Harley Street Glide Special

Sonderprüfung auf Teneriffa

Ein intensiver Tag auf Teneriffa. Die Harley-Davidson Street Glide Special muss auf der abwechslungsreichen Insel zeigen was in ihr steckt.

Härter geht wohl nicht. Die Strasse hinunter ans Meer bei La Matanza de Acentejo darf getrost als Sonderprüfung bezeichnet werden. Die Strecke ist steil, die Kehren eng und die Abgründe tief. Doch dafür ist die Aussicht phänomenal und die Freude im Sattel riesig. Hier auf Teneriffa hatten wir bisher jede Menge weite Kehren und makellosen Asphalt inhaliert. Doch warum auf Abenteuer verzichten? Die Harley-Davidson Street Glide Special ist ein schweres Motorrad aber auch ein treuer Begleiter. Sie meistert unsere abenteuerlichen Aufgaben ohne Probleme und scheint Gefallen an der Herausforderung zu finden.

Harley fahren auf Teneriffa

Eigentlich waren wir auf Winterflucht auf Gran Canaria. Doch eine Insel weiter hatte der örtliche Harley-Davidson Händler auf Teneriffa Gubra eine besonders feine Auswahl an Testmotorrädern. Nach reiflichen Überlegungen entschieden wir uns für eine Street Gilde Special und eine Road King Special. Eigentlich bin ich ja ein grosser Fan der Road Glide mit der rahmenfesten Verkleidung, doch diese war vor Ort nicht zu kriegen. Doch offen gesagt entpuppte sich sie Street Glide im Laufe des intensiven Tages als wunderbare Wahl aus der bildschönen Harley-Davidson Touring Palette.

Die Insel Teneriffa ist die bevölkerungsreichste Insel Spaniens und auch die grösste Insel der kanarischen Inselgruppe. Wie auch die Nachbarinsel Gran Canaria darf man die Insel nicht unterschätzen. Auf unseren Landkarten wirkt sie klein, doch im Detail betrachtet bietet sie ein ganzes Universum an Möglichkeiten. Der höchste Berg der Insel ist über 3700 Meter hoch und die Strassen führen bis weit über 2.000 Meter. Und dabei muss bedacht werden, dass man im Laufe des Tages bestimmt auch beinahe mal auf Meeresniveau unterwegs ist. Dementsprechend intensiv sind die Fahrten über den Teide, den höchsten Berg der Insel. Doch nicht nur die Strassen sind abwechslungsreich. Auch das Wetter ist vielfältig. Nach der Ankunft ist man wegen der Wolken am Himmel erstmal verschreckt. Doch im Laufe der Zeit man den Dreh mit dem Wetter hier raus. Es gibt immer ein paar Kurven auf der Insel die trocken sind. Manchmal muss man einfach durch die Wolken hindurchfahren und manchmal einfach nur auf die andere Inselseite wechseln. Hier auf der Insel herrscht das ganze Jahr über Frühling. Wobei die Nordseite der Insel grundsätzlich mehr Regen abbekommt als die Südseite. Sollte man die Nordseite bei einer Motorradtour auf Teneriffa deshalb meiden? Nein! Denn dort ist die Natur rauher, die Vegetation üppiger und die Hotels kleiner.

Der Motor der Harley-Davidson Street Glide Special

Der 1.8 Liter grosse Milwaukee-Eight 114 Motor hatte sich schon bei der letzten Testfahrt in mein Herz gebollert. Das Teil ist einfach richtig gut gelungen. Der Sound, die feinen Vibrationen und die perfekt dimensionierten mechanischen Geräusche. Man geniesst es den Motor zu dirigieren. Mal freut man sich ihn sanft von der Ampel losblubbern zu lassen, ein anderes mal kichert man beim deftigen Überholmanöver spitzbübisch in den Helm. Das emotionale Aggregat fühlt sich als echter Touring-Motor den ganzen Tag über wohl. Egal wie fordernd die Strecke war, der Motor hat einen tollen Job gemacht. Klar ist er mechanisch gut gemacht, doch als kongenialer Partner steht eine tolle Elektronik zur Verfügung. Das Ansprechverhalten ist sauber und die Dosierung geht leicht von der Hand. Am Motor selbst ist kein Makel zu entdecken. Nur das Getriebe hat mich diesmal immer wieder ein wenig genervt. Im Fahrbetrieb war alles wunderbar, keine Frage, doch beim Rangieren am Parktplatz war der Leerlauf etwas schwierig zu finden.

Handy, Navi und Co - Toll integriert

Erstaunt hat mich auch diesmal wieder die tolle Integration der Bordelektronik samt Navi, Fahrerassistenzsystemen und Connectivity. Ich hatte diesmal eine besonders schwierige Aufgabe zu meistern. Das gesamte Menü war in Spanisch gehalten. Ich hab erst gar nicht versucht das Menü in eine andere Sprache umzuschalten. Denn schon nach wenigen Handgriffen war mir klar, wie einfach und intuitiv das Teil zu bedienen ist. Die Kopplung mit dem Telefon (Huawei P30 Pro) per Bluetooth klappte in 20 Sekunden. Das Abspielen der Apple Musik Playlist dauerte nur ein paar Sekunden länger. Das Bordnavi ist toll in die zentrale Bedieneinheit integriert und war den ganzen Tag über toll ablesbar. Es machte einen guten Job, konnte bei den Staumeldungen aber natürlich nicht mit Google Maps mithalten. Die gesamte Bedienung der elektronischen Systeme gehen leicht von der Hand. Dabei drängt sich das moderne Zeug nicht in den Vordergrund, ist aber da wenn man es braucht.

Bild von NastyNils
NastyNils

"Man steigt entspannt und beseelt von dem Motorrad"

Immer wieder mal mussten wir die maximale Schräglagenfreiheit von 32 Grad ausnutzen. Denn die Kurven luden einfach zum flotten Fahren ein. Dabei fasst man schnell grosses Vertrauen für das Vorderrad und die Maschine lässt sich mit wenig Kraftaufwand steuern. Wir waren den ganzen Tag unterwegs und am Ende des Tages stieg ich entspannt und beseelt von dem Motorrad. Hatte ich der Street Gilde unrecht getan? Denn bisher empfand ich das noch souveränere Fahrverhalten der Road Glide als noch besser. Doch ohne den direkten Vergleich hier überzeugte mich die Street Glide Special voll und ganz. Einzig auf schlechtem Asphalt könnte der Dämpfungskomfort beim Heck etwas besser sein.

Trotzdem ist der Fahrkomfort insgesamt wirklich grossartig. Das liegt am Fahrwerk, aber auch an der gut gelungenen Ergonomie und dem tollen Sattel. Die entspannte Sitzposition ist ein Genuss und dieses Touring Modell macht seinem Namen alle Ehre. Wobei man an dieser Stelle nochmal erwähnen muss, dass die Insel es der Harley keinesfalls leicht gemacht hat. Wir fahren hier nicht von Miami nach Key West, sondern durchqueren die unfassbar kurvenreiche Insel Teneriffa besonders intensiv. Bewusst wählten wir auch die engsten Routen doch das Motorrad war nicht aus der Reserve zu locken.

Bremsen Harley-Davidson Street Glide

Bei besonders langen und intensiven Abfahrten leistete die Bremse zwar treue Dienste, doch es wäre noch komfortabler wenn sie weniger Handkraft benötigt. Man kann die Situation etwas entschärfen indem man auch vorbildlich mit der Hinterbremse mit bremst. Denn Bremssystem verteilt die Bremslast ohnehin passend zum aktuellen Fahrzustand. Denn anders als bei der mitgereisten Road King ist bei der Street Glide schon das neue RDRS mit am Start. Damit hat man schräglagenabhängige Fahrerassistenzsysteme mit an Bord.

Am Ende des Tages war uns jedoch klar einen grossen Fehler begangen zu haben. Denn wir haben bloss einen Tag auf der Insel verbracht. Der Harley Händler hätte uns die wunderbare Maschine gerne noch einen zweiten Tag geborgt, doch der Rückflug ins trübe Mitteleuropa war bereits gebucht. Der Tag im Sattel dieser Maschine war Balsam für die Seele in diesem merkwürdigen Jahr. Egal was 2021 bringen mag - Teneriffa und die Harleys hier sehen uns bestimmt wieder.

Fazit: Harley-Davidson Touring Street Glide Special FLHXS

Die Street Glide Special bietet eine imposante Erscheinung. Doch sie ist keinesfalls ein Motorrad welches man bloss gerne ansieht. Sie will gefahren werden und bietet ein tolles Fahrerlebnis bei grossartigem Fahrkomfort.


  • Hoher Fahrkomfort
  • einfache Bedienung der Bordelektronik
  • Praxistaugliche Elektronische Fahrhilfen
  • komfortable Sitzbank
  • Tolle Sitzposition
  • angenehme Soundkulisse
  • Guter Wetterschutz
  • toller Druck aus dem Drehzahlkeller
  • gut dosierbarer Motor
  • überraschend einfaches Handling
  • sehr stressfrei zu fahren
  • Hakeliger Leerlauf, bei schlechten Strassen etwas zu straffes Heck
  • Brems- und Kupplungshebel erfordern einen festen Griff

Bericht vom 31.12.2020 | 13'642 Aufrufe

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