Ducati Scrambler Urban Enduro vs. Yamaha XSR 700  Test 2016 Video

Ducati Scrambler Urban Enduro vs. Yamaha XSR 700 Test 2016 Video

Mittelklasse Retro-Vergleich: Japan gegen Italien - mit Video!

Der Retro-Trend nimmt kein Ende und auch in der Mittelklasse sind die Retro-Maschinen schon angekommen. Yamaha versucht ihr Glück mit der XSR 700, ein Sport-Heritage Eisen auf Basis des beliebten Einsteigerbikes MT-07. Ducati hingegen setzt auf die Scrambler-Familie, mit der Urban Enduro als Stadt- und Offroadflitzer. Der Vergleich liegt nahe, denn sowohl die Leistung als auch das Drehmoment ist ident, nur das eine Mal aus einem V2, das andere Mal aus einem Reihenzweizylinder. Welches Konzept kann im 1000PS Test mehr überzeugen?

2016 steht wohl im Zeichen von Retro-Motorrädern, denn selten war der Boom nach Oldschool-Maschinen so gross, wie in diesem Jahr. Leider sind die Traumbikes R NineT und Thruxton R für den Normalverdiener schwer leistbar, bleiben also oft nur unerfüllter Traum. Will man aber auch auf den Trend aufspringen und ein optisch altes Motorrad mit moderner Technik fahren, gibt es selbst in der Mittelklasse inzwischen ein grosses Angebot. Der Vorteil: Begonnen beim niedrigen Anschaffungspreis, bleiben auch die Unterhaltskosten dank der vernünftigen Leistung im Rahmen. Trotzdem schaffen sie es, auch erfahrene Motorradfahrer zu unterhalten, insbesondere dadurch, dass sie kein Loch in die Geldbörse reissen.

Vaulis Meinung zur Yamaha XSR 700:

Irgendwie ist es ja fast ein bisschen pervers und ich möchte es auch gar nicht an die grosse Glocke hängen, doch diese Zweizylinder-"Einsteiger"-Bikes vom Schlage der Kawasaki ER-6n, Suzuki SV 650 und Yamaha MT-07 machen mir höllisch viel Spass. Natürlich möchte ich die Power einer Yamaha MT-10 nicht missen, wenn ich gerade auf ihr reite wie auf einer Kanonenkugel, es müssen aber nicht zwangsläufig160 PS sein, um richtig flott und sportlich voran zu kommen. Vor allem die kleine Yamaha wirkt auf mich stärker, als sie ist, der Motor hat im mittleren Drehzahlbereich herrlich viel Schmalz und dreht herrlich aus. Lediglich die Optik der MT-07 ist nicht so mein Fall - und genau da kommt die Yamaha XSR 700 ins Spiel. Als Basis die MT-07 hat sie eben den gleichen dynamischen Motor und das quirlige Chassis, jedoch eine etwas bequemere Sitzposition und vor allem eine ansprechende Optik.

Die XSR 700 ist den Aufpreis gegenüber der MT-07 durchaus wert

Zwar passt mir persönlich auch einiges an ihr nicht 100-prozentig, wie etwa der grosse Kühler vor dem Motor, aber insgesamt wäre sie mir den Aufpreis gegenüber der MT-07 wegen der Optik durchaus wert. Fahrdynamisch ist auch sie zumindest für mich eine herrliche Spassrakete, die mich permanent zum wheelen animiert und niemals überfordert. Einzig das Fahrwerk könnte schon etwas straffer sein, da wird es in manchen Kurven ein wenig schwammig - nicht gefährlich, aber ich wünschte mir doch einen Deut mehr Straffheit in den Federelementen.

Horvaths Meinung zur Yamaha XSR 700:

Dass die XSR 700 eine MT-07 im Retro-Design ist, sich aber fahrtechnisch nicht stark von dem Naked Bike unterscheidet, hört und liest man oft. Für mich jedoch irrelevant, denn ich bin bis jetzt weder eine MT-07 gefahren, noch bin ich auf einer gesessen. Die XSR war also ein komplett neues Motorrad für mich. Die Sitzposition unterscheidet sich stark zur Scrambler, die XSR fühlt sich allgemein sehr niedrig an. Man hat das Gefühl auf dem Motorrad oben auf zu sitzen, statt wie in der Scrambler mittendrin. Einmal losgefahren, verstehe ich das Lob der Motorradjournalisten aller Welt am Motor der XSR/MT-07. Sehr einsteigerfreundlich nimmt er den Befehl vom Gashahn an und überfordert in keiner Situation. Darf es etwas schneller werden, reicht es den Hahn weiter aufzudrehen und die XSR geht auf Angriff. Die Beschleunigung ist sehr harmonisch, einen wirklichen Punch gibt es nicht. Das Fahrwerk sehe ich als grössten Schwachpunkt der XSR – schade bei so einem potenten Motor. Bei gemütlichem Cruisen federt es sehr brav, selbst Kanaldeckel und Schlaglöcher sind kein Problem. Will man sich jedoch sportlich bewegen, gerät das Fahrwerk schnell an seine Grenzen. Bei flotter Kurvenfahrt schaukelt es sich sehr schnell auf, sogar stärker als die Offroad-orientiere Urban Enduro. Leider hat man hier jedoch keinen Endurolenker wie auf der Scrambler, die Linie muss also mit mehr Einsatz korrigiert werden. Das hat dazu geführt, dass ich die kurvenreiche Strasse auf der wir uns bewegt haben, mit der XSR eher gemütlich entlangflaniert bin. Die Scrambler machte hier mehr Spass.

Sie ist und bleibt eine MT-07

Über Geschmack lässt sich ja bekanntlich nicht streiten, die XSR 700 ist jedoch von meiner Warte aus ein optischer Fehlgriff. Der Scheinwerfer ist zu lang, das Rücklicht wirkt wie aufgesetzt und stört die allgemein flache Linie der Maschine. Allgemein glaube ich der Yamaha die Heritage-Optik nicht, die MT-07 Gene stechen einfach zu stark hervor. Zum Glück unterscheiden sich Geschmäcker und die XSR 700 wird viele Leute sicherlich sehr glücklich machen. Ob es einem den Aufpreis von 2000€ zur herkömmlichen MT-07 wert ist, muss man jedoch selbst entscheiden.

Vaulis Meinung zur Ducati Scrambler Urban Enduro:

Die Ducati Scrambler, nun muss man ja, seit es die kleine Sixty-Two gibt, zusätzlich "die Grosse" sagen und in Hinkunft wird man wohl "die Mittlere" sagen müssen (es wird von einer grossen Scrambler für 2017 gemunkelt) ist ein grosser Wurf für Ducati, da gibt es nichts zu rütteln. Zu professionell wurde das Projekt vermarktet, zu cool ist der Name "Scrambler", als dass potentielle Retro-Fans sie nicht entdecken hätten können. Und insgesamt ist sie auch ein Motorrad mit dem man definitiv nichts falsch macht - der luftgekühlte 800er-Zweizylindermotor hängt schön am Gas und geht vom Stand weg fast schon zu heftig ans Werk, das Fahrwerk ist ausgewogen und die Sitzposition gefällt ab dem ersten Meter.

Die Urban Enduro verkörpert den Charakter des Scramblers am besten

Wobei Ducati mit der Urban Enduro rein fahrtechnisch das für mich beste Scrambler-Konzept von den vier Varianten anbietet - der hohe und breite Lenker erlaubt eine herrliche Kontrollierbarkeit der Maschine, sodass sie den Nerv dieser Motorradgattung am besten trifft. Optisch sagt sie mir aber am wenigsten zu, dieses matte Olivgrün muss man mögen, der hohe Frontflügel wirkt auf mich etwas aufgesetzt. Dafür mangelt es ihr dadurch niemals an Auffälligkeit und eigenständig ist sie damit auch noch. Der Preis scheint auf den ersten Blick, vor allem im Vergleich mit der Yamaha XSR 700 etwas heftig, knapp 2000 Euro mehr ist schon eine Ansage, allerdings kauft man ja auch den Flair einer Ducati mit ein - und der ist für viele Fans eben sein Geld wert.

Horvaths Meinung zur Ducati Scrambler Urban Enduro:

Anfangs muss ich gestehen, dass ich nicht wertfrei in diesen Test gegangen bin. Die Scrambler hat mir vor allem in der Urban Enduro Version schon immer sehr gut gefallen, sie erweckt bei mir den Eindruck als könne einem alles egal sein, sobald man auf ihr Platz nimmt. Stadt, Überland und Offroad steckt sie locker weg – das zumindest mein Eindruck bei dem Blick auf die ersten Bilder. Der Test auf der Scrambler beginnt für mich schon vorab in Wien, von wo aus ich sie abgeholt habe. Einmal platzgenommen, fällt sofort der sehr hohe Lenker auf, schon fast zu hoch wie ich anfangs finde. Kaum im Verkehr angenommen geniesse ich den Vorteil den ich aus den Massen des breiten Lenkers schöpfe. Selbst langsames Tempo fühlt sich kontrolliert an, breiter dürfte er jedoch nicht sein, sonst wird es zwischen den Autokolonnen eng. Ausserhalb der Stadt erfreut es, wie kompakt sich die Scrambler selbst in schnellen Kurven anfühlt, das verleiht viel Sicherheit und Fahrspass. Eingeschränkt wird der Fahrspass jedoch leider durchs weiche Fahrwerk, das wohl für die Fahrt in der Stadt und Offroad konzipiert ist (deswegen wahrscheinlich Urban Enduro). Bei sportlicher Kurvenfahrt beginnt die Scrambler sich leicht aufzuschaukeln und gibt dem Fahrer das Gefühl, sich eher auf einer Enduro als auf einem Naked Bike zu befinden. Der breite Lenker lässt aber feine Korrekturen in der Linie zu, wodurch die weiche Fahrwerksabstimmung kontrollierbar bleibt und man sich damit sogar ein bisschen spielen kann.

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Ein hoher Preis für viel Emotion

Der charakteristische V2 ist eine Wucht und schiebt gewaltig von unten an. Wäre nicht das hakelige Getriebe, das mich zu oft in den Leerlauf warf, gäbe es keine Kritik am Antrieb. Der Sound ist V2-typisch kernig und macht sowohl untertourig als auch knapp vor dem Begrenzer eine gute Figur. Optisch gewinnt die Scrambler den Vergleich. Die mattgrüne Lackierung und die wunderschönen Speichenfelgen geben das Gefühl sich auf einem Stützpunkt der US-Army zu befinden. Mehr Militär-Look geht eigentlich nicht – man muss es hald mögen. Der hohe Kotflügel in der Front verleiht dem Auftritt noch den gewissen Enduroanspruch, den die Scrambler in leichtem Gelände auch brav umsetzt. Einzig der Preis von 11.295€ in Österreich schwächt den Allgemeineindruck der Urban Enduro – ziemlich viel Asche für so eine kleine Diva.

Fazit: Ducati Scrambler Urban Enduro

Die Ducati Scrambler Urban Enduro trägt das Abenteuer-Image unter den Retro-Bikes am stärksten. Sollte Indiana Jones noch einmal auf unseren Kinoleinwänden erscheinen, sehe ich ihn auf einer Urban Enduro die Welt retten. Der charakteristische V2 Motor und die kompakte Optik bringen viel Emotion, dem Ausflug auf den nächsten Feldweg steht nichts im Weg. Der hohe Endurolenker verspricht ausserdem viel Sicherheit, ist aber gerade schmal genug, um noch zwischen Autokolonnen hindurch zu passen. Trotzdem ist die kleine Italienerin nicht perfekt. Das Fahrwerk ist bei schneller Fahrweise zu weich, die Lastwechselreaktioin des Motors ist zu grob und das Getriebe zickt bei hoher Drehzahl auch gerne. Wer sich daran nicht stört, bekommt mit der Scrambler Urban Enduro jedoch ein Retro-Bike, das auch abseits der Strasse eine gute Figur macht.

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Vorteile
  • charakteristischer Motor
  • hoher Endurolenker
  • begrenzte Offroad-Tauglichkeit
  • eigenständige Optik
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Nachteile
  • weiches Fahrwerk
  • hakeliges Getriebe
  • Lastwechselreaktion zu stark

Fazit: Yamaha XSR700

Will man ein Einsteigermotorrad, mit dem man lange glücklich ist, das aber auch gleichzeitig eine coole Retro-Optik hat, kommt man an der Yamaha XSR 700 eigentlich nicht vorbei. Mit der MT-07 als technische Basis, kauft man sich das zurzeit wahrscheinlich beliebteste Anfängermotorrad - nur in anderer Aufmachung. Der grösste Trumph der XSR 700 ist der unglaublich elastische Reihenzweizylinder, der Einsteiger weder überfordert, noch erfahrene Motorradfahrer langweilt. Die Gasannahme ist angenehm direkt und die Leistung entfaltet sich sehr harmonisch, einen 'Hoppla'-Moment wird es hier nie geben. Jedoch sollte die XSR 700 eher als entspannter Cruiser, anstatt als sportliches Motorrad gesehen werden. Das Fahrwerk schaukelt sich bei schneller Fahrweise sehr leicht auf und bringt Unsicherheit ins Fahrzeug. Erfahrene Fahrer werden damit leicht zurecht kommen, ein Anfänger wird davon aber vielleicht überfordert.

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Vorteile
  • elastischer Motor
  • direktes Getriebe
  • leichte Handhabung
  • gute Verarbeitungsqualität
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Nachteile
  • zu weiches Fahrwerk
  • Sitzposition ist gewöhungsbedürftig

Bericht vom 18.10.2016 | 39'512 Aufrufe

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