Ducati Streetfighter V4 S Test - Im Nakedbike Vergleich

208PS im sexy Nakedbike Format

Sie zieht die Blicke an und fasziniert aus jeder Blickrichtung. Die radikale Maschine ist auch für Laien sofort als bitterböses Motorrad zu entlarven. Im 1000PS Test punktet die Maschine gewaltig, zeigt aber auch kleine Schwächen.

Der Streetfighter von Ducati hat es im aktuellen 1000PS Test nicht leicht. Für die grosse Videoproduktion standen alle aktuellen Power-Nakedbikes vor dem 1000PS Büro. Dabei war es aber die nackte V4 S von Ducati welche mit dem Druck des Favoriten in das Rennen geht. Die Erwartungshaltung von uns allen war gewaltig und das Motorrad wurde von jedem von uns mit einer riesigen Vorfreude in Bewegung gesetzt.

Ducati Streetfighter V4 S im Alltag: Italienische Diva!

Auf den ersten Meter wird man da erstmal auf den Boden der Realität zurückgeholt. Die Maschine wirkt optisch radikal und fährt im Stadtverkehr auch etwas zickig und gibt sich als Diva. Mit kaltem Motor präsentiert sich der Motor launisch und auch mit warmen Aggregat liefert der Motor trotz aller Elektronik einen rauen Motorlauf und Lastwechsel bei hastigen Bewegungen im Gasgriff. Das fällt vor allem im direkten Vergleich mit der Tuono oder auch mit der Z H2 negativ auf. Ebenfalls nervig: Der sehr beschränkte Lenkeinschlag welcher das Rangieren etwas mühsam macht.

Dickes Plus und grosse Überraschung: Die Sitzposition ist gar nicht radikal!

Sobald man sich an diese Defizite gewöhnt hat, folgt jedoch die erste positive Überraschung. Diese radikale und sauschnelle Maschine bietet eine wirklich leiwande Sitzposition. Dieser Punkt überraschte vor allem die grossen Piloten im Sattel und wird wohl der wichtigste Punkt für viele Interessenten sein. Denn mit dieser Maschine wird unfassbare Schönheit, radikale Sportlichkeit und Highend-Technik in einem angenehm praxistauglichen Chassis serviert. Das ist die echte Sensation an dieser Maschine.

Sobald die Kurven etwas flüssiger werden und der Speed etwas steigt, beginnt man über die Technik im Fahrzeug nachzudenken. Die Maschine bietet 208 PS und ein nahezu grenzenloses Drehzahlreservoir. Wer dieses Teil auf der Landstrasse in den Begrenzer bringt, liebt seinen Führerschein vermutlich genauso wenig wie seine Nachbarn. Das Erlebnis im Sattel ist jedoch dramatisch.

Ducati Streetfighter V4 S - Irre Beschleunigung

Denn beim Beschleunigungsvorgang erinnert die Maschine stark an einen Supersportler. Sie bleibt stabil, dreht gierig nach oben und schiebt dich grausam schnell nach vorne. Auf der Autobahn wird sie dabei ungewollt für Schlagzeilen sorgen. Denn wer sie von der Leine lässt, möchte sie nicht mehr einfangen. Der drehfreudige Motor macht einfach süchtig und weder Luftwiderstand noch Vernunft sind in der Lage, diese Maschine einzufangen. Der Tacho und der Drehzahlmesser schnellen dramatisch schnell und vehement nach oben.

Das ist die eine Seite vom Streetfighter: Wer sie sportlich fährt kriegt die volle Dröhnung vom Ducati Superbike Herz. Die andere Seite der Maschine erlebt man wenn man sie wie ein klassisches Big-Bike fahren möchte. Im direkten Vergleich mit Superduke und Z H2 kommt kein Dampfhammer-Feeling auf. Das rettet zwar den Führerschein in vielen Situationen, könnte Nakedbike Fans aber enttäuschen. Dieses Aggregat punktet oft und gerne mit seinen sportlichen Genen, hat aber auch dessen Nachteile mit im Programm: Einen wenig beeindruckenden Drehzahlkeller.

Handlingwunder: Ducati Streetfighter V4 S

Genauso ist es beim Chassis. Beim langsamen Bummeltempo in engen Spitzkehren wirkt die Maschine hölzern und fühlt sich hier nicht daheim. Die Front wirkt kippelig und in Kombination mit dem rauen Motorlauf gelingen besonders enge Kehren nicht immer gut. Doch wehe wenn die Radien schneller werden oder Wechselkurven folgen. Dann liegt die Maschine satt am Asphalt und wedelt mit dem klassenbesten Handling durch die Radien. Die Maschine findet den Innenstrich öfter als dir lieb ist. Es ist unglaublich wie flink die Ducati abbiegt, auf der Autobahn aber trotzdem stabil bleibt. Da hat wohl das umfangreiche Elektronikpaket seine Finger mit im Spiel. Sowohl das Fahrwerk als auch der Lenkungsdämpfer sind mit der Bord-Elektronik verbunden. Die Dämpfereinheiten werden auf den aktuellen Fahrzustand angepasst. Nur so ist dieses radikale Fahrerlebnis erst möglich.

Gut durchdacht dürfte auch die Aerodynamik sein. Die Maschine liegt auch bei hohem Autobahntempo ruhig und satt auf der Fahrbahn. Erwähnenswert? Bestimmt! Denn wir sprechen hier immer noch von einem Nakedbike! Noch wichtiger ist jedoch der Fahrkomfort. Der Wind hämmert auch bei 220 nicht unkontrolliert auf Brust und Helm, sondern strömt mathematisch kontrolliert an und um deinen Körper. Man spürt den Winddruck, wird aber nicht von ihm aus der Reserve gelockt.

Traktionskontrolle, ABS, Quickshifter und Co: Superbike Technik!

Ein eigenes Kapitel wäre das Elektronikpaket wert. Da hab ich jetzt als Autor die Qual der Wahl: a) Ich schreibe hier noch 3 Stunden länger an dem Bericht und erkläre euch die gesamte Superbike Elektronik bis ins letzte Detail. b) ich fasse mich kurz und verlängere die Testfahrt um weitere 3 Stunden. Ich entschied mich für “b”. Also die Maschine hat schlicht und ergreifend das beste Elektronikpaket in der Nakedbike Klasse an Bord. Es kommt die komplette Ladung Hightech aus der DUCATI Superbike Liga. Das hier ist fit für Trackdays und bietet gleichzeitig im Alltag tolle Unterstützung in jeder Lebenslage.

Sicherlich werden Ducati Fans und Freunde von charismatischen, wilden Bikes diese Maschine lieben. Sie verzeihen ihr das kippelige Handling in den Spitzkehren und den rauen Motorlauf im Drehzahlkeller sowie die Lastwechselreaktionen. Der über weite Strecken laute und aufdringliche Sound wird für sie im Sattel wie Musik erschallen und von der tollen Sitzposition werden sie geradezu überrascht sein. Der pragmatische Lenker jedoch wird am Sounddesign wenig Gefallen finden. Je nach Klappenstellung im Auspuff ist es mal angenehm leise und dann jedoch wieder aufdringlich laut. Natürlich ohne fliessenden Übergang sondern mit einem digitalen “0” und “1” je nach Geschwindigkeit und dementsprechender Klappenstellung.

Nakedbike Vergleich 2020 - Ducati vs. Aprilia vs. KTM und Kawasaki

Wer vor der Nakedbike Kaufentscheidung steht, hat 2020 eine schwere Wahl. Die DUCATI wirkt am Papier und bestimmt auch auf der Stoppuhr überlegen, lässt den Gegnern durch ihre teilweise radikalen Gene jedoch Chancen. Wer ein Nakedbike mit Dampfhammer Punch aus dem Drehzahlkeller verbindet, der muss zur KTM SuperDuke oder zur Z H2 von Kawasaki greifen. Wer Supersport-Feeling im Nakedbike Sattel samt komplett transparenter Bedienbarkeit sucht, muss bei der Tuono unterschreiben. Wer die schärfste Maschine braucht und möglicherweise aus der Supersportler Ecke kommt wird sich auf dem Streetfighter V4 S pudelwohl fühlen. Wer die beste Schnittmenge aus “Preis” und “Fahrleistungen” sucht, wird am ehesten bei der MT-10 von Yamaha fündig.

Doch DUCATI hat Aufgabe vermutlich richtig umgesetzt. Hier wurden so viele Eigenschaften wie möglich vom Flaggschiff Panigale V4 übernommen. So wenig wie nötig wurde geopfert und erstaunlicherweise wird das in einer angenehmen Sitzposition praxistauglich erfahrbar serviert. Was anderes haben sich Streetfighter Fans auch nicht erhofft.

Ducati Streetfighter V4 S Test - Preise und Hintergrund Infos:

Fazit: Ducati Streetfighter V4 S

Die Maschine hat viel von ihren sportlichen Wurzeln aus der Panigale mitgenommen. Das wird Freunde vom Streetfighter begeistern. Elektronik und Motorleistung sind überlegen, das Chassis ist radikal schnell und die Maschine regiert bei den Stoppuhr Duellen. Sie hat jedoch Ecken und Kanten. Die grosse Überraschung: man sitzt gut auf der edlen Bestie und kann tatsächlich auch ausgedehnte Touren mit ihr fahren!


  • Elektronikpaket auf absolutem Topniveau
  • Drehfreudiger und brachial starker Motor
  • Sehr agiles Handling
  • Überraschend angenehme Sitzposition auch für grosse Piloten
  • mächtige Bremsen
  • Sportliches, hochwertiges Fahrwerk
  • Tolle Aerodynamik - stabile Windverhältnisse auch im Sattel
  • Optik zum Niederknien
  • Für Furcht im Sattel ist Drehzahl nötig - kein Dampfhammer aus dem Keller
  • Im Stadtverkehr und Alltag etwas ruppiges Ansprechverhalten vom Motor
  • Kippeliges Handling bei niedrigen Geschwindigkeiten
  • Stark veränderndes Motorgeräusch - je nach Geschwindigkeit und Klappenstellung

Bericht vom 23.05.2020 | 20'876 Aufrufe

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