Yamaha YZF-R1 Test 2020 - das schnelle Quartett

Das japanische Superbike im Vergleich mit Aprilia, BMW und Honda

Ihr wollt die Besten der Besten? Die absoluten Technologieträger? Die Maschinen mit dem besten Leistungsgewicht? Dann schaut bei unserem „schnellen Quartett“ rein! Vier Superbikes der Extraklasse werden von uns sowohl auf der Landstrasse als auch auf der Rennstrecke unter die Lupe genommen. Wie schlägt sich die „schwache“ Yamaha YZF-R1 im Vergleich mit der BMW S 1000 RR und den beiden Power-Monstern Aprilia RSV4 1100 Factory sowie Honda CBR1000RR-R Fireblade SP?

Die Superbike-Kategorie ist doch eine Klasse für sich als die Honda CBR1000RR Fireblade als erstes Superbike mit ABS kam, wurde das noch mit Argwohn hingenommen. Heute ist es Standard-Equipment. Als sich die ersten Hersteller anschickten, Fahrmodi in ihre Superbikes einzubauen, wurden diese als unnötiger Schnickschnack abgetan. Heute hat jedes Superbike, das etwas auf sich hält, allen möglichen Pipapo an Bord. Und als das erste Superbike mit 200 PS die Bühne betrat, meinten viele, dass niemand so viel Leistung braucht. Heute kommen diese Raketen mit fast 220 PS daher.

Moderne Superbikes wie die Yamaha YZF-R1 haben ein Luxusproblem

Also schon interessant, wie sehr sich die Dinge in Sachen Leistung bei Superbikes in Richtung Luxusproblem verschoben haben - nicht einmal sehr schnelle Fahrer können das Potential der aktuellen Eisen jenseits der 200 PS auf der Landstrasse abrufen. Und selbst auf der Rennstrecke hat man mittlerweile sogar auf dem schwächsten Gerät unseres schnellen Quartetts völlig ausreichend Power unterm Hintern. Die Rede ist von der Yamaha YZF-R1, die mit ihren nur 200 PS bereits gegenüber der BMW S 1000 RR mit 207 PS ins Hintertreffen gerät, gegenüber den beiden vollauftrainierten Aprilia RSV4 1100 Factory und Honda CBR1000RR-R Fireblade SP mit jeweils 217 PS eigentlich arg ins Straucheln kommen müsste. Eigentlich. Theoretisch. Rein von der Papierform her.

Die Yamaha R1 überzeugt mit ihrem agilen Charakter

Das wahre Leben sieht glücklicherweise anders aus, denn wie bereits erwähnt, hat die Endleistung ziemlich wenig mit der Performance auf einer öffentlichen Landstrasse zu tun und selbst auf der Rennstrecke kann die Yamaha immer noch mit ihrem überaus agilen Charakter einige fehlende PS gutmachen. Ich gebe zu, dass selbst jemand wie ich, der sich selbst nicht als schneller Racer bezeichnen würde, einen gewissen Unterschied auf Geraden ausmache eine Honda Fireblade etwa zieht mich einfach noch ärger bis ans Ende der Geraden und schafft einen höheren Topspeed.

Mächtig Power schon aus dem Drehzahlkeller bei der Yamaha R1

Im kurvigen Infield oder auf der Landstrasse geht es aber um viel mehr als Power. Da kann die R1 dann mit ihrem Motorlayout punkten, dessen Hubzapfenversatz (Crossplane-Prinzip) für einen ordentlichen Antritt schon von weit unten sorgt. Das macht Laune, die bei der Honda erst ab rund 6000 Touren aufkeimt dann aber gewaltig. Selbst die Aprilia, die mit ihrem V4-Motor einen heftigen Punch von weit unten erwarten liesse, lässt sich bis ca. 5500 Touren bitten, auch bei ihr kommt erst dann der Tritt in den Hintern. Bleibt schliesslich die BMW, die sich meiner Meinung nach als Universal-Superbike etabliert hat: Zieht von unten zielstrebig hoch, überrascht niemanden, hat in allen Lebenslagen genug Schmalz und benimmt sich auch im engeren Winkelwerk angenehm agil. Das kann die Yamaha ähnlich gut und auch die Honda reagiert auf Anhieb herrlich intuitiv und direkt, macht also genau das, was man ihr mit noch so kleinen Impulsen am Lenker befiehlt. Die Aprilia ist zwar auch alles andere als ein störrisches Biest, verlangt aber irgendwie am meisten Input des Fahrers, um dann natürlich auch extrem präzise um diverse Radien zu zirkeln.

Das kleine Display der Yamaha YZF-R1 ist das berühmte Haar in der Suppe

In Sachen Elektronik bleiben sich alle vier Geräte nicht viel schuldig - was derzeit an Elektronik machbar ist und auch Sinn macht, ist im gesamten Quartett drinnen. Okay, ein elektronisch verstellbares Fahrwerk, auf der Honda sogar von Öhlins, macht natürlich durchaus Sinn, fehlt der Yamaha aber gar nicht so sehr. Sucht man das berühmte Haar in der Suppe, könnte man der Yamaha ankreiden, dass sie ein ziemlich kleines TFT-Display besitzt und damit nicht mehr ganz State-of-the-Art wäre. Allerdings bin gerade ich mit der Ablesbarkeit voll und ganz zufrieden und ich bezeichne mich selbst gerne als schasaugert, also ziemlich verloren, wenn es darum geht, kleine Mäusekinos abzulesen. Aber die Yamse macht das trotzdem sehr gut, wenn auch das Display der BMW alles in allem am besten kann. Doch auch das sind ganz einfach persönliche Präferenzen, die nicht jeder teilen muss.

Die Yamaha YZF-R1 ist eine geniale Landstrassen-Rakete

Insgesamt zeigt sich also, dass die fehlende Leistung gegenüber der Aprilia und der Honda nicht zwangsweise eine schlechtere Performance darstellt. Ganz im Gegenteil, auf der Landstrasse kann die Yamaha mit ihrem Crossplane-Triebwerk, das bereits ab Standgas agil Fahrt aufnimmt, voll punkten. Lediglich die Bremsanalge scheint zumindest auf der Rennstrecke der einzige Schwachpunkt an der R1 zu sein. Mit radial montierten Monobloc-Vierkolbenzangen machen die Japaner zwar grundsätzlich alles richtig, sehr schnelle Piloten bemängeln aber die geringere Bremskraft gegenüber den drei Konkurrentinnen. Für die Landstrasse hingegen passt die gut dosierbare Bremsanlage bestens.

Dennis` Senf zur Yamaha YZF-R1:

Die Yamaha ist nach wie vor eine wirklich ausgewogene Supersportlerin und ein echter Geheimtipp in der aktuellen Königsklasse. Warum fragst du dich? Ganz einfach, die Maschine ist unfassbar leicht zugänglich, ähnlich wie die BMW, hat jedoch ein viel aufregenderes Aggregat als ihre Konkurrenz aus Bayern. Mehr Thrill, mehr 1000er-AHA-Erlebnis, was zumindest für mich ein deutliches Plus an Spass auf der Landstrasse bedeutet. Zwar hat die Yamaha kein elektronisches Fahrwerk und auch nicht die bissigste Bremse, doch das braucht sie auch gar nicht! Die R1 ist ein in sich stimmiges und hervorragend aufeinander abgestimmtes Gesamtkonzept, was sowohl Anfängern in der Supersportler-Welt als auch alten Hasen gleichermassen Spass und Action besorgen wird, ob auf der Rennstrecke oder auf der Landstrasse. Die Sitzposition und Ergonomie ist sportlich und gut verträglich. Gerade im Vergleich zur Fireblade oder Aprillia dürften sich auf der Yamaha und der BMW alle jene wohl fühlen, die auf den anderen Supersportlern klammheimlich schnell eintretende Nackenschmerzen verspürt haben. Zugänglich, transparent, solide mit einer gehörigen Portion Thrill: Das ist meine Landstrassen Supersportler Königin zum aktuell besten Preis unter allen Konkurrenten - klare Kaufempfehlung!

Mex` Senf zur Yamaha YZF-R1:

Das CP4 Aggregat in der R1 holt sich für mein Empfinden zusammen mit dem Motor aus der BMW S1000RR die Krone auf der Landstrasse. Schon unten raus ist einiges los, die kräftige Drehzahl-Mitte macht dann aber richtig Spass. Damit fährt sie sich im Alltag sehr kraftvoll und souverän. Der raue Sound, welchen die ungleichmässige Zündfolge unterdessen liefert, ist absolut genial ohne dabei aufdringlich laut zu werden. In Sachen Ergonomie positioniert sie sich im Durchschnitt, man könnte auch sagen, gerade richtig. Nicht ganz so komfortabel wie die BMW aber auch nicht so kompakt und kompromisslos wie die Aprilia. Selbst als grossgewachsener Pilot findet man sich perfekt im Sattel zurecht. Die Überraschung beim Fahrwerk: Unsere Yamaha kommt als Einzige im Test ohne jegliche Elektronik bei den Federelementen aus. Macht aber nichts, denn es funktioniert quasi "Out of the Box" alles bestens.

In schnellen Kurven liegt sie zwar nicht ganz so satt und präzise wie die Honda und will auch mit etwas Druck in den Radius geführt werden, jedoch hinterlässt das Chassis in Summe einen absolut soliden Eindruck. Den einzigen echten Minuspunkt im Test heimste sich bei mir die Bremse der Yamaha ein. Während auf der Landstrasse die Verzögerungsperformance noch in jeder Lebenslage als ausreichend bezeichnet werden kann, knickte im späteren Verlauf unseres Tests, nach einigen flotten Runden am bremsintensiven Red Bull Ring, die Anlage etwas ein. Nach 20 Minuten auf der Strecke konnte der Hebel näher zum Griff gezogen werden als mir lieb war. Abschliessend darf noch erwähnt werden, dass der Blick aufs Preisschild klar macht, warum hier nicht an allen Ecken und Enden die teure Edelware glänzt - dafür gibt es bei den blauen Japanern immerhin auch noch die R1M im Regal. Für mich in Summe dennoch der absolute Preis-Leistungs-Sieger.

Fazit: Yamaha YZF-R1

Die Yamaha YZF-R1 ist ausgereift und macht zahllose Rennstreckenpiloten glücklich. Der Motor glänzt durch Leichtigkeit und Agilität, die Sitzposition überrascht positiv und das Handling ist radikal aber immer noch „massentauglich“. Die Maschine fällt optisch und auch durch den herzerwärmenden Sound sofort auf. Vor allem auf der Landstrasse punktet das Motorrad mit den bekannten Stärken: Toller Motor, tolle Elektronik, tolles Paket! Ein echter Fahrgenuss!


  • kräftiger Motor
  • sauberes Ansprechverhalten
  • toller aber nicht aufdringlicher Sound
  • stabiles Chassis
  • hochwertige Elektronik
  • wunderbar edler Gesamteindruck
  • Bremse auf der Rennstrecke nicht zu 100 Prozent zufriedenstellend

Bericht vom 22.09.2020 | 15'889 Aufrufe

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