpunkt an der Tracer 900. 176 Kilogramm sind für ein Motorrad dieser Klasse einfach zu wenig. Wenig überraschend stand dieser Punkt dann wohl ganz oben im Lastenheft bei der Entwicklung der TRACER 9 und tatsächlich 7% Steigerung im Vergleich zum Vorgänger bewirken eine Zuladung von 193 kg, das ist zwar nichts zum Angeben, geht aber durchaus in Ordnung. Die serienmässigen Koffer an der GT-Variante haben an Volumen zugelegt.

Die Ergonomie der Tracer 900 hingegen gab weniger Grund zur Kritik. Einzig für kleine Piloten war die Sitzhöhe von 850 mm in der niedrigen Position (865 mm in der höheren) etwas zu hoch. Darauf reagierte man bei der Neu-Fertigung der TRACER 9, mit einer neuen Minimalsitzhöhe von lediglich 810 mm, die Sitzbank ist damit ganze 40 mm niedriger über dem Boden angebracht als zuvor. Die höhere Einstellung bietet dann 825 mm. Damit nicht genug, sind bei der TRACER 9 auch Fussrasten (ebenfalls um 15 mm) und Lenker (4 mm vertikal und 9 mm in der Neigung) verstellbar. Will man zu zweit reisen, kann man sich ergo nur für die neue TRACER 9 entscheiden. Somit gewinnt sie diese Runde und es steht 4-2.

Tracer 900 gegen TRACER 9 - Welcher Preis ist heiss?

Hier muss ich leider etwas spekulieren, da für die TRACER 9 und TRACER 9 GT offiziell noch keine Preise bekannt sind. Ein Vertrauter bei Yamaha bestätigte aber auf Nachfrage, dass die neuen Modelle attraktiv und zugänglich bepreist sein dürften. Schnäppchenjäger sollten sich in den nächsten Wochen ganz genau um Tracer 900 Modelle umsehen. Die Preise für die letzten Stücke der jetzt auslaufende Serie, die noch mit dem Euro 4 Aggregat angetrieben werden und bei den Händlern den Platz verstellen, dürften in nächster Zeit angesichts der Vorstellung des Nachfolgers purzeln. Am Papier ist die TRACER 9 hinsichtlich Preis/Leistung der bessere Deal, weil sie endlich klassengemässen Soziusbetrieb ermöglicht und (vor allem hinsichtlich der Elektronik) sehr viel umfassender ausgestattet ist. Wer das semi-aktive Fahrwerk möchte, hat sowieso nur eine Wahl. Die Tracer 900 (GT) ist das günstigere Motorrad und sofort verfügbar. Damit vergebe ich in dieser Wertung jeweils einen Punkt an Tracer 900 und TRACER 9.

Fazit - Welche soll ich nehmen? 2020er Tracer 900 oder 2021er TRACER 9

Mit 5-3 holt sich die neue TRACER 9 den Sieg gegenüber ihrer Vorgängerin Tracer 900. Yamaha hat beim Sporttourer an den richtigen Schrauben gedreht und ein gutes Bike noch besser gemacht. Vor allem die state-of-the-art Elektronik, der optimierte Motor und die Lösung der Zuladungsproblematik lassen sie an der Tracer 900 vorbeiziehen. Für den Soziusbetrieb sollte es ebenfalls die TRACER 9 sein, noch komfortabler wird es auf der TRACER 9 GT. Es sei allerdings erwähnt, dass man auch mit der alten Tracer 900 (GT) immer noch ein famoses Motorrad erwerben kann und das vermutlich so günstig wie noch nie.

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Bericht vom 21.11.2020 | 10'453 Aufrufe

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