BMW R 1200 GS, Rallye und Exclusive Test 2017

BMW R 1200 GS, Rallye und Exclusive Test 2017

3 Motorräder, sechs Fäuste - die BMW GS 2017 im Fahrbericht

Klaus Grammer und K.OT fahren drei BMW R 1200 GS in Salzburg. Vom Edelrenner bis zur Extremenduro.

Wenn BMW nach Salzburg zum Modellpalettentest von G 310 R bis K 1600 GTL lädt, dann kann man sich auf ein gschaftiges, aber hochklassiges Event inmitten einer der schönsten Gegenden unseres ohnehin schönen Landes freuen. Tausendsassa Klaus Grammer, in seiner Jugend mehrfacher Strassenmotorrad-Staatsmeister, Formel 1-Ingenieur und Polizist und Anwalt – er verteidigte die von ihm gefassten Gauner gleich selbst – und meine Wenigkeit fuhren in gewohnter 1000PS-Manier 6 Modelle in eineinhalb Tagen, bevor der Regen über uns hereinbrach.

Wer BMW sagt, der muss auch GS sagen, zumal die Bayern ihre Cashcow wieder überarbeitet und vervielfältigt haben. Deshalb fassten wir gleich drei Modelle aus, die sich in Ausstattung und Optik unterscheiden.

BMW R 1200 GS

Der 125 PS starke luft/flüssigkeitsgekühlte Boxermotor mit einem maximalen Drehmoment von 125 Nm bei 6500 U/min. erhielt einen neuen Kat sowie ein neues Mapping, um ihn Euro 4-fit zu machen. Als serienmässige Fahrmodi stehen Rain und Road in Verbindung mit der Stabilitätskontrolle ASC zur Verfügung, optional können mit dem Paket „Fahrmodi Pro“ die Stufen Dynamic, Dynamic Pro sowie Enduro und Enduro pro geordert werden. Ebenfalls in diesem Paket beinhaltet die die dynamische Traktionskontrolle DTC zur besseren Beschleunigung aus der Schräglage, das ABS Pro, die Berganfahrhilfe „Hill-Start-Control“ und das dynamische Bremslicht.

Die „Pro“-Modi müssen allerdings über einen Codierstecker freigeschaltet werden. Neu ist auch das als Sonderausstattung erhältliche Dynamic ESA Next Generation, dass sich während der Fahrt blitzschnell auf den aktuellen Fahrzustand einstellt und nun zudem einen automatischen Fahrlagenausgleich durchführt, egal, ob man alleine, zu zweit und/oder mit Gepäck fährt. In der Einstellung „Road“ ist die Dämpfungsanpassung automatisiert und bietet den besten Kompromiss. Dieser Fahrwerksmodus ist Standard für die Fahrmodi Rain, Road und Dynamic.

Es ist aber auch möglich, in den Fahrmodi Rain und Road die Federung auf „Dynamic“ zu stellen. Wer die Fahrmodi Dynamic oder Dynamic Pro wählt, der hat dazu dann den Dynamic-Modus im Fahrwerk. Und in den Fahrmodi Enduro und Enduro Pro heisst die Fahrwerkseinstellung „Enduro“. Soweit verwirrt? Man muss nur im Kopf behalten, dass es Fahrmodi und Fahrwerksmodi gibt, die man teilweise anpassen kann. Mit dem Fahrwerksmodus Road ist weiters die Einstellung „Auto“ für den automatischen Fahrlagenausgleich gekoppelt, dabei wird die Federbasis automatisch dem Gewicht auf dem Motorrad angepasst. Daneben kann der Fahrer mit den Einstellungen Min und Max die Federbasis mini- oder maximieren, wodurch sich die Sitzhöhe ändert.

K.OT und Kollege Klaus Grammer testeten in Salzburg einen Teil der aktuellen BMW-Palette: R 1200 GS, R nineT Urban G/S, S 1000 XR, F 800 GT/R 2017. Dabei fand K.OT sein Motorrad des Jahres, nachdem ihn die Elektronik der GS völlig überfordert hatte.

Sonderausstattungen R 1200 GS allgemein

Dynamic Paket beinhaltet DTC, LED-Scheinwerfer, Hill Start Control, Schaltassistent Pro, Fahrmodi Pro, ABS Pro, LED Blinker, Komfort-Paket beinhaltet Abgasanlage verchromt, Heizgriffe, RDC, Handschutz, beinhaltet Dynamic ESA, Keyless Ride, Bordcomputer, Pro, Vorbereitung für Navigationsgerät, Temporegelung, Kofferhalter

BMW R 1200 GS Exclusive

Die Exklusive sticht vor allem mit der edlen „Iced Chocolate“ Farbvariante hervor. Das klingt schon so appetitlich. Die Farbe an den Tankseitenverkleidungen nennt sich „Monolith metallic matt“ mit klar lackierten Beklebungen, der Rahmen wurde „Achatgrau metallic“ pulverbeschichtet. Der Antriebsstrang hält sich in schlichtem Schwarz optisch zurück, während die goldenen Bremssättel herausstechen. Technisch unterscheidet sie sich allerdings nicht von der normalen GS. Sonderausstattungen R 1200 GS Basis und R 1200 GS Exclusive: Komfortsitzbank hoch (Sitzhöhe 860/ 880 mm), Komfortsitzbank niedrig (Sitzhöhe 830/ 850 mm), Fahrersitzbank niedrig (Sitzhöhe 820/ 840 mm).

BMW R 1200 GS Rallye

Nicht nur durch die Farbe „Lupinblau metallic“, dekoriert von farblichen Elementen, die an die BMW Motorsportgeschichte erinnern, erhält die R 1200 GS Rallye einen sensationellen Auftritt. Der „Cordobablau“ gepulverte Rahmen freut nicht nur den österreichischen Fussballfan, der nie vergisst, sondern alle, die schon immer das Erkennungsmerkmal der HP-Modelle schätzten. Wie bei der Exklusive präsentierten sich Antriebsstrang und Bremssättel in Schwarz bzw. Gold. Die Rallye behauptet ihren Anspruch auf die sportlichste GS mit einer schlanken Rallyesitzbank, einem Sportwindschild, einer Kühlerblende und einem Kühlerschutzgitter, breiten Endurofussrasten, einem Rahmenschutz, Kreuzspeichenrädern serienmässig – alternativ mit Stollenreifen bezogen. Wer die Soziusfussrasten und die Gepäckbrücke demontiert, der kann die Stellen mit mitgelieferten Abdeckplatten versehen. Das optional erhältliche Sportfahrtwerk mit höheren Federwege und härteren Federn zollt dem vermehrten Einsatz abseits befestigter Strassen Tribut.

Sonderausstattungen BMW R 1200 GS Rallye

Soziuspaket Rallye: Seriensitze, –windschild, Kippständer, Rallye-Sitzbank extra hoch (Sitzhöhe 890 mm), Sportfederung, Stollenreifen.

90% aller BMW GS mit Vollausstattung

Bei der GS war immer meine Devise: Ganz oder gar nicht. Das sehen scheinbar auch die meisten GS-Kunden so, die ihre Enduro mittlerweile zu 90% mit Vollausstattung ordern. Das Verhältnis zwischen GS- und GS Adventure-Verkäufen liegt bei fast 1:1 (Quelle BMW Österreich). Man will also mehr, wenn man GS will und man kriegt es auch. Unsere Ausfahrt beschränkte sich auf einen reinen Strassentest mit einem kurzen Ausflug auf einen Waldweg fürs Video. Die Rallye war zu meinem Verdruss auch nicht mit Stollenreifen ausgestattet. Vor Kurzem hatte ich noch Probleme mit TKC80 auf Asphalt aber nachdem die R nineT Urban G/S, mein neues Lieblingsmotorrad, so gut gefahren ist, habe ich meine Meinung geändert. Viel Geradeauslauf tut dem Conti aber natürlich nicht gut und macht ihn eckig und irgendwann wirklich nicht mehr fahrbar, also wer sich auf Stollen einlässt, der sollte es ernst meinen.

Die GS ist ein Strassenmotorrad

Wer von der Rallye auf die GS umsteigt, dem fehlt plötzlich etwas. Obwohl unsere Testmotorräder meist fast hundertprozentig ausgestattet sind, was man angesichts der oben beschriebenen Sachlage nicht mehr bekritteln darf, vermisst man auf der Standardversion neben der Rallye die Härte. Die GS geht mittlerweile unglaublich um die Kurven und hat auf den Pässen Südtirols praktisch keine Konkurrenz. Ausgestattet mit dem Michelin Anakee III legten wir die GS um, bis die Zehen zwischen Fussrasten und Asphalt zu winseln begannen. Ein extrem sportliches Strassenmotorrad ist aus ihr geworden und wer möchte, kann sie genau so nutzen, ohne Abstriche machen zu müssen, im Gegenteil.

Elektronik: Auf Wunsch alles auf Automatik

Neben den BMW-typischen Bremsen auf höchstem Niveau bietet das elektronische Fahrwerk mit dem Fahrlagenausgleich alle Möglichkeiten, die Dämpfung auf sich und seine Bedürfnisse einzustellen und das Dynamic ESA Next Generation für die grösstmögliche Stabilität sorgen zu lassen. Die Souveränität während der Fahrt und im speziellen bei sportlicher Fahrweise ist majestätisch, trotzdem war die Transparenz beim Bremsen, Beschleunigen und in maximaler Schräglage hervorragend. Wer möchte, der wählt die Einstellung Road (Fahrmodus) und Auto (Fahrwerksmodus) und lässt den Computer den Rest machen. Wer sich gerne mit der umfangreichen Technik beschäftigt, der wird schnell blind die entsprechenden Einstellungen treffen können, denn die Möglichkeiten wirken nur anfangs kompliziert und der Weg durchs Menü ist schnell gefunden.

R 1200 GS Rallye für den Einmannbetrieb

Der Vorteil der Rallye ist nicht nur das (optional) erhältliche Sportfahrwerk, sondern, dass man sie auch alleine fahren kann und wird. Vor allem beim aufrechten Fahren im Gelände schätzt man die massiven Fussrasten, den breiten Lenker, die schmale Sitzbank und die jahrzehntelang gereifte Geometrie. Wenn jemand noch immer an den Offroadqualitäten der GS zweifelt, dem sei eine Exkursion in den Enduropark Hechlingen nahegelegt, dort werden die Zweifel beseitigt. Nicht ohne ist die Sitzhöhe von 890 mm mit extra hohe Rallyesitzbank, allerdings auch standesgemäss. Ein Rallyefahrer muss eben so hart sein wie sein Gerät.

GS Exclusive als Edelrenner

Die Sonderedition "Exclusive" ist ideal für alle, die ihre GS ohnehin gerne edel aufmotzen (würden). Neben den "Werksmaschinen", die von ihren Besitzern praktisch unberührt bleiben, gibt es ja noch die grosszügig und zweckmässig ausgestatteten Enduros und als dritte grosse Gruppe die Edelrenner, die fast so glänzen wie ein poliertes Custombike. Die Exclusive steht schon so im Laden, wie sie viele gerne hätten und kann je nach Geschmack und Geldbörse weiter aufgehübscht werden, die Möglichkeiten dafür sind schier grenzenlos. So wie die Möglichkeiten, mit der GS die Welt zu erkunden, auf und abseits asphaltierter Strassen.

Fazit: BMW R 1200 GS

BMW baut seine Boxer-Palette weiter aus und arbeitet konsequent an der Evolution der GS, die seit über 35 Jahren andauert. Neben dem EURO4-Update des Motors mit neuem Kat und Mapping, gibt es nun wahlweise Features wie das Dynamic ESA Next Generation mit automatischem Fahrlagenausgleich, der die Stabilität und den Komfort für den Fahrer weiter verbessert. Mit dem Rallye präsentiert BMW zudem das sportlichste Modell der Reihe in passender Motorsportoptik und mit Teilen für das Überleben (des Motorrades) im Gelände. Mit dem optionalen Sportfahrwerk wird sie noch härter im Nehmen und sollte artgerecht ausreichend im Gelände bewegt werden. Die Exklusive hingegen ist für Freunde des gepflegten Auftritts und so wie die GS eher für die Strasse ausgelegt. Viele Features bleiben aufpreispflichtig, aber das kümmert den GS-Kunden für gewöhnlich nicht. 90 % werden mit Vollausstattung geordert.

1
Vorteile
  • gereiftes Konzept
  • starker Motor
  • kräftige Bremsen
  • umfangreiches Ausstattungsangebot
  • gutes Image und Werterhalt
1
Nachteile
  • viele Features aufpreispflichtig
  • Boxer in richtig hartem Gelände exponiert

Bericht vom 13.06.2017 | 29'156 Aufrufe

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