Piaggio Beverly 350ie Test

Wir fuhren den Piaggio Beverly 350ie Sport Touring mit ABS und ASR. Und dem neuen 330er Motor.

Piaggio Beverly 350 Touring ABS
 

Beverly 350ie Sport Touring ABS ASR

Der Piaggio Beverly hat als erster den neuen 33,3-PS-330 ccm-Motor bekommen. Und ABS plus ASR dazu.
 

Der Piaggio-Konzern spendiert seiner Scooter-Palette eine Kraftspritze in Form eines neuen Aggregats. Dieses ist der Nachfolger des bisherigen Quasar-Motors, eine Neuentwicklung, die aus 330 ccm die Kraft von 33,3 PS schöpft. Der neue Antrieb ist damit auf dem Leistungsniveau des 400ers, dabei leichter im Gewicht und ökonomischer im Verbrauch. Seine Premiere liefert er in der aktuellen Generation des Beverly.

 

Auf den ersten Blick ist nichts anders, als es vorher schon war (und seit zwei Jahren bereits ist.) Der noch ziemlich frische neue und nun bearbeitete Beverly zeigt seine matt-metallene Krawatten-Front mit LED-Lichtern und eine schlanke, lange Figur. Bei näherer Betrachtung kann man jedoch entdecken, dass am Antrieb etwas ein wenig anders aussieht und auch, dass der Hinterreifen ein wenig breiter scheint.

Dieser Schein trügt nicht. Der Hinterhuf ist tatsächlich breiter. Es ist ein 150er. Das aber sei vorerst nur am Rande erwähnt. Denn ganz neu ist das Herzstück: der Motor. Er ist eine komplette Neuentwicklung. Geblieben ist das Basis-Konzept des Einzylinder-Vierventilers. Neu ist der Hubraum, mit 330 ccm, der sich zwischen den 300er und den 400er schiebt, im Gewicht Ersterem entspricht, in der Leistung Zweiteren um nicht ganz eine Pferdestärke überflügelt. Das neue Aggregat leistet 33,3 PS. Rund elf mehr als der 300er. Was den fetteren Hinterhuf – der nach wie vor auf einem 14-Zoll-Rad montiert ist - hinlänglich erklärt.

Neben einer Reihe von Massnahmen zur Minimierung der inneren Reibung hat Piaggio von Nasssumpf- auf Trockensumpfschmierung umgestellt. Das macht das Aggregat kompakter als seinen 400 ccm-Kollegen. Auch im Antriebbstrang gibt’s Änderungen. So sorgt nun eine Fliehkraft-Kupplung (Mehrlamellen, Ölbad) für den Kraftschluss. Laut Piaggio dient das der Optimierung des Wärmehaushalts im Motor. Des weiteren dienen die genannten Massnahmen auch der Verbrauchs- und Emissionsökonomie. Gemäss technischen Angaben soll der gekräftigte Beverly mit 3,3 Litern Sprit auf hundert Kilometern auskommen.

Piaggio Beverly 350 Touring ABS

Piaggio Beverly 350ie Sport Tourer: mit 33,3 aus 330 ccm kriegt sie im Leistungs-Zeugnis in ihrer Klasse einen Einser. Und nicht einen Dreier.


Direkte Gasannahme, über 150 km/h locker.


Mit der neuen Power hat der Grossrad-Italiener nunmehr das Potenzial, die 140-/145-km-/h-Schwelle zu überwinden. Damit bleiben  Überhol-Kraftreserven für die Autobahn. Er heisst schliesslich „Sport Touring“ mit Nachnamen. Es mögen ja die Werte des 350ers im Vergleich zum 400er – ein Leistungs-Plus von knapp einem PS, sogar ein Minus von rund sechs Newtonmetern – auf dem Papier nicht unbedingt nach mehr Power klingen.

In der Realität ist das aber so, und es ist eindrucksvoll spürbar. Der Motor hängt ultradirekt am Gas, sein Ansprechverhalten ist als überaus prompt zu bezeichnen, er liefert spontanen Vortrieb – ein Ergebnis der Zusammenarbeit zwischen Triebwerk und Antriebsstrang.
Piaggio Beverly 350 Touring ABS
 
In der Kunst des Schaltens durchschnittlich begabte Motorradfahrer bleiben an der Kreuzung schnell einmal im Hintertreffen, zumal der Vorwärtsdrang des 350ers auch nicht einbricht. Eine flotte Autobahnetappe bestätigte auch, dass deutlich mehr Top-Speed drin ist als ein knapper 150er. Wieviel, das wollen wir aber öffentlich besser nicht näher ausführen.

Piaggio Beverly 350 Touring ABS

Der Einzylinder-Vierventiler ist komplett neu bearbeitet. Er ist von Nass- auf Trockensumpfschmierung umgestellt, der Kraftschluss erfolgt nun via Fliehkraftkupplung.


Bei all seiner Munterkeit zeigte der 330er-Antrieb des Test-Eisens – noch - eine gewisse Ungebärdigkeit. Auf Touren gebracht orgelte er drehfreudig dahin. Bei Standgas vibriert eer kräftig. Beim schnellen Gas-Aufreissen verschluckte er sich hin und wieder. Beim schnellen Gas-Wegnehmen kann es einen ordentlich reissen: Die Motor-Bremswirkung ist fast mit einem Elektro-Aggregat vergleichbar. Um im Schritttempo ohne Ruckeln und Wackeln dahinzurollen, dafür war Unterstützung durch Gasgeben/Mitbremsen gefragt.
 
Doch das alles dürfte Sache einer Feinabstimmung sein. Ausserdem hatte das Test-Exemplar gerade einmal 700 Kilometer auf der Uhr. Zum Stichwort Bremsen: Geankert wird über eine integral angelegte Anlage. In der Praxis ergibt sich damit beim Zug am rechten Bremshebel sanfte Verzögerung. Soll schärfer geankert werden, ist ein zusätzlicher Zug am linken Hebel sehr hilfreich.

Der Test-Beverly war mit der neuesten Entwicklungsstufe von Piaggios elektronischer Fahrassistenz ausgerüstet, das heisst: Das Antiblockiersystem, das fein arbeitet, ist mit einer Antischlupfregelung kombiniert, was etwa beim hastigen Überfahren von nassen Kanaldeckeln sehr konveniert.

Piaggio Beverly 350 Touring ABS

Nur knapp unter 200 Kilo.


Mit der Kraftkur einher geht ein wenig eine Gewichtszunahme. Laut Zulassungsschein bringt er 191 Kilo auf die Waage. Sein 300er-Bruder dagegen wiegt deren 183. Damit ist der 350er ein nicht ganz Leichter, immerhin bleibt er unter 200 kg. Sonst hat sich nichts geändert. Der Stauraum unter der Sitzbank zum Beispiel der auf den ersten Blick sehr aufnahmefähig aussieht, in dem aber nur für zwei Halbschalen-Helme oder, mit ein wenig Künsteln, einen Integralhelm Platz ist.

Die Farb-Palette des 350er-Beverly Sport Touring folgt der Mode und ist elegant gehalten: Es besteht die Wahl zwischen Dunkelblau, Rot, Schwarz und Silber. Die erstgenannten zwei Couleurs sind mit einer schwarzen Sitzbank und schwarzer Schürzen-Innenverkleidung, die letztgenannten zwei mit einem braunen Sattel und brauner Innenverkleidung kombiniert.
Piaggio Beverly 350 Touring ABS

Mehr Antriebskraft bedeutet nicht mehr Platz. Die Statur ist gleich gross geblieben.


Erstes Modell mit dem neuen 350er. Weitere folgen.


Weiss gibt’s auch, mit schwarzen Details. Garniert ist der optische Auftritt bei allen - um den sportlichen Ausdruck zu unterstreichen - mit leicht getöntem Windschild, schwarz gehaltenen Rückspiegeln und schwarz gefärbten Felgen. Der Beverly 350 ist der erste, der das neue 330 ccm-Aggregat implantiert bekommen hat. Schrittweise ersetzt dieser Motor die 400er- und auch die 300er-Quasare. Der nächste Kandidat, der in Österreich auf den Markt kommt, ist der brandneue X10. Ihm auf dem Fuss folgen werden nicht nur jene, die eine Kraftspritze gut vertragen können, zum Beispiel der MP3, sondern in weiterer Folge alle Konzern-Rollerprodukte von Aprilia bis Scarabeo. Bei der Vespa wird’s noch eine Weile dauern. Voraussichtlich bis nächstes Jahr, 2013.

Der Preis bewegt sich im Rahmen eines Mittelklasse-Motorrads. In diesem Segment kann der 350er-Beverly durchaus zum Wilderer werden, auf alle Fälle in der Stadt & auf der Tangente und, wenn’s nicht um Highspeed geht, auch auf der Autobahn. Und das bei jedem Wind und Wetter, zumal in der getesteten Version Antiblockiersystem und Antischlupfregelung serienmässig an Bord sind.
Piaggio Beverly 350 Touring ABS

Modisch, dennoch eher gedeckt sind die Farb-Variationen: dunkelblau, schwarz, rot und silber.
In Weiss kann man den Beverly 350 auch haben.

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Piaggio Beverly 350ie Sport Touring ABS ASR - Technische Daten

Motorbauart Einzylinder, Viertakt, 4V, OHC
Hubraum 330 ccm
Bohrung x Hub 78 x 69 mm
Leistung (homologiert) 24,5 kW (33,3 PS) @ 8.250 U/min
Max. Drehmoment 32,3 Nm @ 6.250 U/min
Starter E-Starter
Getriebe stufenlose Variomatik
Kupplung Fliehkraft, Mehrscheiben, Ölbad
Gemischaufbereitung elektron. Einspritzung
Schmierung Trockensumpf
Kühlung Flüssigkeit
Rahmen Doppelschleife, Stahl
Aufhängung v / h Telegabel, 35 mm / Triebsatzschwinge
Federung hinten Stereo-Federbeine, 4-fach in Vorspannung einstellbar
Federweg v / h 90 / 81 mm
Bremse vorne 300 mm, Scheibe, Dreikolben-Zange, integral
Bremse hinten 240 mm, Scheibe, Zweikolben-Zange, integral
Bereifung v / h 110/70 - 16; 150/70 - 14
Radstand 1.560 mm
Länge / Breite / Höhe 2.2150 / 760 / 1.210 mm
Bodenfreiheit 140 mm
Sitzhöhe 795 mm
Tankinhalt 13 Liter
Verbrauch 3,3 Liter/100 km
Emissionsklasse Euro 3
NoVA 5 %
Gewicht 191 kg (fahrfertig)
Preis: € 5.799,-- (Liste: € 6.300,--)

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Text: Trixi Keckeis
Fotos:
Piaggio
 

Bericht vom 14.05.2012 | 154'408 Aufrufe

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