Triumph Street Triple R und Yamaha MT-09 WP im Tracktest

Welche der beiden hat am Pannoniaring die Nase vorn?

Sie sind gebaut für die Landstrasse und haben sich dort längst als quirlige Spassgeräte bewiesen. Doch wie steht es um den Spass, wenn es mal zum Kringeln auf den Track gehen soll? Beim 1000PS Trackday am Pannoniaring nehmen wir uns Streety und MT-09 vor.

Die Test-Yamaha kommt diesmal nicht von Yamaha - sondern aus Mattighofen von KTM. Logisch also, dass es auch keine ganz gewöhnliche MT-09 ist, die da vom LKW geladen wird. Pickerl auf Gabel und Federbein verraten auf den zweiten Blick, was genau hier besonders ist: das WP-Fahrwerk. Speziell auf die MT-09 angepasst, können Cartridge-Kit Apex Pro 6500 und Federbein Apex Pro 6747 für rund 2000 Euro im Zubehör erworben werden und versprechen besseres, vor allem sportlicheres Fahrverhalten. Wir sind gespannt.

Daneben parkt schon die Triumph Street Triple R, bereit es ohne Upgrade mit der aufgewerteten Yamaha aufzunehmen. Wie die MT-09 steht sie auf Serienreifen, denn wer zieht schon für einen Kurzaufenthalt mit dem Strassenbike auf der Rennstrecke extra Spezialgummis auf? Gut, da gibt es sicher den einen oder anderen, aber wir bewegen Streety und MT-09 heute so, wie es die meisten tun würden und das bedeutet eben: aus der Garage direkt auf die Strecke. Mit den launigen Dreizylindern verspricht das grösste Fahrfreude.

Yamaha MT-09 WP auf der Rennstrecke

Bevor es losgeht, schauen wir noch in der Box von Martin Bauer vorbei, der zur besseren Vergleichbarkeit das Grundsetup der Bikes übernimmt. Beim WP-Fahrwerk ist das nach ein paar Minuten erledigt. Im Einstellbereich der Hardware liegt das Setup schon jetzt am oberen Ende der Sportlichkeit. Viel straffer als der Racing-Experte die Dämpfung aus dem Stand einstellt, geht nicht.

Übermässig straff fühlt sich das auf den ersten Runden aber gar nicht an. Sportlich ja, besonders hart nein. Das Ansprechverhalten der WP-Elemente toppt die Serien-Hardware locker, wobei das ehrlich gesagt kein Kunststück ist. Die Gabel führt das Vorderrad sauber, dass sie beim harten Bremsen tief eintaucht ist angenehm, denn so bekommt man über den hohen Lenker immerhin etwas Druck aufs Vorderrad. In der Beschleunigung bringt die MT-09 WP ordentlich Traktion auf den holprigen Pannonia-Asphalt, schwingt am Heck allenfalls minimal nach. Auch bei flottem Tempo bleibt das Bike insgesamt ruhig, kündigt das Limit mit leichter Bewegung berechenbar an.

Zieht man dann aber nach ein paar Runden härter am Kabel, zeigt das Konzept insgesamt seine Grenzen. Wer sich nicht weit über den erwähnt hohen Lenker stemmt, bekommt kaum Gefühl für den Grip am Vorderrad. Die Gabel braucht dazu beim harten Ankern ihre Reserven gänzlich auf, das ABS greift aber ein, bevor akutes Durchschlagrisiko besteht. Im Tracktempo ist der Blockierverhinderer dann vor jeder Kurve präsent, öffnet die Bremse teilweise weiter als es dem Spätbremser lieb ist. Bedeutet: progressiv Druck aufbauen.

Ebenfalls früh aber fein regelt die Traktionskontrolle - selbst im defensiven Modus. Safety First lautet eindeutig das Motto der Yamaha-Elektronik. Für den gelegentlichen Ausflug auf die Rennstrecke sicher nicht verkehrt, denn der 115-PS-kräftige Dreizylinder-Motor ist auch 2020 noch über jeden Zweifel erhaben. Mit 87,5 Newtonmeter Drehmoment, schon bei 8500 Umdrehungen, drückt die Yamaha bestens aus den engen Kurven. Obenraus steigert sie sich kontinuierlich, brennt aber kein Feuerwerk ab - auf der Landstrasse perfekt, für die Rennstrecke wäre eine etwas spitzere Charakteristik sicher nicht verkehrt.

Triumph Street Triple R auf der Rennstrecke

Womit wir bei der Streety wären. Sie verfügt zwar über knapp 100 Kubikzentimter weniger Hubraum, nur 77 Newtonmeter Drehmoment, dafür über drei PS mehr Spitzenleistung und ein nach oben breiteres Drehzahlband. Das kann sie hier voll ausreizen und fühlt sich dank der Drehfreude auf der Piste spritziger an. Macht richtig Laune und nebenbei bemerkt: Mehr Power als die beiden Triples liefern ist auf dem Pannoniaring an den wenigsten Stellen abrufbar.

Für den weiteren Eindruck wollen wir nicht verschweigen, dass der Reifen der Triumph Street Triple R, der Pirelli Diablo Rosso 3, bei den hohen Temperaturen um 30 Grad eine etwas bessere Figur macht als der betagte Bridgestone S20, den die MT 09 noch ab Werk trägt. Da beide dem Überhitzen nach wenigen Runden nah sind, ist die Regelung der Traktionskontrolle ein erheblicher Sicherheitsfaktor. Hier greift die Triumph zwar später ein, kappt die Leistung aber in den Ausgängen vehement. Für guten Drive braucht es Gefühl in der Gashand. Beim harten Ankern macht sich das ABS ebenfalls später bemerkbar als das der Yamaha. Gepaart mit guter Bremsstabilität und Spurtreue können die Bremspunkte auf der Street Triple R ganz intuitiv später gewählt werden, auch wenn das Fahrwerk wie bei der MT-09 die Grenze schon ankündigt.

Insgesamt macht die Streety das Anrauchen entspannter und leichter. Vorderradorientiertere Sitzposition, sanftere Gasannahme im Scheitelpunkt und mehr Stabilität in den Brems- und Beschleunigungsphasen - die Street Triple R kann an fast jeder Stelle zum Überholen ansetzen, gibt dem Fahrer insgesamt mehr Feedback und damit Vertrauen. Auch der grandiose Schaltautomat samt Blipperfunktion muss hier noch Erwähnung finden. Mega präzise lassen sich die Gangstufen wechseln. Zwar funktioniert der Schaltassistent der MT-09 auch gut, auf einen Blipper muss man bei ihr aber verzichten. Auf dem Track fällt das Fehlen dieses Features stärker ins Gewicht als auf der Landstrasse - kupplungsfreies Runterschalten macht zwar nicht schnell, schafft aber freien Arbeitsspeicher im Kopf, der hier dringend gebraucht wird.

In einem Punkt macht es die MT-09 dem Fahrer aber doch noch leichter: Auf der Yamaha Sitzbank ist das sportliche Herumturnen einfacher, denn sie bietet deutlich mehr Grip und angenehme seitliche "Kanten", an denen der Po sich orientieren kann. Auf der Triumph rutscht man zu Beginn immer etwas planlos hin und her, bis die richtige Position gefunden ist.

Unterm Strich ist die Street Triple R schneller

Auf Landstrasse und Rennstrecke gelten unterschiedliche Gesetze. Die Yamaha kann ihr Drehmoment-Plus am Ring fast nie ausspielen, denn bei Laune gehalten geht der Triumph-Drilling auch wie die Hölle. Die Streety ist kein Rennmotorrad, sie macht insgesamt aber die deutlich bessere Figur, lässt sich entspannter schnell bewegen und hält die MT-09 locker auf Distanz.

Fazit: Yamaha MT-09

Schnell fahren geht, ist aber anstrengend. Der hohe Lenker ist auf der Rennstrecke kontraproduktiv und fordert viel Körpereinsatz. An der Street Triple R kann die MT-09 auch mit WP-Fahrwerk nicht dranbleiben.


  • Bulliger Motor mit viel Drehmoment
  • Fein regelnde Traktionskontrolle
  • Keine Blipperfunktion
  • Hoher Lenker gibt wenig Feedback
  • Ruppige Gasannahme
  • Früh regelndes ABS

Fazit: Triumph Street Triple R

Für den gelegentlichen Trackday ist die Street Triple R bestens gerüstet und liefert eine gute Performance. Mit etwas Gefühl in der Gashand geht´s richtig schnell um den Ring.


  • Breites nutzbares Drehzahlband
  • aktive Sitzposition
  • hohe Stabilität
  • Tolles Getriebe samt Schaltassistent
  • Früh regelnde Traktionskontrolle
  • Sitzbank mit wenig Grip

Bericht vom 09.09.2020 | 16'862 Aufrufe

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