Moto Guzzi California 1400 Audace Test 2015

Schwarz und dick - aber ein Motorrad

Alternativer Titel für den Test der Moto Guzzi California 1400 Audace: Dick und dunkel. Ein Power-Cruiser für starke Männer und schwere Jungs.

K.OTs Meinung zur Moto Guzzi California 1400 Audace:

Dicke Dinger kommen meist aus Übersee und das nicht nur deshalb, weil dort Silikon nur am Rande zum Abdichten von Fenstern und Fugen verwendet wird. Doch nicht nur Milwaukee schickt fette Kühe auf die Weide, auch in Mandello del Lario wird seit jeher Schwermetall geschmiedet. Mein am stärksten prägendes Erlebnis diesbezüglich: Bevor ich meine Leidenschaft für Boxermotoren entdeckt habe, war es der längs eingebaute V2 der Guzzi V10 Centauro, der mich von allen Konzepten am meisten fasziniert hat. Als ich die seltene Centauro vor ca. 15 Jahren mal am Strassenrand sah, war ich schwer beeindruckt. Hier stand das mächtigste Motorrad, das ich je gesehen hatte.

Die Centauro gefällt mir heute nicht mehr ganz so gut, doch der ikonische V2 hat seine Strahlkraft behalten. In luftgekühlter Form und mit 388 Kubik mehr Kraftraum leistet der Zweizylinder in der Audace heute 96 PS – und damit kaum mehr als in der Centauro – das Drehmoment aber liegt nun bei 120 Nm, um 36 % höher im Vergleich zur V10. Das ist eine reine Gegenüberstellung der Machtverhältnisse zwischen Generationen, natürlich müsste man die Centauro mit der 1200 Sport und der Griso vergleichen. Nur bin ich von der Audace ähnlich fasziniert, alles an ihr ist schwarz, stark, breit - um den Werbespruch einer bekannten Reifenmarke zu zitieren.

Man hat das Gefühl, selbst etwas an Brustumfang zuzulegen, wenn man im 740 mm tiefen Sattel Platz nimmt, die Stiefel auf den vorverlegten Rasten abstellt und sich zum Drag-Bar Lenker streckt. Mit rotem Tank gefällt sie mir übrigens nicht so gut, nur in Schwarz wirkt sie wie aus einem Guss. Auch die Instrumente zählen nicht zu meinen Favoriten. Dafür bekommt man einen Carbon-Kotflügel serienmässig und viele erstaunte Blicke von Passanten geschenkt, die wahrscheinlich denken, man wäre ein schwerer Junge und die Audace weit gewichtiger als 318 kg. Sie fährt sich aber überraschend dynamisch, hat ausreichend Schräglagenfreiheit und ist mit zwei 320er Scheiben vorne und einer 282er Scheibe hinten (Bremssättel von Brembo) bremstechnisch potent ausgestattet. Man muss es sagen dürfen: Ein echtes Männermotorrad.

Vaulis Meinung zur Moto Guzzi California 1400 Audace:

Ich mag keine matt lackierten Motorräder. Und schon gar keine mattschwarz lackierten. Doch wie so oft bestätigt die Ausnahme die Regel, denn die Moto Guzzi California 1400 Audace mag ich. Sogar sehr gerne, trotz oder seltsamerweise wegen ihrer matten Lackierung in bitterbösem Schwarz. Vermutlich liegt es daran, dass die Audace sehr authentisch ist und somit diesen bösen Auftritt glaubwürdig vermittelt. Schon der Motor ist eine imposante Erscheinung, mit 1380 Kubik Hubraum aus dem typisch längs eingebauten V2-Triebwerk werden knapp unter 100 PS gewonnen und noch viel beeindruckendere 120 Newtonmeter Drehmoment bei nur 2750 Touren! Das sorgt für den nötigen Bums von weit unten, wie es sich für einen Cruiser gehört.

Allerdings will die Audace nicht nur Cruiser sein, sondern ein sehr sportlicher, quasi ein Naked Bike Cruiser, oder so. Das erkennt man rein äusserlich sehr gut an den vorrangig schwarz lackierten Teilen, den roten Felgenbändern und dem herrlichen Carbon-Frontflügel. Im Fahrbetrieb merkt man es hingegen vorrangig an dem sehr breiten und geraden Lenker, der eine sehr aufrechte, fast schon supermoto-ähnliche Sitzhaltung erfordert. Das sieht natürlich cool aus, ist auf Dauer aber nicht unbedingt bequem. Und macht auch nicht zwangsläufig schneller, denn auch wenn die Schräglage für einen Cruiser durchaus in Ordnung geht, schleifen die Fussrasten doch recht schnell - jedenfalls viel schneller als bei einem Naked Bike.

Aber auch diese Mischung aus gemütlichem Cruiser und sportlicher Sitzposition machen die Audace weit weniger verwechselbar als viele andere Motorräder - und darauf kommt es vielen Fans doch eingentlich an! In Sachen moderne Features muss man bei der Audace ebenfalls keine Abstriche machen, ABS ist Standard, die Bremse packt trotz des gewaltigen Gewichts von 318 Kilo ordentlich zu, drei wählbare Motor-Mappings lassen die Leistungsentfaltung variieren und die serienmässige Traktionskontrolle nimmt den Schrecken vor Nässe. Das umfangreiche Elektronikpaket beinhaltet auch noch einen Tempomaten, was die California 1400 Audace wiederum als doch eher gemütlichen Cruiser outet - ein sehr sportlicher gemütlicher Cruiser eben...

Fazit: Moto Guzzi California 1400 Audace

Die Moto Guzzi Audace braucht eigentlich keine Traktionskontrolle, keine wählbaren Motormappings und keinen Tempomaten, denn ihr geht es nur um eins: Einen starken Auftritt. Doch in ihrem kräftigen Leib ist eben auch genügend Platz für moderne, elektronische Spielereien, die zweifellos auch in einem Power-Cruiser Berechtigung und Nutzen haben. Denn sie lässt sich durchaus ein wenig sportlich bewegen, die Schräglagenfreiheit ist passabel, die Bremsen der Masse gewachsen und der mächtige Motor hat ohnehin genügend Mark, um die fast 320 kg plus Fahrer druckvoll voran zu schieben. Big-Bike made in Italy.


  • beeindruckender, böser Look
  • dicker, ikonischer Motor
  • sattes Drehmoment
  • schwacher Seriensound
  • Sitzposition auf Dauer unbequem
  • stilistisch unpassende Instrumente

Bericht vom 05.10.2015 | 26'762 Aufrufe

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