Test der neuen KTM 690 SMC R und 690 Enduro R im Modelljahr 2019

Test der neuen KTM 690 SMC R und 690 Enduro R im Modelljahr 2019

Endlich wieder Supermoto aus Mattighofen!

2019 ist für Supermoto Fans ein gutes Jahr. Denn endlich gibt es auch von den orangefarbenen Österreichen wieder Modell dieser, zwischenzeitlich bereits selten gewordenen, Motorrad-Gattung. Doch was ist dran an der neuen 690 SMC R? Braucht man Traktionskontrolle und Kurven-ABS im Winkelwerk? Wo liegen die Unterschiede zur Enduro? Auf der Zunge brennt auch die Frage: Lohnt sich der Umstieg von der „alten“ Generation? Redakteur MEX klärt auf.

KTM 690 SMC R – woher kommt sie und wohin wird sie gehen?

Von 2012 bis 2016 liefen die letzten Modelle unter der Bezeichnung KTM 690 SMC R in Mattighofen vom Band. Im Anschluss mussten potentielle Kunden entweder auf ein Gebrauchtfahrzeug zurückgreifen (was die Preise in den letzten Jahren in schwindelerregende Höhen klettern liess) oder die Fühler in Richtung der Konzernschwester Husqvarna ausstrecken. Dort läuft die Produktion der 701 Supermoto nämlich weiterhin seit 2015.

Doch der Fortbestand des grossen 690 Kubik Singles scheint gesichert, denn zumindest für die nahende Euro 5 Hürde sei man bestens gerüstet, wurde uns von Seiten der KTM Entwickler bestätigt. Mit 74 PS Spitzenleistung und 73,5 Nm Drehmoment stärker und besser denn je.

KTM 690 SMC R Elektronik als Speedfeature?

Das wohl auffälligste Upgrade an der „Neuen“ ist die umfangreiche Elektronik-Ausstattung. KTM packt in der Modellgeneration 2019 alles rein was aktuell an Sicherheits- und Komfort-Technik aus höheren Klassen bekannt ist. Da wäre das schräglageabhängige 2-Kanal ABS, welches den Fahrer auch in Kurven optimal beim Verzögern unterstützt. Zudem ist der geniale Supermoto-ABS-Mode erhalten geblieben, wo sich die Regeleingriffe nur auf das Vorderrad beschränken. Wer kann, lässt damit elegant das Heck am Kurveneingang tänzeln.

Weiter geht´s mit einer ebenfalls schräglageabhängigen Traktionskontrolle, welche sich in 2 Stufen anpassen lässt und super feinfühlig das wilde Treiben in Zaum hält. In unserem Test war nahezu durchgehend die Stufe 2 im Einsatz. KTM schafft es damit, sogar bei einem Sicherheitsfeature, dem Ready to Race Gedanken treu zu bleiben. Wheelies werden zugelassen und auch geschmeidige Drifts bis zu einem gewissen Winkel bzw. Schlupf des Hinterrades werden toleriert. Das Mapping 1 konnten wir zu Beginn des Test-Tages ebenfalls ausprobieren, als die Kartbahn in Portimao noch feucht war. Eine echte Hilfe um des Heck auf nassem Untergrund in Zaum zu halten!

Ein absolutes Highlight ist mit Sicherheit auch der Schaltautomat, welcher den Kupplungseinsatz sowohl beim Hoch- als auch beim Runterschalten überflüssig macht. Schon an der 701 Vitpilen, welche die Erste im mattighofener Konzern war, die mit diesem Feature ausgestattet wurde, wusste damit vollends zu begeistern. Die Entwickler haben es geschafft, die Schaltvorgänge mit dem hubraumstarken Einzylinder extrem geschmeidig zu halten. Zudem reagiert der Quickshifter+, wie KTM die Technik nennt, sensibel auf die Schaltgeschwindigkeit des Fahrers und verkürzt oder verlängert dementsprechend die Zündunterbrechung.

KTM 690 SMC R und Enduro R mit spartanischem Cockpit

Was für die Enduro noch klar geht, sorgt bei der Supermoto für Ernüchterung, denn im Cockpit herrscht sozusagen Purismus pur. Das zweizeilige Display kennt man von Wettbewerbs-Enduros und Teile der Schaltereinheiten ebenso. Auf einen Drehzahlmesser, wie er noch aus der letzten Generation bekannt war, muss verzichtet werden. Auch eine Tank- und Ganganzeige vermisst man im Alltagsgebrauch. Im Allgemeinen ist es ein wenig unverständlich warum KTM hier nicht auf die schicken, und wohlgemerkt toll funktionierenden Armaturen inkl. kompakter TFT Display-Einheit aus der aktuellen 690 Duke zurückgreift. Einerseits glänzt man 2019 mit besserem Komfort und erhöhter Sicherheit, andererseits will man im Cockpit dann wieder auf Racing-Ambiente setzten. Eine nicht ganz schlüssige Entscheidung aus unserer Sicht. Echte Supermoto Racer, werden sich weiterhin leichte Spezialumbauten von Cross- und Endurobikes oder beispielsweise die renntaugliche Husqvarna FS 450 in die Garage stellen. Fahrer, welche aber auch im Alltag die volle Supermoto-Dosis inhalieren möchten, würden sich vermutlich sehr über zusätzliche Informationen aus dem Cockpit freuen.

KTM 690 SMC R 2019 - Motor und Rahmenkonstruktion

Auch unter der Verkleidung hat sich im Modelljahr 2019 einiges getan. Die Rahmenkonstruktion mit selbsttragendem Heck, welches auch den - um 1,5 Liter gewachsenen - Tank beheimatetet, wurde in ähnlicher Form von der 701 Supermoto übernommen. Damit schafft man nicht nur mehr Reichweite, auch die Stabilität wird damit erhöht. 147 Kilo gibt KTM für die neue SMC R im trockenen Zustand an, damit liegt man minimal über dem Vorgängermodell, welches 144 kg auf die Waage brachte. Die Enduro steht übrigens mit 146 kg im Prospekt.

Der Motor – in diesem Fall einmal mehr zurecht als Herzstück bezeichnet – ist ein alter Bekannter. Es ist die letzte Evolutionsstufe des erstmals 2007 vorgestellten 694 ccm Aggregats. In der aktuellen Ausführung, welche bereits seit 2016 in der 690 Duke und seit 2017 in der Husqvarna 701 SM verbaut wird, arbeitet dieser aber kultivierter und harmonischer denn je. Eine verbesserte Abstimmung und die zusätzliche Ausgleichswelle im Zylinderkopf lassen den grossen Single ungeahnt seidig hochdrehen. Die Vibrationen halten sich dabei auf sagenhaft niedrigem Niveau. Im Vergleich zur alten 690er Supermoto und Enduro stehen zudem ganze 7 PS an Mehrleistung zur Verfügung. Obendrauf kommt, dass sich das nutzbare Drehzahlband in der Praxis nahezu verdoppelt. Die Drehfreudigkeit ist für einen Einzylinder eine echte Offenbarung, regelmässig stösst man beim verspielten Treiben auf der Strecke in den Begrenzer. In der letzten Version mahnten die starken Vibrationen sowie die Geräuschkulisse des Aggregats schon bei spätestens 7000 Umdrehungen zum Schalten, da ist in der neuen Generation noch lange nicht Schluss - locker dreht man bis knapp 9000 Touren hoch.

KTM 690 SMC R Fahrwerk und Handling

Herrlich diese Leichtigkeit, mit welcher die SMCR in die Radien geworfen werden kann. Dank des voll einstellbaren und sauber arbeitenden Fahrwerks lässt sie sich extrem zielgenau bewegen. An der Front werkelt eine 48 mm Upside-Down Gabel welche 215 mm Federweg bereithält und am Heck ein voll einstellbares Federbein, welches 240 mm Federweg bietet. Beide Komponenten stammen selbstredend von Haus- und Hoflieferant WP. Der Beiname „Apex“, welchen man seit neuem immer wieder auf der Website von KTM zu lesen bekommt, bezeichnet im Übrigen nur die Kategorie der Strassenfahrwerke, während „Explor“ die Serie der Offroad-Fahrwerke darstellt.

KTM 690 Supermoto Ergonomie und Komfort

Hat man die 890mm hohe Sitzbank mit einen ausladenen Beinschwung erklommen, fällt sofort auf, dass dank schlanker Bauweise der Schrittbogen erfreulich kompakt ausfällt. So haben auch Piloten der europäischen Durchschnittsgrösse gute Chancen auf Bodenkontakt mit den Zehenspitzen. Optional in den Powerparts ist dann noch der Tieferlegungskit erhältlich, welcher die Sitzhöhe um ganze 4 cm reduziert. Dank der zuvor erwähnten, schlanken Bauart bietet sich im Sattel viel Platz für Spielerein mit Sitzposition und Beintechnik im Supermoto-Stil. Komfort-Wunder ist die Sitzbank verständlicherweise keines, sie fällt zwar etwas breiter aus als bei Wettbewerbsbikes, ist aber typengerecht flach und hart gepolstert. Für ausgedehnte Touren muss man also schon etwas Leidensfähigkeit mitbringen.

Erfreulich dann wiederum auch der gummigelagerte, konifizierte Lenker, welcher automatisch zu einer Fahrhaltung in aufrechter, supermoto-typischer Angriffsposition verhilft. Die Hebelein - links hydraulische Kupplung von Magura, rechts die Bremspumpe von Brembo - sind zudem voll einstellbar. Sie überzeugen beide durch klar definierten Druckpunkt, sowie müheloser und effektiver Bedienbarkeit mit nur einem Finger.

Wo liegen die Unterschiede zur ebenfalls neu erhältlichen 690 Enduro R?

Die Basis von Rahmen, Motor und Getriebe ist an der 690 Enduro R die gleiche wie an der Supermoto. Erwähnenswerte Änderungen gib es vor allem am Fahrwerk und an der Bremse. Mit 250 mm Federweg vorne wie hinten stehen spürbar mehr Reserven zur Verfügung. Auch die Innerein der Federelemente wurden auf endurotypische Ansprüche angepasst. In den WP "Explor" Komponenten setzt man vermehrt auf leichtes Aluminium, während an der SMC R hauptsächlich Stahl als Werkstoff Verwendung findet. Sie gibt sich im direkten Fahrbetrieb deutlich weicher abgestimmt, wenngleich im Vergleich zu einer Hardenduro immer noch spürbar straffer, so dass auch auf der Strasse ein stressfreier Fahrbetrieb möglich ist. Mit einem Lenkkopfwinkel von 62,3° wurde die Front gegenüber der SMC R überdies um 1,3° flacher gestellt, um die Stabilität zu erhöhen.

Ebenfalls grosse Änderungen hat man an der Bremsanlage vollzogen. Zulieferer sind immer noch die Spezialisten von Brembo aus Italien, doch setzt man klassentypisch auf eine konventionell verschraubte Sattelaufnahme. Eine Dimension kleiner wurde auch die Scheibe. Während sich die Beläge an der Supermoto noch in einen 320 mm Stahlring beissen, ist es an der Enduro zugunsten einer besseren Dosierbarkeit nur eine 300 mm Scheibe.

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KTM 690 Enduro R kann ebenfalls mit Elektronischen Features Überzeugen

Allen Puristen, welche an Offroad Bikes stoisch auf diverseste Helferlein verzichten, sei eine Probefaht mit den neusten Assistenzystemen an der KTM 690 Enduro R ans Herz gelegt. Die ABS Einheit vom Typ Bosch MP 9.1 verrichtet im Offroad Modus einen erstklassigen Dienst. In den bei unserem Test vorherrschenden, schlammigen Bedingungen war der Blockierverhinderer eine tolle Sache. Die Bremskraft wir genau richtig dosiert an die Front geleitet, ein Überbremsen des Rades über den kritischen Zeitraum wird effektiv verhindert. Am Heck hingegen hat der Fahrer nach wie vor selbst die volle Kontrolle.

Auch die endurospezifisch abgestimmte, in zwei Stufen regelbare Traktionskontrolle kann im Gelände ein sehr hilfreiches Feature sein. Speziell weniger geübten Piloten wird die Maschine durch diese Technologie sehr gut zugängig gemacht. Wenngleich Stufe 1 im Alltag eines 690 Enduro R Besitzers wohl eher selten zum Einsatz kommt, ist die Stufe 2, in welcher relativ viel Schlupf zugelassen wird, in vielen Fahrsituationen ein gutes Backup um die Leistung gezielt auf den Boden zu bringen. Erst in technisch anspruchsvollem Gelände mit kniffligen Auffahrten oder vor grösseren Hindernisse, welche nur mit beherztem Einsatz der Kupplung überwunden werden wollen, werden viele Piloten die Bedieneinheit zum Ausschalten der Traktionskontrolle aufsuchen.

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Fazit: KTM 690 Enduro R

Die KTM 690 Enduro R ist das perfekte Bike, für diejenigen Fahrer, welchen eine Reiseenduro zu schwer ist, eine Hardenduro aber wiederum zu unkomfortabel und wartungsintensiv. Mit den neuen Elektronik-Features wird die Maschiene auch ungeübten Piloten sehr gut zugängig gemacht. Der laufruhige, kultivierte Motor mitsamt des perfekt abgestimmten Getriebe und insgesamt erfreulich geringem Vibrationsniveau ermöglicht auch lange Touren problemlos.

1
Vorteile
  • grandioser Motor
  • Enduro ABS
  • gut nutzbare Traktionskontrolle
  • gelungenes Getriebe- und Übersetzungs-Setup
  • gut abgestimmter Schaltautomat inkl. Blipper
  • voll einstellbares Fahrwerk
1
Nachteile
  • relativ hohes Gewicht für eine Enduro
  • Ansprechverhalten der Federelemente nicht auf Top-Niveau

Fazit: KTM 690 SMC R

KTM hat die Einzylinder Supermoto weiter verbessert. Mit 74 PS Spitzenleistung und 73,5 Nm Drehmoment ist sie im Modelljahr 2019 stärker denn je. Der laufruhige, kultivierte Motor mitsamt des perfekt abgestimmten Getriebe und insgesamt erfreulich geringem Vibrationsniveau ermöglicht auch lange Touren problemlos. Die schräglageabhängige Traktionskontrolle sowie das integrierte Kurven-ABS sind im Alltag ein sinnvolles Sicherheits-Backup.

1
Vorteile
  • grandioser Motor
  • Kurven-ABS mit Supermoto Mode
  • schräglagenabhängige Traktionskontrolle
  • Schaltautomat inkl. Blipper
  • voll einstellbares Fahrwerk
1
Nachteile
  • spartanische Display-Einheit und Cockpit-Ausstattung

Bericht vom 04.02.2019 | 30'096 Aufrufe

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