Supermoto Vergleich 2019 - KTM vs. Ducati vs. Aprilia

Supermoto Vergleich 2019 - KTM vs. Ducati vs. Aprilia

Die Speerspitze der strassenzugelassenen SuMos

Sie sind die ultimativen Spassmaschinen für die Strasse und bestechen durch ihren schlichten Aufbau: Supermotos. Doch auch diese Nische geht mit der Zeit und präsentiert sich mit umfangreichen Elektronikpaketen und modernster Ausstattung. Wir haben uns die Speerspitze der 2019er Supermotos geschnappt und verglichen. Aprilia Dorsoduro 900, Ducati Hypermotard 950 oder KTM 690 SMC R?

KTM 690 SMC R - der Klassiker unter den Supermotos

KTM gilt zweifelsohne als einer der Begründer des Supermoto Segments. Schon seit über 20 Jahren befeuert der bekannte LC4-Einzylinder die Spassmaschinen aus Mattighofen, weshalb auch viel Entwicklungsarbeit in diese Modelle fliesst. Oder besser gesagt in das Modell, denn ausser der technisch identen 701 Supermoto bietet KTM zurzeit nur die 690 SMC R als strassenzugelassenes Modell an. Doch hier besinnt man sich wohl auf das Kredo Qualität vor Quantität, denn an Ausstattung und technischen Meisterwerken fehlt es in der KTM nicht. Mit 74 PS und 73,5 Nm Drehmoment finden wir den stärksten in Serie produzierten Einzylinder der Welt, der inzwischen dermassen kultiviert wurde, dass die Alltagstauglichkeit auf keinster Weise eingeschränkt wird. Hinzu kommt ein umfangreiches Elektronikpaket bestehend aus den Fahrmodi Street und Sport, Kurven-ABS, einer schräglagenabhängig regelnden Traktionskontrolle, die Motorschleppmoment-Regelung MSR, dem Quickshifter+, sowie dem bewährten Supermoto-ABS, das Drifts am Hinterrad zulässt.

Für Puristen vielleicht etwas zu viel, doch KTM gibt die Möglichkeit alle Helferlein zu deaktivieren - so als wären sie nie hier gewesen. Dank Ride-by-Wire lassen sich diese Spielereien auch leicht realisieren und fallen nicht sehr negativ beim Gewicht aus. Mit einem Trockengewicht von 147 kg liegt das Gesamtgewicht mit allen Flüssigkeiten und gefülltem 13,5 Liter Tank trotzdem nur bei rund 160 Kilogramm, womit der LC4 Einzylinder entspannt klar kommt. Auch die voll einstellbare 48mm USD-Gabel von WP, sowie das ebenfalls voll einstellbare Federbein von WP kommen mit allem zurecht, was der Fahrer verlangen könnte.

Ducati Hypermotard 950 2019 - charaktervolle Schönheit aus Bologna

Auch wenn es vielleicht abgedroschen wirkt: über eine Ducati lässt sich nur schwer schreiben, ohne über die charakterstarken L-Motoren aus Bologna zu schwärmen. Das 937ccm grosse Aggregat in der Hypermotard (welches auch in der Multistrada 950 zu finden ist) drückt mit seinen 114 PS und 96 Nm an Drehmoment mit Abstand die meiste Leistung auf den Asphalt und klingt selbst mit serienmässigem Auspuff und Euro4 einfach nur mächtig. Auch bei diesem Modell scheut Ducati nicht zurück, eine Menge Ausstattung zu verbauen, so finden wir unter anderem ein Bosch Kurven-ABS mit einer speziellen Supermoto-Slide-Funktion, die DTC Evo (Ducati Traction Control), verschiedene Fahrmodi und die Ducati Wheelie Control (DWC), welche alle frei einstellbar sind.

Auch am Fahrwerk haben die Italiener deutliche Verbesserungen im Vergleich zur Vorgängerin gemacht. Die voll einstellbare 45mm Upside-Down Gabel von Marzocchi und das in Federvorspannung und Zugstufendämpfung einstellbare Sachs Federbein stabilisieren die Hypermotard 950 spürbar, weshalb auch schnelle Kurvendurchfahrten weniger Korrekturen am Lenker verlangen. Mit ihrem Trockengewicht von 178 Kilogramm liegt deutlich über dem der KTM, doch in Anbetracht dessen, dass man mit der Ducati mehr Motorrad bekommt, sei ihr das verziehen. Insbesondere, da die gesenkte Sitzhöhe von 870mm selbst für kleinere Fahrer nicht mehr unerreichbar ist.

Aprilia Dorsoduro 900 - die Crossover Supermoto

Die letzte Mitstreiterin in unserem Trio ist die altbekannte Aprilia Dorsoduro. Ihr Leben begann sie in der 750er Konfiguration, bis sie 2017 auf den aktuellsten Stand mit 900ccm grossen V2 angehoben wurde. Mit ihren 95,2 PS bei 8.750 U/min und 90 Nm bei 6.500 Umdrehungen trifft sie in unserem Vergleich die goldene Mitte zwischen Ducati und KTM, wobei sich das Aggregat als zahmster Motor des Vergleichs bezeichnen lässt. Begonnen bei der Laufkultur, über das Ansprechverhalten bei niedriger Drehzahl, bis zur Leistungsentfaltung über das Drehzahlband - der Aprilia V2 läuft geschmeidiger als die Konkurrenz. Gleichzeitig verfügt die Dorsoduro 900 als einziges Motorrad im Vergleich über keine Anti-Hopping Kupplung, was bei sportlicher Fahrweise vielleicht für Unruhe im Fahrzeug sorgen könnte.

Ansonsten findet man auf der Aprilia Dorsoduro 900 vieles, was das Motorradfahrer-Herz begehrt. Ride-by-Wire, verschieden Fahrmodi, sowie eine mehrstufige Traktionskontrolle, die sich auch deaktivieren lässt. Für sportliche Piloten empfiehlt sich hier die 1er Stufe, denn hier lässt die Elektronik noch kontrollierbare Hinterradrutscher zu, welche dem Fahrspass deutlich zusetzen! Dank der guten Abstimmung der 41mm USD Gabel von Kayaba und dem Sachs Federbein wird ihr fahrbereites Gewicht von 212 Kilogramm zu keinem grossen Nachteil, wobei sie somit doch der dickste Brummer im Trio ist. Erst beim Rangieren fällt das Plus von 10 Kilogramm gegenüber der Ducati auf, insbesondere da der Schnitt der 870mm hohen Sitzbank deutlich breiter ausfällt, als bei den anderen Supermotos.

Gebrauchte Supermotos am 1000PS Marktplatz

Alle drei Supermotos dieses Vergleichs findest du in grosser Auswahl auf dem 1000PS Marktplatz: Gebrauchte und neue Supermotos auf 1000PS.

MEX' Meinung zur KTM 690 SMC R

Die Athletin im Trio. Unglaublich handlich und absolut spassig lässt sie sich im Winkelwerk bewegen. Das vergleichsweise geringe Gewicht verhilft mitsamt der schlanken Bauart zu einem verspielten Fahrverhalten. Die lange, schmale Sitzbank lässt zudem viel Platz für diverse Positionierungs-Möglichkeiten im Sattel. Sogar auf der Kartstrecke macht man damit eine gute Figur und fühlt sich niemals fehl am Platz. Die elektronische Ausstattung kann sich für einen Einzylinder ebenfalls sehen lassen. Die schräglageabhängige Traktionskontrolle sowie das integrierte Kurven-ABS sind im Alltag ein sinnvolles Sicherheits-Backup. Der Schaltautomat mit Blipper ist eine tolle Sache und funktioniert tadellos. Darüber hinaus weiss auch die Qualität der restlichen Anbauteile zu überzeugen. Fahrwerk, Kupplung, Bremse - nirgendwo gibt´s echten Anlass zur Kritik. Als einziges Manko muss aber die Tacho-Einheit genannt werden. Sie orientiert sich an Wettbewerbsgeräten und fällt daher sehr spartanisch aus. Der kräftige, aber dennoch kultivierte Motor, mitsamt des perfekt abgestimmten Getriebe und erfreulich geringem Vibrationsniveau ermöglicht mit dem neuen 2019er Modell auch lange Touren problemlos.

MEX' Meinung zur Ducati Hypermotard 950

Das Edeleisen. Die Ducati Hypermotard ist die vornehmste im unserem Test. Die Italiener verstehen es auch im Jahr 2019 wieder ein unglaublich hübsches und hochwertig ausgestattetes Supermoto Modell auf die Beine zu stellen. Nicht zuletz liegt das neben der dynamischen Linienführung im Design auch am rot lackierten Gitterrohrrahmen und der edlen Einarmschwinge. Doch kein Licht ohne Schatten: Die Abstimmung der Federelemente hätte für meinen Geschmack straffer ausfallen können und auch dem Motor hätte oben raus etwas mehr Drehfreudigkeit gut getan. Ein serienmässiger Schaltautomat inklusive Bilpper Funktion, wie er an der SP Schwester verbaut ist, wäre ebenfalls wünschenswert. Im engen Gefecht auf der Kartstercke schränkt zudem die unflexible Sitzposition etwas ein ... doch reden wir nicht davon. Vor den Eisdielen dieser Welt ist sie ohnehin besser aufgehoben.

MEX' Meinung zur Aprilia Dorsoduro 900

Die Universelle. Das Design der Dorsoduro hat zwar bereits ein paar Jahre auf dem Buckel, dennoch findet man bei jeder Betrachtung aufs neue schön gelöste Details am Bike. Die Sitzposition im Allgemeinen, wie auch die bequeme Sitzbank im Speziellen, machen sie zu einer echten Empfehlung für alle jene, die zwar grundsätzlich Gefallen an der Supermoto-Optik finden, aber auch den Langstreckenkomfort von Naked-Bikes zu schätzen wissen. Laufkultur und Ansprechverhalten des Motors gefallen auf Anhieb. Gerne erwischt man sich dabei jeden Gang voll auszudrehen. Etwas mehr Leistung hätte dem Gesamtkonzept zwecks Adrenalinkick im Sattel gut getan, doch genau diese gutmütige Auslegung der Antriebseinheit macht sie für jedermann optimal zugänglich. Gut ansprechend und sehr linear präsentiert sich auch das Fahrwerk an der Apilia. Sie stellt zwar nicht so lange Federwege wie die Konkurrenz bereit, doch werden diese im Strassenbetrieb auch nicht wirklich gebraucht. Hinsichtlich elektronischer Helferlein ist auch an der Dorsoduro alles von einstellbarer Leistungsmodi über Traktionskontrolle und ABS an Bord. In Summe war sie für mich somit die alltagstauglichste im Test.

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Weitere Motorräder

Wolfs Meinung zur KTM 690 SMC R

Das Fahrrad in diesem Trio. Immer wieder aufs Neue beeindruckend, wie agil sich die 690 ums Eck bewegen lässt - du schaust in die Kurve und sie taucht auch schon ein! Der LC4 in seiner aktuellen Stufe läuft kultiviert, das Ruckeln früherer Versionen in niedrigen Drehzahlbereichen ist, wenn überhaupt, nur noch sehr dezent zu verspüren – und dennoch hat er seinen typischen Charakter nicht eingebüsst, reisst oben raus mit 74 (!) Einzylinder-PS mehr denn je an, der serienmässige Quickshifter unterstützt dabei die sportliche Note. Wer allerdings längere Touren fahren möchte benötigt ob der unbequemen Sitzbank schon einen „Eisenarsch“. Dafür ist der Federweg des voll einstellbaren WP-Fahrwerks von 215 Millimeter vorne und 240 hinten top und ermöglicht eine weitere Option: Mit einem zusätzlichen Radsatz von 21/18-Zoll samt Stollenreifen hätte man neben der Supermoto auch noch eine vollwertige Enduro in der Garage stehen.

Wolfs Meinung zur Ducati Hypermotard 950

Die Ducati macht nicht nur vor dem Eissalon hervorragende Figur, sondern auch auf der Strasse. Der schon in der Multistrada begeisternde Zweizylindermotor zaubert einem erst recht in der Hyper ein Grinsen unter den Helm, ist durchzugsstark, verfügt praktisch in jeder Lebenslage über ausreichend Power. Kein Wunder, ist die Hypermotard 950 mit 114 PS doch auch die stärkste im Trio. Die Brembo-Radialbremsen lassen sich präzise dosieren und packen bei Bedarf richtig herzhaft zu. Je kurviger, desto besser, das spielerische Handling lässt keine Wünsche offen, wozu auch das straff abgestimmte Fahrwerk beiträgt. Schade finde ich nur, dass beim doch stolzen Preis von knapp 15.000 Euro (AT) der in der SP serienmässige Quickshifter als Extra zu bezahlen ist. Die Sitzbank wird selbst auf langen Etappen nicht unbequem, weshalb auch die Ducati ein durchaus alltagstaugliches Motorrad ist.

Wolfs Meinung zur Aprilia Dorsoduro 900

Die Aprilia ist die „zugänglichste“ unter den drei getesteten Motorrädern, schon fast mehr Nakedbike denn Supermoto. Trotzdem lässt auch sie sich gutmütig in Kurven aller Radien zirkeln, wobei ihr die flotten, langgezogenen definitiv besser auf den Leib geschnitten sind, als engste Kehren. Die bequeme Sitzbank macht sie auch für lange Touren geeignet und zu einem richtig alltagstauglichen Motorrad, sogar für die Fahrt zu zweit, mit dem sich auch entspannt reisen lässt – und das dennoch sportliche Gene in sich trägt. Der 95 PS starke Zweizylinder schreit förmlich nach Drehzahl, weshalb ich mich nicht nur einmal dabei ertappte, sie bis in den Begrenzer hochzudrehen, ehe der nächste Gang an der Reihe war. Das Ganze ist aber auch rasch wieder eingefangen, wenn man die sich knackig in die 320er-Bremsscheiben beissenden Radialzangen betätigt.

Fazit: KTM 690 SMC R

Will man ungefilterte Supermoto Freude auf der Strasse erleben, ist die KTM 690 SMC R die einzige Wahl. Der LC4 wurde zwar inzwischen stark kultiviert, bringt aber noch immer die Tugenden mit, die man sich von einem Einzylinder erwartet. Auf Wahl können auch verschiedene Fahrhilfen aktiviert werden, doch diese sind kein Muss! Dank ihres niedrigen Gewichts lässt sie sich zusätzlich wie ein Fahrrad durch die Kurven werfen und - wenn man es kann - spielerisch aufs Hinterrad befördern. Einzig an den Anzeigen könnte KTM vielleicht eine Frischzellenkur durchführen, denn diese geben schnell den Eindruck, wir befänden uns noch immer in den 90er Jahren. Daran werden sich echte Supermoto-Fans aber bestimmt nicht die Haare zerraufen.

1
Vorteile
  • kräftiger Einzylinder - 74 PS!
  • spielerisches Fahrverhalten
  • pure Spassmaschine
  • hochwertiges Elektronikpaket
  • Quickshifter + serienmässig
  • ein echtes Statement am Bikertreff
1
Nachteile
  • nur bedingt langstreckentauglich
  • Tachoeinheit sehr spartanisch

Fazit: Aprilia Dorsoduro 900

Supermoto mit starken Naked Bike Genen. Die Aprilia Dorsoduro 900 ist die perfekte Wahl für jene, die das Gefühl einer waschechten Supermoto suchen, aber nicht auf den Komfort und die Annehmlichkeiten eines Naked Bikes verzichten wollen. Ihr angenehm laufruhiger V2 und das gut abgestimmte Fahrwerk finden einen sehr fairen Kompromiss zwischen emotionalem Sportgerät und alltagstauglichem Cruiser, weshalb man die Dorsoduro 900 einer breiten Zielgruppe empfehlen kann. Optische Details wie der Underseat-Auspuff oder die roten Ventildeckel geben ihr auch im Stand jede Menge Charakter, auch wenn das gesamte Design etwas veraltet wirkt. Den einzigen Wermutstropfen findet man in der Bedienung des Displays, welche deutlich intuitiver hätte gestaltet werden müssen.

1
Vorteile
  • charismatischer Motor
  • sehr zugängliche Leistungsentfaltung
  • hoher Komfort für eine Supermoto
  • leichtes Handling
  • gut ablesbares Display
1
Nachteile
  • Display-Bedienung nicht intuitiv
  • könnte ein frisches Styling vertragen

Fazit: Ducati Hypermotard 950

Ein wahres Poserbike, das sich auf der Landstrasse alles andere als verstecken muss. Auf der Ducati Hypermotard fühlt man sich automatisch cooler - das beginnt beim Befeuern des herrlichen V2 und endet wenn man völlig erschöpft vom Sattel steigt. Denn im Vergleich zu anderen Supermotos will die Ducati Hypermotard 950 entschlossen bewegt werden und das fordert permanente Konzentration. Doch dafür belohnt sie mit brachialer Beschleunigung und einer stabilen Kurvenlage - egal bei welchem Tempo. Möchte man es noch sportlicher angehen und vielleicht hin und wieder einen Abstecher auf die Rennstrecke machen, sollte man zur SP-Variante greifen. Doch für selbstbewusste Landstrassen-Jäger eine hervorragende Wahl!

1
Vorteile
  • kraftvoller V2
  • herrliche Optik
  • umfangreiches Elektronikpaket
  • potente Fahrwerks- und Bremskomponenten
  • überraschend alltagstauglich
  • hochwertige Verarbeitung
1
Nachteile
  • Features wie Schaltautomat aufpreispflichtig

Bericht vom 13.10.2019 | 18'382 Aufrufe

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