Lambretta LN 125

Brettern mit Lambretta. Sabine düst auf der Retro-Welle.
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Lambretta LN 125

Fest mit den Füssen auf dem breiten Brettl der Lambretta stehen und ausbalancieren, so bist du völlig frei von der dann auch mal etwas überforderten Federung, wenns dich durch das Frost gepeinigte Schlaglochschlachtfeld im Märkischen Kreis führt.
 
Vogelfrei-leicht wedelst du die Strassen rauf und runter, zwischen den Asphaltblockern hindurch. Gut, bis dass die Rollereinheit so etwas wie GAAAAS annimmt, dauert es gefühlt eine gemütliche Viertelstunde, doch hey, 125 Kubik, was verlangst du da?! Vollgas den Berg im Bergischen rauf, da zwickt sich die rote Nadel im gediegen cremefarbenen Schaufensterle für die Aggregatszustände der kleinen Lambretta permanent an der 80 fest, da beisst diese Maus keinen Acceleration-Faden ab, eh klar! Aber fürs Stadtgetümmel, da passt das, bekommst auch keinen Rollerkoller im Kreisverkehr, alles locker, dank der Leichträdrigkeit im Kurvenverlauf. Schneidig reisst es dich bergab sogar an den Junghansel-Polo dran vorbei, wenn der wohl noch von der letzten Partynacht paralysiert die Schikane passiert.

Commuter-Ticket
Vorausschauend fahren ist bei solch schmalbrüstigen Einspurigen bekanntlich immer angesagt, um die Gunst der Runde volltreffsicher zu nehmen. Da fackelst du nicht lange, Kimme und Korn, und schon zoomt es dich zweifarbig und halb Blech-, halb Kunststoff-gedengelt an all den langweilig Verlöteten vorbei, schlängelst dich locker auf dem bequemen Hocker zwischen den Blechlawinen hindurch. Auch bei nur 4 Grad plus. Wenn draussen das Wasser zu Frieren beginnt. Da hat der Kollege längst sogar den 50-km-Run auf der Autobahn auf der schmalen Fahrzeug-Einheit mit dem italienschen Namen und dessen grossen historischen Hintergrund hinter sich gebracht - und überlebt.
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Produkt aus purer Emotion
Ganz ohne Windschott, das du dir bei dem eisigen Fahrtwind innig wünschst. Das würde dann aber das liebe Gesicht dieser feinen Lambretta im gediegenen Retro-Look voll versauen. Wobei, dem Scheinwerfer mit dem sieben-eckigen Silberring im Industrial-Design-Look würde schon ein netteres Hauberl gut zu Gesicht stehen. Noch dazu, wo das Glas für den wichtigen Lichtstrahl hier einen leicht getrübten Eindruck macht. Aber alles Ansichtssache! Wertig kommt nicht nur der verchromte Schriftzug des wohl bekannten Markennamens daher, keine Frage! „Die Lambretta LN ist kein Ergebnis aus Kalkulation und Analysen, sondern aus purer Emotion. Bei diesem Produkt wurde sehr viel Wert auf Details gelegt.“ So die Ansage in der Hersteller-Beschreibung.

Retro-Look mit Liebe zum Detail
Wohl wahr. Die feinen Nähte an der gut gepolsterten Sitzbank sprechen Bände und bestätigen nicht nur hier die Vorgabe des Produzenten. Auch die liebevolle Farbwahl bei der Lackierung greift das Retro-Thema zu diesem Neuauftritt der traditionellen Marke auf, zweifarbig, eh klar. In fünf verschiedenen Varianten, dreimal auf der Basis „Milk“ genannt, ergänzt durch blau, gelb und rot – und dann noch die „Gothic-Version“ in Black Metal neben der Ausführung, wie wir sie hier vor Augen haben: „Cream-Green“. Mit den so schneidigen Bäckchen aus echtem Blech, neudeutsch „Seitenpanels“ genannt, die mit je drei silbernen Spoilerstreifen übereinander visuell Geschwindigkeit vermitteln. Aber absolut keiner Milchmädchenrechnung erliegen die Macher um die Marke Lambretta.
   
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Lange Geschichte
Denn um die Markenrechte gibt es seit einigen Jahren einen verschlungenen und Kontinente übergreifenden Rechtsstreit – aber nach mehreren Entscheidungen von Mailänder Gerichten scheint die neue Herstellerfirma vom weltweiten Markenrechtsinhaber SIL (Scooters India Limited, 1971 von Innocenti übernommen) vollkommen authorisiert.

Motor von SYM - Karosserie aus Italien
Der 6,5 kW (knapp 9 PS) leistende Vergasermotor für die LN 125 stammt vom taiwanesischen Erzeuger SYM, wo die Wiedergeburt der Lambretta auch assembliert wird. Die Karosserie hingegen wird nach Angaben der in Rom ansässigen Lambretta Motolife Italia SPA in Italien hergestellt. Sie stellt eine zeitgeistige und ausgewogene Mischung aus Kunststoffteilen und Blech dar, wobei die Vorderhand den leicht formbaren Plastikpart übernimmt, während am schmuck gewölbten Hinterteil und sowieso beim Chassis auf solider Metallbasis gearbeitet wird. Mit Stahlblechen, die über einen Hilfsrahmen verbunden sind. „Ohne dieses Konstruktionsdetail einer Stahlkarosserie wäre es keine echte Lambretta“, bestimmt der Hersteller.

Die schönste Zeit
Der Kult-Roller erfuhr seine offizielle Wiedergeburt auf der EICMA in Mailand bereits in 2010, als der Investor CLAG International Limited aus Irland und die Motom Electronics Group aus Italien die Neuauflage unter dem klassischen Namen mit ihren Ursprüngen in den wilden 1960er Jahren verkündeten. Daran lehnt sich auch das Design an, für das mit italienischem Geblüt Alessandro Tartarini verantwortlich zeichnet. Sogar dessen Label prangt stolz innen auf der Frontverkleidung. „Denn wo ausser in Italien, hätte dieser Roller sonst entstehen können?“ Der Sohn des Italjet-Gründers Leopoldo Tartarini übernimmt als Projekt-Manager die Gestaltung unter seiner Verantwortlichkeit, pflichtbewusst gegenüber den italienischen Genen, wenigstens phänotypisch: das wie aus der Frühzeit stammende, lang gezogene Heck bietet mit der gut gepolsterten Sitzbank nicht nur einem frisch verliebten Pärchen moderaten bis bequemen Halt auch bei der Flucht aus dem Stadtgedränge raus zu längeren Landpartien.
 
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Schlanke Italienerin - wenig Stauraum
Die Front drängt sich dabei zumindest mit dem Sieben-Eck-Design der Lampeneinheit recht eigenständig in den Vordergrund. Viel Gepäck kann allerdings nicht mitreisen. Durch die hinter der Frontverkleidung verdeckt arbeitende Telegabel nebst dem eher üppig ausgeformten Vorderradkotflügel geht die sonst übliche Ablagemöglichkeit nützlicher Stauraumfächer verloren. Einzig ein kleiner Gepäckhaken bietet sich hier als Halterung für ein Täschchen an. Knieraum dagegen gibt es reichlich zwischen Front und Sitzbank, die Füsse stehen rutschsicher auf den schmalen Gummilamellen des Trittbretts. Selbst der Mitteltunnel nimmt sich komfortabel für den Beinfreiraum zurück.

Der Stauraum unter der Sitzbank bietet dagegen nur einem Jethelm in Grösse XS Platz, mehr ist da nicht drin. Bleibt noch die Möglichkeit für ein Miniköfferchen am Heck wie beim gediegenen Cabriolet: direkt über dem formschönen Rücklicht gibt es die Trittbrett-Gummistreifen in verkürzter Ausführung auf dem Rück-Blech, am fein verchromten Halter samt Namenszug unterm Haltebügel der Sitzbank liesse sich noch eine kleine Einheit verzurren – und sei es nur die Picknickdecke für den Frühjahrsausflug.
 
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8,8 PS aus dem 125ccm Motor - VMax 90km/h
Viel Gewicht aushalten kann die Federung der kleinen Lambretta LN 125 allerdings eh kaum, streckt das kleine Federbein hinten im Beifahrerbetrieb recht schnell die Glieder, fühlt sich die Front ebenso auch flott überfordert an. Und beim Anhalten wird’s auch schnell mal eng auf der Sitzbank, gerät die hintere Trommelbremse noch schneller an ihre Grenzen der Haltbarkeit als die Doppelkolben an der einzigen, der 190er Scheibe vorn. Effektive Verzögerung geht sicherlich anders, aber einer vielfachen Kraft aus Beschleunigung geschweige Geschwindigkeit muss hier auch nicht entgegen gewirkt werden. Schliesslich werden beim konventionellen, luftgekühlten Einzylinder-Viertaktmotor mit Zweiventil- und Vergasertechnik gerade mal 8,8 Pferdestärken freigelassen. Da gibt es auch nicht horrend viel Leistung einzufangen, noch dazu, weil der 125er Sym-Motor recht lange gebeten werden will, bis er an die absolut höchst erreichbare Geschwindigkeit von nominell 90 km/h herankommt.

Doch willst du ihn überhaupt, den Thrill aus zackigem Grossstadtgezangel, Zickzack-Kurs und Zappen zwischen all den Zappelkisten? Diese Lambretta LN 125 – und ist sie auch noch so neu und modern - steht sie doch so viel mehr für sanften Schwung im 60er Jahre Stil, wenn blaue Frühlings-Bänder durch laue Lüfte flattern. Wenn wir mit der Lambretta gemütlich durch die Lande brettern.
 

Technische Daten Lambretta LN 125
Motor
Typ 1-Zylinder, Viertakt, luftgekühlt, SOHC, 2 Ventile , Vergaser, Durchmesser 24,5 mm
Hubraum 124,6 ccm
Leistung 6,5 kW (8,8 PS) bei 8000/min
Drehmoment 8,3 Nm bei 6500/min
Getriebe stufenlos variable CVT-Automatik, Fliehkraft-Kupplung, Zahnriemen
Fahrwerk
Rahmentyp Stahlblech-Chassis mit Rohrrahmen
Abmessungen (LxBxH) 1.962 mm x 680 mm x 1.110 mm
Radstand 1.385 mm
Sitzhöhe 784 mm
Tankinhalt 6 l
Gewicht 111 kg
Räder Fünfspeichen-Leichtmetallguss
Bremsen vorne Scheibe 190 mm
Bremsen hinten Trommel 130 mm
Fahrwerk vorne Telegabel, Durchmesser 33 mm, Federweg 107 mm
Fahrwerk hinten Triebsatzschwinge mit Monofederbein, Federweg 90 mm
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Lambretta Vertrieb Österreich & Deutschland
Lambretta Vertrieb

Die Kremser Firma Kirschenhofer GmbH (Generic) übernimmt seit Herbst 2012 den Lambretta-Vertrieb für Deutschland, Österreich und Frankreich. Vorerst gibt es das Modell LN 125 mit 125-Kubik-Viertaktmotor und stufenlosem Variomatik-Antrieb, ab Frühjahr 2013 soll dann auch eine etwas kürzere 50-Kubik-Version erhältlich sein. Das Styling orientiert sich stark am Klassik-Look der Original-Lambretta aus den 1960er-Jahren.

Vertrieb Deutschland und Österreich:

KSR Group GmbH
Gewerbeparkstrasse 11
A 3500 Krems
Tel: +43(0) 2732 73737-0
Fax: +43(0) 2732 74747-36
office@ksr-group.com
www.lambrettascooter.eu
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Text: Sabine Welte
Fotos:
Sabine Welte

Bericht vom 05.04.2013 | 52'691 Aufrufe

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