Indian Challenger Limited Test 2020

Der neue Indianer-Bagger mit bärenstarkem Power Plus-Motor!

Indian will mehr. Das merkt man an der immer grösser werdenden Artenvielfalt innerhalb des Indian-Spektrums, unter anderem mit neuen, modernen Motoren, die trotzdem der zelebrierten Tradition nicht widersprechen. Das neueste Modell nennt sich verheissungsvoll Indian Challenger und tritt mit einer ungewohnt kantigen Baggerverkleidung sowie dem aktuell kräftigsten Power Plus-Triebwerk auf. Stimmig und glaubwürdig oder billiger Abklatsch?

In der heutigen Zeit kann man sich binnen Sekunden im Internet über die Besitzverhältnisse von Firmen erkundigen – weshalb es nur wenig Sinn macht, so zu tun, als wäre man ein fast 120 Jahre altes Unternehmen, das noch nie gestrauchelt oder an einen anderen Besitzer übergegangen wäre. Also ist es auch keine Schande, dass Indian vom Schneemobil-Hersteller Polaris wiederbelebt wurde – wenn auch die vielen Victory-Fans (die Marke, die vormals das Cruiser-Segment aufmischen sollte und zu Gunsten von Indian einfach liquidiert wurde) erneut laut schluchzen werden.

Die elektrisch verstellbare Scheibe macht die Indian Challenger Limited zum Touring-Bagger!

Immerhin übernahmen die Indians auch viel von der Victory-Technik, die sich als sehr ausgereift und vor allem standfest erwies. Es folgten glaubwürdige Modelle mit den altehrwürdigen Namen Chief, Chieftain, Scout und wie sie noch alle hiessen. Nun weht aber ein ganz frischer Wind bei Indian, die neue Challenger betritt die Bühne und sie betritt sie ziemlich eindrucksvoll! Unverkennbar der Bagger-Style mit der breiten Front und der gechoppten Scheibe, die allerdings den, meiner Meinung nach genialen Unterschied zu nahezu allen anderen Baggern in ihrer Klasse macht: Die Scheibe lässt sich nämlich elektrisch um fast 10 Zentimeter hinauffahren, wodurch die Challenger Limited auf Wunsch tatsächlich ein richtiger Tourer mit ausgezeichnetem Windschutz wird.

Nennen wir sie beim Namen: Indian hat es auf Harley-Davidson abgesehen

Die Optik an sich wirkt stimmig, vielleicht müsste die Frontverkleidung nicht ganz so breit sein, aber da geht es schliesslich um den guten Windschutz und offenbar hat man bei Indian auch den vorderen Musikboxen einen ausreichend mächtigen Resonanzraum zur Verfügung gestellt, die Anlage ist wirklich ein Traum. Zusätzlich ist die Challenger bei der Scheinwerfergestaltung sehr eigenständig gelungen. Man merkt vielleicht an den abgeschrägten Scheinwerfern, dass es die Amerikaner auf die anderen Amerikaner – okay, ich nenne sie beim Namen: Sie haben es auf die Harley-Davidson Road Glide mit ihrer Shark Nose abgesehen, aber die Gestaltung der Leuchten selbst ist richtig fesch.

Der Sport-Mode der Indian Challenger Limited holt das Eisen aus dem Feuer

Also definitiv kein billiger Abklatsch, wobei billig anhand des Preiszetterls ohnehin nicht allzu glaubwürdig wäre. Dafür wird aber auch wirklich viel geboten: Der Motor mit seinen 1768 Kubik Hubraum in klassischer 60°-V2-Bauweise ist mit Wasserkühlung und Einspritzung ein sehr modernes Triebwerk, das sich dennoch sehr klassisch benimmt und auch dementsprechend sehr angenehme Vibrationen an den Fahrer lässt. Ich gehe davon aus, dass jemand, der sich eine Maschine mit fast 400 Kilo gönnt, auch etwas von dem 1,8 Liter grossen V2 spüren möchte! Interessant ist dabei, dass die Challenger Limited auch mit einem umfangreichen Elektronik-Package ausgestattet ist, das mitunter drei Fahrmodi beinhaltet. Rain habe ich auf trockener Fahrbahn erst gar nicht probiert, weil bereits der Standard-Mode die Traktionskontrolle für meinen Geschmack etwas zu harsch eingreifen lässt. Bleibt glücklicherweise noch der Sport-Mode, der dann alles richtig macht. Der Motor geht schon von weit unten mächtig ans Gas, was ja auch bei der Konkurrenz nicht anders ist, dreht aber auch oben schön aus und legt sogar noch einiges an Kraft zu. Tja, 122 PS und stolze 178 (!) Newtonmeter Drehmoment bei 3800 Touren sind nicht zu verachten und schieben die 381 Kilo fahrfertig sogar recht sportlich voran.

Weder Komfort noch Sport kommen auf der Indian Challenger Limited zu kurz

Aber keine Angst, die Challenger wird damit keineswegs unkomfortabel oder gar zu hart, dafür sorgt schon das gut abgestimmte Fahrwerk. Vorne eine 43mm-USD-Gabel, hinten ein Monofederbein mit verstellbarer Federvorspannung werken sehr präzise und lassen sowohl Bequemlichkeit auf langen Touren als auch Stabilität in Kurven zu. Zudem geht die Schräglagenfreiheit voll in Ordnung – man muss die Indian Challenger Limited schon arg in die Radien lassen, damit man ohnehin nur kurz die Trittbretter anschleift. Da hilft natürlich auch das grosse 19 Zoll-Vorderrad ein wenig mit, das in Kombination mit dem 180er-16 Zoll-Hinterreifen ein durchaus williges Einlenkverhalten ermöglicht. Schliesslich erkennt man auch an der Reifenwahl, dass die Indian Challenger Limited einer von den Sportlichen unter den Baggern sein möchte. Der Metzeler Cruisetec zeichnet sich durch eine moderne Gummimischung aus, die mehr den guten Grip als die schiere Laufleistung im Auge hat.

Die Brembo-Bremse kann auf der Indian Challenger Limited nicht voll überzeugen

Gerade deshalb spürt man im Verbund mit dem Motor und diesem gutmütigen, präzisen Fahrwerk eine unerwartete Sportlichkeit der Challenger, die von der Bremsanlage leider nicht ganz so gut fortgesetzt wird. Zumindest unser Exemplar hat auf den ersten Fingertipp am Hebel zwar genau so verzögert, wie man es heutzutage von einer 320er-Doppelscheibe mit radialen Brembo-Vierkolbenzangen erwarten kann, brauchte dann aber erstaunlich viel Handkraft für ordentliche Verzögerung. Könnte natürlich sein, dass die ersten 300 Kilometer, die mit dieser Indian Challenger Limited gefahren wurde, kaum bis gar nicht gebremst wurde und die Anlage sich erst einarbeiten muss. Aber wenn das die endgültige Performance darstellt, sollten an der Challenger definitiv andere Bremsbeläge probiert werden – wenn man sie so sportlich fahren möchte, wie sie es kann.

Wer einen „fast all inclusive“-Bagger will, nimmt die Indian Challenger Limited

Die restliche Ausstattung lässt sich ganz einfach mit „fast all inclusive“ beschreiben: 7 Zoll-Farb-TFT-Touchdisplay samt integriertem Navigationsgerät, elektronischer Geschwindigkeitsregler, schlüssellose Zündung, 6-Achsen-IMU samt kurvenabhängiger Traktionskontrolle und Kurven-ABS, Voll-LED-Beleuchtung und nicht zu vergessen die elektrisch verstellbare Scheibe – die sie meiner Meinung nach tatsächlich von allen anderen Baggern abhebt.

Fazit: Indian Challenger Limited

Indian pflegt seine Tradition und versucht dennoch stets Neues. Die Challenger Limited ist bereits an der etwas kantigeren Verkleidung als moderne Auflage eines klassischen Baggers zu erkennen. Der Motor ist mit 122 PS und 178 Newtonmeter Drehmoment richtig kräftig und das komfortable Fahrwerk verdaut neben groben Stössen auch eine sportlichere Gangart. Lediglich die Bremse packt zwar brav zu, braucht dann aber viel Handkraft um die fast 400 Kilo fahrfertig bei flotter Fahrweise zu verzögern. Genial ist das elektrisch höhenverstellbare Windschild, das aus dem Challenger-Bagger einen Challenger-Tourer macht!


  • Kräftiges Triebwerk mit Charakter
  • viel Komfort
  • stabiles Fahrwerk
  • umfangreiche Ausstattung
  • Kurven-ABS
  • Traktionskontrolle
  • drei Fahrmodi
  • Bremse braucht viel Handkraft
  • stolzer Preis

Bericht vom 26.05.2020 | 11'522 Aufrufe

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