Kawasaki Vulcan S, Honda Rebel und Benelli 502 C im Vergleich

3 kompakte Cruiser im Vergleich

Cruiser stehen für Coolness, Freiheit und den Genuss des Lebens. Viele mögen bei dieser Kategorie sofort an amerikanische Schwergewichte denken, doch nicht nur die Ingenieure der USA haben den Bau der entspannten Bikes perfektioniert. Zonko, Vauli und Horvath haben deshalb drei kompakte Cruiser der mittleren Cruiser Klasse ausgefasst und verglichen. Braucht es immer einen Ami-V2?

Die Kawasaki Vulcan S - die Älteste im Kreis

Gebühren wir den Alten zuerst die Ehre. Seit 2015 fährt die Vulcan S im Kawasaki Modellprogramm mit - und das beinahe unverändert. Einzig die Anpassungen an die Euro-Normen, sowie frische Farben wurden dem 650er Cruiser über die Jahre verpasst. Unser Exemplar wurde nicht nur mit dem herrlichen Schwarz-Grünen Tank ausgeliefert, es war auch die Performance Edition mit Windschild und Arrow-Auspuff. Eines sei gleich gesagt: In unserem Vergleich punktete die Vulcan S nicht nur mit einem Überschuss an Leistung, auch ihre Fahreigenschaften lagen dank ihrer Kawasaki-typischen Auslegung deutlich über der Konkurrenz.

So sportlich wie die Vulcan S ist sonst kein kompakter Cruiser

Doch wen wundert's? Mit ihrem hochdrehenden Zweizylinder mit 61 PS liegt sie nicht nur spürbar über der Konkurrenz, sie gibt beinahe ein sportliches Gefühl, wie wir es von der Z650 kennen und schätzen. Auch die Fahrwerkskomponenten zeigen die sonst sportliche DNA der Kawasaki Modelle, denn auf der Vulcan S will man immer mehr pushen und die Geschwindigkeit von Kurve zu Kurve erhöhen. Leider wird man durch die Cruiser-typische Bauweise in Form eines Kratzens am Asphalt schnell gebremst. Genau, die weit vorverlegten Fussrasten zeigen die Grenzen des Möglichen und sind in unserem Vergleich jene, die zuerst den Boden berühren.

Vaulis Meinung zur Kawasaki Vulcan S:

Das erwachsenste Paket unter diesen kleinen Cruisern ist eine alte Bekannte für mich. Ausser den Farben wurde in den letzten fünf Jahren wenig verändert warum aber auch? Die Vulcan S passt noch immer ausgezeichnet in die Kategorie der Einsteiger-Cruiser mit sportlichem Touch. Fast schon zu sportlich benimmt sich dabei der Reihen-Zweizylindermotor mit 61 PS, der am liebsten gedreht werden möchte und dann richtig schön kreischt womit er eigentlich besser in das Naked Bike Z650 passt. Ansonsten haben die Ingenieure nicht viel falsch gemacht: Die Sitzposition ist gemütlich, die weit vorne montierten Fussrasten verstärkten diese bequeme Auslegung noch weiter. Die Schräglagenfreiheit mag bei anderen besser sein, allerdings ist die Vulcan S immer noch ein Cruiser! Die einzelne Scheibenbremse an der Front beisst auch tüchtig zu und unterstützt den souveränen Charakter. Bei den etwas angegraut wirkenden Armaturen mit LCD statt TFT-Display merkt man, dass das Alte nicht immer schlechter ist sowohl der analoge Drehzahlmesser als auch das nüchterne Display ohne Farben lassen sich bestens ablesen und eine Ganganzeige ist auch schon mit an Bord.

Honda CMX500 Rebel - der quirlige Spassmacher

Wie auch die Vulcan S, ist die Honda CMX500 Rebel auf Basis eines Naked Bikes entstanden. Seit 2017 ist sie bereits am Markt und löste seit ihrem ersten Jahr Begeisterungswellen aus, bevor sie für 2020 ein dezentes Facelift in Form von LED-Beleuchtung, überarbeiteter Fahrwerkskomponenten, sowie einer Special Edition bekam. Eben jene Special Edition war auch unser Testfahrzeug, dass zusätzlich mit einer kleinen Verkleidung um den Scheinwerfer, sowie einer gesteppten Sitzbank vor uns stand. Bereits ab Werk ist die Honda Rebel 500 ein richtig cooler Cruiser! Und es wird noch viel besser, wenn man den 471 ccm grossen Zweizylinder befeuert und die Rebel in die erste Kurve wirft!

Wieselflink und ganz entspannt durch den Radius

Mit ihren Ballonreifen in der Dimension 130/90-16 vorne und 150/80-16 hinten sieht die Rebel nicht nur wie ein waschechter Bobber aus, sie lässt sich auch ganz herrlich bewegen. Kaum Druck ist am Lenker nötig, schon fällt der Nippon-Chopper in die Kurve und führt stabil bis zum Kurvenausgang, an dem man allen 46 PS freien Lauf lassen kann. Klar, Berge wird man mit dieser Leistung und dem Drehmoment von 43 Nm nicht versetzen, sie genügt aber vollkommen, um flott genug ans Ziel zu kommen. Es bringt jedes Mal ein Lächeln ins Gesicht, wie spielerisch sich die Rebel bewegen lässt und wie spät die Fussrasten aufsetzen. Grund dafür ist unter anderem ihre hohe Position, die für grössere Fahrer etwas knapp bemessen sein könnte. Apropos knapp bemessen: mehr Leistung hätten die Ingenieure der Vorderbremse geben können.. so kennen wir das ja gar nicht von Honda!

Vaulis Meinung zur Honda CMX500 Rebel:

Die Honda ist nicht nur in diesem Vergleich ein absolutes Fliegengewicht. Auch die Sitzposition mit den, für einen Cruiser weit hinten angebrachten Fussrasten erlaubt ein fahraktiveres Handling, als die klassische Optik vermuten liesse. Der extrem tiefe Sitz ist für kleine Piloten und vor allem Einsteiger natürlich eine angenehme Unterstützung beim Rangieren, für mich persönlich sitzt man aber doch etwas zu tief in der Rebel drinnen. Grundsätzlich macht die Honda CMX500 Rebel also alles richtig: Der Motor ist spritzig und bemüht sich redlich, erwachsen zu knattern, die Sitzposition ist erstaunlich fahraktiv und das Handling ist so agil und intuitiv, dass man tatsächlich sportlich herum wieseln kann. Einzig die Bremse könnte besser zupacken, da hat Honda die Rebel letztlich einzig und alleine für Einsteiger konzipiert, die nicht von einer zu heftigen Bremse erschreckt werden sollen. Ach ja, die Instrumente sind ziemlich schlecht ablesbar, da aber ohnehin nicht viel angezeigt wird, sind Geschwindigkeits- und Ganganzeige wenigstens ausreichend gross.

Benelli 502 C - der Blickfang unter den A2 Cruisern

Versteht uns nicht falsch: Sowohl Kawasaki Vulcan S, als auch Honda Rebel 500 sind auf ihre Art und Weise hübsche Motorräder.. doch die Benelli fällt auf. Müssen wir erwähnen wieso? Genau, ihr habt es erraten: Das Design erinnert stark, sogar sehr stark an das eines 1260 ccm grossen Power-Cruisers aus Bologna. Mehr sagen wir dazu nicht. Denn es lässt sich einfach nicht bestreiten, dass die meisten Blicke während unserer Ausfahrt auf die 502 C fielen. Dieses Bike weckt Neugier und das weiss man, während man auf dem 750 mm hohen Sitz thront und diesen gewaltigen Lenker, sowie den unglaublich massiven 21 Liter Tank vor sich hat. Ein Bike für jene, die auf einen extravaganten Auftritt setzen!

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Der eigenständige Charakter der 502 C

Doch nicht nur die Optik der Benelli sticht heraus, sondern auch ihr Charakter - insbesondere ihr 48 PS starker Motor. Der 500 ccm grosse Zweizylinder röchelt nicht nur beim Start, während der Fahrt erinnert er mit seinem sportlichen Drehverhalten und seinem kernigen fast schon an einen Dreizylinder! Vielleicht wurde die Fahrwerksabstimmung, die im kurvigen Gebiet punktet, während sie im Alltag etwas zu straff ist, deshalb so sportlich gewählt. Gleichzeitig will die Benelli 502 C trotz ihres kopierten Designs den Klassenprimus setzen: Als einziges Bike dieser Kategorie hat sie ein TFT-Farbdisplay verbau. Viele Funktionen finden sich zwar nicht, schön anzuschauen ist es aber allemal.

Vaulis Meinung zur Benelli 502 C:

Die Benelli ist eine interessante Mogelpackung die 502 C will eindeutig die Ducati XDiavel imitieren. Zumindest optisch, denn der Motor ist mehr als 100 PS entfernt vom Original. Aber genau da liegt für meinen Geschmack die grosse Überraschung an der Benelli 502 C der Motor ist eine Wucht! Antrittsstark, kräftig und vor allem wunderbar elastisch geht das kleine Triebwerk an die Arbeit. Im sechsten Gang gemütlich mit 50 durch die Ortschaften cruisen? Kein Problem, bereits ab rund 35 km/h kann im höchsten Gang ruckfrei hochgedreht werden das können selbst weitaus grossvolumigere Maschinen mit viel mehr PS nicht so gut. Auch der Sound stimmt, wenn auch der Klang mich eher an einen räudigen Dreizylinder erinnert, aber die Benelli ist nun mal anders. Das Handling macht die Sache nicht schlechter, die 502 C lässt sich sportlich bewegen, der überaus breite Lenker erlaubt fast schon Supermoto-Feeling und man wird nur durch die (unpassend) weit vorne positionierten Fussrasten eingebremst. Dabei wäre die Benelli auch von der Bremse her so richtig sportlich zu bewegen, besitzt sie doch eine herrlich zupackende Doppelscheibe an der Front wo die Konkurrentinnen mit nur einer Scheibe auskommen müssen. Ziemlich cool ist das fast quadratische Farb-TFT-Display, das auch gut ablesbar ist allerdings bei direktem Lichteinfall überhaupt nicht mehr. Dass es vielerlei Funktionen nur vortäuscht, wollen wir ihm verzeihen, die Konkurrenz kann da auch nicht viel mehr.

502 C, Rebel 500 und Vulcan S im harten Faktenvergleich

Benelli 502 C Honda CMX500 RebelKawasaki Vulcan S
Hubraum500 ccm471 ccm 649 ccm
Leistung48 PS bei 8.500 U/min46 PS bei 8.500 U/min61 PS bei 7.500 U/min
Drehmoment45 Nm bei 5.000 U/min43 bei 6.000 U/min63 Nm bei 6.600 U/min
Gewicht (fahrbereit)217 kg191 kg229 kg
Sitzhöhe750 mm690 mm705 mm
Tankvolumen21 Liter11,2 Liter14 Liter

Vaulis Fazit zum Vergleich der drei Bonsai-Cruiser:

Wer die drei Einstiegs-Cruiser mit den echten Cruisern vergleicht, die im Falle der Honda tatsächlich vier (!) mal so viel Hubraum haben können, braucht mein Fazit erst gar nicht lesen. Denn bedingt durch den kleineren Motor sind auch Rahmen und restliche Komponenten nicht so massiv ausgeführt was wiederum zu wenig Gewicht und erstaunlich agilem Handling führt. Am meisten wahren Cruiser-Charakter hat die Kawasaki Vulcan S, in diesem Trio wiegt sie am meisten, hat die Fussrasten weit vorne und bietet am wenigsten Schräglagenfreiheit. Allerdings benimmt sich der Motor so gar nicht Cruiser-like, will gedreht werden und kreischt dann arg laut, wo er eigentlich dumpf bollern sollte. Zumindest das macht die Honda authentischer. Ihr Motor ist zwar keine Ausgeburt an Kraft, bollert aber auch oben mehr wie ein Cruiser und passt sehr gut zur glaubwürdigen Optik. Lediglich der Scheinwerfer im Knopf-Design wäre für mich persönlich zu überdenken. Leider passt auch die Bremse der Honda zum Cruiser-Klischee: Sie ist ziemlich schwach bemessen. Bleibt noch die Benelli, die schon optisch arg aus der Reihe tanzt. Die Sitzposition ist mit den weit vorverlegten Fussrasten zwar tatsächlich Cruiser-typisch, das war´s aber auch schon. Das Handling ist agil, der breite Lenker erlaubt super Kontrolle, die Doppelscheibenbremse packt sportlich zu und der elastische und kräftige Motor ist eine Wucht. Wäre ich Doktor Frankenstein, würde ich nicht lange fackeln: Den Motor und die Bremse der Benelli in die Optik der Honda und das Ganze auf die erwachsene Grösse der Kawasaki aufblasen. Kann doch nicht so schwer sein…

Horvaths Fazit zum Cruiser Vergleich

Drei kompakte Cruiser, die unglaublich viel Spass bringen, ohne das Bankkonto zu überlasten. Doch auch wenn sie die meiste Leistung hat und wir ungerne Äpfel mit Birnen vergleichen, geht das Duell für mich eindeutig an die Kawasaki Vulcan S. Mit ihren sportlichen Genen kann sie sowohl cruisen, als auch relativ sportlich unterwegs sein - bis eben die Fussrasten der Schräglage das Ende zeigen. Aber ehrlich gesagt: Auf einem Cruiser schleife ich gerne durch die Kurve.. Braucht man es? Nein. Will ich es? Ja, ja und nochmal Ja! Zudem bereitet mit der Kawa Zweizylinder in jedem Bike eine Freude und selbst wenn er Cruiser-untypisch ist, kann ich nicht aufhören am Kabel zu ziehen!

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Fazit: Kawasaki Vulcan S

Egal in welche Plattform Kawasaki den 650 Kubik Zweizylinder packt - das Ergebnis ist jedes mal ein leiwandes Motorrad! Auch wenn der Motor für einen Cruiser ungewöhnlich drehfreudig ist, ergibt er gepaart mit der sportlichen Fahrwerksabstimmung einen Cruiser, der sich eigentlich schon als Sport-Cruiser qualifiziert. Gebremst wird man nur durch die begrenzte Schräglagenfreiheit, was Liebhaber einer herzhaften Fussrasten-Schleiferei jedoch nicht abschrecken wird. Bei solch einem gutem Bike hoffen wir, dass Kawasaki mal nachlegt - schliesslich begleitet uns die Vulcan S bereits seit 2015 beinahe unverändert.


  • kraftvoller Motor
  • Fahrwerksabstimmung mit sportlicher Kawasaki-DNA
  • echte Cruiser-Sitzposition
  • gut leserliches Display
  • Potential im Tuning
  • Optik schon etwas in die Jahre gekommen
  • mässiger Windschutz

Fazit: Honda CMX500 Rebel

Es ist immer wieder faszinierend, wie viel Fahrspass Honda in die kleine Rebel 500 gepackt hat. Die Technik ist dank Baukastensystem bekannt und sollte - Honda typisch - ewig halten. Jetzt, mit dem Update für 2020, präsentiert sich die kleine Rebel cooler denn je, denn LED-Beleuchtung und die optionale Special Edition mit gesteppter Sitzbank machen sie ab Werk zum coolen Custom Cruiser. Einzig die Vorderbremse könnte mehr Schmalz vertragen und auch der Motor ist sogar im Vergleich zur direkten Konkurrenz ein wenig charakterlos. Trotzdem ist und bleibt sie ein echter Geheimtipp für Cruiser-Liebhaber!


  • kompakte Ausmasse
  • angemessene Leistung
  • quirliges Fahrverhalten
  • coole Optik mit viel Custom-Potential
  • gelungenes Facelift für 2020
  • für grosse Piloten zu kompakt
  • Ablesbarkeit des Displays
  • Vorderbremse bedarf zu viel Handkraft

Fazit: Benelli 502 C

Die Benelli 502 C ist definitiv eine spannende Erscheinung in der A2 Cruiser Klasse. Mit sehr bekannter Optik und einem angenehmen Zweizylinder stellt sie eine spannende Alternative zu Platzhirschen dieser Klasse dar. Dank des grossen Tanks könnte sie eigentlich ein gutes Langstrecken Motorrad werden, wäre die Abstimmung des Fahrwerks nicht zu hart gewählt. Ausserdem ist es unmöglich mit gutem Gewissen einen Passagier mitzunehmen, da dieser während der gesamten Fahrt auf der kleinen Sitzbank sich um sein Leben festhalten wird. Plant man jedoch nur Ausfahrten alleine und möchte dabei möglichst auffallen, ist die Benelli 502 C perfekt. Viel Motorrad für A2-Piloten!


  • angenehmer Motor
  • niedrige Sitzhöhe von 750 mm
  • grosser Tank
  • hohe Reichweite
  • spannende Optik
  • hartes Fahrwerk
  • wenig Funktionen im TFT-Display
  • zu kleiner Soziussattel

Bericht vom 14.07.2020 | 27'878 Aufrufe

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