MotoGP Sachsenring 2024 - ein neuer King of the Ring?

Bagnaia siegt erneut, beide Marquez-Brüder am Podium!

Unfassbarer MotoGP-Thriller am engen Sachsenring in Deutschland: Selbst an der Spitze wendet sich in der vorletzten Runde noch das Blatt! Für die spannendsten Szenen sorgt aber ein anderer - ist Marc Marquez etwa doch noch der King of the Ring?

Sieht man sich das Endergebnis des MotoGP-Rennens am deutschen Sachsenring an, muss man eigentlich sagen, dass der, gerne als King of the Ring bezeichnete Marc Marquez vom Thron gestossen wurde. Denn bisher konnte er jedes Mal, wenn er an den Start ging, auch gewinnen. Letztes Jahr hatte er, noch auf der allzu schwierig fahrbaren Honda, bereits im Vorfeld so viele brutale Stürze in den Trainings, dass er beim Rennen erst gar nicht antrat. 2024 gewann nun also Francesco Bagnaia auf der Werks-Ducati mehr oder weniger souverän - dazu aber nachher mehr.

Marc Marquez geht mit Verletzungen ins Rennen - der braucht das wohl…

Nun geht es vorerst darum, dass Marc Marquez mit der Gresini-Ducati wieder absolut konkurrenzfähig war. Allerdings flog der gar nicht mehr so junge, aber trotzdem übermotivierte Spanier im Freitags-Training wieder so hart ab, dass er sich einen Finger brach und mehrere Rippen prellte - womit er klarerweise unnötig Schmerzen mit ins Rennen nahm. Daher war es dann im Sonntags-Rennen noch unglaublicher, dass der, vom unbestritten nicht sonderlich guten 13. Platz aus gestartete Marc Marquez bereits zur Mitte des Rennens auf Platz 6 fuhr. Danach überholte er souverän Enea Bastianini auf der zweiten Werks-Ducati und Miguel Oliveira auf der Trackhouse-Aprilia, bis er auf den ebenfalls sehr motivierten, auf Platz 4 liegenden Franco Morbidelli mit dessen Pramac-Ducati auflief.

Marquez´ Aufholjagd mit dem Messer zwischen den Zähnen

Offensichtlich wollte Marquez nicht allzu viel Zeit mit dem Überholvorgang des brasilianischen Italieners verbringen, hat allerdings nicht die Rechnung damit gemacht, dass Morbidelli nach einem klitzekleinen Fehler wieder auf die Ideallinie zurückkehrte - wo Marquez gerade durchstechen wollte. Die beiden berührten sich, Marquez musste all sein Geschick auspacken, um einen Highsider zu vermeiden und hatte dann auch noch damit zu kämpfen, dass sein Airbag durch den Fast-Sturz auslöste. Dennoch konnte er den Angriff des von hinten wieder heran gestürmten Enea Bastianini mit der Werks-Ducati vereiteln und machte, nachdem ihn der Airbag wieder normal atmen liess, endgültig mit dem Messer zwischen den Zähnen (nicht unüblich für Marquez) Jagd auf Morbidelli.

Jorge Martin patzt so richtig, Francesco Bagnaia profitiert so richtig

Fünf Runden vor Schluss war es dann so weit, Marc Marquez überholte Franco Morbidelli und konnte in der vorletzten Runde sogar noch seinen eigenen Bruder Alex Marquez auf der baugleichen Gresini-Ducati von Platz 2 verdrängen. Damit standen am Ende beide Marquez-Brüder am Podium, während sich der bereits erwähnte Pecco Bagnaia den Sieg schnappte. Fuhr am Vortag beim Sprint-Rennen noch der bis dahin WM-Führende Jorge Martin auf der zweiten Pramac-Ducati seinen vierten Sprint-Sieg der Saison ein, zeigte er im Sonntags-Rennen Nerven. Drei Runden vor Schluss erhöhte Bagnaia nochmals den Druck auf den führenden Martin, kam dem Spanier immer näher und trieb ihn (vermutlich) in einen Fehler. In der letzten Kurve zu Beginn der vorletzten Runde bremste Martin wohl ein Quäntchen zu stark und rutschte dadurch über das Vorderrad (unverletzt) von der Strecke. Damit war der Weg frei für Bagnaias vierten Sieg in Folge, der ihn nun auch wieder zum Führenden in der WM-Gesamtwertung macht. Auf den Plätzen nach dem Podium am Sachsenring rangierten im Übrigen auf Platz 4 Enea Bastianini, Platz 5 Franco Morbidelli, Platz 6 Miguel Oliveira, Platz 7 Pedro Acosta auf Gasgas, Platz 8 Marco Bezzecchi auf VR46-Ducati, Platz 9 Brad Binder auf KTM und Platz 10 Raul Fernandez auf der zweiten Trackhouse-Aprilia. Das beste japanische Fabrikat stellte wie so oft Fabio Quartararo auf seiner Werks-Yamaha.

Die Gesamtwertung vor der MotoGP-Sommerpause 2024:

Mit seinem Sieg am Sachsenring und natürlich auch durch Jorge Martins Ausfall liegt nun wieder Francesco Bagnaia mit 210 Punkten hauchdünne 10 Punkte vor Jorge Martin. Dritter in der Gesamtwertung ist Marc Marquez mit 166 Punkten, allerdings schon mit einem deutlichen Respektabstand von 56 Punkten. Dahinter reihen sich Enea Bastianini mit 155 Punkten und Aprilia-Werkspilot Maverick Vinales mit 125 Punkten ein. Auf Platz 6 liegt mit 110 Punkten das verheissungsvolle Rookie-Talent Pedro Acosta mit seiner roten Gasgas-KTM, knapp dahinter dessen KTM-Markenkollege Brad Binder mit 108 Punkten und VR46 Ducati-Fahrer Fabio Di Giannantonio mit 92 Punkten. Die Top 10 komplettieren der zweite Aprilia-Werkspilot Aleix Espargaro mit 82 Punkten und Marcs Bruder Alex Marquez mit 79 Punkten.

Marc Marquez ist immer noch der King vom Ring!

Abschliessend aber noch einmal zurück zur Frage, ob Marc Marquez nun nicht mehr der King of the Ring sei. Für seine eingeschworenen Fans ist er es ohnehin durch seine heroische Leistung am Sachsenring immer noch. Und auch jeder neutrale Beobachter muss wohl zugeben, dass die Aufholjagd von Platz 13 auf Platz 2 einem König durchaus würdig ist. Geht es aber rein um Siege, ist Marquez klarerweise gefallen. Stellt sich nur die Frage, ab wie vielen Siegen sich ein neuer König krönen dürfte - Marquez hat derer immerhin 11…

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Bericht vom 08.07.2024 | 3'073 Aufrufe

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