Arai RX-7V Topmodell Test Isle of Man Tourist Trophy 2015

Arai RX-7V Topmodell Test Isle of Man Tourist Trophy 2015

Der neue Highend-Helm der Edelmarke Arai

Wenn die Edel-Helmmarke Arai ein neues Topmodell präsentiert, kann man sicher sein, dass der Kopfschmuck nicht nur in Sachen Design und Komfort sondern vor allem bei der Sicherheit neue Massstäbe setzt. Da war die Präsentation im Zuge der halsbrecherischen "Tourist Trophy" auf der Isle of Man sehr trefflich gewählt!

Wenn der Begriff "Traditionsunternehmen" auf eine Firma zutrifft, dann wohl auf den Helmhersteller Arai. Zumindest mir fällt kein anderer Betrieb ein, bei dem Tradition einen so hohen Stellenwert hat. Dem Firmengründer Hirotake Arai, selbst ein begeisterter und etwas "risikobereiter" Motorradfahrer, schien sein Strohhut nicht unbedingt als sichere Kopfbedeckung am Motorrad. Somit machte sich der Hutmacher bereits in den 1920er-Jahren akribisch an die Arbeit, einen sicheren Kopfschutz zu entwickeln und war bereits in den 1930ern als Top-Helmhersteller bekannt. Schon damals hatte die hohe Fertigungsgüte, das Knowhow und die innovative Bauart ihren Preis - das damals aktuelle Arai-Topmodell kostete mehr als das Doppelte des Topmodells des nächstteuren Konkurrenten.

1978 präsentierte Arai mit dem RX-7 clc erstmals die RX-7-Modellreihe, ein Helm, der mit den einzigartigen Sicherheitsstandards und seinem Komfort für anspruchsvolle Racer gedacht war. Kein Wunder also, dass der legendäre Rennfahrer und mehrmalige Weltmeister Freddie Spencer einer der ersten Markenbotschafter für Arai wurde.

Eine einzigartige Kombination

Es folgten, bereits unter der Regie von Hirotakes Sohn Michito "Mitch" Arai, weitere Evolutionen und Revolutionen, die letzte Ausbaustufe ist der RX-7GP, der erste Helm, der sowohl die strenge Euronorm ECE 22-05 als auch die noch viel strengere amerikanische SNELL-Norm M2010 erfüllt - eine einzigartige Kombination, die natürlich auch in der Helmherstellung kostspieliger ist. Aber Geld, Gewinn und Umsatz stehen bei Arai von Beginn an weit hinter Sicherheit. Komfort und Verarbeitungsgüte. Noch heute lenkt Mitch Arai die Geschicke des Unternehmens, ein Börsengang war nie ein Thema.

Nicht ohne Grund wie ein Ei so rund

Und nun sind wir beim neuesten Topmodell, dem RX-7V angelangt, wobei das V im Namen nicht nur, wie sich viele vermutlich ohnehin denken können, für Victory steht sondern auch für die einzigartige Arai- Philosophie der runden Formen. Dabei geht es darum, dass der RX-7V nun der rundeste Helm in der Arai-Geschichte ist - was gerade heute, wo doch bei vielen anderen Herstellern möglichst viele Kanten und Höcker zugunsten einer coolen Optik angebracht sind, nicht mehr zeitgemäss zu sein scheint. Aber eigentlich ist das Gegenteil der Fall, gerade die runde Form ist verantwortlich für ein optimales Abgleiten bzw. Abprallen des Helms auf unebenen Körpern oder Untergründen - bei den meisten Unfällen die Ursache für schwere Kopf- und Halsverletzungen. Falls nun besonders aufmerksame Kritiker glauben, in den Belüftungskanälen eine Schwachstelle gefunden zu haben, können sie beruhigt werden: Alle Plastikteile am RX-7V sind so konstruiert, dass sie im Falle eines Sturzes sofort wegbrechen.

Viserwechsel am laufenden Band

Zum Messen der Rundungen hat Arai die R75-Schablone (hat einen Radius von 75 Millimeter) eingeführt, durch die man sofort sieht, dass jeder Arai-Helm im oberen Bereich die nötige Rundheit besitzt. Und da steht das V in RX-7V für eine römische 5, also RX-75. Das erklärt mir im Übrigen ganz aufgeregt der Enkel des Firmengründers, Akihito "Aki" Arai höchstpersönlich, während er ganz nebenbei geschätzte 100 Mal innnerhalb von 5 Sekunden das Visier des neuen RX-7V ab- und wieder anmontiert - ein weiteres Arai-Familienmitglied, das mit Leib und Seele für das Unternehmen brennt.

Formel1-Technologie im Motorradhelm

Nun aber zurück zu den vielen Innovationen, die der RX-7V innehat: Abgesehen von der konsequenten Rundheit des Helms war es für Arai auch wichtig, die Stossfestigkeit des Helms entscheidend zu verbessern. Dafür nahmen sich die Techniker gleich zwei Dinge vor, das Schalenmaterial selbst und den Visiermechanismus. Die Schale besteht nun aus dem völlig neuen PB-SNC², eine Netzstruktur aus "Super Fibre" und anderen speziellen Synthetik-Fasern, die auch in den hauseigenen Formel1-Helmen zum Einsatz kommen.

Neuer Visiermechanismus für mehr Sicherheit

Was aber hat der Visiermechanismus mit der Schalenfestigkeit zu tun? Nun, die Aufnahmepunkte des Visiers schwächen natürlich die Helmstruktur. Je höher diese Punkte liegen, desto schlechter, denn der Aufprall passiert meist, unter anderem bedingt druch die Anatomie des menschlichen Körpers, im oberen Bereich des Helms und eher an den Seiten, weil man instinktiv beim Sturz das Gesicht abwendet. Arai kann dank des neuen VAS (Variable Axis System) die Aufnahme des Visiers weiter nach unten rücken, da ein ziemlich genialer Mechanismus den Drehpunkt des Visiers verschiebt. Bei herkömmlicher Montage würde das Visier ca. ab der halben Öffnung am Helm schleifen, mit der variablen Montage passiert das nun nicht und der RX-7V konnte ringförmig oberhalb der neuen, niedrigeren Aufnahmepunkte weiter verstärkt werden.

Einfache Bedienung, angenehmer Komfort

Natürlich hat Arai auch in Sachen Belüftung weiter getüftelt, der Diffusor nennt sich nun "Type 12", ist 20 Millimeter länger und stolze 19 Prozent effizienter als der Diffusor "Type 10" des RX-7GP. Ausserdem wandert der patentierte "AirWing", also der kleine verstellbare Spoiler zwischen den beiden Diffusor-Kanälen weiter nach hinten und verbessert die Aerodynamik noch weiter. Die obere Belüftung bietet einen um 11 Prozent besseren Luftstrom und die Bedienung soll dank der grösseren Schieber auch mit Handschuhen sehr einfach vonstatten gehen. Schleisslich besitzt der RX-7V auch noch ein neues, noch angenehmeres "Eco-Pure"-Innenfutter, natürlich herausnehm- und waschbar, sowie einen grösseren Visieröffnungs-Mechanismus, der das Öffnen des Visiers gegenüber dem RX-7GP stark erleichtert und ganz nebenbei ebenfalls aus der Formel1 entlehnt wurde.

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Was nicht passt, wird passend gemacht

All diese neuen und vielfach verbesserten Features sollen den Arai RX-7V wieder zu einem der besten Helme auf dem Markt machen und meine ersten Testfahrten können dies durchaus bestätigen. Der Tragekomfort ist phänomenal, einen Arai-Helm setzt man auf und er passt. Na gut, mag schon sein, dass es auch einige wenige Köpfe gibt, auf die ein Arai nicht sofort passt, falls der RX-7V aber nicht perfekt sitzt, kann mit grösseren oder kleineren Polstern an nahezu allen Stellen die Passform aufpreisfrei optimiert werden.

Nicht billig, dafür aber sehr gut

Der Begriff Preis ist ohnehin eine der wenigen "Schwachstellen" am RX-7V, knapp 800 Euro für die einfärbigen Versionen und fast 1000 Euro für jene mit Dekor scheinen auf den ersten Blick ziemlich heftig. Rechnet man aber die ausgesprochen hohe Sicherheit, den Tragekomfort und die nun gesteigerte Alltagstauglichkeit mit ein, ist er ein guter und wichtiger Teil am Motorrad, bei dem man eben nicht sparen sollte.

Auch für Touring-Einsätze geeignet

Für eine gesteigerte Alltags- und auch Tourentauglichkeit sollen die stark reduzierten Windgeräusche und die verbesserte Aerodynamik sorgen. Schon die Bedienung der Lüftungsöffnungen fällt durch die grösseren Schieber tatsächlich leichter, die Aeroakustik und -dynamik können sich ebenfalls sehen lassen. Ich durfte den Helm sowohl auf einer kleinen Rennstrecke auf der Isle of Man als auch auf der echten Rennstrecke testen, die ausserhalb der zwei Wochen Tourist Trophy eigentlich keine Rennstrecke ist. Schon faszinierend, wie schnell und schmerzbefreit die Topfahrer einige Passagen offensichtlich nehmen müssen, damit sie auf eine Durchschnittsgeschwindigkeit von über 200 km/h kommen!

Durchschnittsgeschwindigkeit = Höchstgeschwindigkeit

Ich war schon froh, mit einer Kawasaki ER-6f überhaupt auf eine Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h zu kommen. Möglich war dies wegen des regen Verkehrs ohnehin nur in den Bergen, wo auch noch Seiten- und Gegenwind hinzu kamen. Und da konnte mich der Arai RX-7V durchaus mit dezenter und angenehmer Akustik überzeugen - auf jeden Fall ein gewaltiger Fortschritt im Vergleich zum Vorgänger RX-7GP.

Vergebliche Fehlersuche

Sucht man krampfhaft nach Fehlern, könnte bestenfalls das vergleichsweise hohe Gewicht von 1560 Gramm sauer aufstossen. In Zeiten der ultraleichten Carbonhelme mit Spitzenwerten von nur 1100 Gramm wirken 500 Gramm mehr Gewicht fast schon steinzeitlich. Allerdings besitzt auch der neue RX-7V so wie sein Vorgänger die Einzigartigkeit, gleich beide Normen ECE 22-05 und SNELL M2010 zu erfüllen. Nicht zu vergessen die zusätzlichen, eigentlich noch viel strengeren hausinternen Arai-Testzyklen, die ein Grossteil der Konkurrenten bestimmt nicht bestehen würde - Sicherheit geht nun mal vor.

Die Vorteile des Arai RX-7V auf einen Blick:

PB-SNC²-Helmschale: Netzstruktur aus "Super Fibre" und anderen speziellen Synthetik-Fasern, die auch in den hauseigenen Formel1-Helmen zum Einsatz kommen.

Glancing off: Das Vermögen des Helms durch seine runde Form leichter auf unebenen Körpern oder Untergründen abzugleiten bzw. abzuprallen.

VAS: Variable Axis System - das Visier besitzt einen schlauen Mechanismus für die variable Aufnahme, der die Visierachse verschiebt. Dadurch können die Aufnahmepunkte des Visiers nach unten rücken und die Helmschale oberhalb davon weiter verstärkt werden.

Eco-Pure-Innenfutter: Das vollständig herausnehm- und waschbare Innenfutter ist antibakteriell und bietet einen noch angenehmeren Tragekomfort.

Diffusor Type 12: Der Diffusor am Helm ist 20 Millimeter länger und stolze 19 Prozent effizienter, der patentierte "AirWing" wandert weiter nach hinten und verbessert die Aerodynamik noch weiter.

Ventilation: Die obere Belüftung bietet einen um 11 Prozent besseren Luftstrom und die Bedienung geht dank der grösseren Schieber auch mit Handschuhen sehr einfach vonstatten.

Visieröffnungs-Mechanismus: Intuitives Öffnen des Visiers mit nur einem Finger - auch mit Handschuhen sehr einfach. Direkt von den hauseigenen Formel1-Helmen entlehnt.

Neuer Generalimporteur Faber für Österreich

Wer sich im Übrigen in Österreich für einen RX-7V oder einen anderen Helm aus dem umfangreichen Arai-Sortiment interessiert, kann sich auf der aktualisierten Website www.arai.at ausgiebig informieren.

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Bericht vom 11.06.2015 | 28'912 Aufrufe

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