A2 Reise-Enduros im Test – genug für die Reise um die Welt?

Honda CB500X, KTM 390 Adventure und Royal Enfield Himalayan

Höher, schneller, weiter – Coronakrise hin oder her, das Wettrüsten zwischen den Herstellern ist voll entbrannt. Wir haben uns gewissermassen die Gegenbewegung zu diesem Wettlauf angesehen. Drei Tester, drei Bikes, neun Meinungen.

Ich möchte vorausschicken, dass wir alle drei Motorräder schon in ausführlichen Einzeltests beleuchtet haben. An technischen Daten und Ausstattung interessierten Lesern seien diese Berichte ans Herz gelegt (einfach unterm Bericht auf das jeweilige Modell klicken). In diesem Artikel sollen die Stärken und Schwächen der Modelle im direkten Vergleich mit kurzen und prägnanten Statements unterschiedlicher Fahrer umrissen werden.

Drei Test Meinungen zur Honda CB500X

Wolf:

Die Honda CB500X ist ein wunderbares Alltagsmotorrad, das sich im Stadtverkehr ebenso wohl fühlt wie auf der Landstrasse oder der langen Tour, wo sie mit gutem Wind- und Wetterschutz punkten kann. Zwar ist sie mit ihren überschaubaren Federwegen keine Hardcore-Reiseenduro, durch das letztjährige Modell-Update mit dem 19-Zoll-Vorderrad verloren aber auch unbefestigte Wege ihren Schrecken für den Abstecher über die Schotterstrasse bzw. den Feldweg ist sie jederzeit bereit. Insgesamt das komfortabelste Motorrad in unserem Vergleich, das obendrein mit dem grosszügigsten Service-Intervall (12.000 Kilometer) aufwarten kann, was man in der Praxis zu schätzen wissen wird.

Horvath:

Eine Klasse, doch so viele Unterschiede! Alle Testsubjekte unseres Vergleichs eignen sich zweifelsohne für eine Weltreise - selbst mit ihrer vergleichsweise niedrigen Leistung. Wer hauptsächlich am Asphalt unterwegs ist, dem empfehle ich die Honda CB500X. Mit ihrer integrierten und sehr bequemen Sitzposition eignet sie sich perfekt als Tourer, der jedoch keinen Halt machen muss, wenn die befestigte Strasse einmal endet.

Poky:

Die Honda macht alles ganz genau so, wie man es von einem Motorrad der unteren Mittelklasse erwartet. Man könnt meinen, ich will damit sagen, dass sie fad ist, aber nein ganz im Gegenteil. Der ruhige aber drehfreudige Zweizylinder überfordert nie und ist ein optimaler Motor für Einsteiger. Überhaupt lässt sich die CB500X als eines der zugänglichsten Motorräder am Markt bezeichnen. Dass sie für die ganz lange Tour taugt, hat Kollege Gregor letztes Jahr eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Der Wind- und Wetterschutz ist hervorragend und braucht den Vergleich mit teureren Maschinen nicht zu scheuen. Allerdings ist die Honda auch die schwerste Maschine unseres Trios, was ihr in Kombination mit den kurzen Federwegen in der Geländewertung den letzten Platz beschert.

Drei Test Meinungen zur KTM 390 Adventure

Wolf:

Die KTM ist die Sportlichste im Trio und ebenso ein Motorrad für alle Tage bzw. (fast) jede Gelegenheit. Punkto Ausstattung setzt die 390 Adventure in dieser Fahrzeugklasse Massstäbe, ob mit dem voll einstellbaren Fahrwerk, Kurven-ABS oder Traktionskontrolle, weshalb sie für mich auch der Sieger im Preis-Leistungsvergleich ist. Und auch wenn sich die erste KTM, die wirklich weltweit verkauft wird, auf kurvigen Landstrassen am wohlsten fühlt, so ist sie dank ihrer Handlichkeit und der guten WP-Apex-Federelemente auch für Abstecher in gemässigtes Gelände und auf unbefestigte Wege absolut gewappnet.

Horvath:

Die KTM 390 Adventure: Der Allrounder dieser Klasse und ein echter Preis-Leistungs-Sieger. Das hochwertige Elektronik-Paket, die aggressive Sitzposition, sowie der kernige Einzylinder machen sie zum puren Spassgerät, das unerfahrene Offroad-Piloten fest bei der Hand nimmt. Egal auf welchem Untergrund man sich bewegt - die 390 Adventure macht einfach immer Spass! Ob man mehr KTM Adventure braucht, ist natürlich die nächste Frage.. doch das klären wir in einem anderen Testbericht.

Poky:

Die kleine Abenteurerin aus Mattighofen hat mich on- und offroad begeistert und geht für mich nach objektiven Kriterien als Sieger dieses Vergleichs vom Platz. Unglaublich was KTM in dieser Klasse alles bietet. Das spielerische Handling ist durch das niedrigste Gewicht im Vergleich bedingt und wird durch den quirligen Einzylinder perfekt unterstützt. Mehr Fahrspass geht im A2 Revier derzeit nicht. Trotz einer majestätischen Sitzhöhe von 855 mm ist die 390 Adventure ein extrem kompaktes Motorrad. Das spüren grössere Piloten vor allem beim Thema Windschutz, wer über grössere Distanzen mit hoher Geschwindigkeit unterwegs ist, sollte hier ins Zubehör investieren, auch das Stehend-Fahren ist ab 1,85 Meter gewöhnungsbedürftig.

Drei Test Meinungen zur Royal Enfield Himalayan

Wolf:

Über die Vorderradbremse haben wir im Zuge des Tests viel gesprochen, da hinkt die Himalayan doch dem gewohnten Standard hinterher bzw. benötigt viel Kraftaufwand für ordentliche Verzögerung. Irgendwie verwunderlich, weil Royal Enfield das bei anderen Modellen sehr wohl kann bzw. auch sonst alles richtig harmonisch passt bei der Globetrotterin, die mit den grössten Federwegen des Trios ausgestattet ist und als einzige auf einem 21-Zoll-Vorderrad daher rollt. Wenig überraschend also, dass das Grinsen unterm Helm grösser wird, sobald es auf Schotter geht, wo auch das Leistungs-Defizit weniger ins Gewicht fällt und das Handling wirklich ausgezeichnet ist. Der Hingucker aus Indien steht für Entschleunigung mit Stil und wird als Alltags- oder Reisemotorrad all jenen Spass machen, die auf Leistung im Überfluss verzichten können, bei der Streckenwahl aber nicht lange darüber nachdenken, ob es dort auch Asphalt gibt.

Horvath:

Die Royal Enfield Himalayan betrachte ich eher als Gaststarter, denn während sie mit ihrer Leistung, dem Fahrverhalten und insbesondere mit der Vorderbremse nichts besonders gut macht, muss man sie einfach mögen. Ihr robuster Eindruck, sowie die herzerwärmende Optik machen sie zur Siegerin der Herzen, die erst zum Leben erwacht, wenn man losen Untergrund unter dem 21 Zoll Vorderrad spürt.

Poky:

Kann man ein Motorrad, dass erst seit vier Jahren am Markt ist, schon als legendär bezeichnen? Wenn ja, hat sich die Himalayan dieses Adjektiv auf jeden Fall redlich verdient. Sicher, die Vorder-Bremse müsste man selbst auf einem Puch Maxi als zu schwach kritisieren und man muss das Gas ständig bis zum Anschlag aufreissen um auch nur halbwegs an der Konkurrenz dranzubleiben. Aber wie die niederländische Weltreisende Itchy Boots bildreich gezeigt hat, ist es ein herrliches Motorrad für die Tour um die Welt. Was es nicht gibt, kann auch nicht kaputt gehen. Die Himalayan ist robust gebaut und bietet, vor allem auf unbefestigten Strassen einen hervorragenden Komfort. Ich als Schotter-Neuling habe mich abseits der befestigten Wege auf der Himalayan mit Abstand am Wohlsten gefühlt. Man entwickelt ein Ur-Vertrauen in die einfache Technik der kleinen Inderin. Die Royal Enfield Himalayan ist auf gewisse Art mein Lebens-Motorrad oder kurz: Legendär.

Fazit: Honda CB500X

Trotz ihres, im Verhältnis zu anderen Reiseenduros, kleinen Hubraums ist die CB500X keinesfalls Kinderkram. Erwachsenes Auftreten, ein zugänglicher und spassiger Motor und wirklich grossartige Tourentauglichkeit machen sie zu einem günstigen Reise-Motorrad für Jung und Alt. Sowohl auf der Strasse, als auch im leichten Gelände macht die Honda eine gute Figur. Wer also auf überbordende Motorleistung, technische Hilfsmittel, Spielereien und Komfort-Gadgets verzichten kann, der wird in der Honda eine absolut passende Begleiterin für grosse Abenteuer finden. Egal ob nach Norwegen, Spanien oder zur Hausstrecke - die Honda CB500X empfiehlt sich.


  • zugänglicher, gutmütiger und spassiger Motor
  • niedriger Verbrauch, sehr tourentauglich
  • fühlt sich wohl im leichten Gelände
  • niedriges Gewicht für Reiseenduro
  • müheloses Handling
  • Ausstattbar wie grosse Reiseenduro
  • Vorderradbremse packt spät zu
  • Windschild nur mit Werkzeug verstellbar

Fazit: Royal Enfield Himalayan

Die Verarbeitung ist auf einem überraschend hohen Niveau für ein Motorrad, das in Deutschland und Österreich für unter 5.000 Euro zu haben ist. Alles an der kleinen Himalayan wirkt, als wäre es für die Ewigkeit gebaut. Natürlich kann die kleine Inderin hinsichtlich Leistungsdaten nicht mit anderen mithalten, das will sie aber auch gar nicht. Es ist ein Motorrad für Individualisten die sich dem Höher, Schneller, Weiter der Gesellschaft entziehen wollen- Entschleunigung erster Güte.


  • einzigartiger Hingucker
  • stimmiges Konzept
  • hohe Reichweite
  • bequemer Sitz
  • Kompass
  • robuste Technik
  • Preis-Leistungsverhältnis
  • Vorderradbremse unterirdisch
  • Leistung für Europa etwas schwach
  • Gewicht relativ hoch

Fazit: KTM 390 Adventure

Die KTM 390 Adventure ist ein echtes Universaltalent. Ihr Handling ist ultra-agil und leicht, das verstellbare Fahrwerk lässt einem selbst die Wahl zwischen Komfort und Attacke. Der Motor ist bedienungsfreundlich, der Windschutz ist vorhanden, die Sitzposition entspannt. Somit steht auch der längeren Reise nichts im Weg. Gleichzeitig erhöht ein in dieser Motorrad-Klasse einzigartiges Angebot an elektronischen Fahrhilfen das Sicherheits-Plus und somit auch den Reiz für Einsteiger. Dieses Bike ist der lebende Beweis dafür, dass sich ein günstiger Anschaffungspreis und hochwertige Komponenten nicht gegenseitig ausschliessen müssen. Bravo, KTM!


  • Drehfreudiger Motor mit Manieren
  • Verstellbares Fahrwerk
  • Agiles und einfaches Handling
  • Kurven-ABS, schräglagenabhängige Traktionskontrolle
  • Spass auf befestigten und unbefestigten Untergründen
  • Traktionskontrolle greift zu früh ein

Bericht vom 18.07.2020 | 22'337 Aufrufe

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