Yamaha MT-09 Tracer 2015 Test

Yamaha MT-09 Tracer 2015 Test

Hell-Tracer oder frommes Lamm? Der Schizo-Sporttourer.

Ein Motor, 4 Modelle war gestern. Heute nimmt man Motor, Rahmen, Fahrwerk, Bremsen, Technik...und schafft ebenfalls 4 Modelle. Oder auch mehr. Aber jetzt kümmern wir uns mal um die neue MT-09 Tracer, das vierte Dreizylinder-Motorrad der MT-Baureihe von Yamaha. 70% ident mit der MT-09, 30% neu. Stellt sich die Frage: Zu 100% anders?

Wenn man vom nordöstlichsten Österreich fast 3000 Kilometer ins südwestlichste Spanien fliegt, und dort die selben Temperaturen und Wetterverhältnisse vorfindet wie hierzulande, dann weiss man, dass es sich bei Europa bei allen wirtschaftlichen Turbulenzen und Diskrepanzen um eine stabile Testumgebung für Fahrbares handelt. So gesehen hätte man nicht 3000 km fliegen müssen, aber wieso nicht tun, wenn man schon kann? Wie der gebildete Weltbürger weiss, gibt es nur schlechte Kleidung und Ausrüstung und kein schlechtes Wetter. Als semi-aktiver Bundesheer-Milizsoldat bereite ich mich auf jeden Einsatz gut und richtig vor, meine Anpassungsfähigkeit ist meine Stärke.

Das Konzept.

Anpassungsfähigkeit wird auch vom Arbeitsgerät gefordert, schliesslich bedeutet das Vielseitigkeit. Die modernen Sporttourer (so nenne ich Typen wie Honda Crossrunner oder MT-09 Tracer jetzt mal) können zwar nicht mehr so viel wie die klassischen Big-Enduros, aber genug und das meist besser. Die Tracer kann eigentlich 70% von dem, was die MT-09 kann, denn diesen Part teilt sie sich mit ihr. Motor, Rahmen, Fahrwerk und der gesamte Unterbau blieben gleich, bis auf die artgerechten Anpassungen natürlich. Die 41 mm USD-Gabel mit 137 mm Federweg bekam progressive Federn, die Abstimmung ist wie beim Federbein aufgrund des hohen Gewichts ein wenig härter. Angenehm straff würde ich es nennen, denn obwohl die Sitzbank verbreitert und aufgepolstert wurde, bekam der Sitzkomfort von mir im Beurteilungsblatt nur 3 von 5 Punkten.

Der Komfort.

Das gilt nicht für die Sitzposition, die ist insgesamt besser, nämlich aufrecht-entspannt, der Kniewinkel nicht zu spitz. Trotzdem ist die Schräglagenfreiheit mehr als ausreichend, ich schaffte es kaum, die ca. 5 cm langen Angstnippel anzukratzen. Bei Bedarf kann der gegenüber der MT-09 um 45 mm breitere Lenker um 10 mm weiter nach vorne versetzt und die Sitzhöhe auf 845 mm oder 860 mm gestellt werden. Das zu klein dimensionierte Windschild lässt sich ebenfalls um 30 mm rauf- oder runtersetzen. Alle Anpassungen sind mechanisch im Handumdrehen durchzuführen. Bei intensiverer Nutzung würde ich die Komfortsitzbank sowie die Touringscheibe aus dem Originalzubehör nachrüsten. Apropos Lenker: Zusammen mit den serienmässigen Handguards, die nochmal locker 15 cm zur Gesamtbreite addieren, könnte der Lenker im Kolonnenverkehr und in der Stadt mitunter dafür sorgen, dass man sich doch hinten anstellen wird müssen.

Der Kern.

Der 847 ccm grosse Crossplane-Dreizylinder blieb völlig unverändert, keine Modifikationen zugunsten eines besseren Drehmomentverlaufs, keine beschnittene Spitzenleistung, nichts. Denn hätte Yamaha in den Motor eingegriffen, wäre eine neue Homologation notwendig gewesen und um sich diesen mühsamen Schritt zu ersparen, hat man alles mit dem Ride-by-Wire erledigt. Dieses ermöglicht drei verschiedene Fahrmodi, die auch während der Fahrt bei geschlossenem Gasgriff angewählt werden können. Bei jedem Start ist der Standard-Modus eingelegt, der Fahrer kann weiters zwischen Modus A (schärfere Gasannahme) und Modus B (sanftere Gasannahme) wählen. Weil die Leistung sehr exakt zu dosieren ist, habe ich nur sehr kurz die beiden alternativen Modi probiert und war ansonsten nur im Standard-Modus unterwegs.

Der Motor offenbart die zwei Seelen der MT-09 Tracer, von denen Yamaha spricht. Man kann es einfach locker laufen lassen, relaxen und sich ganz grundsätzlich über motorisierte Fortbewegung freuen; oder man lässt die schwarze Katze aus dem Sack und demonstriert der ahnungslosen Welt, was 115 PS und 87,5 Nm bei 210 kg bedeuten können. Die Tracer steht ihren Schwestern in Sachen Performance in nichts nach, agiert aber besonnener und hat etwas bessere Manieren. Man fühlt sich von ihr nicht getrieben oder bedrängt, sogar mit dem zweiten Gang kann man entspannt umgehen und auf verwinkelten Strassen gerne auf den dritten vergessen.

Die Kontrolle.

Beherrschen könnte man die Leistung deshalb auch ohne elektronische Fahrhilfen, aber es war und ist kein Fehler, ABS und Traktionskontrolle an Board zu haben - diese liefert Yamaha serienmässig. Das ABS ist nicht abschaltbar, die Traktionskontrolle schon und zwar über einen Knopf neben dem zweigeteilten LC-Display. Die TK funktionierte in den spanischen Bergen bei 5 Grad, Nebel und feuchten, schmierigen Strassen hervorragend und ich wagte es sogar, mich am Kurvenausgang etwas mit der Haftungsgrenze zu spielen. Das ABS regelte nur selten, weil der Dunlop Sportmax D222 auch bei diesen schlechten Verhältnissen genügend Grip aufbauen konnte. Zusammen ein Paket, dem ich voll vertrauen konnte.

Die Kosten.

Am aufgeräumten Display war ein Durchschnittsverbrauch von 5,5 l abzulesen. Über einen Wippschalter kann man weitere Informationen wie Reichweite, Fahrzeit, gefahrene Kilometer, Aussentemperatur etc. anzeigen lassen, Geschwindigeit, Drehzahl, Uhrzeit und Tankanzeige hat man immer im Blick. Mit einem Tankvolumen von 18 Litern sollte man also locker 300 km weit kommen. Der Grundpreis für die MT-09 Tracer in Rot oder Grau beträgt in Österreich 11.499 Euro, die limitierte Race Blu Version ist etwas teurer. Nicht viel Geld für zwei Motorräder.

Fazit: Yamaha Tracer 900

Nimm zwei, zahl eins. Mit der MT-09 Tracer bekommt man fast eine ganze MT-09 mit all ihrer Sportlichkeit plus ein alltagstaugliches (unbedingt), reisefähiges (mit Zubehör) Touringbike mit anständigem Komfort für alle Lebenslagen. Leichter zu fahren, einfacher zu kontrollieren mit 3 Fahrmodi, ABS und Traktionskontrolle serienmässig. Nur der Windschutz könnte besser sein und die Sitzbank für lange Strecken findet man nur im Zubehör.

1
Vorteile
  • Performance wie MT-09
  • 3 Fahrmodi
  • ABS und TK serienmässig
  • straffes Fahrwerk
  • viel Schräglagenfreiheit
1
Nachteile
  • Windschutz nicht optimal
  • Sitz könnte bequemer sein
  • Lenker für die Stadt zu breit

Bericht vom 03.01.2015 | 93'523 Aufrufe

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