Zero DSR 2016 Test

Zero DSR 2016 Test

Elektro Dampfhammer mit 144NM. Noch Fragen?

Das haut mächtig rein - wer denkt, Elektrobikes haben mehr mit einem Staubsauger als einem Motorrad zu tun, der irrt gewaltig. Wir fuhren die 2016er Modellpalette in Kalifornien.

Ja ja, ich weiss schon, ein richtiges Motorrad muss Benzin verbrauchen und schön laut kreischen. Ganz ehrlich, bis letzte Woche war das in etwa auch meine Meinung. Jetzt sehe ich die Motorradwelt aber mit etwas anderen Augen. Was ist passiert? Zero Motorcycles lud mich zur Präsentation der 2016er-Modelle und ich durfte die Elektro-Eisen zwei Tage lang ausführlich Probe fahren.

Insgesamt bietet Zero 6 verschiedene Modelle an, die aus 2 Modellreihen entspringen. Die in diesem Bericht beschriebene S-Reihe besteht aus der Zero S, dem Streetfighter mit 17 Zoll Rädern und der Endurovariante Zero DS (Dual Sport) mit 19/17 Zoll Bereifung. Die S und die DS sind noch jeweils in einer R Variante verfügbar, die sich durch ein höheres Drehmoment und mehr Spitzenleistung auszeichnet. Bei unserem Testride durften wir das Spitzenmodell die Zero DSR ZF13 an insgesamt zwei Tagen Probefahren. Das 13 in der Typenbezeichnung steht für Akkuleistung in Kilowattstunden. Im Gegensatz zur FX-Modellreihe sind hier die einzelnen Akkupacks fix verbaut und können nicht auf die Schnelle getauscht werden.

Ein Blick auf die technischen Daten der DSR zieht mir die Mundwinkel schon mal leicht in die Höhe. OK, die 67 PS hauen mich jetzt nicht unbedingt vom Hocker, aber das Drehmoment von 144 Nm sucht seinesgleichen. Bei welcher Drehzahl? Hey, wir reden hier von einem Elektro Motor, soll heissen bei jeder Drehzahl! All jenen, die mit dem Begriff Drehmoment jetzt nicht so viel anfangen können, nur mal so viel: eine Kawasaki ZX-10R Ninja hat ein Drehmoment von 115 Newtonmeter. Setzt man diese Daten dann mit einem Gewicht von knapp 190kg in Verbindung so ergibt sich eine Beschleunigung von 0 auf 100 in nur 3,3 Sekunden. Meine Erwartungen waren also relativ hoch als ich zur Testfahrt antrat.

Wie fährt sich ein Elektrisch betriebenes Motorrad?

Um es mit nur einem Wort zu beschreiben: Deppensicher. Die DSR verfügt so wie alle anderen Zeros über kein Getriebe, folglich fallen Schalthebel und Kupplungshebel schon mal weg und dem Fahrer bleiben nur mehr Bremshebel und Bremspedal um die er sich kümmern muss. Trotzdem sollte man vorsichtig sein. Bei unserem Testride fuhr ich die ersten Kilometern im ECO Mode, einem Modus der die grösste Reichweite gewährleistet, aber wie man sich denken kann, auch Leistung und Drehmoment drosselt. Als ich dann in den Sport Modus wechselte, hatte ich gleich zu Beginn zwei heikle Situationen, in denen mir auf feuchter Fahrbahn das Hinterrad wegrutschte. Da kam mir auch wieder die Warnung unseres Guides „never underestimate the power, cause then it may bite you“ in den Sinn.

Neben ECO- und Sport-Mode kann auch noch ein Custom-Mode gewählt werden. Hier lassen sich mittels App Höchstgeschwindigkeit, Drehmoment und die Rekuperation individuell einstellen. Ausserdem zeigt die App auch noch die verbrauchten kw/h sowie die Kosten pro gefahrenen 100 Kilometern. Was aber eh eigentlich wurscht ist, weil sich die Kosten für eine Ladung zwischen 1€ und 1,5€ bewegen, also quasi nix.

Ansonsten sind die Unterschiede zu einem konventionellen Bike nicht wirklich vorhanden. Klar, die Zero macht keinen Krach, lediglich das Abrollgeräusch der Reifen und das Surren des Zahnriemens sind zu hören. Die DSR fährt sich wie ein gewöhnliches Motorrad. Das ist wahrscheinlich auch auf die hochwertigen Komponenten, die in dieses Bike verbaut werden, zurückzuführen. So setzt man beim ABS auf Bosch und bekommt ein perfekt funktionierendes System. Die Fahrwerkskomponenten liefert Showa, auch hier konnte ich mich während der insgesamt 300 gefahrenen Kilometer kein einziges Mal beschweren. Das Fahrwerk bietet eine gute Balance zwischen sportlicher Fahrdynamik und notwendigem Fahrkomfort.

Das aber wohl spannendste Thema ist jenes der Reichweite. Wie bereits erwähnt, absolvierten wir mit den DSR’s rund 300 Kilometer auf klassischen Motorradstrecken. Mit zahlreichen Kurven und einigen Bergen dazwischen – also quasi Kalte Kuchl im Ami Style. Zero gibt bei der DSR ZF13 bei Autobahnbetrieb (also permanent 120 km/h dahindodeln) eine Reichweite von 113 Kilometern an. Normalerweise sind solche Angaben, um es höflich auszudrücken, mehr als optimistisch angegeben. Nicht so bei Zero, nach 60 Kilometern zeigte der Akku noch immer 53% an. Rechnet man die Zahlen hoch, kommt man bei flotter Fahrweise sogar auf 127 Kilometer. Bei sparsamer Fahrweise sollen laut Zero sogar über 250 Kilometer drin sein. Übrigens gibt es die S Reihe in jeweils drei verschiedenen Versionen - mit 9,8 kw/h, 13kw/h und in der Ausführung mit 15,9kw/h. Kurz erklärt: Hat man mit der 9,8er zwar das leichteste Bike, hat man mit maximal 190 km aber auch die geringste Reichweite. Mit der 15,9er hat man dafür zwar die schwerste Variante, allerdings sollten Ausfahrten bis zu 300km drin sein.

Die Ladezeit hängt zum einen vom verbauten Akkupack und zum anderen von der Ladeart ab. Sie bewegt sich bei der DSR zwischen zweieinhalb Stunden mittels Schnellladegerät und knapp neun Stunden in der Standardladung. Übrigens ist zum Laden lediglich ein Kabel und eine Steckdose notwendig. Das Standard Ladegerät ist im Fahrzeug verbaut.

Ich für meinen Teil war von der Zero DSR schwer begeistert und konnte meine eher negativen Vorurteile nach den Testrides beruhigt in den Mistkübel werfen. Das ist übrigens auch Teil der Zero Marketingstrategie „get them on a bike and let them ride“. Wer sich dafür interessiert findet hier den passenden Händler um sich für eine Testfahrt anzumelden.

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Testberichte Motorrad Neuheiten 2016:

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Bericht vom 19.01.2016 | 13'848 Aufrufe

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