BMW F 800 R (2009-2019) Gebrauchtberatung

Das bayrische Zweizylinder Naked Bike

Wenn es um Mittelklasse Naked Bikes geht, neigen viele dazu, BMW zu übersehen, da man davon ausgeht, dass die deutsche Firma nur "grosse" Motorräder herstellt. Ab 2009 produzierte BMW jedoch das Modell F800R, das in vielerlei Hinsicht ein weitaus "erwachseneres" Fahrerlebnis bietet als Konkurrenten wie die Yamaha MT-07 oder die Kawasaki ER-6n/Z650-Reihe. Worauf muss man beim Gebrauchtkauf achten? Hier die Antwort.

Die F800R verwendet einen Parallel-Twin im Stil ihrer japanischen Rivalen, verfügt aber über weitaus mehr Auswahlmöglichkeiten an optionalen Extras wie Traktionskontrolle oder bei der neuesten Generation sogar einen ESA-Dämpfer. Warum wird sie also übersehen? Die F800R ist nicht nur generell teurer, sondern auch nicht das sexieste Motorrad. Ihr fehlt das coole Image, das ihre Rivalen verkörpern und das obwohl sie sich nach besten Kräften bemüht hat (wozu auch der Einsatz eines Stuntfahrers gehörte, um sie zu bewerben). Wenn ihr jedoch ein solides und gut ausgestattetes Naked Bike wollt, sollte die BMW F800R auf jeden Fall ganz oben auf eurer Überlegungsliste stehen.

BMW F 800 R (2009-2019) Preis

Eigentlich gibt es eine BMW F 800 R für jedes Budget. Gebrauchte mit höherer Laufleistung starten bereits um 4.000 Euro, während spätere Jahrgänge entsprechend teurer werden. Hier ein aktueller Überblick des Angebots: BMW F 800 R Gebrauchtpreise.

BMW F800R Leistung und Drehmoment

BMW brachte ziemlich respektable 87 PS in die F800R, wobei das aktualisierte 2015er Modell diese Leistung auf 90 PS bei 8000 U/min erhöhte, was bei Bedarf auf die A2-konformen 48 PS gedrosselt werden kann. Unterstützt wird dies durch ein Drehmoment von 86 Nm, was wiederum nicht zu verachten ist. Zum Fahren ist der Zweizylinder ein sehr angenehmer Motor mit gutem Durchzug im mittleren Drehzahlbereich und einer sehr ruhigen Leistungsentfaltung. Aber er ist nicht so aufregend und das war schon immer der Untergang der F800R. Wo die MT-07 mit ihrem temperamentvollen Motor begeistert und überrascht, macht die BMW einfach weiter und fühlt sich dadurch einen Hauch taub an. Ist das schlecht? Das hängt davon ab, was man von einem Motor will, denn der Parallel-Twin der F800R hat durchaus einige positive Aspekte.

Motor, Getriebe und Auspuff des BMW Roadsters

Es gibt nur sehr wenige Beschwerden über die Zuverlässigkeit des BMW-Twins und er ist dank einer Ausgleichswelle ziemlich schwingungsfrei (einige wenige Besitzer montieren schwerere Lenkerendgewichte, um die "Charakter-Vibes" zu dämpfen). Der Motor muss alle 10.000 Kilometer gewartet werden, während das Ventilspiel alle 20.000 fällig wird. Das Getriebe ist solide und die Besitzer berichten auch, dass das serienmässige Auspuffsystem Korrosion gut abwehrt, da ein hohes Niveau an Gesamtverarbeitung gegeben ist. Nicht, dass sich viele Besitzer die Mühe machen, den Endtopf gegen ein lauteres Zubehörteil auszutauschen. Das passt nicht zu dieser Art an Motorrad. Wenn ihr ein gebrauchtes Exemplar kauft, achtet auf eine vollständige Service-Historie und inspiziert den Gesamtzustand.

BMW F 800 R: Handling, Chassis und Fahrwerk

Vom Handling her ein unbesungener Held, kann die F800R mit Begeisterung in Kurven gesteuert werden. Denn ihr Fahrwerk verhält sich weitaus ruhiger als das der erste Generation der MT-07und auch der ER-6n. Die Gabel (die 2015 gegen eine Upside-Down-Gabel getauscht wurde) lässt sich zwar bei keinem Modell der F800R einstellen, für den Strassenbetrieb verfügt sie aber über ein gutes Setting. 2015 fügte BMW dem Stossdämpfer die ESA-Option hinzu. Bei gebrauchten Motorrädern sollte das Federbein immer auf Korrosion und Undichtigkeiten untersucht werden, da es nicht wiederaufgebaut werden kann. Die Gabeln auf Lecks um die Dichtungen herum untersuchen, da sie nach über 30.000 Kilometer möglicherweise ersetzt werden müssen. Obwohl die F 800 R serienmässig eine Sitzhöhe von 790 mm hat, verkaufte BMW niedrige 770 mm oder hohe 820 mm Optionen, also überprüft einfach, welcher montiert ist, da ein zu niedriger oder zu hoher Sitz die Sitzposition ziemlich unbequem machen kann.

BMW F800R (2009-2019) Bremsen

Neben Upside-Down-Gabeln erhielt die 2015er F800R serienmässig radiale Brembo-Bremsen mit ABS, während die konventionell montierten Brembo-Bremssättel der beiden Vorgängergenerationen nur ABS als Sonderausstattung hatten. Eine starke Bremsabstimmung findet man bei allen Modellen, an der es wenig zu beanstanden gibt und die mehr als genug Biss für ein Motorrad wie die R bietet.

Kann man mit der BMW F 800 R auf Tour gehen?

Der entspannte Aufbau der F800R macht sie zu einer anständigen Option für kurze Touren. Viele Besitzer statten sie mit Gepäcksystemen und einem Windschild aus, damit der Komfort auf Reisen nicht zu kurz kommt. Neben einem Reifendrucküberwachungssystem konnten auch Heizgriffe bei BMW bestellt werden. Dank der guten Reichweite von über 240 Kilometer werdet ihr nicht derjenige sein, der in der Gruppe die Tankstopps bestimmt. Insgesamt gesehen: Ja, ihr könnt die F800R durchaus als Tourer verwenden, solange ihr die Geschwindigkeiten niedrig haltet - schliesslich hat sie ja keine Verkleidung.

Fahrhilfen und Zubehör der F800R

Die einzige Fahrerhilfe bei den frühen F800R-Modellen war ABS, das als Sonderausstattung erhältlich war. Im Jahr 2015 kam es zur Serienausstattung und wurde mit der Option der ESA für den Stossdämpfer sowie mit dem ASC, dem Traktionssystem von BMW, kombiniert. Heizgriffe und ein Reifendruckkontrollsystem waren schon immer als Extras erhältlich, ebenso wie ein hübscherer Bordcomputer. Eine grossartige Ergänzung ist der Hauptständer, da die F800R über einen Kettenantrieb und nicht über ein Riemenantrieb verfügt (wie die F800GT) und daher geschmiert werden muss. Abgesehen von den normalen Seitentaschen, dem Windschild, den Gepäckträgern usw. bleiben die meisten F800R-Modelle ziemlich serienmässig.

BMW F800R (2009-2019) Gebrauchtfazit

Die F800R ist vielleicht nicht die aufregendste unter den Mittelklasse Naked Bikes, aber sie ist eine sehr solide Maschine, die sich erwachsener anfühlt als ihre japanischen Rivalen. Als wirklich guter Roadster kostet sie zwar mehr in der Anschaffung, aber man wird mit einem hohen Niveau nicht nur in Bezug auf die Ausstattung, sondern auch in Bezug auf die Bauqualität belohnt. Probiert sie aus, vielleicht gefällt sie euch.

Über John Urry

Als begeisterter Motorradfahrer und Weltenbummler, der seit 2001 schon für Motorradmagazine in acht Ländern gearbeitet hat und jährlich über 30.000 Kilometer im Sattel verbringt, behauptet Jon von sich selbst zumindest seit 2003 jedes Modell von jedem (namhaften) Hersteller gefahren zu sein, das er kennt. 1000PS ist es gelungen ihm eine Reihe an Gebraucht-Berichten abzuluchsen, sodass ihr, von unserer Crew auf Deutsch übersetzt und da oder dort erweitert, in den Genuss seiner einzigartigen Erfahrungen kommt.

Autor

Bericht vom 17.12.2020 | 12'341 Aufrufe

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