Kawasaki Z900 Dauertest Erfahrungen

Zuckerbrot und Peitsche

Die Z900 von Kawasaki kann sehr umgänglich, zugänglich und gemütlich fahren. Bei Bedarf wird sie aber auch zu einem sportlichen und bösen Streetfighter. Das Paradenakedbike ist 2020 besser als je zuvor.

Was für eine positive Überraschung. Nach der Rückkehr von den ersten Videoaufnahmen begann ich mich intensiver mit der Z900 zu beschäftigen. Beim Studium vom Preis war ich überrascht. Die Maschine kostet in Österreich bloss 10.499 Euro. Deutsche Leser werden hier gelangweilt die Nase rümpfen, doch hier in Österreich sind bei einer 900er noch jede Menge Steuern mit zu bezahlen. 125PS in einer solch leiwanden Verpackung kriegt man in Österreich im Jahr 2020 nur noch selten für knapp über 10 Flocken serviert. Damit endet die Testfahrt der Z900 mit einem weiteren positiven Erlebnis - nach einer Reihe von schönen Erfahrungen im Sattel.

Der Motor der Kawasaki Z900 2020

Der 4-Zylinder Reihenmotor darf als japanisches Heimspiel bezeichnet werden. Diese Paradedisziplin beherrschen die Japaner einfach richtig gut und in der Z 900 steckt jede Menge Erfahrung mit drinnen. Wenn ein Hersteller einen Topseller auffrischt, dann fliesst auch sehr viel Erfahrung, Kunden- und Werkstattfeedback in die Weiterentwicklung mit ein. Im Sattel darf man dann ein perfekt wirkendes Produkt geniessen. Die Maschine kann bei unfassbar tiefen Drehzahlen komplett unbeeindruckt aus der 30er Zone genudelt werden. Der Einspritzanlage mit doppelter Drosseklappe sorgt hier für ein seidig weiches Ansprechverhalten. Die Motorsteuerung ist durchschaubar und präzise. Die Motorleistung steigt linear an und beginnt ab 4.000 U/min interessant zu werden. Doch dann beginnt das feurige Schauspiel erst. Die Maschine wirkt ab der Mitte aggressiver und drehfreudig. Sie schüttelt ihre zivilen Kleider ab und wird zu einem wilden Nakedbike. Die 125PS schüttelt sie locker aus den Ärmeln. Hubraum ist offenbar wirklich durch nix zu ersetzen.

Solide in der Praxis: Die Z900 Hardware

Die Bremsen wirken am Parkplatz erstmal lieblos. Die Sättel sind nicht radial montiert, werden von Nissin gefertigt und beissen vorne in zwei 300er Scheiben. Die gesamte Hardware wirkt beim ersten Eindruck bestenfalls wie Hausmannskost. Doch im Fahrbetrieb präsentiert sich das Teil deutlich sportlicher. Sie ist zwar gut dosierbar, hat aber auch einen knackigen Druckpunkt und eine tolle Bremsleistung. Damit repräsentiert die Bremse die wohl grösste Stärke der Entwickler von diesem Motorrad. Einerseits hat man versucht den Preis so tief wie möglich zu halten. Alles was für ein tolles Fahrerlebnis nicht unbedingt nötig ist wurde weggelassen. Auf der anderen Seite fühlt es sich im Sattel aber niemals nach Kompromiss an. Alles wirkt stimmig, gut und hochwertig. Ähnlich das Bild beim Fahrwerk. Die Komponenten sind keine glänzenden Premiumteile, sind aber toll abgestimmt und vermitteln ein sattes und präzises Fahrgefühl. Die sportliche Kurvenhatz gelingt ebenso gut wie der Slalom durch den Grossstadtdschungel.

Wobei vor allem in der Stadt der Fahrkomfort manchmal zu wünschen übrig lässt. Die Sitzbank lässt den Piloten immer ein wenig nach vorne rutschen, das Fahrwerk und die Sitzbank ist eher von der straffen Seite - eine Kombination welche für ein sportliches Nakedbike noch OK ist, aber im Alltagsbetrieb aber immer wieder mal nervt. Apropos nervig: Kawasaki hat der Z900 ein neues Display spendiert. Das schicke Teil wurde hübsch gestaltet, ist gut ablesbar und die kompakte Schaltereinheit am linken Lenker macht erstmal Freude. Doch für die Abstimmungsdetails ist eine unwürdige Fummelei am Cockpit nötig. Das wirkt etwas lieblos gemacht. Da passt auch die "Rideology" App gut ins Bild. Mit dieser lassen sich Fahrzeugdaten und rudimentäre Logging-Daten aus der Maschine auslesen. Die App ist ganz nett, doch wirklich Freude kommt bei der hölzernen Bedienung nicht auf. Hier ist noch Verbesserungspotential vorhanden. Da reiht sich Kawasaki aber bei den anderen Fahrzeughersteller ein. Viele sind sehr gut beim Gestalten von mechanischer Hardware und haben auch die Bordelektronik gut im Griff. Bei der Umsetzung von Software am Handy oder von User-Interfaces fehlen den Herstellern immer wieder Experten. Diese sind offenbar alle bei den grossen Internet-Riesen unter Vertrag.

Jetzt auch serienmässig für grössere Leute passend: Die Z900

Also kommen wir zurück zur Hardware. Die Sitzposition kommt mir nun serienmässig besser entgegen. Die Maschine wird mit einer etwas höheren Sitzbank ausgeliefert. Die tiefe Sitzbank gibt es im Zubehör. Man sitzt immer noch tief ins Fahrzeug integriert, aber mit einem entspannteren Kniewinkel als früher. Insgesamt fühlt man sich nun auch mit 185cm Körpergrösse wohl im Sattel und geniesst das tolle Setup vom Fahrzeug. Bei einem Nakedbike ist die Fahrwerksabstimmung eine grosse Herausforderung. Der Winddruck sorgt für viele Einflüsse vom Fahrer auf das Fahrzeug. Auf der anderen Seite möchte man ein handliches und agiles Fahrzeug bieten. Dieser Kompromiss gelingt selten gut. In dieser Preisklasse aber nirgendwo so gut wie bei der Z900. Die Maschine lässt sich flink durch die Radien bewegen. Sie wird aber auch mit einem leichten Vorderrad am Kurvenausgang nicht unruhig. Dabei fühlen sich erfahrene Gasgriffvirtuosen ebenso wohl wie vorsichtige Neueinsteiger.

Die Maschine rückt vor allem durch den tollen Motor mit 125PS eine Liga nach oben, doch das Fahrwerk kann hier als treuer Partner problemlos mithalten. Auf den Boden der Realität holen einen nur einzelne lieblose Details zurück. Der mager dimensionierte Lenker passt nicht ganz auf dieses prächtige und mächtige Nakedbike. Doch zum Glück sind nun zumindest sämtliche Leuchteinheiten und Blinker in LED Ausführung verbaut.

Preise Kawasaki Z900

Zur Kawasaki Z900 gehen in den nächsten Tagen gleich 2 Videos online. Einmal berichtet ZONKO über seine ersten Erfahrungen mit dem neuen Motorrad. Auf der anderen Seite hab ich selbst das Motorrad auf meinen Hausstrecken ausgeführt. Kollege Schaaf hat die Maschine ja bereits vor 5 Monaten getestet - das Video wurde bereits 100.000x angesehen. Danke für euer Interesse. Die Z-Modelle finden in allen Baujahren aber auch problemlosen Absatz im 1000PS Marktplatz. Egal ob Z 750, Z 800 oder Z 900 - die Motorräder finden sich zwar in grossen Stückzahlen im Markt, weisen aber gleichzeitig kurze Standzeiten aus. Gerne könnt ihr eure "Z" kostenlos in unserem 1000PS Markt inserieren.

Fazit: Kawasaki Z900

Es ist erstaunlich wie viel PS, wie viel Motorrad und wie viel Freude im Sattel man für überschaubare Kohle im Jahr 2020 noch bekommt. Die Kawasaki überrascht uns auch dieses Jahr wieder mit einer rundum gelungen Z900. Sie ist ein hervorragendes Motorrad ohne viel Lametta aber mit einem kräftigen Herz und viel Charisma.


  • Kräftiger Motor
  • Angenehm zu dosierender Motor
  • Präzises Chassis mit einer guten Kombination aus Agilität und Stabilität
  • Nakedbike Feeling pur, unkompliziert, leiwand, cool
  • Einfach zu fahren, trotzdem bei Bedarf ein Adrenalinspender
  • einzelne lieblose Details
  • Cockpit fummelig zu bedienen

Bericht vom 16.05.2020 | 33'665 Aufrufe

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