Kymco AK 550i - Abschlussbericht zum Dauertest

Es hätte so schön sein können

Genau vor einem Jahr startete der schicke Kymco AK550i in den 1000PS Dauertest. Mit seinem kräftigen Motor, dem hohen Komfort und seinem bulligen Auftritt malten wir uns viele schöne Kilometer auf dem Roller aus Taiwan aus. Was hatten wir nicht für Pläne, die leider sehr bald durchkreuzt wurden.

"Über die gesamte Saison 2019 werden wir den Kymco testen und Euch am Laufenden halten, wie sich der Raumschiff-Roller im Redaktionsalltag schlägt. Seid gespannt, es kommt viel auf Euch zu!" - so motiviert leitete ich den Bericht 'Kymco AK 550i - Beginn unseres Dauertests' am 22. Februar 2019 ein. Heute schreiben wir den 22. Februar 2020 und nach vielen Anfragen darf ich für Euch das letzte Urteil über den Maxiscooter sprechen.

Weitere Roller dieser Klasse

Motor und Anprechverhalten des AK 550i überzeugen die Redaktion

Beginnen wir mit den positiven Eigenschaften des gewaltigen Kymco Rollers. Anfangs war die Neugier unter den Redakteuren gross - jeder wollte den Anniversary Kymco 550 einmal fahren, den wir meist liebevoll als ArbeiterKammer 550 oder als Awtomat Kalaschnikowa bezeichneten. So konnte sein Reihenzweizylinder mit 550 Kubik und einer Leistung von 53,7 PS bei 7.500 U/min quer durch die Bank überzeugen und bot sowohl bei Überholmanövern auf der Landstrasse, als auch bei flotten Autobahnfahrten genügend Druck für angenehmes Reisen. Auch die anfangs vermisste Traktionskontrolle fiel alles andere als negativ auf - dermassen sauber zeigte sich das Ansprechverhalten, sodass wir (ausser wir provozierten es) nur selten Traktionsprobleme vorfanden.

Kymco AK 550i Komfort und Windschutz

Vorrangig kam der Kymco AK 550i bei zwei Tätigkeiten zum Einsatz: Mittagessen holen in Wiener Neustadt und dem täglichen Pendeln unserer Wiener Kollegen. Punkt 2 verbrachte der Roller hauptsächlich auf der Autobahn, wo er mit der bequemen Sitzbank und dem relativ guten Windschutz punkten konnte. Leider lässt sich das Windschild nur über vier Schrauben verstellen, die mit Werkzeug gelöst und gefestigt werden müssen. Wir entschieden uns deshalb permanent für die höchste der beiden wählbaren Positionen. Die ersten Wochen verstrichen ziemlich problemlos und der Kymco wurde wöchentlich mehrfach genutzt, doch mit dem fortschreitenden Frühling 2019 versammelten sich immer mehr Motorräder in der Redaktion - da hatte es der AK 550i natürlich schwer.

Standzeiten führen zu Problemen am Kymco AK 550i

So kam es, dass der AK 550i im Frühsommer für 10 Tage stand, ohne bewegt zu werden. Die böse Überraschung folgte beim nächsten Startversuch: Die Batterie war leer. Aus Erfahrung verbaute unser Händler bereits ein Ladekabel in eines der Handschuhfächer, sodass wir die Batterie wieder zum Leben erwecken konnte. Nach einigen problemlosen Ausfahrten folgte die nächste Standzeit von circa 1 bis 2 Wochen. Das selbe Bild: die Batterie ist tot. Wir bemerkten bereits, dass der Roller wohl auch im Stand viel Strom verbraucht, doch noch ahnten wir nichts Böses. "Gut, tauschen wir die Batterie", dachten wir uns - zu diesem Zeitpunkt war der Kymco knapp über einen Monat in Betrieb, die Batterie hätte also ebenso neu sein müssen. Um die Stromversorgung zu erneuern, muss die gesamte Frontverkleidung demontiert werden, ein mühsamer Prozess.

Am 29. März schrieb ich in einer Email an meine Redaktionskollegen: "Unser Kymco AK550i läuft dank neuer Batterie endlich wieder und sollte auch geladen werden können. Einfacher ist es aber, wenn er regelmässig bewegt wird. Falls ihr also wo hin müsst, nehmt hin und wieder den AK. Mindestens 1x/Woche sollten wir ihn fahren!" Doch nach wenigen Tagen Standzeit begann der Zyklus von vorne: Der Kymco AK 550i startet nicht.

Ein bekanntes Problem unter Kymco Fahrern: die Batterie

Langsam aber doch verliert der AK 550i an Beliebtheit in der 1000PS Redaktion: Ausfahrten als notwendige Pflicht, statt zum Vergnügen. Hätten wir einen Roller gewollt, den wir permanent an der Steckdose parken müssen, hätten wir gleich zu Elektro greifen können. Also machen wir uns in diversen Foren schlau, wo unsere Erfahrungen bestätigt werden: Der Kymco AK 550i ist bekannt für seinen hohen Stromverbrauch, sodass Standzeiten von über 10 Tagen als unratsam gelten. Für Menschen, die ihren Roller täglich verwenden sollte es kein Problem darstellen, doch selbst ein zweiwöchiger Urlaub würde bedeuten, dass man zu einem stromlosen und damit nicht startbaren Fahrzeug zurückkehrt.

Wieso entlädt sich der Kymco AK 550i so schnell?

Der österreichische Importeur EnMoto kennt dieses Problem: "Vom Werk aus gibt es einen Umbausatz was bei der AK 550 verbaut wird, da das Fahrzeug aber trotzdem immer noch ein wenig Strom verliert, wird von unserer Seite aus ein Ladegerät fix am Fahrzeug montiert, damit dieses Problem gelöst ist."

Auch beim deutschen Kymco Importeur MSA Germany informieren wir uns. Dort wird uns gesagt, dass die Problematik mit der NOODOE Smartphone Connectivity zusammenhängt. Selbst bei ausgeschalteter Zündung versucht sich der Roller mit dem Handy zu verbinden, wenn es sich in der Nähe des Fahrzeugs befindet. Er versetzt sich dabei für einen gewissen Zeitraum in den Standby Modus, der mehr Strom aus der Batterie zieht. Als Lösung dafür gibt es ein Softwareupdate, das in der Werkstatt auf den Roller gespielt werden kann. Das Update bewirkt auch, dass die Scheinwerfer erst mit Starten des Motors aufleuchten, was das Batterieleben ebenso verlängern soll. Unser Exemplar war wohl noch nicht umgerüstet und auch die Werkstatt die wir bald besuchten mussten, wusste von der Umrüstaktion wohl nichts.

Batterie und ein neues Problem verderben die Lust am AK 550i

So vergehen weitere Wochen, in denen unser Kymco ein stromloses Dasein lebt, bis uns der nächste Schock trifft. Bei einem Blick auf den linken Gabelholm und den Asphalt fällt uns eine Menge Öl auf. Ganz genau: Ein nur wenige Monate alter Roller verliert Öl an der Gabel. So bringen wir ihn zur Werkstatt und lassen die Gabel auf Garantie erneuern. Zum Glück entstanden dadurch keine Kosten und auch der Aufenthalt beim Mechaniker belief sich auf nur wenige Tage. Hierbei handelt es sich jedoch ebenfalls um einen bekannten Mangel, wie wir von EnMoto erfahren:

"Dass der linke Gabelholm bei fast allen Fahrzeugen undicht wird wissen wir. Aber nach einmaliger Reparatur hatten wir dieses Problem nicht mehr." Auch der deutsche Importeur MSA Germany kennt Fahrzeuge, bei denen ein Leck aufgetreten ist, meint aber, es sei im Vergleich zu den verkauften Einheiten keine nennenswerte Anzahl.

Wir beenden unseren Dauertest mit dem Kymco AK 550i

Ein Jahr ist nun mit unserem Kymco AK 550i vergangen und nach nicht einmal 1.000 Kilometer ziehen wir einen Schlussstrich mit unserem Dauertester. Der Roller hat unsere Erwartungen nicht erfüllt. Uns ist bewusst, dass sich Batterien nach einiger Zeit entladen, doch eine dermassen schnelle Entladung haben wir bisher bei kaum einem anderen Motorrad, Roller oder Kymco Modell beobachtet. Schade, denn unser letzter Kymco Roller, der New Like 125, konnte in unserem Test auf ganzer Linie überzeugen.

Inzwischen liegt Batterie Nummer 3 für ihren Einbau bereit, da ihre Vorgängerinnen nach einigen Wochen Standzeit so tiefenentladen waren, dass das mitgelieferte Ladegerät keine Chance hatte, ihnen wieder Leben einzuhauchen. Dieses Bauteil wird auch das letzte sein, dass wir jemals in den AK 550i verbauen, denn nun heisst es Abschied nehmen: Wir trennen uns von unserem Redaktionsroller.

Fazit: Kymco AK 550i ABS

Der Kymco AK 550i bietet viele Eigenschaften, die ihn als Maxiscooter sehr begehrenswert machen: Coole Optik, hoher Komfort und der kraftvolle Motor sind nur ein paar seiner Vorzüge. Mit ihm ist man sowohl auf der Autobahn, als auch auf kurvigen Landstrassen souverän unterwegs und wird in kurzer Zeit viele Kilometer zurücklegen können. Doch eines muss gesagt sein: Er braucht viel Bewegung. Die Batterie entlädt sich im Stillstand relativ schnell, sodass Standzeiten von über 10 Tagen nicht ratsam sind, ausser man hat eine Steckdose direkt beim Parkplatz. Für das Laden sollte zusätzlich ein Ladekabel verbaut sein, das im Handschuhfach endet, da ein schneller Zugriff zur Batterie durch die Frontverkleidung erschwert wird. Beim Kauf unbedingt nachfragen, ob das Softwareupdate zur Verbesserung bereits auf den Roller gespielt wurde! Zuletzt muss der offensichtliche Qualitätsmangel angesprochen werden, wenn es bei Händlern bekannt ist, dass der linke Gabelholm ab Werk oft undicht ist und einer Reparatur (auf Garantie) bedarf. Im Kymco AK 550i steckt somit viel Potential, das leider nicht ganz zur Geltung kommt.


  • Kräftiger Motor
  • Sportliches Chassis
  • Hoher Komfort
  • Viel Stauraum
  • Coole Optik
  • Batterie entlädt sich nach 10 Tagen Standzeit
  • Gabelholm ab Werk häufig undicht
  • Windschild nur mit Werkzeug verstellbar

Bericht vom 22.02.2020 | 37'961 Aufrufe

Du hast eine Neue?

Verkaufe deine Motorrad Occasion im 1000PS Marktplatz.

Inserat erstellen

Roller Motorrad Occasionen

Empfohlene Berichte

Pfeil links Pfeil rechts