Im Land der Seen und Schlösser

Touren-Länge:
1'250 km
Touren-Dauer:
23 Std.
Art der Tour:
Strecke
Terrain:
Onroad

Beschreibung der Tour

Region: Mecklenburg-Vorpommern
Das Fazit vorweg:
Meck-Pomm ist Landschaft, Landschaft und nochmals Landschaft und darin verstreut liegen zahlreiche schöne Städte und örtchen. Entlang der Straßen fällt das Auge immer wieder auf weite Felder, Wiesen und Wälder. Kleine Seen laden zum Verweilen ein. Mit über 2.000 Schlössern und Herrenhäusern ist Mecklenburg-Vorpommern die schlösserreichste Gegend Europas. Die denkmalgeschützten, oft kilometerlangen, mächtigen Kastanien- Buchen- und Lindenalleen sind ein Traum. Warum uns hier fast keine Motorradfahrer und noch weniger Motorroller begegnet sind, wird uns immer ein Rätsel bleiben.

Auf in den Kuhstall
Nach dem Besuch des Großroller - Heidetreffens in Uelzen verlegen wir ( = meine Frau Evi und ich ) unser Quartier ins „Cafe Kuhstall“, einem idyllischen gelegenem ehemaligen Bauerhof im Dörfchen Sagerheide, in der Nähe von Rostock. Bei Sonnenschein ein Platz zum Träumen, bei Regen sagen sich hier Fuchs und Hase gute Nacht und abends umkreisen Fledermäuse die Scheune. Rostock und Warnemünde Nur etwa 15 km vom „Kuhstall“ entfernt liegt die Hansestadt Rostock, das Tor zur großen weiten Welt.

Noch heute zeugen mächtige Kirchen, stolze Bürgerhäuser und Teile der mittelalterlichen Stadtmauer von der Bedeutung Rostocks als eine der ersten und einflussreichsten Hansestädte. Wichtige Tore wie das Steintor, das Mönchentor und das 47m hohe Kröpeliner Tor sind noch immer zu sehen und wurden vollständig saniert. Die Stadt wird von 3 monumentalen Backsteinkirchen überragt. Die älteste Kirche Rostocks, die St.-Nikolaikirche, besitzt mehrere Besonderheiten: Unter dem Altar befindet sich eine Straßendurchfahrt, der Schwibbogen und im Kirchendach sind 20 Wohnungen untergebracht - näher am Himmel geht nicht. Vom 117 Meter hohen Turm von St. Petri haben wir einen grandiosen Blick auf das Häusermeer am Stadthafen und sogar bis zur Ostsee.
Am Neuen Markt, gegenüber dem Rathaus mit seiner rosaroten Barockfassade, stellen wir unsere Silver Wing ab und werden wir auch gleich von einem älteren Herrn angesprochen : „Was ist das denn ? Das habe ich ja noch nie gesehen. Ist das ein Motorrad, ein Motorroller oder ein Zwitter ?“ Darf man damit auf die Autobahn ? Wir geben natürlich gerne Auskunft und freuen uns über das Interesse. Beim Besuch des alten Stadthafens können wir anschließend noch einige Groß- und Traditionssegler der soeben zu Ende gegangenen Hanse Sail bewundern. Interessant ist auch der 10.000-Tonnen Frachter MS Dresden, der an Bord ein Museum, eine Jugendherberge und ein Café beherbergt.Wir trinken noch einen Kaffee an der Kröpeliner Strasse, der lebhaften Einkaufsmeile von Rostock und brechen dann in Richtung des ehemaligen Fischerdorfs Warnemünde auf. Schon von weitem sehen wir die Wahrzeichen von Warnemünde: den 1897 erbauten Leuchtturm am Ende der Promenade und den unter Denkmalschutz stehenden „Teepott“ mit seinem Hyparschalendach. Gerne lassen wir uns vom Flair dieses lebendigen Ostseebades einfangen.
Es macht Spaß, am „Alten Strom“ mit seinen Fischkuttern und Fahrgastschiffen, liebevoll sanierten historischen Kapitänshäusern und maritimen Kneipen entlang zu bummeln und natürlich unterwegs ein obligatorisches Heringsbrötchen einzuschieben. Mit der Fähre setzen wir nach Markgrafenheide über, was uns die Gelegenheit gibt, ausgiebig das nur wenige Meter entfernt liegende Kreuzfahrtschiff „ADIVAbella“ zu bewundern. Kurz darauf erreichen wir Graal-Müritz. Der kleine idyllische Ort ist umgeben vom urwüchsigen Wald der Rostocker Heide und dem weißen Sandstrand der Ostsee.Kleine Nebenstrassen führen uns am „Rostocker Tor“ dem Wahrzeichen der Bernsteinstadt Ribnitz-Damgarten vorbei wieder zurück zum „Kuhstall“.Hansestadt Wismar - Kleinod zwischen Ostsee und Schweriner See:Das Mittelalter lebt - daran besteht in Wismar, das von drei hohen Backsteinkathedralen überragt wird, kein Zweifel. Zahlreiche Bürgerhäuser, die Nikolaikirche und der Hafen erinnern an hanseatische Traditionen. Beeindruckend ist der große Marktplatz, flankiert von bildschön restaurierten Giebelhäusern mit einladenden Cafés.

Tipp :
Wer lecker essen möchte, sollte im urigen Restaurant „Alter Schwede“ einmal einkehren.Mitten auf dem großen Markt zieht ein einzigartiger Pavillon unsere Blicke auf sich. Unter dem sanft geschwungenen Glockendach verbirgt sich die "Wasserkunst" - eine der früher modernsten und heute eine der ältesten erhalten gebliebenen Brunnenanlagen dieser Art in Norddeutschland. Die Straßen hinunter zum Hafen säumen Patrizierhäuser, Speicher und Kontore. Kurz vor den Kaimauern erinnert das Wassertor an die alte Stadtbefestigung, die einst die stärkste Festung Nordeuropas bewachte. Am Wochenende findet hier ein kleiner Fischmarkt statt, wo fliegende Händler ihre Waren anbieten, während es in der Woche eher ruhig zugeht und wir daher mit Muße die Mole entlang bummeln können. Im Hafen dümpeln einige Fischkutter und stattliche Segler und sorgen für Romantik.Auf der Rückfahrt machen wir erneut einen Abstecher nach Warnemünde, wo drei große Ami-Kreuzfahrtschiffe angelegt haben; darunter der 285m lange Luxusliner „Eurodam“. Fast 3.300 Passagiere bevölkern den Passagierkai. überall amerikanisches Kaugummigeschnatter. Am Abend steigt auf der Mole eine große Hafenparty, auf deren Höhepunkt mehrere Schlepper auf der Warnow zu Walzermelodien „tanzen“.

Halbinsel Fischland, Darß, Zingst und Stralsund:
Den ganzen Tag riecht es nach Meer, nach Fisch, nach Hafen; es schmeckt nach Salz, nach Kiefernnadeln, Sand und Sonnenöl. Dazu eine ständig wechselnde Landschaft mit flachen Badestränden, Wald und schattigen Alleen. Die Halbinselkette Fischland-Darß-Zingst mit ihrer Boddenküste liegt zwischen den beiden Hansestädten Rostock und Stralsund. Während Fischland scheinbar unendliche, weiße Sandstrände besitzt, umgeben die Boddenlandschaft große Schilfgebiete und auf dem Wasser verkehren noch die alten Zeesenboote mit ihren braunen Segeln. Wie an einer Perlenkette reihen sich kleine Seebäder mit Reetdachhäusern aneinander, die einst als Seefahrer- und Fischerdörfer entstanden sind und sich ihren dörflichen Charme bewahrt haben.
Einen kurzen Halt mit Spaziergang sind sie immer wert. Unterwegs werden wir immer wieder einmal von einer kräftigen Windböe durchgeschüttelt. Die gesamte Strecke ist nicht sehr kurvenreich aber wegen der sehr schönen Landschaft unbedingt sehenswert.über eine Drehbrücke erreichen wir Barth und nehmen Stralsund über die reizvolle Nebenstrecke Groß Kordshagen, Groß Mohrdorf, Prohn ins Visier. Wichtig: Das Straßenschild „Belagwechsel“ bitte unbedingt beachten, da sich hier meistens der ansonsten gute Straßenbelag urplötzlich in eine kaum beherrschbare Kopfsteinpflasterwüste verwandelt.
Die Hansestadt Stralsund ist mit ihrer Geschichte, der einmaligen Lage am Wasser und ihren historischen Bauten ein Höhepunkt unserer Tour. Umgeben vom Strelasund und zahlreichen Teichen gilt sie auch als das „Venedig des Nordens“. Den schönsten Blick auf die alte Stadt hat man von der Wasserseite her. Weit sichtbar sind die drei Stadtkirchen in der Altstadt und vor allem das mit sechs Giebeln gekrönte Rathaus mit seiner imposanten Schmuckfassade. Ganze Straßenzüge sind seit Jahrhunderten nahezu unverändert. Warum das Ganze nicht einmal von oben betrachten ? Wir nehmen alle Kraft zusammen und hecheln die 350 Stufen auf den Turm der mächtigen Marienkirche hinauf und werden mit einer wunderbaren Aussicht über die Giebel, Backsteinbauten und glitzernden Wasserflächen der angeblich schönsten Stadt an der Ostsee belohnt - traumhaft.Mit Blick auf das alte Segelschulschiff „Gorch Fock“ genießen wir am alten Hafen ein Fischbrötchen, ehe wir noch einen kleinen Abstecher zur Insel Rügen machen.In einem eleganten Bogen schraubt sich die neue, 128 m hohe Rügenbrücke in den azurblauen Himmel. 180.000 Tonnen Beton und 22.000 Tonnen Stahl wurden hier zur längsten Brücke Deutschlands verbaut.

Ein Insidertipp :
Hinter dem Rügendamm rechts auf die alte, sehr kurvenreiche Bäderstraße abbiegen; über Putbus, Sellin und Babe bis in das kleine örtchen Alt Reddevitz fahren und sich dort direkt am Wasser einen Kaffee und noch warme Fischbrötchen schmecken lassen. Bei schönem Wetter kann man von hieraus sogar den Greifswalder Dom und die Marienkirche sehen.

Bad Doberan, Heiligendamm und Kühlungsborn:
Der Tag beginnt stürmisch. Der Himmel ist wolkenverhangen als wir nach Bad Doberan, der ehemaligen Sommerresidenz der mecklenburgischen Herzöge, aufbrechen. Sehenswert ist hier das gotische Münster des ehemaligen Zisterzienserklosters. Wir verputzen gerade unser 2. Frühstück, als urplötzlich und unerwartet ein fauchender Koloss an uns vorbeirauscht - "Molli", eine Schmalspurbahn, die seit 1886 Bad Doberan mit Heiligendamm und seit 1910 auch mit Kühlungsborn verbindet und deren Schienenstrang mitten durch die Fußgängerzone Bad Doberan verläuft.Durch die längste Lindenallee Europas touren wir nach Heiligendamm, der „weißen Stadt am Meer“ und ältestem deutschen Seebad. Leider ist hier die Sicht auf den Strand in weiten Bereichen durch das 5 Sterne Hotel Kempinski versperrt. Also zügig weiter nach Kühlungsborn, auch "Grüne Stadt am Meer“ genannt, dem größten Ostseebad Mecklenburgs. Die fast 5 km lange Flaniermeile mit freiem Meerblick ist die längste Uferpromenade Deutschlands und lädt ausgiebigen Flanierspaß ein. Liebevoll restaurierte Villen geben dem Ostseebad das Flair eines Seebades der Jahrhundertwende. Leider ist der Ort kein Geheimtipp; überall wuseln Scharen von Touristen umher. Menschenleer sind dagegen die denkmalgeschützte Alleen, holprigen Kopfsteinpflasterwege, aber auch sanften, glatt asphaltierten Sträßchen, die uns weiter über die „Kühlung“ führen, eine Hügellandschaft, in der es plötzlich mächtig steil bergauf und bergab geht und deren höchste Erhebung mit 130 m (!) der Diedrichshagener Berg ist. Die Hügel, von denen wir eine herrliche Aussicht über die Felder bis zur Ostsee haben, werden von den Mecklenburgern gerne als „Berge“ bezeichnet - na ja, alles ist relativ und immerhin ist hier die höchste Erhebung in ganz Meck-Pomm und die Strecke über die L 11 in Richtung Kröpelin ist landschaftlich unbedingt einen Abstecher wert.
Unser Ziel ist die 50 km südlich von Rostock gelegene ehemalige Residenzstadt Güstrow. Ein Rundgang durch die historische Altstadt gleicht einer Reise in die Geschichte. Sehenswert ist der Markt mit Rathaus, Pfarrkirche und zahlreichen liebevoll restaurierten Bürgerhäusern.Am Rande der Altstadt überrascht uns ein optischer Leckerbissen: das Güstrower Schloss, eines der schönsten Renaissanceschlösser Norddeutschlands, mit seinem unerwartet südländischen Charme. Am angrenzenden Ziergarten mit seinen ornamentartigen Rabatten, Laubengängen und Wassergräben den Roller auf den Seitenständer stellen, sich auf eine Parkbank setzen und das Schloss im Sonnenuntergang betrachten - das ist ein romantischer Abschluss für diesen Tag.

Vom Kuhstall zur Müritz:
Tessin, Laage und Glasewitz heißen die Stationen unserer abwechslungsreichen Wald- und Wiesenpartie auf schmalem Asphalt, ehe wir Krakow durchfahren. Ein Abstecher nach Krakow ist Pflicht. Der malerische Ort liegt direkt am gleichnamigen See mit seinen zahlreichen Buchten, Inseln und Inselchen und ist von mehreren Naturschutzgebieten umgeben. Unser Weg nach Waren, der heimlichen „Hauptstadt“ der Mecklenburger Seenplatte, führt uns durch eine reizvolle Hügel- und Seenlandschaft rund um die Müritz, Norddeutschlands größtem Binnensee.Waren ist wunderschön am Ufer der Müritz gelegen und erstrahlt wieder in neuem Glanz: Wo sich vor wenigen Jahren noch Baukräne drehten, zeigen sich heute liebevoll restaurierte Fachwerkhäuser.
In der Altstadt haben viele gemütliche Geschäfte und Restaurants geöffnet. Vom Turm der Marienkirche bietet sich zudem ein unvergleichliches Panorama über das restaurierte Rathaus zum neuen Stadthafen mit den sanierten Speichern, wo das Leben im, am und auf dem Wasser pulsiert.Nach einem kleinen Abstecher zum Malchiner See erwartet uns schon bald die Einfahrt in die Mecklenburgerische Schweiz, deren Kuppen sich bis zu einer Höhe von immerhin 100 Metern emporschwingen. Hinter jedem Hügel, jeder Kurve eröffnen sich uns immer wieder überraschende Aussichten. Gelbbraunen Stoppelfelder wechseln sich mit tiefblaue Seen und schattigen Wäldern ab. Klatschmohn und Kornblumen säumen die Felder, knorrige Obstbäume und mächtige Kastanien die Chausseen. Unerwartete Kurven und gut getarnte Bahnübergänge fordern uns immer wieder heraus. Tief hinein ins Miniaturgebirge, bringt uns die Deutsche Alleenstrasse bis nach Malchin und von dort geht es fast schnurgerade auf der B 104 nach Teterow, dem geographischen Mittelpunkt Mecklenburg-Vorpommerns, umgeben von idyllischen Moränenzügen am Südufer des Teterower Sees. Bekannt ist Teterow für seinen ganz besonderen "Ring" - den Bergring, die größte Grasrennbahn Europas. Seit 1930 zieht die Rennstrecke für Motorräder Jahr für Jahr um Pfingsten tausende Motorsportbegeisterte und Biker in ihren Bann.
Der Tag ist wie im Fluge vergangen und wir machen noch einen letzten Abstecher nach Rostock. Da sich unsere hungrigen Mägen lautstark melden, ist Restaurantsuche angesagt. Nach fast einer Stunde ungeduldigen Suchens stehen wir am Hafen vor dem Lokal „Borwin Hafenrestaurant“. Wir zögern, ob wir diese örtlichkeit wirklich betreten sollen, die uns äußerlich eher an eine große Bretterbude mit vorgebauter Veranda als an ein Speiselokal erinnert. Hier sollen wir essen ?!?! - Glücklicherweise sind wir dem Ruf des Hungers dann doch gefolgt und werden völlig überrascht: selten haben wir so leckeren Fisch ( Scholle und Zanderfilet ) gegessen und dabei noch eine so schöne Aussicht genossen.

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Bewertung vom 13.11.2009 von DJAndy
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Bewertung vom 27.10.2009 von Ralf53
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Kontakt
Privatperson
41334 Nettetal ,  Nordrhein-Westfalen
Tour Daten


Eingetragen am: 27.10.2009
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