Triumph Thunderbird LT

Test Triumph Thunderbird LT in Kalifornien. 380 Kilo an Grösse und Grazie.
Triumph Thunderbird LT Test
Dauernd alle Roadsongs im Kopf, die dich auch ohne Motorrad auf die Reise schicken. Country Roads, San Francisco, On the Road again, Born to be wild, East Bound and Down...
 

Triumph Thunderbird LT 2014 Test

Leichtes Touring, schweres Motorrad. Triumph könnte den schönsten Tourer der Saison gebaut haben.

Einiges gab mir schon zu denken bei meinem Besuch in San Diego, Kalifornien. Prozentuell gesehen erschreckend wenig V8 und überdurchschnittlich viel Hybrid. Eine nachhaltige, für Mensch und Tier gesunde Lebensweise ist die neue Dekadenz, weil noch teurer als hemmungslos verschwenderische Völlerei. Fleisch ist out, Fisch auch bald, nur Fisolen werden halbroh verzehrt. Das führt zu entsetzlichen Magenkrämpfen, die beim Abnehmen helfen sollen. O.K., ein bisschen liess ich ob des viel zu sauberen und viel zu freundlichen bevölkerungsreichsten Bundesstaates Amerikas meine Phantasie spielen, aber weit entfernt von der Realität ist man in den USA selbst mit aufs Absurdeste konstruierten Hirngespinsten nie.


The Old Empire entsendet Triumph Truppe.

Während ich die gezählten 30 Heizstrahler auf der Hotel-Terrasse beim Abendessen kopfschüttelnd zur Kenntnis nahm und sie wenig später, nach dem Genuss einiger Pale Ales als gar nicht mehr so schlimm empfand (Das bissl Gas!), wunderte ich mich über die Dichte an Grossenduros europäischer und japanischer Herkunft. „Those are very popular right now in the US“ klärte mich ein netter Ami auf, der meinen skeptischen Blick auf eine Gruppe Asphalt-Abenteurer mit GS, Ténéré und Co. am Parkplatz bemerkt hatte. Ich mag diese offene Oberflächlichkeit, ist mir lieber als charmanter Grant oder harte Herzlichkeit, wie heimisches Volk gerne seine schlechte Laune und soziale Phobie entschuldigt.

Wenn sie jetzt sogar schon in Kalifornien die All-in-One Bikes fahren, wo bleiben dann die weltberühmten Choppers von der Westküste? Wenn ich die Möglichkeit habe, fast alles mit meinem Motorrad anzustellen und ich trotzdem den Segen der Zulassungsbehörde (Zulassungsbehörde, what’s that?) bekomme, wieso entscheide ich mich dann für ein Produkt von der Stange? Wie dem auch sei, das Old Empire entsendete seine Triumph-Truppe, um den stark dezimierten Cruiser-Kompanien zu Hilfe zu kommen. Die königliche Garde wird angeführt von den Flaggschiffen Thunderbird Commander und Thunderbird LT, Letzterer ein für längere Ausfahrten und Wochenend-Trips leicht aufgerüsteter Tourer.

Triumph Thunderbird LT Test
Sieht nach zusätzlichen Zusatzscheinwerfern aus, sind aber die Klarglas-Blinker. Die darüber sind aber die Zusatzscheinwerfer, ja. Die Weisswandreifen sind echt schwarz und echt weiss. Die ersten ihrer Art weltweit, von Avon. Mit den Kreuzspeichenfelgen und den tiefen Fendern in dreifaltiger Heiligkeit.
Triumph Thunderbird LT Test


Da sich beide Donnervögel die Basis teilen, sind sie technisch grundsätzlich gleich. Auch die LT wird vom 1699 Kubik grossen und damit weltweit grössten Parallel-Twin mit 270° Zündfolge angetrieben, der maximal 94 PS leistet und ein Drehmoment von beeindruckenden 151 NM stemmt. Dem steht ein Leergewicht von 380 Kilo gegenüber, das sind nochmal um 32 mehr als bei der Commander. Viele Teile wurden zwar nicht verbaut, aber allesamt massiv und wertig, das summiert sich eben. Windschild, verchromte Zusatzscheinwerfer, Sissybar und lederne Seitenkoffer machen jeder Frau Hoffnung, die Wochenenden in Zukunft nicht alleine verbringen zu müssen. Mit 22 Litern im Tank darf die Reise auch etwas weiter weg führen als dreimal ums Haus. In Amerika liefen wir jedenfalls nicht Gefahr, irgendwo ein zweites Mal vorbeizukommen.

Während der Lenker der Commander die 1-Meter Marke nur knapp verfehlt und man mit kürzeren Armen schon mal etwas aufrechter sitzen muss, kommt die stärker gekrümmte Form der LT-Stange dem Fahrer weiter entgegen, was die Sitzposition entspannter und angenehmer macht. Niemals beklagen dürfen sich die Hinterbacken und sonstige am Polster ruhenden Teile, denn Triumph hat für die doppelte Portion Schaumstoff in zwei verschiedenen Dichtegraden sogar den Rahmen geändert, um die Sitzhöhe beibehalten zu können. Diese beträgt nur 700 mm, man hat aber das Gefühl, auf Wolken zu schweben. Verstärkte Entwicklungsarbeit in einem Bereich, der von vielen nach wie vor vernachlässigt wird, hat sich ausgezahlt.

Triumph Thunderbird LT Test
Himmelbett für zwei. Doppelte Polsterung, zwei Schaumstoffdichten und ein Pölsterchen für's Steissbein.
Triumph Thunderbird LT Test
I'm a Cowboy, on a steel horse I ride...Schneller als hundert Pferde und nicht so durstig. Unser Verbrauch lag bei flotter Fahrt bei etwas über 7 Litern, was immer noch für eine Reichweite von 300 Kilometern reicht.

Galerie Triumph Thunderbird LT Details (16 Fotos) - hier klicken!

Bei dem mir zugeteilten Testmotorrad waren zusätzlich einige Extras, wie zum Beispiel das höhere Touring-Windschild, verbaut, das an den Befestigungspunkten leider störend vibrierte. Es musste sich um einen Fehler bei der Montage gehandelt haben, denn nach dem Umstieg auf ein Bike mit normalem Windschild waren keine Vibrationen mehr zu vernehmen. Obwohl sie sich die Basis wie bereits erwähnt teilen, unterscheiden sich die Commander und die LT im Fahrverhalten, neben dem höheren Gewicht der LT wegen unterschiedlicher Reifendimensionen. Die LT rollt nur auf 16 Zöllern mit 150/180er Bereifung von Avon, während die Commander mit 140/200er Gummis von Metzeler auf 17 Zöllern etwas souveräner und satter auf der Strasse liegt. Dafür bietet die LT durch mehr Eigendämpfung der Reifen sogar noch etwas mehr Komfort. Bei all der Gemütlichkeit ist es aber auch mit ihr kein Problem, die Schleifpads an den Trittbrettern innerhalb kürzester Zeit zu vernichten.


Noch mehr Komfort auf der LT.

Bei dem mir zugeteilten Testmotorrad waren zusätzlich einige Extras, wie zum Beispiel das höhere Touring-Windschild, verbaut, das an den Befestigungspunkten leider störend vibrierte. Es musste sich um einen Fehler bei der Montage gehandelt haben, denn nach dem Umstieg auf ein Bike mit normalem Windschild waren keine Vibrationen mehr zu vernehmen. Obwohl sie sich die Basis wie bereits erwähnt teilen, unterscheiden sich die Commander und die LT im Fahrverhalten, neben dem höheren Gewicht der LT wegen unterschiedlicher Reifendimensionen. Die LT rollt nur auf 16 Zöllern mit 150/180er Bereifung von Avon, während die Commander mit 140/200er Gummis von Metzeler auf 17 Zöllern etwas ruhiger und satter auf der Strasse liegt. Dafür bietet die LT durch mehr Eigendämpfung der Reifen sogar noch etwas mehr Komfort. Bei all der Gemütlichkeit ist es aber auch mit ihr kein Problem, die Schleifpads an den Trittbrettern innerhalb kürzester Zeit zu vernichten.
 
Triumph Thunderbird LT Test
Für mich müsste es nur die blau-weisse sein, weil sie bei aller Eleganz frischer und moderner wirkt, als die kaminrote Variante.
 

Dass die LT nach der überzeugenden Vorstellung der Commander nicht enttäuschen wird, war zu erwarten. Zudem hatte sie mich ohnehin schon am Parkplatz mit der blau-weissen Lackierung.; etwas für die Geschichtsbücher. Und wenn sie erstmal das Windschild, die Sissybar, den Sozius und die Koffer abgelegt, ist es endgültig um mich geschehen. Fuck Grossenduros!

 
Triumph Thunderbird LT Test
Formvollendet. Da kann das Wetter noch so schirch sein.


Text: kot
Fotos:
Triumph

Bericht vom 14.03.2014 | 30'876 Aufrufe

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