Honda CRF450R 2021 - bärenstark und trotzdem fahrbar

Honda CRF450R im Praxistest

Nachdem die Ingenieure die CRF450R in den letzten Jahren schon nicht untätig waren, setzten sie mit dem Modelljahr 2021 noch eins drauf. Unter dem Motto "Razorsharp Cornering" erfährt die Speerspitze der Honda Offroader eine ordentliche Überarbeitung.

Blickt man auf die letzten Modelljahre der CFR450R merkt man schnell, Däumchen drehen interessiert in der Honda Entwicklungsabteilung anscheinend niemanden. Denn 2017 spendierte man der 450 einen neuen Motor und ein neues Fahrwerk, im Jahr darauf wurde auf E-Starter umgerüstet. In den letzten beiden Jahren gab es dann für die CRF Launch und Traction Control ab Werk. 2021 schrieb man sich das Motto "Razorsharp Cornering" auf die Fahnen. Kurz um steht dieser Begriff für verbessertes Handling und mehr Kraft aus der Mitte. Um dieses Ziel zu erreichen, nahm Honda eine Reihe schwerwiegender Eingriffe am Bike vor:

Honda CRF450R 2021 Rahmen:

Durch einen dünnwandigeren Rahmen wurde die Seitensteifigkeit um 20% verringert, was das Kurvenverhalten verbessern soll. Die Torsionssteifigkeit hingegen blieb aber gleich. Als angenehmer Nebeneffekt wird der Hauptrahmen um einen knappen Kilogramm leichter. In Verbindung mit einem neuen Heckrahmen wurden insgesamt 1,2 Kg eingespart. Das Gesamtgewicht wurde bei der CRF450R um 2 Kg verringert.

Honda CRF450R 2021 Fahrwerk:

Auch das Fahrwerk der Honda CRF450R wurde ordentlich überarbeitet. So wurden sowohl Gabel als auch Federbein etwas weicher abgestimmt. Um aber dann trotzdem für ausreichend Reserve zu sorgen, spendierte man dem 2021er Modell 5 Millimeter mehr Federweg.

Honda CRF450R 2021 Ergonomie:

Das 21er Modell ist deutlich kompakter als ihre Vorgängerin. Durch ein neues Auspuffsystem wird die Honda um satte 7 Zentimeter schmaler. Eine neue Sitzbank ermöglicht eine um 10mm niedrigere Sitzposition. Was zu einen kleineren Fahren etwas zugute kommt aber auch nochmals die Handlingeigenschaften verbessert. Zusätzlich wurde die Bodenfreiheit um 8mm erhöht.

Honda CRF450R 2021 Motor:

Das Aggregat der CRF blieb im grossen und Ganzen unverändert. Allerdings wurde das Luftvolumen der Airbox massiv vergrössert. Mit 4,1 Liter hat sich die Grösse des "sauberen" Bereiches in der Airbox mehr als verdoppelt. Zusammen mit der Änderung des Einspritzdüsenwinkels auf 60° erreicht man zum einen Drehmomentsteigerung und Leistungsteigerung um 0,6Kw, zum anderen eine Leistungssteigerung im unteren Drehzahlbereich.

Die CRF450R auf der Strecke

Ob die Theorie der Praxis standhält dürfen wir auf der geschichtsträchtigen MXGP Strecke von Mantova erfahren. Die Sandstrecke im Herzen Italiens zeichnet sich durch einen schnellen Streckenverlauf und selektive Kurven aus. Also quasi optimale Bedingungen um den neuen Jahrgang auf den Zahn zu fühlen.

Schon beim Start danke ich den Honda Ingenieuren für den seit 2018 verbauten E-Starter. Denn kaum etwas lässt den Puls so ungemein in die Höhe schnellen als vor versammelter Mannschaft den Kickstarter mehrmals erfolglos durchzutreten. Doch der wahre Vorteil des E-Starters zeigt sich in der zweiten Runde, als mir das Bike einknickt und abstirbt. Ein kurzer Drücker auf das rechte Lenkerende reicht um die Honda wieder zum Leben zu erwecken. Anstatt die CRF in der Steilkurve mit etlichen Kickversuchen und hochrotem Schädel wieder zu starten.

CRF 450R Leistung ohne Ende

Ich schätze die Anzahl jener Fahrer die sich über zu wenig Leistung bei einer 450er beschwert haben hält sich stark in Grenzen. Die Ansage der Leistungssteigerung um weitere 0,6kw also eines knappen PS mehr, schürt in mir leichte Sorgen. Die ich aber im Testride wieder ablegte. Die Honda CRF450R hat eine sehr geschmeidige und lineare Leistungsentfaltung. Die zum Teil den elektronischen Helferlein (verschiedene Mappings und Traktionskontrolle) geschuldet sind. Was aber bei allen Fahrern gut ankam war das Leistungsplus im unteren Drehzahlbereich. Gerade bei engen Kurven in denen die Drehzahl stark abfällt, katapultiert dich das 450er Aggregat mit einem ordentlichen Punch auf die Gerade. An dieser Stelle möchte ich auch die neue Kupplungsbetätigung ansprechen. In diesem Jahr wechselt Honda bei der CRF von Seilzug auf eine hydraulisch betätigte Kupplung. In der Fahrpraxis bedeutet das einen stets konstanten Druckpunkt und keine ausgeleierten Kupplungshebel. Lediglich die Verlegung des Hydraulikschlauches ungeschützt neben dem Zylinder könnte man in den kommenden Modelljahren etwas verbessern.

Viel wurde uns bei der Präsentation auch über die neue Ergonomie erzählt. Auf der Strecke fällt die schmale Linienführung der CRF auf. Durch den engeren Knieschluss ergibt sich zum einen eine kompaktere Position auf dem Motorrad und mehr Bewegungsfreiheit in den Kurven. Letzter Punkt kommt da natürlich den Handlingeigenschaften zu Gute. In den Kurven wirkt die Honda sehr agil und handlich, mit den schwerfälligen Traktoren auf denen man noch vor ein paar Jahren herumgurkte hat die 21er CRF rein gar nichts mehr am Hut.

Das etwas weicher abgestimmte Fahrwerk kommt mir als Hobbynudler in Montova sehr entgegen. Gerade auf zerbombten Strecken liefert dies Abstimmung den passenden Komfort. Nicht ganz so gut kommt das weiche Setting bei flotteren Fahrern an. Ein paar Klicks an Zug und Druckstufe schaffen Abhilfe und stellen auch die Meisterschaftsfahrer zufrieden.

Ein Punkt mit dem ich bis dato oft zu kämpfen hatte, waren die MX-Starts. Entweder gab ich zuviel Gas und liess Kupplung zu schnell aus, sodass sich das Vorderrad in Richtung Sonne verabschiedete. Oder ich die Kupplung wurde zu langsam ausgelassen und die Konkurrenten zogen an mir vorbei. Mit der in 3 Stufen einstellbaren Launch Control, gehört der Start-Albtraum aber der Vergangenheit an. Einfach Vollgas geben und die Kupplung beherzt auslassen, schon ist der Holeshot in greifbarer Nähe.

Die 2021er Modelle werden laut Honda in den nächsten Wochen bei den Händlern eintreffen. Die Auflistung aller neuen Honda Modelle findet ihr übrigens in unserem grossen Überblick zu den Motorradneuheiten 2021. Die Preise liegen bei 9.640€ (inkl. Überführung) in Deutschland und 10.290€ (inkl. Nova, welche Rückerstattet werden kann) in Österreich.

Fazit: Honda CRF450R

Mit der neuen CRF450R 2021 ist Honda ein grosser Wurf gelungen. Durch die stetige Weiterentwicklung finden wir mit dem Modelljahr 2021 ein wahres Handlingmonster. Vergleiche in punkto Handling mit der 250er sind da nicht von der Hand zu weisen. Auch die Leistungsentfaltung ist dank elektronischer Helferlein bei weitem nicht mehr so fordernd wie man es sonst von 450ern kennt.


  • sehr gute Handling Eigenschaften
  • mit zahlreichen elektronischen Features ausgestattet
  • Fahrwerk für den Hobby Piloten perfekt abgestimmt
  • endlich hydraulische Kupplung
  • Fahrwerk für wirklich schnelle Fahrer im Grundsetting etwas zu weich
  • Verlegung Hydraulikschlauch Kupplung

Bericht vom 17.10.2020 | 8'850 Aufrufe

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