BMW C650GT- Test in den Alpen

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Online seit: 02.09.2013

Testbericht

BMW C 650 GT

BMW C 650 GT

Wir scheuchen den BMW-Luxusroller über die schönsten Pässe.

Wir scheuchen den BMW-Luxusroller über die schönsten Pässe.











































































































































BMW C 650 GT
 


BMW C 650 GT – Luxus mit sportlicher Note.




Dass der etwas kleinere und vom Namen her auch
sportlichere Bruder des C 650 GT, der C 600 Sport auf Bergstrecken sehr
gut funktioniert, haben wir bereits ausgetestet. Stellt sich nur die
Frage, ob der C 650 GT ebenso dynamisch durch das Winkelwerk pflügt.

 

Die reine Papierform
würde ja eher dagegen sprechen, dass der C 650 GT von BMW auch nur
ansatzweise sportlich zu bewegen wäre. Bei 261 Kilo Gewicht auf 60 PS
Leistung bei 7500 Touren und einer Optik wie ein Wohnzimmer-Fauteuil
würde wohl niemand auch nur ansatzweise an Sport denken. Falsch. So
seltsam das auch klingen mag, der C 650 GT dürfte durchaus so wie sein
Bruder den Beinamen Sport tragen. Hauptverantwortlich für diesen Umstand
ist das herrliche Fahrwerk – das funktioniert unglaublich präzise, lässt
die schwere Fuhre nicht aufschaukeln und federt dabei trotzdem so
komfortabel, wie man es von einem ausgewachsenen Luxusroller erwarten
darf.

BMW C 650 GT

Vorne kommt
eine Upside-Down-Gabel mit vergleichsweise fetten 40 Millimeter
Durchmesser zum Einsatz, hinten ein seitlich liegendes Mono-Federbein,
das sowohl Stabilität vermittelt als auch Fahrbahnunebenheiten effektiv
wegfiltert.


Sportlicher als die wuchtige Optik vermuten ließe.


Damit kann man Kurven
schneller durchstechen als man geahnt hätte und eben auch viel mehr
Schwung mitnehmen als mit anderen Luxus-Rollern – das Fahrwerk
verkraftet das schon! Dieser Schwung kann im direkten Match mit
Motorrädern auch nicht schaden, mit 60 PS aus einem
647-Kubik-Parallel-Zweizylindermotor darf man bei dem Gewicht keine
Wunder in Sachen Beschleunigung erwarten. Aber auch da stellt sich der C
650 GT nicht so schlecht an, der Motor legt ab dem mittleren
Drehzahlbereich ordentlich an Leistung zu und dreht fleißig hoch. Nur
vom Stand weg enttäuscht der C 650 GT, vielmehr die Automatik durch eine
etwas zu lange Denkpause.

BMW C 650 GT

Da wird man auf den ersten Metern ganz ungeniert von 125ern oder gar
Mopeds verblasen – klar, wer stehen bleibt hat auch gegen 3 PS nichts
auszurichten.




BMW C 650 GT Bildergalerie (16 Fotos) - hier klicken!


Auf winkeligen
Passstraßen kommt man aber glücklicherweise nur selten zum völligen
Stillstand, wenn man es nicht selbst will. Störenfriede, auch langsame
Autos genannt, schnupft der C 650 GT mit Leichtigkeit und bergab kann er
dann sogar Motorräder bedrängen und versägen – denn auch die Bremse
spielt auf einem Niveau, das eines Motorrades würdig wäre. Bekommt die
vordere Doppelscheibe mit 270 Millimeter Durchmesser und
Zweikolbenzangen Unterstützung von der hinteren 270-Millimeter-Scheibe
ebenfalls mit Zweikolbenzange, sind harte Anbremsmanöver kein Problem.
Und die Bedienung der hinteren Bremse per Handgriff ist auch eine Wucht,
immerhin hat die linke Hand nichts zu kuppeln, was manchmal doch recht
angenehm sein kann.

BMW C 650 GT

BMW C 650 GT

BMW C 650 GT

Die
Armaturen spiegeln das positive Gesamtbild des C 650 GT wider:
Ausgezeichnet verarbeitet und komplett ausgestattet.

Ganz
unscheinbar versteckt sich das Beste am BMW-Roller hinter der
Verkleidung - das Fahrwerk ist einfach herrlich!.

BMW C 650 GT

Ohne direkten Größenvergleich mit einem 17-Zoll-Reifen, könnte das
15-Zoll-Vorderrad mit der erwachsenen Bremsanlage auch von einem
Motorrad stammen. Die gute Bremsleistung im Übrigen auch!


Ein besserer Komfort als auf so manchem Reisemotorrad.


Da nun geklärt ist, dass
sich der C 650 GT selbst auf verwinkelten Bergstraßen sehr gut anstellt,
kann ich getrost auch noch auf die eigentliche Disziplin eingehen, in
der ein Luxusroller punkten sollte – auch bei den Komfortfeatures
enttäuscht der BMW-Roller nicht. Der Stauraum unter der Sitzbank ist
riesig, Griff- und Sitzheizung wärmen in der Übergangszeit und der
elektrisch höhenverstellbare Windschild hält den Gegenwind so effizient
vom Fahrer fern, dass er sich im Hochsommer eine Klimaanlage wünscht.
Auch der Sitzkomfort ist ein Wahnsinn; wie schon erwähnt, fällt man in
den Sattel wie in einen Fauteuil und sogar der Beifahrer genießt einen
Sitzkomfort, den so manches Reisemotorrad nicht einmal für den Fahrer
bereit hält.

BMW C 650 GT

BMW C 650 GT


Fazit

BMW hat seine Hausaufgaben sehr gut gemacht, der erste Luxusroller in
der Modellgeschichte der Bayern kam, sah und siegte – fast zumindest.
Denn an Fahrwerk und Bremsen beißen sich ein Großteil der Konkurrenten
die Zähne aus. Nur der Antrieb kann nicht völlig überzeugen. Zwar
schiebt der Parallel-Zweizylindermotor ordentlich an und beschleunigt ab
rund 30 km/h vehement, vom Stand weg macht der C 650 GT aber eine zu
lange Pause und nimmt nicht sofort Fahrt auf. Zusätzlich nervt dann auch
noch ein wenig das laute und blecherne Getöse des Motors.

BMW C 650 GT

Erst einmal
in Bewegung gibt es aber nichts mehr zu bemängeln, dann erfüllt der
BMW-Luxusroller nicht nur alle Annehmlichkeiten, die man erwarten darf,
sondern verdaut auch noch äußerst sportliche Ausbrüche des Fahrers.
 

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BMW C 650 GT



kot
Kots Meinung:
Viel mehr als die Fahrerei in Ischgl ist mir ein jüngeres Ereignis in
Erinnerung. Um ein Fahrzeug aus Wien abzuholen, musste ich bei meinem
unzurechnungsfähigen Kollegen am Sozius in die Hauptstadt mitfahren. Es
war Freitagnachmittag, stellte sich also nur die Frage, wie lange wir
uns mit der jeweils maximal erlaubten Geschwindigkeit unserem Ziel
nähern würden können, bevor der Verkehr ins Stocken gerät. Zunächst saß
ich auf dem C 650 GT sehr bequem und sicher, konnte mich an den stabilen
Haltegriffen festklammern und musste nicht die speckige Jacke meines
Kollegen anfassen. Angenehm ist auch, dass man fast auf Augenhöhe mit
dem Fahrer sitzt und nicht wie auf dessen Schultern. Eine wirklich
entspannte Fahrt, bis sich die Straßen dem Zentrum näherten und die
Geschwindigkeit des Verkehrs gegen Null abfiel. Nur wir blieben in
Bewegung und tasteten uns in der nicht gebildeten Rettungsgasse im
Slalom haarscharf zwischen tausenden Rückspiegeln voran. Ein
schreckliches Schauspiel, wenn man nicht am Steuer sitzt. Ein paar Mal
habe ich versucht, die Augen zu schließen und mich aus dieser
Extremstresssituation auszuklinken, aber es ging nicht. Merke: Fahre nie
mit einem Wiener auf einem Motorrad oder –roller durch den
Feierabendverkehr. Dass meine Anspannung nicht in einem
Nervenzusammenbruch oder Schlaganfall geendet hat, ist einzig und allein
dem Restvertrauen geschuldet, das mir der C 650 GT gegeben hat. Er
überquert Freilandstraßen und Autobahnen mit derselben Souveränität, mit
der er durch Blechlawinen im urbanen Verkehrsinfarkt navigiert. Er ist
ein bisschen gediegener als der C 600 Sport, ruhiger und gemütlicher,
man könnte auch sagen luxuriöser. Mit mehr Platz für Gepäck und
Begleitung. In die Berge würde ich die bayrische Sänfte eher nicht
entführen, für alles andere ist sie aber eine erstklassige Wahl.





Nasty Nils´ Meinung:
Die Redaktionskollegen unkten gewaltig als ich entschied, den C 650 GT
von BMW mit auf große Tour zu nehmen. Standen an diesem Tag doch auch
Geräte wie Ducati Panigale und BMW K 1300 R am Start. Doch ich wusste
die Tour war lange und am Ende ist es wie beim Märchen mit dem Hasen und
dem Igel. Schon vor dem Start kamen dann die lieben Kollegen angekrochen
und flehten mich an ob ich nicht Teile ihres umfassenden Gepäcks in
meinen ”Kofferraum” mit aufnehmen könnte. Das nächste Mal flehten sie
nach 200 Kilometern um einen Wechsel der Geräte. Spätestens dann stand
der ”GT” bei allen Testern am höchsten im Kurs. Solch famosen
Fahrkomfort bietet offen gesagt kein Motorrad. Windschutz,
Bedienelemente, Sitzposition, der einfache Einstieg und das
Automatikgetriebe sorgen für echten Fahrgenuss. Warten musste man auf
den C 650 GT imÜbrigen niemals, deutlich langsamer als ”echte” Bikes ist
er nur am Kurvenausgang von Spitzkehren. Dort wo man normalerweise schon
vorher den richtigen Gang eingelegt hat und voll auf die Gerade feuert,
muss sich die Motor-Getriebe-Einheit erst einmal sammeln und
beschleunigt dadurch vergleichsweise gemächlich. Im Vergleich zu anderen
Rollern ist der C 650 GT jedoch super motorisiert. Wirklich schneller
fährt nur der T-Max von Yamaha, in Sachen Komfort und Nutzen ist der
Burgman von Suzuki ebenbürtig. Im Vergleich zum Burgman vermisst man die
Möglichkeit, manuell ins Getriebe einzugreifen – das würde vor allem
beim Bergabfahren die fehlende Motorbremse egalisieren und den Effekt
beim Herausbeschleunigen aus den Spitzkehren abmildern. Führend ist der
C 650 GT Großroller jedoch beim Thema Verarbeitung und Anmutung. Jeder
Knopf, jeder Hebel, jedes Teil wirkt absolut ”Premium” und man hat viel
Freude mit dem bayerischen Luxusroller.




Vaulis Meinung:
Ich hätte es nicht für möglich gehalten, aber der C 650 GT macht mir
noch mehr Spaß als sein Bruder C 600 Sport, den ich bis dahin für den
kurvenagilsten Luxusroller gehalten habe. Da das ausgezeichnete Fahrwerk
und die Bremsen identisch sind, liegt es offensichtlich an der
Sitzposition. Ich mag es, in einem Motorrad, in diesem Fall in einen
Roller gut integriert zu sein, auf dem C 600 Sport sitzt man doch etwas
höher drauf. Die 12 Kilo Mehrgewicht des C 650 GT gegenüber dem
kleineren Bruders sind gar nicht spürbar, der Effekt auf verblüffte
Motorradfahrer dafür umso mehr – kaum jemand erwartet von einem solchen
Roller-Schlachtschiff, dass es so flott um Kurven getrieben werden kann.
Einzig nerviger Punkt ist die träge Reaktion der Automatik beim
Ampelstart, wenn BMW dieses Manko bei der nächsten Überarbeitung
ausbessern würde, wäre ich ein noch größerer Fan des C 650 GT. Ach ja,
selbst im Stau funktioniert der dicke Roller ganz gut, die Spiegel sind
hoch montiert und nicht so ausladend wie bei vielen Konkurrenten.
Dadurch kann man selbst mit einem, vor Angst zitternden Kollegen am
Sozius die Kolonnen flott durchstechen. Mich als unzurechnungsfähig zu
bezeichnen ist aber gemein, ich erwähne ja auch nicht, dass Kollege Kot
in solchen Stresssituationen mit starker Inkontinenz zu kämpfen hat...


BMW C 650 GT


Interessante Links:


Text: Vauli


Fotos:
Kukla

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