Faszination 600 Supersport

Faszination 600 Supersport

Warum 600er fahren - wenn es auch 1000er gibt?

Warum 600er fahren wenn es auch 1000er gibt? Im Sattel der Ninja ZX-6R wird nachgedacht. Machen 600er noch Sinn?

Das 600er Supersport Segment war mal ein echter Massenmarkt. Sowohl in den deutschsprachigen Märkten als auch in ganz Europa und in den USA. Neue japanische 600er wurden in unfassbaren Stückzahlen verkauft. Doch seit dieser goldenen Zeit hat sich viel verändert. Einerseits wurden die 1000er immer leichter, handlicher und durch die Elektronik auch zugänglicher. Auf der anderen Seite wurden Sportmotorräder immer teurer. Die aktuellen Raketen erfordern einen gewaltigen Entwicklungsaufwand und müssen daher hochpreisig verkauft werden. Grundsätzlich sind sie bei einigen Marken auch mehr Imageträger als ein echtes Geschäftsmodell. Die 600er hatten es da besonders schwer. Früher mal waren sie leistbare Alternativen zu den 1000ern. Ausgestattet mit Traktionskontrolle, komplexer Auspuffanlage, viel Elektronik und einem Hochdrehzahlaggregat ist eine 600er grundsätzlich nicht günstiger als einer 1000er. Daher ist die Motivation der Hersteller in diesem Bereich zu investieren auch relativ überschaubar.

Gebrauchte 600er Supersportler - Heiss begehrt

Die Fans dieses Segmentes bedienen sich daher am Gebrauchtmarkt. Eine gut erhaltene 600er zu finden ist aber mittlerweile schon sehr herausfordernd. Denn auch wenn es grossteils japanische Vierzylinder mit hoher Qualität sind, kommen die Jahrgänge mit hohen Stückzahlen im Markt eben auch schon in die Jahre. Und ein 600er Motor ist in einem Gebrauchtmotorrad immer etwas heikler als ein 1000er Motor. Denn ein 1000er Motor wird insgesamt auf einem niedrigeren Drehzahlniveau bewegt und andererseits auch im Schnitt weniger gefordert. Die 600er werden auf der Strasse, aber natürlich noch viel mehr auf der Rennstrecke ordentlich gedreht und auch von Hobbyfahrern ordentlich ausgewunden. Die hochdrehenden Aggregate erfordern aber penible Wartung und achtsames Warmfahren. Nicht alle Besitzer halten sich daran und so wird das Risiko beim Gebrauchtkauf immer grösser. Mein Tipp lautet daher schon seit Jahren: Günstige 600er gebraucht kaufen JA - aber nur wenn man die Historie vom Fahrzeug gut kennt und technisch einigermassen versiert ist. Gerade bei Gebrauchtmotorrädern empfehle ich mittlerweile, aus oben genannten Gründen, immer mehr gebrauchte 1000er oder die unfassbar gute goldene Mitte: GSX-R 750 oder eine Daytona 675. Einen weiteren Tipp gebe ich aber auch immer wieder ab. Wer eine gut erhaltene 600er hat, sollte diese nicht verkaufen. Denn Motorräder wie diese wird es vermutlich nie mehr geben. Einen Verkauf wird man ziemlich sicher später mal bereuen.

Hoffnungsschimmer Kawasaki Ninja ZX6-R

Die aktuelle Ninja ZX-6R von Kawasaki ist dabei ein Hoffnungsschimmer für Fans dieser Hubraumklasse. Gemeinsam hoffen wir alle, dass die 6er Ninja ein Erfolg wird. Denn der Gebrauchtmarkt braucht dringend frischen Nachschub. Denn mittlerweile geht es dem 600er-Markt wie einem kleinen Bergdorf in den Alpen. Er ist von Inzest geplagt :-). Frische Gene sollten das Angebot erweitern um die Robustheit zu erhöhen.

Überblick aktuelle 600er Entwicklungen

Klar bietet auch Yamaha mit der R6 eine faszinierende Maschine an. Doch diese ist eigentlich eine Basis für eine Rennmaschine. Aus der Kiste spürt man die Last der strengen Abgasregeln und richtig Laune macht sie erst als Rennmotorrad. Doch sobald sie zur Rennmaschine umgebaut wurde, ist sie immer noch das Mass der Dinge in der 600er Klasse und kostet dann aber leider auch gleich viel wie eine 1000er.

Triumph Fans hoffen auf eine neue Daytona auf Basis des aktuellen Moto2 Antriebs. Diese Maschine wird auch kommen - doch sie wird sicherlich kein Massenprodukt. Das Teil wird bestimmt grossartig ausgestattet sein, hochwertige Komponenten haben und tolle Rundenzeiten hinlegen. Aber eine günstige Alternative zu einer 1000er wird sie nicht werden.

Aprilia bringt 2020 eine RS660 an den Start. Mit einem 2-Zylinder-Aggregat bietet sie eine günstigere Lösung und könnte preislich sehr interessant werden. Die Maschine wird optisch vermutlich sehr ansprechend werden aber man darf sich hier keine Wunder erwarten. Wenn sie geile Komponenten spendiert bekommt und flotte Rundenzeiten hinlegen kann wird sie teuer. Wir vermuten eher sie wird cool, frech, leiwand und ein gutes Landstrassen-Motorrad. In Sachen Ausstattung und Performance schätzen wir sie ungefähr auf dem Niveau der CBR 650 R von Honda ein. Doch mehr Informationen dazu können wir ab November liefern.

Die Honda CBR 650 R wurde schlau gestaltet und positioniert. Sie ist optisch ansprechend, günstig in der Produktion aber anständig im Fahrbetrieb auf der Landstrasse. Sie ist auf der Rennstrecke zwar langsamer als eine alte CBR 600 RR, aber im Sattel hat man richtig viel Spass und bei den Kumpels punktet man mit der Fireblade Optik.

Trotzdem: Wer eben doch deutlich über 100PS und ein scharfes Chassis möchte hat wenig Auswahl. Die interessanteste Option ist für uns die 2019er ZX-6R von Kawasaki.

Die Kawasaki ist grundsätzlich nicht neu, sondern kann auf eine bereits bestehende Plattform aufbauen. Dadurch wurde es auch möglich einen einigermassen attraktiven Preis aufzurufen. Ich werde aber nicht müde zu erwähnen, dass ein noch tieferer Preis möglich sein muss. Doch Kawasaki Mitarbeiter winken hier ab. Die Maschine ist mit den alten 6ern nicht mehr zu vergleichen. Aktuelle Abgasvorschriften, Traktionskontrolle und ABS sind hier mit an Bord. Günstiger geht nicht.

Goldrichtig positioniert - Kawasaki Ninja ZX-6R

Eine perfekte Punktlandung hat Kawasaki aber bei der Positionierung der Technik hingelegt. Zum Beispiel der 130PS Motor: Das Aggregat bietet 636ccm und eine kürzere Übersetzung als früher. Diese kleine aber feine Massnahme sorgt dafür, dass man im Sattel die Vorteile der 600er geniessen kann ohne am Kurvenausgang zu verzweifeln. Die Maschine fährt einfach leiwand. Dieses Feedback bekamen wir von dutzenden Probefahrt-Teilnehmern bei unseren 1000PS Veranstaltung. Diese 130PS sind absolut ausreichend um sportlich zu fahren aber überfordern eben nicht. Der Unterschied zu einer „normalen“ 600er ist eklatant. Denn die Maschine ist insgesamt ja eher als Landstrassen-Bike ausgelegt. Das nutzbare Drehzahlband beginnt früher und Hobbyfahrer erfreuen sich an dem leiwanden Druck aus dem Keller. Doch auch beim Chassis hat Kawasaki die richtige Dosierung gefunden. Zum Einsatz kommen günstigere Komponenten als auf der ZX-10R.

Kawasaki Ninja ZX-6R Komponenten im Detail

  • Gabel: 41 mm Upside-down-Balance-Free-Gabel mit Druck- und Zugstufendämpfung, einstellbarer Federbasis und Top-out-Federn

  • Federbein: Bottom-Link Uni Trak mit Gasdruck-Stossdämpfer, Piggyback-Reservoir, Druck- und Zugstufendämpfung und einstellbarer Federbasis

Was bedeutet das in der Praxis? Die Komponenten sind auf der Strasse und beim Trackday richtig gut. Man erfreut sich an einem tollen Ansprechverhalten und einer guter Balance aus Komfort und Präzision. Das Fahrwerk kann eingestellt werden und spricht auch auf Anpassungen toll an. Wer Rennen fahren möchte, sollte jedoch in Öhlins investieren.

Kawasaki Ninja ZX-6R - Tolle Schwinge, toller Rahmen

Die guten Komponenten passen auch gut zum hochwertigen Rahmen und zur fetten Schwinge. Alles in allem eine grossartige Maschine! Im Sattel kann man die Kontrolle über das Fahrzeug richtig geniessen. Die Fahrt ist spannend aber nicht stressig. Der Punch ist vorhanden aber nicht grausam. Zieht man damit seine Runden hat man das Gefühl alles richtig gemacht zu haben. Auch wenn man bei 1000ern immer wieder von „tollem Handling“ spricht, sind die drehenden Teile an einem 600er immer leichter. Daher ist das Handling der 600er auch immer leichtfüssiger und wird auch in Zukunft eine ganz eigene Welt bleiben.

600er Nachteil in der Trackday-Praxis - Präzise Überholmanöver nötig

Doch das Glück im Sattel wird von den 1000er Piloten etwas getrübt. Auf den Geraden stürmen sie mit dutzenden Extrapferden an Dir vorbei. In den Kurven stehen sie dann aber im Weg herum. Und als Hobbyfahrer möchte man dann eben doch nicht den aggressiven Weg über die Innenlinie gehen. Im Sattel einer 1000er hat man einfach mehr Optionen beim Überholen. Im Sattel der 600er muss man strategisch und mit mehr Racing-Spirit im Blut das Überholmanöver in Angriff nehmen. So kommt es, dass ich zwar immer sehr gerne 600er fahre und super zufrieden bin. Privat kaufe ich mir aber dann doch die 1000er und erfreue mich an den einfachen Überholmanövern.

Auf der Strasse wird sich die Kawasaki Ninja ZX-6R ihre Lorbeeren bei uns noch verdienen müssen. Die kurzen Ausfahrten bisher waren immer grossartig, doch von 16.-19. September fahre ich eine grosse Österreichtour mit der Maschine. Darüber berichte ich dann auf meinem Instagram-Account und auf der 1000PS Facebook Seite.

Fazit: Kawasaki Ninja ZX-6R

Die Kawasaki Ninja ZX-6R ist ein goldrichtig dimensioniertes Supersport Motorrad. Mit den 130PS ist sportliches aber kontrolliertes Fahren möglich. Die kürzere Übersetzung und die 36ccm extra Hubraum sorgen dafür, dass man etwas schaltfauler unterwegs sein kann. Ein würdiger Fahnenschwenk für das Segment der 600er Supersportler.

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Vorteile
  • Toller Motor mit grossartiger Mischung aus Drehfreudigkeit und Drehmoment
  • Supersport-Genuss mit quirligem Handling - trotzdem aber kein asketisches Feeling im Sattel
  • gut ansprechende Gabel und anständiges, einstellbares Fahrwerk
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Nachteile
  • Einige Details würden mehr Finesse vertragen - Kennzeichenträger und Blinker!
  • Die Gesamt-Silhouette ist nicht sportlich genug. Das sportliche Bike könnte mehr Aggressivität vertragen.

Bericht vom 13.07.2019 | 11'815 Aufrufe

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