Yamaha R1 und MT10SP im Vergleich

Deluxe Ausfahrt auf Schweizer Landstrassen

Was für ein rauschendes Geburtstagsfest. Exakt am 1. Juli 1955 wurde die Yamaha Motor Coorp. gegründet. Ein guter Tag um zwei absolute Prachtexemplare von Yamaha gross auszuführen: R1 und MT-10 SP

Besser kann man einen 65. Geburtstag wohl nicht feiern. Anstelle von lahmen Ansprachen und tränenreichen Dankesworten feierten und feuerten wir im Sattel der aktuellen YZF-R1 und der MT-10SP. Geburtstagskerzen gab es keine, dafür jedoch herrliche Kurven und ein wunderbares Panorama südlich vom Yamaha Importeur Hostettler in Sursee (CH).

Warum die MT-10SP? Warum die R1?

Die MT-10SP hat sich den Platz heute am Geburtstagstisch schwer verdient. Denn die Maschine repräsentiert den aktuellen Weg von Yamaha in vielerlei Hinsicht. Einerseits ist sie vollgestopft mit Hightech und japanischer Ingenieurskunst. Ein elektronisches Fahrwerk sorgt für Fahrspass und Komfort, der domestizierte Superbike Motor für Euphorie und Vortrieb. Auf der anderen Seite jedoch ist sie ganz unverkennbar eine Yamaha. Sie geht einen anderen Weg als der Rest der Nakedbikes. Die dunkle Seite von Japan trägt sie mit einem markanten Antlitz zur Schau. Das Motorrad ist kein Einheitsbrei und lässt niemanden kalt.

Die Yamaha R1 ist für viele der Inbegriff des Spormotorrades und für Yamaha auch ein wichtiger Imageträger. Klar kaufen viel mehr Leute die beliebte MT-07 oder die grandios gelungene Tenere 700. Doch die Speerspitze beim Image und auch bei der Ingenieurskunst ist das 1000er Superbike von Yamaha. Die R1 wurde für 2020 tüchtig modellgepflegt und ist nun in einem prächtig gereiften Jahrgang verfügbar.

Als Testpartner stellte sich Robin Mulhauser zur Verfügung. 2019 war er Endurance Weltmeister in der Superstock Klasse. Sein Herz gehört Yamaha und beim Test fuhr er sowohl die MT-10SP als auch die Yamaha R1.

Gleich vorweg: Die R1 ist schneller

Auch wenn es die Fans von Nakedbikes am Stammtisch nicht gerne hören. Wenn die Stoppuhr ausgepackt wird, dann ist die R1 vorne. Auch wenn aktuelle Nakedbikes immer näher kommen, die Sportler siegen. Das ist nicht nur bei Yamaha so. Auch bei den anderen Herstellern ist immer das Superbike am Ende die Nummer 1 in Sachen Speed. Warum? Das Supersport Motorrad ist radikaler auf Kurvengeschwindigkeit und Speed getrimmt, das Nakedbike soll immer auch Fahrkomfort und Handling mitbringen. Doch gutes Handling sorgt doch automatisch für hohen Speed? Jein! In fachkundiger Hand ist in erster Linie ein stabiles Motorrad gefragt, welches die hohe Leistung auch auf den Asphalt bringt. Und in dieser Disziplin ist die Yamaha R1 geradezu unschlagbar. Im Chassis stecken tausende Stunden Erfahrung von dutzenden Rennteams und viel Feedback von zufriedenen Kunden. Das Motorrad präsentierte sich auf der Landstrasse stabil und auch bei schlechten Asphaltbedingungen liess sich die Maschine nicht aus der Reserve locken. Die Linie wurde präzise getroffen und ebenso präzise und punktgenau lässt sich der makellose Sportler verzögern.

Yamaha R1 - Das beste Gefühl für das Hinterrad

Am Kurvenausgang stehen 200PS zur Verfügung. Diese sind aktuell in der wohl besten Verbindung zur Gashand installiert. Kein anderes Motorrad in dieser Leistungsklasse gibt ein so klares Feedback über das Traktionsniveau am Hinterrad. Die Verbindung zum Heck ist geradezu gespenstisch. Auch die MT-10SP kriegt das gut hin, das straffere Setup der R1 gibt dem Fahrer aber einen noch klareren Überblick über die aktuelle Lage.

Die MT-10SP punktet nicht nur beim Komfort

Klar ist die MT-10SP das komfortablere Motorrad. Die Sitzposition ist aufrecht und der Sattel etwas weicher. Durch die angenehme Sitzposition wird man aber auch gerne mal zu einer schlampigen Haltung verleitet. In der R1 sitzt Du automatisch in Angriffsposition. Dort sind die Füsse perfekt auf den Rasten und Du verteilst das Gewicht gleichmässig auf die Rasten und den Sattel. In der MT-10SP geniesst Du den Komfort und platzierst Dein Gewicht dort, wo die Schwerkraft gerne hin möchte. Du sitzt weniger aktiv sondern eher passiv im Sattel. So lässt es sich in den langsamen Passagen wunderbar dahin gleiten. Doch die MT10 SP punktet nicht nur beim Sitzkomfort. Die Maschine ist durch den breiten Lenker und die aufrechte Sitzposition auch handlicher.

Klare Worte vom Rennfahrer

Robin Mulhauser analysiert knallhart: Die MT-10SP ist wunderbar handlich. Doch Du kannst in Wechselkurven oder am Kurvenausgang nicht so früh ans Gas gehen wie mit der R1. Denn die MT-10SP hat viel mehr Bewegung im Fahrwerk und es dauert, bis sich das Motorrad nach der Kurve beruhigt hat. Die R1 zieht einen sauberen Strich und kann früher beschleunigen!

Für mich persönlich war im härtesten A1 Modus das elektronische Fahrwerk der MT-10SP straff genug. Doch für den Rennfahrer war das immer noch zu milde. Schnelle Jungs sind eben nur mit der 100% Perfektion eines Rennmotorrades zufrieden zu stellen. Doch keine Sorge. Der ehemalige Moto2 Pilot und Endurance Weltmeister hat wohl andere Ansprüche als Otto-Normalverbraucher.

Die Yamaha R1 im Alltag

Im Alltag sammelt die R1 natürlich einige Minuspunkte. Im Stadtverkehr aber auch bei praktischen Themen wie Gepäck, Sozius oder Touring-Zubehör. Doch einige Dinge klappen besser als erwartet. Der Motor liefert zwar 200PS, lässt sich aber auch wunderbar ruhig und zugänglich bewegen. Er ist mit einem toll abgestimmten Ride-by-Wire System ausgestattet. Die elektronischen Fahrhilfen machen das Fahrzeug bei Bedarf auch etwas milder. Das ABS und die Traktionskontrolle hilft bei miesem Asphalt. Die Ausfahrt macht mehr Spass als erwartet - in den schnellen Passagen ist einfach nix schöner als ein feiner Supersportler.

Doch natürlich wird für die meisten Leser die MT-10SP die bessere Wahl sein. Um mit der R1 auf der Strasse auch längere Passagen mühelos zu meistern, muss man körperlich aber auch geistig fitter sein. Im Sattel ist Körperspannung und höchste Konzentration erforderlich. Alles ist direkter, feinfühliger und noch einen Tick schneller. Die MT-10SP ist ein Universaltalent mit viel Charisma. Der CP4 Motor ist ein Garant für gute Laune und tollen Sound. Auch wenn er im unteren Drehzahlbereich ganz leise vor sich hinsäuselt, ist man im Sattel glücklich und zufrieden. Man hört und spürt ganz deutlich, dass man hier ein besonders feines japanisches Aggregat unterm Hintern hat. Im ausgereiften Jahrgang 2020 war der Gesamteindruck besonders positiv. Am Ende haben wir uns mit der Ausfahrt selbst ein tolles Geburtstagsgeschenk gemacht. Happy Birthday Yamaha!

Fazit: Yamaha YZF-R1

Das Motorrad ist ausgereift und macht zahllose Rennstreckenpiloten glücklich. Auf der Landstrasse punktet das Motorrad mit den bekannten Stärken: Toller Motor, tolle Elektronik, tolles Paket! Ein echter Fahrgenuss!


  • kräftiger Motor
  • sauberes Ansprechverhalten
  • toller aber nicht aufdringlicher Sound
  • stabiles Chassis
  • hochwertige Elektronik
  • wunderbar edler Gesamteindruck
  • Auf der Landstrasse erfordert sie Konzentration und etwas Krafteinsatz

Fazit: Yamaha MT-10 SP

Die Yamaha MT-10 SP begeistert mit einem hohen Mass an Perfektion in Kombination mit einer Wagenladung Emotion. Selten gelingt es japanischen Herstellern so tief in die Domäne der Europäer einzudringen. Das Motorrad fährt bei Bedarf sehr böse, kann aber auch ganz zivil im Stadtverkehr genutzt werden. On Top bekommt man noch mit dem elektronisch verstellbaren Öhlins-Fahrwerk auch noch viel Fahrkomfort spendiert. In Summe ein hervorragendes Universaltalent das deutlich mehr kann als nur böse auszusehen.


  • Toller Sound - nicht laut, aber immer charismatisch
  • hochwertiges Fahrwerk und Chassis
  • angenehmer Windschutz
  • überraschend angenehme Sitzposition
  • tolles Ansprechverhalten vom Motor
  • Quickshifter 2020 bei anderen Herstellern schon besser
  • hoher Verbrauch

Bericht vom 29.07.2020 | 15'041 Aufrufe

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