BMW S 1000 XR 2017 Test

BMW S 1000 XR 2017 Test

Supersporttouringenduro macht schräglagengeil

BMW hat die S 1000 XR in Details upgedatet. Mehr Leistung, mehr Ausstattung, weniger Vibrationen. Ist sie die schnellste ihrer Klasse?

Seit Jahrzehnten stellt sich die Motorradmenschheit bei Vergleichstests dieselbe bedeutungslose, aber scheinbar im Zentrum eines grossen, kollektiven Interesses stehende Frage: Mit welchem zweier oder mehrerer Motorräder ist man (auf der Strasse) am schnellsten? Darauf kann man eine Reihe unterschiedlich formulierter Antworten geben, zum Beispiel: Egal mit welchem, du nicht. Was im konkreten Fall bedeuten soll, dass es völlig wurscht ist, ob man eine S 1000 RR, eine S 1000 R, eine S 1000 XR oder von mir aus auch eine R nineT oder GS auf die Hausstrecke mitnimmt, wer auf gleichermassen inoffizielle wie öffentliche Strassenduelle tatsächlich Wert legt, für den wird nicht das Motorrad entscheiden, ob er als Sieger hervorgeht, sondern nur er selbst.

Mehr Drehmoment bei niedrigerer Drehzahl als S 1000 RR

Es ist vor dem blassen Hintergrund der entfernt bekannten StVO sowieso absurd zu fragen, ob man mit einem 200 PS starken Supersport-Aggregat, oder seinem 160 PS starken, drehmomentoptimierten Ableger schneller ist. Seit Inkrafttreten der EURO4, die uns vor 12 Monaten noch jede Menge Kopfzerbrechen und Sorgenfalten bereitet hat, ist der Reihenvierzylinder im 1-Liter-Format in der XR sogar um 5 PS stärker geworden und leistet jetzt 165 PS bei 11.000 U/min, braucht somit nicht mal mehr Drehzahl. Angesichts des Potenzials des Motors aber kein Meilenstein. Wichtiger ist der Drehmomentverlauf, der im Spitzenwert von 114 Nm bei 9.250 U/min. gipfelt, während die 113 Nm der S 1000 RR erst bei 10.500 U/min. anstehen.

K.OT und Kollege Klaus Grammer testeten in Salzburg einen Teil der aktuellen BMW-Palette: R 1200 GS, R nineT Urban G/S, S 1000 XR, F 800 GT/R 2017. Dabei fand K.OT sein Motorrad des Jahres, nachdem ihn die Elektronik der GS völlig überfordert hatte.

10 kg mehr Zuladung, 20 l Tank

Der Hochleistungsmotor steckt dem Naturell dieser Mischkulanz aus Sporttourer, Supersportler und Bigenduro entsprechend aber nicht in einem Torpedo, über das sich der Pilot strecken und stülpen muss, sondern in einem aufrechten Ross mit bequem zu besteigendem Sattel von 840 mm Höhe (Tieferlegung auf 790 mm möglich), vor dem ein 20 l fassender Tank und ein herrschaftlich breiter Lenker nicht nur das Vertrauen in eine souveräne Reichweite der XR stärken. Dass nun um 10 kg mehr an Gesamtgewicht möglich sind, ist bei einem potentiellen Fernreisemotorrad dieser Art ebenfalls eine erfreuliche Evolution. Wir rechnen ein mögliches Szenario: 228 kg + 85 kg + 65 kg = 378 kg. Dazu kämen wahrscheinlich ein Gepäcksystem und weiteres Zubehör; bliebe aber immer noch massiv Holz zum Verladen, um auf 444 kg zu kommen.

Supersport kann nicht gewinnen

Aber eigentlich wollten wir ja vom Schnellsein und Nochschnellersein reden und was denn nun tatsächlich das Allerschnellste auf der Strasse ist. Mit Sicherheit kann ich Folgendes sagen: Mit einem Modell wie der S 1000 XR, die wie erläutert viel Leistung mit grosszügiger Geometrie, einer entspannten Sitzposition und tourentauglichen Extras vereint, ist man garantiert länger schnell als mit einem reinrassigen Sportmotorrad. Es ist unrealistisch, dass auf Hausstrecken oder sonstigen Asphaltstrassen ein Supersportler seine Qualitäten zum siegreichen Vorteil einsetzen könnte. Ich könnte mir folglich nicht vorstellen, (noch) schneller als mit einer S 1000 XR zu sein.

Kraft braucht Technik: HP Parts

Serienmässig bietet die XR die Fahrmodi „Rain“ und „Road“ sowie die automatische Stabilitätskontrolle ASC, aus dem Zubehör kommen wahlweise einzelne Elektronikupgrades wie Fahrmodi Pro (ABS Pro, DTC und Fahrmodi „Dynamic“ und „Dynamic Pro“), Dynamic ESA oder ganze Pakete (siehe unten) hinzu. Sogar eine Reihe von fast 20 High Performance Parts stehen dem betuchten Kunden zur Verfügung und wer es noch mehr übertreiben will, der lässt sich die XR von Ilmberger Carbon einkleiden.

Schräglagengeilheit kommt auf

Um ein Missverständnis auszuräumen: Die XR ist Vieles, nur keine Supermoto. Trotz ihrem breiten Lenker braucht sie Körpereinsatz und aufgrund ihrer kräftigen Figur etwas Eingewöhnung, weil sie nicht so viel Bewegungsfreiheit zulässt wie anfangs vermutet. Hat man sich mit ihr aber einmal harmonisiert, kennt die Schräglagengeilheit kaum noch Grenzen - bei mir zumindest. Sie lässt sich hart und tief in die Kurve bremsen, präzise und kontrolliert durch den Scheitel ziehen und explodiert auf Wunsch aus dem Radius, dass ich ab und an entsetzt das Gas zurücknehmen musste.

Reizthema Vibrationen

Bei der Präsentation des XR-Modells im Jahr 2005 gab es vor allem ein Thema unter den Journalisten, nämlich die Vibrationen, die vor allem im Lenker auftraten. Während ich es eher begrüsse, wenn auch ein Reihenvierer noch einen besonderen Charakter und einen etwas unregelmässigen Klang hat, haben andere empfindlich auf das hochfrequente Säuseln im mittleren Drehzahlbereich reagiert. Scheinbar war die Kundschaft ähnlicher Meinung, denn BMW hat die Schwingungsentkopplung des Lenkers verstärkt und damit das Vibrieren in den Händen reduziert.

Die 2017er XR kann nicht viel Neues, aber einiges besser und das umfangreiche Zubehörprogramm macht sie vielleicht zum sportlichsten und schnellsten modernen Sporttourer am Markt. Auf jeden Fall aber zur schnellsten Supersporttourerenduro.

FARBEN BMW S 1000 XR 2017:

Neue Farbe Racingred uni, Lightwhite uni/Granitgrau metallic/Racingred uni , Oceanblau metallic matt

TOURING-PAKET:

Dynamic ESA, Heizgriffe, Kofferhalter, Vorbereitung, Navigationsgerät inkl. Multi-Controller, Hauptständer, Gepäckbrücke

DYNAMIK-PAKET:

Fahrmodi Pro (Dynamische Traktionskontrolle DTC, ABS Pro, Fahrmodi „Dynamic“ und „Dynamic Pro“), Schaltassistent Pro, Geschwindigkeitsregelung, LED-Blinkleuchten

WEITERES ORIGINALZUBEHÖR:

Tagfahrlicht, Heizgriffe, Hauptständer, Kofferhalter, Gepäckbrücke, Handschutz, Navihalterung, Tieferlegung, Fahrersitz niedrig, Diebstahlwarnanlage

HP PARTS:

Fussrastenanlage, Sozius-Fussrasten, Brems- und Kupplungshebel gefräst, Motorprotektoren, Achsprotektoren, Kettenspanner, Carbon Radabdeckung vorne/hinten, Carbon Abdeckung Tankdeckel, Carbon Ritzelabdeckung, Carbon Abdeckung Kennzeichenträger, Sportschalldämpfer, Schmiederäder, Sitzbank Sport hoch, Sitzbank Sport, Boxenteppich

GEPÄCK:

Tourenkoffer, Topcasehalter, Topcase klein, Topcase gross, Rückenpolster, Innentaschen, Tankrucksack, Kartenfach, Softbag klein/gross, Gepäckrolle

Fazit: BMW S 1000 XR

Die S 1000 XR gehört mit ihrem nun 165 PS starken Supersport-Aggregat verbunden mit der Geometrie und dem Komfort einer Bigenduro zu den schnellsten Motorrädern auf der öffentlichen Strasse. Das umfangreiche Zubehörprogramm macht sie je nach Bedarf noch schneller oder noch bequemer. Mit einer Sitzhöhe von 840 mm und einem langen Schrittbogen ist sie allerdings für kleinere Fahrer bedingt geeignet. Die 790 mm hohe Sitzbank schafft allerdings Abhilfe. So stark wie der Motor sind auch die Bremsen, die XR überzeugt mit Präzision und vor allem Stabilität. Trotz wahnsinniger Performance fühlt man sich gut und sicher aufgehoben, wie man sich das von einer BMW erwartet.

1
Vorteile
  • Leistungszuwachs
  • starke Bremsen und Motor
  • ordentliche Serienausstattung
  • umfangreiches Zubehör
  • zahlreiche HP Parts verfügbar
  • präzises und stabiles Fahrverhalten
1
Nachteile
  • durch 4-Zylinder im Beinbereich etwas breit
  • sehr breiter Lenker
  • für kleinere Fahrer niedrige Sitzbank notwendig

Bericht vom 09.08.2017 | 10'204 Aufrufe

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